Vergleich der Handelskosten des holländischen deutschen Einzelhandels
von Instituts für Handelsforschung an der Universität zu KölnDas Institut für Handelsforschung ist bemüht, die in Deutschland erhobenen Betriebsvergleichszahlen nach Möglichkeit auch mit ähnlichen Erhebungen des Auslandes zu ergleichen. Es ist schon vor dem Kriege bei internationalen Vergleichen immer wieder festgestellt worden, daß die Situation des Handels sich über die Ländergrenzen hinweg ziemlich ähnlich ist. Es ist in diesem Zusammenhang auch auf die Veröffentlichungen der internationalen Handelskammer hinzuweisen, insbesondere auf die von Rudolf Hirsch herausgegebene Schrift „Kennzahlen zur Handelsforschung", die Zahlen der 20er und 30er Jahre enthält. Nach dem tiefen Einschnitt, den der zweite Weltkrieg in das Wirtschaftsleben sämtlicher am Kriege beteiligten Volkswirtschaften verursacht hat, ist die Frage von besonderem Interesse, inwieweit in der Nachkriegszeit die Situation des Einzelhandels in verschiedenen Ländern sich deckt. Das holländisdie Economisch Institut voorden Middenstand in Den Haag hat vor einiger Zeit Betriebsvergleichszahlen des Einzelhandels für die Nachkriegsjahre veröffentlicht. Die Erhebungs- und Auswertungsmethoden sind denen des Instituts für Handelsforschung sehr ähnlich, so daß ein instruktiver Vergleich der Zahlen beider Länder möglich ist. Allerdings beziehen sich die bis jetzt in den Publikationen des holländischen Instituts vorliegenden Betriebsergebnisse auf die Jahre 1947 und 1948, während dir Betriebsvergleich in Deutschland mit Rücksicht auf die währungsmäßigen Voraussetzungen erst im Jahre 1949 aufgenommen werden konnte. Trotz dieser zeitlichen Abweichung erscheint der Vergleich der Zahlen beider Länder vertretbar, da die holländische Wirtschaft sich schneller zu normalen Verhältnissen zurückfand als die westdeutsche, so daß die holländische Situation von 1947 und 1948 mit der westdeutschen von 1949 gut vergleichbar zu sein scheint. Es dürfte sogar empfehlenswert sein, wegen des unterschiedlichen Tempos in der Normalisierung der Wirtschaftsverhältnisse den zeitlichen Vorsprung Hollands durch die Wahl der unterschiedlichen Erhebungsjahre zu berücksichtigen.
Soweit es der Begleittext der holländischen Schrift erkennen läßt, deckt sich die Kostenerfassung insgesamt genau mit der des Kölner Instituts. Das gilt insbesondere für die kalkulatorichen Kostenarten: Entgelt für die nicht entlöhnte Mitarbeit des Inhabers und seiner Familienangehörigen (Unternehmerlohn). Mietwert und Zinsen für Eigenkapital. Die Kostenartengliederung der holländischen Erhebung geht weiter als die westdeutsche. Durch die Zusammenfassung jeweils mehrerer Positionen lassen sich jedoch mit einer Ausnahme beide Gliederungen einander anpassen. Lediglich bezüglich der Zinsen unterscheiden sich beide Auswertungen. In Holland sind die Zinsen für Eigen- und Fremdkapital gemeinsam ausgeworfen, während bei der westdeutschen Erhebung nur die Zinsen für Eigenkapital gesondert ausgewiesen sind.
Die Tabellen 1 und 2 enthalten die zahlenmäßigen Auswertungsergebnisse der beiden Länder für 4 Branchen und 2 Teilbranchen des Einzelhandels. Tabelle 1 zeigt die Handlungskosten in Prozenten des Absatzes, während die Tabelle 1 die einzelnen Kostenarten in Prozenten der Gesamtkosten wiedergibt.
Die Übereinstimmung der Kostensituation sowohl im Hinblick auf die Gesamtkosten wie auch im Hinblick auf die Verteilung der Kostenarten ist überraschend groß.
Bei der Hälfte der erfaßten Branchen bzw. Teilbranchen (Lebensmitteleinzelhandel, Drogerien, Tabakwareneinzelhandel) macht die Abweichung zwischen den Gesamtkosten in beiden Ländern weniger als 1% aus. Abgesehen vom Lebensmitteleinzelhandel liegen die Gesamtkosten in Holland etwas niedriger; das macht sich insbesondere bei der Textil- und Schuhbranche bemerkbar.
Die einzelnen Kostenarten zeigen z. T. weitgehende Übereinstimmungen. Auch die teuermäßige Belastung liegt in Holland sehr ähnlich wie in Deutschland. Der Personalkostenanteil einschl. Unternehmerlohn ist anteilmäßig in Holland höher, während der Mietkostenanteil etwas geringer ist. Reklamekosten und Abschreibungen entsprechen sich in etwa. Die Position „Zinsen" ist, wie bereits ausgeführt, nicht voll vergleichbar. So erklärt sich der erheblich höhere Zinsanteil des holländischen Einzelhandeis. Am auffälligsten ist die Abweichung bei der Samrael-Position „sonstige Kosten", die in allen erfaßten Branchen in Deutschland höher ist. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß bei den deutschen Betrieben die Zinsen für Fremdkapital hier mit einbezogen sind. Aber auch wenn man diesen Kostenanteil berücksichtigt, dürften die „sonstigen Kosten" in Deutschland noch höher liegen als in Holland. Wenn sich trotz etwas anders gearteter Wirtschaftsverhältnisse und unterschiedlicher Preisindizes in beiden Ländern die am Absatz gemessenen Kosten in etwa gleich verhalten, so lassen sich daraus interessante Schlüsse ziehen. Zur Erfüllung seiner funktionsbedingten Leistungen muß der Handel in allen Ländern Kosten aufbringen, ohne die seine Leistungserstellung nicht denkbar wäre. Dabei handelt es sich in erster Linie um das Entgelt für die Arbeitsleistung der Personen, das etwa die Hälfte der Gesamtkosten ausmacht. Die Aufgliederung der Kosten in Prozenten der Gesamtkosten zeigt deutlich, daß der Anteil dieser Kostenart in Holland noch höher ist als in Deutschland. Beide Länder weisen eine fiskalische Belastung auf, die im Durchschnitt berechnet ungefähr 1/5 der Handlungskosten beträgt.
Das Institut ist bemüht, sich auch Vergleichszahlen weiterer Länder zu beschaffen, um somit den für wirtschaftspolitische Verhandlungen wichtigen internationalen Zahlenvergleich
des Handels in zunehmendem Maße zu pflegen. Dabei ist auch an feste Vereinbarungen mit ausländischen Stellen, die Betriebsvergleiche durchführen, gedacht. Für eine erste Verbindung dieser Art, zu der die Anregung von Schweizer Seite ausging und die im Grundsatz bereits beschlossen ist, laufen z. Zt. die praktischen Koordinierungsmaßnahmen.
