Erster Teil des Berichtes über die Ergebnisse des Betriebesvergleichs des Einzelhandels im Jahre 1950
von Instituts für Handelsforschung an der Universität zu KölnMit der vorliegenden Nummer der Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung kann zum zweitenmal nach dem Kriege über ein Jahresergebnis des Betriebsvergleichs des Einzelhandels berichtet werden. Der Jahresbericht für 1949 wurde in der Nummer 4 der Mitteilungen vom 1.8.1950 publiziert; er hatte insofern besondere Bedeutung, als er das rste volle DM-Jahr nach dem Kriege erfaßte und somit die in vieler Hinsicht veränderte Situation des Handels nach langen Jahren erstmalig wieder zahlenmäßig dargestellt werden konnte. Der vorliegende Jahresbericht für 1950 gewinnt dadurch, daß nunmehr die Gegenüberstellung der ersten beiden DM-Jahre möglich geworden ist, an Erkenntniswert.
Der Betriebsvergleich, des Einzelhandels wird vom Institut in Verbindung mit der Hauptgemeinschaft des Einzelhandels und den Einzelhandelsfachverbänden durchgeführt. Insgesamt wurden 1950 ebenso wie im Jahre 1949 17 Einzelhandelsbranchen durch laufende monatliche Erhebungen erfaßt. Der Betriebsvergleich der Blumenbindereien mußte jedoch wegen zu geringer Beteiligung im Laufe des Jahres eingestellt werden, so daß nur 16 Branchen bei der Zusammenstellung der Jahresergebnisse berücksichtigt werden konnten.
Während der Jahresbericht für 1949 erst nach dem Vorliegen des gesamten Zahlenmaterials der beteiligten Betriebe fertiggestellt und am 1. 8. 1950 geschlossen publiziert wurde, wird der Bericht über die Ergebnisse des Jahres 1950 in zwei Teilen veröffentlicht. In dem vorliegenden ersten Teil ist die Zusammenfassung derjenigen Positionen enthalten, die von den am Betriebsvergleich teilnehmenden Firmen dem Institute laufend monatlich gemeldet werden. Nach Abschluß von Nacherhebungen, die sich hauptsächlich auf fehlende Monatsberichte bezogen, wurde die Auswertung der 12 Monatszahlen bereits vorgenommen, ehe die für den Jahresabschluß in einer Sondererhebung gestellten Fragen beantwortet sind. Diese Zusatzfragen können von den beteiligten Betrieben erst nach Aufstellung der Jahresbilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung gemeldet werden. Sie beziehen sich auf die Abschreibungen, die Zinsen für Eigenkapital, die Lagerzahlen, sowie die Ertragszahlen. Der Eingang der Meldungen der Firmen zu diesen Positionen verzögert sich zum Teil bis zur Jahresmitte, so daß der zweite Teil des Jahresberichtes erst in einigen Monaten herausgebracht werden kann. Um unter dieser unvermeidbaren Verzögerung nicht die kurzfristige Publikation der bereits vorliegenden Ergebnisse leiden zu lassen, wurde in diesem Jahre im Interesse einer möglichst schnellen Information der beteiligten Betriebe und Verbände der Weg gewählt, den Bericht in zwei Teilen zu veröffentlichen. Die Zahl der der Jahresauswertung zugrunde liegenden Meldungen erreichte 1950 mit insgesamt 1593 erfaßten Betrieben nicht ganz die Höhe des Jahres 1949. Diese Zahl reicht noch nicht aus, um in allen erfaßten Branchen eine zufriedenstellende Repräsentation zu erzielen. Nach den bei den Auswertungen gesammelten Erfahrungen dürften die Branchenergebnisse bei einer Teilnehmerzahl von mindestens 100 Betrieben eine in etwa befriedigende Repräsentation
erreichen. Das ist im Rahmen des Betriebsvergleichs des Einzelhandels bei dem Lebensniitteleinzelhandel, dem Textileinzelhandel, dem Eisenwaren- und Hausrathandel, den Drogerien, dem Schuheinzelhandel, dem Einzelhandel mit Papier, Bürobedarf und Schreibwaren sowie dem Sortimentsbuchhandel der Fall. In diesen Branchen sind nicht nur die Gesamtdurchschnittswerte, sondern auch die Größenklassenergebnisse in der Regel in ausreichendem Maße repräsentativ. Auch bei denjenigen Branchen, deren Teilnehmerzahl zwischen 40 und 100 Betrieben liegt, sind die Ergebnisse noch gut verwertbar. Das gilt insbesondere für die Branchendurchschnittswerte, während die Größenklassenergebnisse hier nur bedingt repräsentativ sein dürften.
Eine Reihe von Branchen erreichte noch nicht die Zahl von 40 Teilnehmern. In der Hoffnung auf eine spätere Vergrößerung des Teilnehmerkreises wurde auch bei ihnen der Betriebsvergleich durchgeführt. Es handelt sich dabei um den Einzelhandel mit Beleuchtung und Elektro, den Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel, den Fahrradeinzelhandel, den Nähmaschinenhandel, den Leder- und Galanteriewareneinzelhandel und den Photoeinzelhandel. Die Ergebnisse dieser Branchen sind in die Tabellen nur im Kleinkursivdruck aufgenommen. Im Jahre 1949 war die entsprechende Kennzeichnung auch auf die Branchen ausgedehnt worden, die über 40 aber unter 50 Teilnehmer aufwiesen. Abgesehen von den Tabellen, die die Betriebsstruktur kennzeichnen, wurden Größenklassenwerte für die Branchen mit unter 40 Teilnehmern in den eigentlichen Ergebnistabellen nicht bekanntgegeben.
Die Grundlage der Durchschnittsergebnisse für Branchen und Größenklassen bilden die einzelbetrieblich ausgerechneten Vergleichszahlen. Die Kontinuität der Berechnungsmethoden ist mit Ausnahme des Absatzes je beschäftigte Person gegenüber dem Vorjahr voll gewahrt worden. Als Mittelwert wurde ausschließlich das arithmetische Mittel verwandt. Bei diesem Verfahren hat jeder erfaßte Betrieb bei der Berechnung des Durchschnittswertes das gleiche Gewicht. Dadurch wird vermieden, daß die Großbetriebe einen besonders starken Einfluß auf die Durchschnittsergebnisse ausüben. Diese Feststellung ist insofern wichtig, als die Großbetriebe an sich bereits im Rahmen des Betrieb-Vergleichs relativ stark vertreten sind. Würden bei der Auswertung ihre Meldungen auf Grund ihres umsatzmäßigen Gewichtes Berücksichtigung finden, so würden sie den Durchschnittswert zu stark beeinflussen.
Die Ergebnisse des Vergleichs sollen sich im wesentlichen durch die Tabellen selbst erläutern, für die aus Vergleichsgründen das Schema des Jahresberichtes für 1949 übernommen wurde. Durch die Teilung des Jahresberichtes für 1950 werden einige der für 1949 veröffentlichten Tabellen erst im 2. Teil des Jahresberichtes enthalten sein.
Die ersten vier der vorliegenden Tabellen charakterisieren den Teilnehmerkreis der am Betriebsvergleich beteiligten Betriebe. Sie geben die Zahl der Teilnehmer an und ihre Aufgliederung nach Branchen und Größenklassen, Länder und Ortsgrößen. Die Tabelle 5 enthält eine Generalübersicht über die Hauptergebnisse des Jahres 1950. Die Tabelle 6 stellt wichtige Vergleichszahlen der Jahre 1950 und 1949 einander gegenüber. Die Tabellen 7 bis 20 vermitteln die Einzelergebnisse, die bei ausreichendem Repräsentativwert der einzelnen Branchen bzw. Teilbranchen auch nach Größenklassen aufgegliedert sind.
Die den Betrieben zugehenden monatlichen Berichte (Kurzberichte) über den Betriebsvergleich sind nur nach Personengrößenklassen gegliedert. Für den Jahresbericht wird neben der Gliederung nach Personengrößenklassen eine Aufteilung nach Absatzgrößenklassen vorgenommen. Die Ergebnisse beider Größenklasseneinteilungen weichen, wie bereits für 1949 festgestellt, nicht unerheblich voneinander ab.
Für die Berechnungsweise der einzelnen in den Tabellen enthaltenen Angaben gilt folgendes:
Zahl der beschäftigten Personen:
Darunter sind alle im Betriebe tätigen Personen einschließlich des oder der Inhaber und der mithelfenden Familienmitglieder zu verstehen. Teilbeschäftigte Personen sowie Lehrlinge im 1. und 2. Jahre und Anlernlinge im 1. Jahr sind mit 0,5 bewertet.
Warenbeschaffung:
Sie umfaßt die Summe der Einkaufsrechnungen laut Wareneingangsbuch einschließlich der Bezugskosten, abzüglich der Retouren- und Preisnachlässe.
Warenabsatz:
Er enthält den gesamten Umsatz der Betriebe im Bar- und Kreditgeschäft zu Verkaufsspreisen.
Absatz je Kunde:
Seine Berechnung erfolgt durch Division des Absatzes durch die Zahl der im Berichtszeitraums bedienten Kunden; als Kundenzahl wurde die Zahl der Kassenzettel und die Zahl der getätigten Kreditverkaufe erfaßt.
Personalkosten:
In ihnen sind die Bruttolöhne und -gehälter aller vom Betriebe angestellten Personen enthalten, einschließlich des Arbeitgeberanteils an sozialen Lasten, der Sachleistungen, und der Tantiemen, Gratifikationen und Prämien. Außerdem sind, soweit möglich, die gezahlten Provisionen und sonstigen Zahlungen an nicht angestellte, aber regelmäßig herangezogene selbständige Vertreter, Buchhaltungs- und Steuerhelfer usw. hinzugerechnet, soweit diese Beträge nicht unter die sonstigen Kosten aufgenommen worden sind.
Entgelt für nicht entlöhnte Mitarbeit des Inhabers und seiner Familie (Unternehmerlohn):
Der als Entgelt angesetzte Betrag ist nicht höher als der, der für gleichwertige leitende oder ausführende Kräfte nach den Sätzen der örtlichen Tarifordnung oder nach den Bedingungen für außertarifliche Gehälter zu zahlen wäre.
Miete:
Darunter ist die für fremde Räume gezahlte Miete und der Mietwert der eigenen Räume zu verstehen, soweit sie ausschließlich für Betriebszwecke verwendet werden. Für eigene Räume ist als Mietwert die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn Räume in gleichem Umfange und in gleicher Lage gemietet werden müßten. In den Mietwert sind keine Raumkosten (z. B. Heizung, Reparaturen, Licht) eingerechnet worden. Sie sind vielmehr in den sonstigen Kosten enthalten.
Steuern:
Zu den Steuern sind nur die betrieblichen Steuern gerechnet, also Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Kraftfahrzeugsteuer für Betriebsfahrzeuge. Nicht als Steuern gelten Beiträge, auch wenn sie steuerlich abzugsfähig sind. Nicht eingesetzt sind ferner die Einkommensteuer, Vermögensteuer usw. des Unternehmers, sowie die Körperschaftsteuer, Grundsteuer und die Soforthilfeabgabe.
Reklamekosten:
In ihnen sind die Personalkosten nicht enthalten, sofern sie schon bei den allgemeinen Personalkosten ausgewiesen sind.
Sonstige Kosten:
Dazu zählen alle nicht bereits einzeln ausgewiesenen Kosten. Nicht zu den Betriebskosten gehören sämtliche Grundstückskosten und -abgaben, da sie im Mietwert schon enthalten sind, ferner Entnahmen für private Zwecke, Kosten, für Lebensversicherung des Inhabers und Aufwendungen für kurzlebige Wirtschaftsgüter. Ebenfalls sind hierin nicht die Abschreibungen und die Zinsen für Eigenkapital enthalten.
Der 2. Teil des Berichtes über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels wird in der Nummer 8 der Mitteilungen des Instituts veröffentlicht werden.
