Die Kreditsituation des Einzelhandels
von Dr. Robert NieschlagEine im Juli 1949 unter den Teilnehmern des Betriebsvergleichs durchgeführte Umfrage nach der Höhe der
Kreditverkäufe und Außenstände ließ erkennen, daß das Kreditgeschäft für viele Einzelhandelsbranchen wieder
einen beachtlichen Umfang angenommen hat. Da die Ergebnisse von allgemeinem Interesse waren, wurde für
den Monat Dezember 1949 diese Befragung wiederholt. Die Ergebnisse von 785 Betrieben in 14 verschiedenen
Branchen sind in der nachfolgenden Tabelle enthalten. Die Zahl der meldenden Betriebe hat sich gegenüber Juli
verringert, da die Frage nach der Höhe der Kreditverkäufe mit dem Fragebogen für die Jahresauswertung des Betriebsvergleiches verbunden war, der wegen der Verzögetung der Abschlußarbeiten von vielen Betrieben noch
nicht zurückgeschickt worden ist. Die Veröffentlichung der schon vorliegenden Ergebnisse soll jedoch nidit länger
verzögert werden, da ihre Bedeutung auch in ihrer Aktualität liegt. Jn den meisten Branchen können die bisher
erstatteten Meldungen als repräsentativ für die Kreditsituation angesehen werden.
Bei der Beurteilung der Kreditverkäufe und Außenstände im Dezember ist zu berücksichtigen, daß ihrer Berechnung
höhere absolute Umsätze zugrunde liegen als im Juli. Dadurch hat ihr prozentualer Anteil am Umsatz ein
größeres Gewicht. Bei den Kreditverkäufen ist die Entwicklungstendenz in den einzelnen Branchen unterschiedlich. In der Mehrzahl ist ein geringer Rückgang zu verzeichnen, der auch im rechnerischen Durchschnitt aller berichtenden Betriebe zum Ausdruck kommt. Den prozentual stärksten Rückgang weisen die Drogerien von 5,3 % auf 2,5 %, der Einzelhandel mit Glas und Porzellan von 7,3 % auf 3,5 %; der Tabakwareneinzelhandel von 1,6 % auf 0,9 %; und der Schuheinzelhandel von 2,8 '% auf 1,7 % auf. Dagegen ist der Anteil der Kreditverkäufe am Gesamtumsatz beim Eisenwaren- und Hausrathandel, beim Fahrradeinzelhandel und beim Leder- und Galanteriewareneinzelhandel
gestiegen. Es zeigt sich bei der Erhebung wieder der große Umfang der Kreditgeschäfte im Büromaschinenhandel
(67 %), im Möbeleinzelhandel (54 %) im Eisenwaren- und Hausrathandel (34 %,) und im Schreibwareneinzelhandel
(31%). Beachtlich ist auch der verhältnismäßig hohe Prozentsatz der Kreditgeschäfte im Sortimentsbuchhandel, der ebenso wie der Photoeinzelhandel, neu hinzugekommen ist.
Die Außenstände sind im Durchschnitt der berichtenden Betriebe im Dezember gegenüber Juli angewachsen,
obwohl die Tendenz der Branchen nicht einheitlich ist. Vergleicht man das Verhältnis der Kreditverkäufe und Außenstände im Juli und im Dezember, so ergibt sich die interessante Feststellung, daß bei einigen Branchen zwar die Kreditverkäufe abgenommen, die Außenstände sich jedoch erhöht haben. Diese Tatsache läßt auf längere Zahlungsziele beziehungsweise auf einen schlechten Zahlungseingang bei den betreffenden Branchen schließen. Besonders stark vergrößert haben sich die Außenstände beim Fahrradeinzelhandel von 34 % im Juli auf 62 % im Dezember.
