Ergebnisse des Betriebesvergleiches des Einzelhandels im ersten Halbjahre 1949
von Instituts für Handelsforschung an der Universität zu KölnI Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen
Der Betriebsvergleich des Einzelhandels wurde vom Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln in Verbindung mit der Hauptgemeinschaft des Einzelhandels und ihren Fachverbänden am 1. Jan. 1949 für 15 Branchen aufgenommen. Für die Vorbereitungsarbeiten und die Gewinnung der Teilnehmer stand nur wenig Zeit zur Verfügung, da die grundlegenden Besprechungen mit den Vertretern der Hauptgemeinschaft und der Fachverbände erst um die Jahreswende geführt werden konnten. So ist es verständlich, daß die Teilnehmerzahl im ersten Anlaufshalbjahr starken Schwankungen unterlag, da ständig neue Firmen in die Arbeiten einbezogen wurden und umgekehrt Betriebe wieder ausschieden, die sich zunächst beteiligt hatten. Die Tabelle 1 zeigt diese Entwicklung deutlich. Dabei ist die Situation in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Während einige von vornherein einen relativ hohen Stand hatten und diesen bis zum Ende des Halbjahres nicht vermehren konnten (z. B. Tabak und Möbel), zeigt sich bei anderen Branchen ein erhebliches Anwachsen der beteiligten Betriebe (z. B. Lebensmittel, Textil, Schuhe).
Diese schwankenden Teilnehmerzahlen erschwerten die kontinuierliche Auswertung, da durch starke Änderungen in der Betriebszahl vielfach auch die Durchschnittsergebnisse nicht unerheblich beeinflußt werden. Aber es handelt sich hier um Schwierigkeiten, die im Anfangsstadium der Betriebsvergleichsarbeit in Kauf genommen werden müssen, da es zunächst darauf ankam, laufend zusätzliche Firmen zu gewinnen, um zu repräsentativen Zahlen zu gelangen. In 5 Branchen liegen die Teilnehmerzahlen bereits über 100 (Textil, Lebensmittel, Eisenwaren und Hausrat, Drogerien, Papier-Bürobedarf und Schreibwaren), so daß die Vergleichsergebnisse allgemeinere Beachtung verdienen. Auch bei den 4 Branchen, die mit 50 bis 100 Betrieben beteiligt sind (Möbel, Glas-Porzellan und Keramik, Tabak, Schuhe), kommen noch befriedigende Resultate zustande. Sofern es sich jedoch um kleinere Gruppen handelt, müssen die Auswertungen mit einer gewissen Vorsicht beurteilt werden, obwohl in den meisten Fällen noch unterstellt werden kann, daß die Ergebnisse in etwa die Gesamtsituation der Branche widerspiegeln. Aus diesem Grunde werden die Zahlen auch dieser Branchen mit publiziert, es muß aber betont werden, daß sie nur bedingt verwertbar sind. Dies gilt in erster Linie für Blumenbindereien, Nähmaschinen, Büromaschinen Büromöbel und Organisationsmittel, in etwa aber auch noch für Fahrräder, Beleuchtung und Elektro und Leder- und Galanteriewaren. In dem vorliegenden Bericht werden die Zahlenangaben für diese Branchen durch Kleindruck gekennzeichnet. Es ist zu hoffen, daß im Zuge des weiteren Ausbaus der Arbeiten in allen Branchen eine wünschenswerte Teilnehmerzahl erreicht wird. Einige Branchen sind so angewachsen, daß ab 1.1.1950 eine Gruppenbildung vorgenommen werden kann, die bei Textil, Eisenwaren und Hausrat und Drogerien besonders wünschenswert ist. Mit Beginn des 2. Halbjahres hat sieh der Teilnehmerkreis um zwei weitere Branchen erweitert: den Photo- und Kinoeinzelhandel und den Sortimentsbuchhandel.
Die in der Tabelle 1 festzustellenden Unterschiede zwischen den nach Zuteilung der Kennummern als feste Teilnehmer des Betriebsvergleichs geltenden Betrieben und den in der jeweiligen Monatsauswertung erfaßten Teilnehmern erklärt sich in erster Linie durch das verspätete Eintreffen vieler Fragebogen. Mit Rücksicht auf die schnelle Auswertungsmöglichkeit der Ergebnisse durch die Betriebe wurde der 10. des dem Berichtsmonat folgenden Monats als letzter Einsendetermin der ausgefüllten Fragebogen festgesetzt. Dessen ungeachtet treffen viele Fragebogen erst in der 2. Monatshälfte ein.
Die folgende Aufstellung zeigt beispielsweise, von wieviel Prozent der Teilnehmer jeder Branche die ausgefüllten Monatsberichte für Juni bis zum 13. 7. 1949 vorlagen:
BV 11 Lebensmitteleinzelhandel 57 %
BV 12 Textileinzelhandel 56 %
BV 13 Eisenwaren- und Hausrathandel 45 %
BV 14 Drogerien 66 %
BV 15 Büromasch., -möbel u. Organisationsmitteih. 36 %
BV 16 Blumenbindereien 53%
BV 17 Fahrradeinzelhandel 47 %
BV 18 Nähmaschinenhandel 69 %
BV 19 Möbeleinzelhandel 47 %
BV 20 Einzelhandel m. Beleuchtung u. Elektro . . . 28 %
BV 21 Einzelhandel m. Glas, Prozellan u. Keramik . . 66 %
BV 22 Tabakwareneinzelhandel 56 %
BV 23 Schuheinzelhandel 57%
BV 24 Leder- u. Galanteriewareneinzelhandel . . . . 31 %
BV 25 Einzelh. m. Papier, Bürobedarf u. Schreibw. . . 53 %
Neben dem verspäteten Eintreffen der Fragebogen ist leider auch festzustellen, daß die Betriebe vorerst noch häufig einzelne Monatsberichte auslassen. Die dadurch entstehenden Lücken müssen am Jahresende durch eine nachträgliche Befragung ausgefüllt werden, um für alle Betriebe das vollständige Jahresergebnis zu erhalten.
Die Teilnehmer verteilen sich recht unterschiedlich auf die verschiedenen Länder der Trizone. Es zeigt sich, daß die meisten Branchen praktisch nur in Nordrhein-Westfalen mit repräsentativen Beteiligungsziffern vertreten sind. Im einzelnen gibt die Tabelle 2 darüber Auskunft.
Die Grundberichte über die Betriebsstruktur lassen auch Rückschlüsse auf die Ortsgröße des Standortes und auf die Geschäftslage zu. In der Tabelle 3 ist die Gliederung der Teilnehmer nach Branchen und Ortsgrößen durchgeführt. Es zeigt sich, daß insgesamt 44,4% der Betriebe in Großstädten liegen.
Aus den Angaben über die Geschäftslage ergibt sich, daß etwa 40% der Betriebe im Hauptgeschäftsviertel ihrer Stadt (Citylage) ansässig sind; von dem Rest befinden sich etwa 4% in ausgesprochenen Randsiedlungen.
II Die Auswertungstechnik für das Halbjahresergebnis
Der monatliche Auswertungsrhythmus vollzieht sich in folgenden Etappen: In der ersten Monatshälfte werden die eingehenden Fragebogen, die dem Institut die Zahlen des vorhergehenden Monats melden, aufbereitet und vorgerechnet, wobei alle Prozentrechnungen durchgeführt werden. Am 13. wird jeweils ein Schnellberidit über die Umsatzentwicklung im Vormonat fertiggestellt, der zur schnellen Information der Verbände dient und in dem in Prozenten angegeben ist, wieviel Betriebe jeder Branche Umsatzsteigerung, Umsatzrüdegang oder gleidibleibenden Umsatz gegenüber dem dem Berichtsmonat vorangehenden Monat aufzuweisen hatten. Die Tendenz jeder Branche und des gesamten Einzelhandels ist dabei stichwortartig angegeben.
In der zweiten Monatshälfte werden die Fragebogen mit Hilfe des Lochkartenverfahrens ausgewertet. Die Ergebnisse werden branchenweise in Kurzberichten zusammengestellt. Die Kurzberichte werden nicht in der Presse publiziert, sondern dienen lediglich der kurzfristigen Information der Betriebsvergleichsteilnehmer und auftraggebenden Verbände. Das folgende Schema zeigt die Positionen, die im ersten Halbjahr 1949 im Kurzbericht berücksichtigt wurden.
In den letzten Tagen des Monats wird an jeden Betriebsvergleichsteilnehmer eine Drucksachensendung abgefertigt, die den Kurzbericht seiner Branche, zwei Leerformulare des Monatsberichtes für den nächstfälligen Monat und einen adressierten Umschlag für die Rücksendung an das Instistut enthält. Damit ist jeder Teilnehmer vier Wochen nach Ablauf des Berichtsmonats über die Ergebnisse informiert.
Die hier vorliegende Veröffentlichung der Ergebnisse bringt die erste Zusammenfassung seit Beginn der Betriebsvergleichsarbeiten am 1. Januar 1949. Die Absicht, jeweils in Quartalsberichten eine eingehende Auswertung und Interpretation der Zahlen vorzunehmen und dabei alle Angaben erneut unter Einbeziehung der zahlreichen Betriebe zu berechnen, deren Fragebogen verspätet eingetroffen waren, konnte leider noch nicht durchgeführt werden, da die für den Betriebsvergleich bereitgestellten finanziellen Mittel die Einstellung des dazu zusätzlich erforderlichen Personals nicht zuließen. So erfolgt jetzt erstmalig nach einem halben Jahre eine Publikation der bisherigen Ergebnisse. Diese Halbjahresauswertung bringt eine Zusammenfassung der in den monatlichen Kurzberichten erfaßten Zahlen sowie zusätzliche Auswertungen, die die Kurzberichte nicht enthalten.
Leider konnte, da eine Neuberechnung aus den angegebenen Gründen unterbleiben muß, die große Zahl der nachträglich eingegangenen Fragebogen noch nicht berücksichtigt werden. Ferner wirkt sich die von Monat zu Monat ansteigende Betriebszahl störend aus. Die Halbjahresauswertung trägt daher nur den Charakter einer informierenden Zwischenauswertung. Die kritische Durchsicht ihrer Ergebnisse zeigt jedoch, daß ihre Bekanntgabe trotz des Mangels der steigenden Betriebszahlen verantwortet werden kann. Es ist in Zeiten starker wirtschaftlicher Schwankungen erwünscht, daß solche Materialien frühzeitig vorgelegt werden, auch wenn noch nicht alle Wünsche bezüglich ihrer Berechnung erfüllbar sind.
In der Jahresauswertung für das gesamte Jahr 1949 wird dann endgültig durchgeführt werden, was ursprünglich bereits für die Quartalsauswertung geplant war: die Auswertung für einen geschlossenen Teilnehmerkreis unter Berücksichtigung der zum Jahresabschluß noch besonders zu erhebenden Angaben, insbesondere der Abschreibungen und der Zinsen für Eigenkapital, die bei der Halbjahresauswertung als Kostenbestandteile unberücksichtigt geblieben sind. Auch die Lagerbestände sollen in die Berechnungen mit einbezogen werden.
III. Die Ergebnisse
Die mitgeteilten Ergebnisse des Betriebsvergleichs beruhen ausschließlich auf den von den beteiligten Firmen an das Institut gemeldeten Zahlen. Wie viele Betriebe jeweils beteiligt waren, ergibt sich aus den Angaben der Tabelle 1. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß das Institut auf die Auswahl dieser Firmen keinen Einfluß hat. Sie haben sich ohne Ausnahme auf Grund der Aufforderung ihrer Fachverbände freiwillig zur Mitarbeit gemeldet. Es handelt sich bei ihnen also um eine Auswahl von Betrieben, die für Aufgaben, wie sie der Betriebsvergleich
durchführt, besonders aufgeschlossen sind. Die Freiwilligkeit der Beteiligung bedingt bezüglich des Umfangs der zu erfragenden Fakten gewisse Beschränkungen. Nicht alles, was wünschenswert erschien, konnte in die Fragebogen aufgenommen werden, um die Betriebe nicht zu belasten und ihre Antwortwilligkeit nicht zu mindern. So sind zunächst eine Reihe Wünsche zurückgestellt worden. Im Laufe der Entwicklung ist zu hoffen, daß der Umfang der Befragung erweitert werden kann.
1. Der Warenabsatz
In den folgenden Ausführungen wird unter U m s a tz der gesamte organg des Warenumschlags verstanden, also Einkauf und Verkauf. Diese Umsatzleistung setzt sich zusammen aus der Warenbeschaffung auf der Einkaufsseite und dem Warenabsatz auf der Verkaufsseite. Für den letztgenannten Begriff wird in der Praxis allgemein die Bezeichnung Umsatz gebraucht. Jedoch soll hier grundsätzlich nur von Absatz bzw. Beschaffung die Rede sein, um Mißverständnisse auszuschalten.
Seit der Währungsreform hat sich das Schwergewicht der einzelhändlerischen Tätigkeit von Monat zu Monat im Gegensatz zu den anormalen Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren wieder auf die Verkaufsseite verlagert. Beim jetzigen Stand der Marktverhältnisse gibt es nur noch ganz wenige Branchen, bei denen das nicht der Fall ist. Entsprechend dieser Bedeutung des Verkaufs ist der Beobachtung des Absatzes besondere Sorgfalt zu widmen.
Im Rahmen der Betriebsvergleichserhebungen des Instituts wird der Absatz nach drei Gesichtspunkten erfaßt:
1. als Durchschnittsabsatz je Betrieb,
2. als Durchschnittsabsatz je beschäftigte Person,
3. als Absatzentwicklung von Monat zu Monat.
a) Der Durchschnittsabsatz je Betrieb
Die Angabe des Durchschnittsabsatzes je Betrieb hat in vielen Fällen einen mehr oder weniger zufälligen Charakter, insbesondere trifft das für den Durchschnittswert der gesamten Branche zu.
Innerhalb der Größenklasse gewinnt dieser Wert jedoch an Bedeutung und bildet eine wertvolle Ergänzung zu der Größenklasseneinteilung nach beschäftigten Personen, die im Betriebsvergleich des Instituts zugrundegelegt wird, denn der Durchschnittsabsatz je Betrieb gibt einen gewissen Anhalt für die Absatzgrößenklassen. Wenn im Betriebsvergleich des Einzelhandels die Größeneinteilung nach beschäftigten Personen gewählt wurde, so hat das zwei Gründe: erstens ist die Zahl der beschäftigten Personen für ein Einzelhandelsgeschäft typisch für die Betriebsgröße; zweitens fehlte zu Beginn des Jahres 1949 jede vertretbare Vergleichsbasis für eine Einteilung nach Absatzgrößenklassen; denn dazu ist wenigstens ein volles DMJahr als Grundlage notwendig.
Die Werte des Durchschnittsabsatzes je Betrieb schwanken zwischen den einzelnen Branchen nicht unerheblich, Der Grund ist, wie bei den ebenfalls sehr unterschiedlichen Größen des Absatzes je beschäftigte Person, in dem Charakter der betreffenden Branche zu suchen. Während bei den unteren Größenklassen die Durchschnittsabsätze noch relativ instruktive Werte ergeben, zeigt sich bei den oberen Größenklassen der starke Einfluß der Großbetriebe, deren hohe Absatzzahlen oftmals den Durchschnittsabsatz einer Klasse stark beeinflussen.
Die Tabelle 4 gibt den Durchschnittsabsatz der Branchen und Größenklassen wieder. Außerdem ist in der letzten Spalte das Gesamtabsatzvolumen der einzelnen
Branchen im 1. Halbjahr 1949 angegeben. Auf eine eingehende Interpretation kann verzi eiltet werden, da vielfach die gleichen Gesichtspunkte gelten, die bei der wesentlich wichtigeren Position des Absatzes je beschäftigte Person berücksichtigt werden müssen. Aus den in der letzten Spalte der Tabelle 4 mitgeteilten absoluten Zahlen ergibt sich, daß der Betriebsvergleich des Instituts im ersten Halbjahr 1949 einen Absatz von insgesamt 213 Millionen DM erfaßte.
b) Der Durchsdinittsabsatz je beschäfigte Person
Der Durchschnittsabsatz je beschäftigte Person vermittelt einen guten Einblick in die Leistungen des Einzelhandels. Es sind alle im Einzelhandel tätigen Personen einschließlich der Inhaber in die Berechnung einbezogen worden. Lehrlinge im 1. und 2. Jahr, Anlernlinge im 1. Jahr und teilbeschäftigte Personen sind dabei nur mit 0,5 eingesetzt worden. Bei der Interpretation muß also beachtet werden, daß die Werte für den Absatz je beschäftigte Person höher sind, als sie bei einer vollen Anrechnung aller Arbeitskräfte
liegen würden. Die Statistiken früherer Jahre haben z. T. eine derartige Berücksichtigung der tatsächlichen Arbeitsleistung nicht vorgenommen.
Es wäre von Interesse, neben dem durchschnittlichen Absatz der in den Einzelhandlungen beschäftigten Personen auch den Absatz je Verkaufsperson zu ermitteln. Es ist auch versucht worden, im Rahmen des Betriebsvergleichs iese Erhebung durchzuführen, jedoch zeigte sich bald, daß besonders bei den kleineren und mittleren Betrieben die Abgrenzung von Verkaufs- und Nichtverkaufspersonen große Schwierigkeiten bereitet. Die Betriebe
gingen dabei sehr unterschiedlich vor, so daß keine wirklich brauchbaren Ergebnisse zustande kamen. Aus diesem Grunde wurde noch im Laufe der ersten Erhebungsmonate auf die. besondere Erfassung der Verkaufspersonen verzichtet.
Die Tabelle 5 gibt den durchschnittlichen monatlichen Absatz je beschäftigte Person im 1. Halbjahr 1949 wieder. Dabei ist nach Größenklassen gegliedert, aber es zeigt sich, daß die Betriebsgröße im allgemeinen keinen entscheidenden Einfluß auf die Personalleistung hat. Durch alle Größenklassen hindurch wiederholen sich die Werte der Branche und es ergeben sich kaum einheitliche Tendenzen eines steigenden oder fallenden Absatzes je beschäftigte Person von der kleinsten bis zur größten Größenklasse. Ausnahmen hiervon sind lediglich bei Eisenwaren und Hausrat, Papier-Bürobedarf und Schreibwaren und Tabakwaren anzutreffen, bei denen vor allem die größeren Betriebe einen Teil ihres Absatzes als Großhandel vollziehen.
Die in der Tabelle 5 wiedergegebenen Absatzleistungen übertreffen die aus den Vorkriegsjahren gewohnten Zahlen beträchtlich. Dies hat einen doppelten Grund: einmal
ist der Wertabsatz bei gleichem Mengenabsatz durch die Preissteigerungen erheblich höher als früher, zum anderen ist aber auch der Mengenabsatz gestiegen, da heute noch
sehr viele Einzelhandlungen mit einem kleineren Personalbestand als vor dem Kriege arbeiten. Dies ist nicht zuletzt auch bedingt durch die Raumeinscbränkungen in den ausgebombten Städten. Der hohe Absatz je beschäftigte Person bei Tabak ist stark durch die Tabaksteuer beeinflußt. Bei Nähmaschinen dürfte die relativ hohe Zahl darauf zurückzuführen sein, daß im allgemeinen erst mit Beginn des Jahres 1949 größere Lieferungsmöglichkeiten der.Fabrikanten einsetzten. Für die meisten Branchen gibt es durch die Erhebungen der früheren Forschungsstelle für den Handel beim Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit in Berlin Vergleichswerte aus der Vorkriegszeit. Die Gegenüberstellung zeigt folgendes Bild:
Absatz je besdiäftigte Person im Monatsdurchschnitt
1936-38 in RM Halbj. 1949 in DM Zunahme
Lebensmitteleinzelhandel 1723 3120 81%
Drogerien 1000 1881 88%
Tabakwareneinzelhandel 1670 7835 369%
Textileinzelhandel 1250 3203 156%
Schuheinzelhandel 1333 4152 211%
Eisenwaren und Hausrathandel 1125 2562 128%
E.m.Glas, Porzellan und Keramik 933 2072 122%
E.m.Papier, Bürobedarf u. Sdireibw S50 2224 162%
E.m.Beleuchtung u. Elektro 833 1403 68%
Büromasch., -möbel u. Org.mittelh. 1417 2734 93%
Fahrradeinzelhandel 1167 2533 117%
Nähmaschiiienhandel 1500 3975 165%
Bei den Werten von 1936-38 liegt jeweils eins genannten Jahre zugrunde.
Bei den Absatzangaben ist noch zu berücksichtigen, daß der Dezember 1948 mit seinen besonders hohen Absatzziffern im 1. Halbjahr 1949 nicht enthalten ist, während es sich beiden Vorkriegsangaben um Durchschnittswerte des gesamten Jahres (also einschließlich Dezember) handelt.
Zur besseren Beurteilung der Entwicklung sind nachstehend die Vergleichszahlen des Lebenshaltungskostenindex nach den Erhebungen des Statistischen Amtes für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet wiedergegeben 1:
Preisindexziffer für die Lebenshaltung von Arbeitnehmerfamilien
im Vereinigten Wirtschaftsgebiet im April 1949
Zunahme des Index gegenüber 1938im Vereinigten Wirtschaftsgebiet im April 1949
Ernährung 69,7 %
Genußmittel 189,6 %
Bekleidung 129,5 %
Reinigung und Körperpflege 58,1 %
Hausrat 91,5 %
Gesamtlebenshaltung 63,9 %
c) Die Absatzentwicklung
In normalen wirtschaftlichen Verhältnissen beeinflussen die Konsumenten durch die von ihnen getätigten Einkäufe entscheidend den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung. Unter diesem Gesichtswinkel ist der Beobachtung des Absatzverlaufs der Einzelhandlungen besondere Bedeutung zuzumessen. Abgesehen von der langfristigen konjunkturellen Entwicklung ,. unterliegen die Einzelhandelsabsätze starken jahreszeitlichen und saisonbedingten Schwankungen, die in den einzelnen Branchen verschieden stark auftreten. Der von früheren Zeiten her gewohnte Rhythmus ist im Jahre 1949 noch merklich gestört, vor allem durch die Befriedigung des lange angestauten Bedarfs an Bekleidung und Schuhen, die bei den Konsumenten weniger wichtige Waren zurücktreten ließ. Das gleiche gilt von der Möglichkeit, nach langer Zeit endlich wieder Lebens- und Genußmittel ausreichend einkaufen zu können. Ferner führte die Hoffnung auf weitere Preissenkungen in den ersten Monaten des Jahres zu einer fühlbaren Zurückhaltung breiter Käuferschichten.
Im einzelnen zeigt die Tabelle 6 in ihrer rechten Hälfte die Absatzentwicklung an. Ihre Zahlen werden in der graphischen Darstellung im Schaubild 1 besonders anschaulich. Tabelle wie Schaubild verwerten außer den Angaben für Januar bis Juni 1949 auch die für Dezember 1948, der im Januar-Fragebogen als Vormonat miterfaßt wurde. Es entspricht durchaus dem im Einzelhandel üblichen Geschäftsablauf, daß der Absatz im Januar stark zurückgeht und der Dezember-Absatz auch im Laufe des gesamten Halbjahres nicht wieder erreicht wird. Eine Ausnahme bilden lediglich die Nähmaschinen, bei denen die Lieferungsmöglichkeiten erst später einsetzten.
2. Die Warenbeschaffung
a) Die Entwicklung der Warenbeschaffung
Beschaffung und Absatz laufen im Einzelhandel zeitlich gesehen nicht parallel. Somit ergibt die Darstellung der Entwicklung der Warenbeschaffung während des 1. Halbjahres 1949 z. T. ein anderes Bild als die Absatzentwicklung. In der Tabelle 6 und Schaubild 1 ist der Rhythmus der Warenbeschaffung in derselben Form dargestellt wie die Absatzbewegung, d. h. auch hier wurde der Dezember 1948 als Basis gewählt. Der Dezember hat allerdings als Basis für Absatz und Beschaffung unterschiedliche Bedeutung. Während der Dezember in allen Branchen normalerweise den höchsten Absatz aufzuweisen hat, ist der Einkauf hier in vielen Fällen nicht der größte, da ja für das Weihnachtsgeschäft schon in den vorangehenden Monaten vordisponiert werden mußte. Der Dezember mußte hier in Ermangelung eines breiteren Vergleichsraumes als Basis genommen werden, um die Entwicklungstendenz aufzeigen zu können. Aus dem Kurvenbild sieht man deutlich, in welchen Branchen die verbesserten Einkaufsmöglichkeiten zu Beginn des Jahres 1949 besonders ausgenutzt wurden, so daß teilweise erheblich höhere Einkäufe getätigt wurden als im Dezember. Diese Feststellung ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Einkaufspreise im gleichen Zeitraum zumeist gefallen sind.
b) Die Beschaffungswege
Die am Betriebsvergleich beteiligten Betriebe geben in Prozenten an, in welchem Umfange sie von Herstellern, Großhändlern, durch Gemeinschaftseinkauf oder sonstwie beziehen, und zwar nicht in absoluten Einkaufszahlen, sondern in geschätzten Prozentsätzen des Gesamteinkaufs, da die Buchhaltung in der Regel eine exakte Trennung der verschiedenen Lieferwege nicht enthält. In der Tabelle 7 sind die Anteile der einzelnen Beschaffungswege
am Gesamteinkauf ausgewiesen, dabei ist jeweils der Durchschnitt aller berichtenden Betriebe der Branche zugrundegelegt. Es zeigt sich, daß mit Ausnahme der Lebensmittelbranche
und der Drogerien die Produzenten überall den Hauptanteil der Lieferanten stellen. Bei Textil, Eisenwaren und Hausrat, Fahrrädern, Beleuchtung und Elektro und bei Papier-Bürobedarf und Schreibwaren liegen die Prozentsätze des Großhandels zwischen 22 und 3 8%. Der gemeinschaftliche Einkauf tritt besonders bei Lebensmitteln (21%) und bei Drogerien (10%) hervor; in den übrigen Branchen kommt ihm nur untergeordnete Bedeutung zu. Sonstige Bezugswege treten lediglich bei Büromaschinen nennenswert in Erscheinung (6%). Hier dürfte es sich wohl in erster Linie um Importe handeln. Ab Januar 1950 werden die Importzahlen gesondert erfaßt werden.
Die Betrachtung der Bezugswege im Branchendurchschnitt reicht jedoch für die zutreffende Beurteilung der Situation nicht aus, da die- Verhältnisse in den einzelnen Größenklassen recht unterschiedlich liegen. Die nachfolgende Tabelle 8 zeigt die Wahl der Beschaffungswege in den verschiedenen Größenklassen bei den 9 Branchen mit den größten Teilnehmerzahlen. Es herrscht in den meisten Geschäftszweigen eindeutig die Tendenz vor, daß mit zunehmender Betriebsgröße der Bezug beim Hersteller wächst, während der Großhandel in entsprechendem Maße in den Hintergrund tritt. Nur in zwei Branchen, bei denen von jeher der Bezug beim Großhandel eine untergeordnete Rolle spielte, ist die Situation durch alle Größenklassen hindurch recht einheitlich: bei Möbeln und Schuhen.
Es ist interessant, daß beim Gemeinschaftseinkauf zwei gegenläufige Tendenzen anzutreffen sind: bei Lebensmitteln, Drogerien und Tabak spielt er bei den kleineren Betrieben eine relativ bedeutende Rolle, während er bei Textil und Papier-, Bürobedarf und Schreibwaren bei den größeren Betrieben mehr in Erscheinung tritt.
Bei der Beurteilung der hier über die Beschaffungswege getroffenen Feststellungen darf nicht außer Acht gelassen werden, daß sich am Betriebsvergleich relativ mehr größere Betriebe beteiligen als es der Gesamtsituation des Einzelhandels entspricht, der ja vorwiegend Kleinbetriebe aufzuweisen hat. Die größeren Betriebe tendieren weit mehr zum Einkauf beim Fabrikanten als die kleineren, die stärker auf die Tätigkeit des Großhandels angewiesen sind.
3. Die Handlungskosten
Außer der Beobachtung der Umsatzverhältnisse in bezug auf Beschaffung und Absatz ist die der Kosten, insbesondere für die Beurteilung der Handelsspannen des Einzelhandels, unerläßlich. Nach den durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre bedingten grundlegenden Änderungen im Preis- und Kostengefüge der gesamten Wirtschaft ist es besonders wichtig, über die Handlungskosten wieder statistisches Material zu gewinnen. Durch den Betriebsvergleich werden die Handlungskostenentwicklung von Monat zu Monat, ihr Verhältnis zum Absatz und der Anteil der einzelnen Kostenarten an den Gesamtkosten ermittelt. Die Kosten in den folgenden Statistiken entsprechen noch nicht den gesamten Handlungskosten, da bei ihnen die Abschreibungen und die Zinsen für Eigenkapital nicht berücksichtigt sind, da sie in den monatlichen Fragebogen nicht mit erfaßt werden können. Sie werden erst bei der
Jahresauswertung erhoben werden.
a) Die Kostenentwicklung
Ein erheblicher Teil der Kosten des Einzelhandels ist insofern konstant, als er als Kosten der Betriebsbereitschaft unabhängig von der Umsatzentwicklung anfällt, so vor allem die z. B. Personalkosten und die Miete. Entsprechend nimmt die Kostenkurve zumeist einen anderen Verlauf als die Absatzkurve. Die T a b e l l e 9 zeigt die Situation in den einzelnen Branchen. Als Basis ist der besonders mit Kosten belastete Dezember genommen worden, der gleich
100 gesetzt ist. In der allgemeinen Tendenz folgen die Kosten zwar der Absatzentwicklung, jedoch in stark abgeschwächtem Ausmaße. Entsprechend der Absatzentwicklung zeigt sich im Frühjahr in den Monaten März, April und z. T. auch noch im Mai ein stärkeres Steigen der Gesamtkosten. Besonders kraß tritt der Unterschied zwischen Kosten- und Absatzentwicklung bei den Branchen mit den stärksten Absatzrückgängen gegenüber Dezember zu Tage; vor allem bei Beleuchtung und Elektro, Glas-Porzellan und eramik, Leder- und Galanteriewaren sowie bei Papier- Bürobedarf und Schreibwaren.
Das Schaubild 2 zeigt das Bild der Handlungskostenentwicklung. Eine Gegenüberstellung mit dem Schaubild 1 über die Umsatzentwicklung läßt die Unterschiede klar hervortreten.
b) Das Verhältnis von Gesamtkosten und Absatz
Die beste Grundlage für die Beurteilung der Kosten
bietet das Messen der Kosten am Absatz. Angesichts des
hohen Anteils der konstanten Bereitschaftskosten wird
der prozentuale Anteil der Kosten am Absatz durch Absatzschwankungen
stark beeinflußt. Die sich im Durchschnitt
aller 6 Monate des 1. Halbjahres 1949 ergebenden
Anteile sind in der folgenden Übersicht enthalten, die
außerdem für eine größere Zahl von Branchen Vergleichswerte
für die Vorkriegsjahre 1936-193 8 nach den Erhebungen
der früheren Forschungsstelle für den Handel tri
Berlin aufzeigt, wobei jeweils eines dieser Jahre zugrunde
gelegt ist.
Gesamtkosten in % vom Absatz
1. Halbj. 1949 1936-38
Lebensmitteleinzelhandel . . . . . . 14,9 % 14,9 '%
Drogerien , 24,5 % 26,8 %
Tabakwareneinzelhandel 13,0 % 14,7 %
Textileinzelhandel 21,6 % 24-30 '%
Schuheinzelhandel 19,6 % 23,3 %
Eisenwaren und Hausrathandel . . . . 25,8 % -
Eisenwaren - 18,5 %
Hausrat - 28,2 %
Einzelh. m. Glas, Porzellan u. Keramik . 33,3 % 32,8 %
Möbeleinzelhandel 31,9 % 23,7 %
Gesamtkosten in % vom Absatz
1. Halbj. 1949 1936-38
Einzelh. m. Papier, Bürobedarf u. Schreibw. 26,5 '% 28,3 %
Einzelh. m. Beleuchtung u. Elektro . . 40,1 % -
Büromasch.,-möbel u. Org.mittelh. 24,3 %' 25,0 %
Fahrradeinzelhandel 26,3 % 32,7 %
Nähmaschinenhandel 20,0 % -
Leder- u. Galanteriewareneinzelhandel . 34,9 % -
Blumenbindereien 3 9,0 % -
Es zeigt sich hier, daß die Kosten im wesentlichen der allgemeinen Preisentwicklung gefolgt sind und damit ihren prozentualen Anteil am Absatz auch in etwa beibehalten haben. Diese Feststellung ist im Zusammenhang mit den Handelsspannen sehr wesentlich; denn es ergibt sich, daß die absoluten Spannen der Vorkriegsjahre nicht ohne weiteres übernommen werden können, sondern daß vielmehr die prozentualen Spannen der Kostensituation des Handels eher gerecht werden. Allerdings ist die Entwicklung gegenüber der Vorkriegszeit in den verschiedenen Branchen unterschiedlich verlaufen. Bei einigen Waren, die jetzt besonders hohe Preise haben, sind auffällige Senkungen der Kostenanteile vorhanden, nämlich bei Schuhen, Textil und Fahrrädern; während bei Möbeln ein starkes Steigen festzustellen ist. Die Kostenanteile bei Lebensmitteln sind genau gleich geblieben. Die übrigen Branchen zeigen keine allzu starken Veränderungen.
c) Die Kostenarten
Die Zusammensetzung der Kostenarten ist in der Tabelle 10 wiedergegeben. Hier zeichnet sich der leistungsbedingte Schwerpunkt der Personalkosten deutlich ab. Das Gewicht der einzelnen Kostenarten tritt beim Vergleich durch die Branchen hindurch bei der Berechnungsweise in Prozenten der Gesamtkosten klarer hervor, während das Verhältnis der Kosten zum Absatz dem in Absatzgrößen denkenden Kaufmann die Situation besser illustriert. Mit den Extremwerten von 44 und 56% der Gesamtkosten machen die Personalkosten, die sich einschließlich des Unternehmerlohnes verstehen, etwa die Hälfte der gesamten Kosten aus. Der Unternehmerlohn ist dabei gleich dem Betrag eingesetzt, der für
gleichwertige Angestellte zu zahlen wäre. Auch für die Mietkosten bildet sich ein ziemlich gleichmäßiger Satz von rund 10% der Gesamtkosten heraus.
Anders ist es dagegen bei den Steuern. Hier liegt das Minimum bei 8% (Büromaschinen-Büromöbel und Organisationsmittel) und das Maximum bei 28% (Tabakwaren, hier sind aber die Tabaksteuern nicht einbegriffen). Am Absatz gemessen haben Büromaschinen wiederum den niedrigsten Steueranteil (l,9%i), Beleuchtung und Elektro den höchsten (5,6%). Die niedrigsten Steuersätze sind offensichtlich bei denjenigen Branchen anzutreffen, die einen erheblichen Teil ihres Verkaufs zum Großhandelsumsatzsteuersatz von 3/4% tätigen: Büromaschinen-Büromöbel und Organisationsmittel, Nähmaschinen, Papier- Bürobedarf und Schreibwaren. Bei allen Steuerzahlen ist zu beachten, daß die Betriebe die jeweils im Berichtsmonat gezahlten Steuern melden, so daß im Hinblick auf Nachzahlungen oder zwar fällige, aber noch nicht gezahlt Steuern der Beobachtungszeitraum eines halben Jahres zu schmal ist, um ein einwandfreies Bild zu geben.
Die Reklamekosten machen nur einen geringen Anteil der Gesamtkosten aus und kommen im Höchstfall auf 6 % (Büromaschinen, Büromöbel und Organisationsmittel). Es ist allerdings zu bedenken, daß ein Teil der Reklamekosten auch in den Personalkosten (z. B. Personalaufwand für Dekoration) und in den sonstigen Kosten (Materialkosten) enthalten sein dürfte.
4. Die Marktlage
Die dem Betriebsvergleiche angeschlossenen Firmen geben monatlich eine Charakterisierung der Ein- und Verkaufslage, indem sie dem Institute die Frage nach der Einkaufs- bzw. Verkaufssituation beantworten und dabei mit wenigen Stichworten das Verhalten ihrer Lieferanten bzw. Kunden kennzeichnen. Diese Firmenberichte zur Marktlage des vergangenen Monats werden für die Kurzberichte auf eine knappe Markttendenzmeldung über die Einkaufs- und Verkaufslage konzentriert. Diese Meldung dient dem aktuellen Informationsbedürfnis der Teilnehmer am Betriebsvergleich, hat aber als Spiegelung der
Marktlage des Einzelhandels auch allgemeineres Interesse.
Im ersten Halbjahr 1949 zeigte sich als Grundtendenz der Entwicklung auf der Einkaufsseite eine ständig zunehmende Belebung des Angebots der Produzenten und Großhändler. Viele Waren, die in den ersten Monaten des Halbjahrs noch als Mangelartikel gemeldet wurden, wie z. B. Zigaretten und Zigarren, verschiedene Textilien, vor allem Haushalts-, Tisch-und Bettwäsche sowie Meterwaren, qualitativ hochwertige Schuhe, Nähmaschinen,
Bürobedarfsartikel und Büromaschinen, waren zum Ende des Berichtsabschnittes ausreichend im Angebot vertreten. Mangelerscheinungen wurden im Juni nur noch bei verhältnismäßig
wenig Waren gemeidet, dazu zählen: einige Weizenerzeugnisse, billige Sommerstoffe und Inlett, in gewissem Umfange auch noch Rauchtabak, Gebrauchsporzellan, Standardschreibmaschinen und einzelne Markenfabrikate bei Schuhen. Im gleichen Ausmaß, wie das Angebot die Nachfrage überstieg, besserten sich auch die Lieferfristen, so daß mit geringen Ausnahmen keine Klagen über zu lange Fristen mehr geführt wurden.
In der Preisentwicklung zeigte sich fast in allen Branchen, daß im Januar und z. T. auch noch im Februar die Preise noch fest auf der Höhe des Weihnachtsgeschäftes blieben. Dann zeigten sich allgemein Preissenkungen, die sich in den einzelnen Branchen und bei einzelnen Warengruppen verschieden stark auswirkten. Sie machten sich besonders bei den Gütern des Haus- und Wohnbedarfs bemerkbar. Die stärksten Preissenkungen entfielen auf die Monate März und April. Bei Eisenwaren und Hausrat, Drogerien, Möbeln einschl. Büromöbeln sowie bei Beleuchtung und Elektro hielt die sinkende Tendenz auch im Juni noch an. Im Mai zeichneten sich bereits, vor allem bei Schuhen, Textilien und auch bei Papier- Bürobedarf und Schreibwaren, die ersten Stabilisierungstendenzen ab, im Juni dann auch bei Leder- und Galanteriewaren. Die Konditionen erfuhren während des Halbjahres eine zunehmende Verbesserung und näherten sich in vielen Branchen wieder den Vorkriegsverhältnissen.
Die Verkaufssituation war in der Mehrzahl der Branchen durch eine starke Zurückhaltung der breiten Käuferschichten bestimmt. Sie wurde in erster Linie durch die Geldknappheit und die Erwartung weiterer Preissenkungen bedingt. In manchen Gebieten (z. B. Schleswig-Holstein,
Bayern, Niedersachsen) beeinflußte Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit spürbar die Absatzlage. Im März und April war in den meisten Branchen eine frühjahrsbedingte leichte Belebung festzustellen. Im Verlaufe des Halbjahres vollzog sich im Verhalten der Käufer ein bemerkenswerter Wandel. Die Kunden wurden zunehmend wählerischer und anspruchsvoller und prüften die angebotenen Waren kritisch auf Qualität und Preiswürdigkeit. Es zeigte sich
dabei auch, daß Markenfabrikate besonders gefragt wurden, worauf vor allem von den Drogerien und den Schuhhändlern hingewiesen wurde. Die Geldknappheit führte zu einer ständigen Steigerung der Kreditwünsche, die hauptsächlich in der zweiten Hälfte des Halbjahres auf traten und sich am stärksten bei Möbeln, Büromaschinen- Büromöbeln und Organisationsmitteln, Beleuchtung und Elektro sowie bei Eisenwaren und Hausrat zeigten.
1 Nach Wirtschaft und Statistik, Stuttgart und Köln. 1949 Heft 4, Seite 117.
