Zweiter Teil des Berichtes über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels im Jahre 1950
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDer in der Nummer 6 der vorliegenden Mitteilungen vom 15. Mai 1951 veröffentlichte erste Teil des Berichtes über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels im Jahre 1950 enthält diejenigen Betriebsvergleichsergebnisse, die an Hand der zusammengefaßten 12 Monatsberichte der Teilnehmer berechnet werden konnten. In der vorliegenden Nummer werden zusätzlich die Ergebnisse veröffentlicht, die auf Grund eines besonderen Zusatzfragebogens von den Betrieben gemeldet wurden. Diese Zusatzfragen konnten von den Betrieben erst in Zusammenhang mit ihrem Jahresabschluß ausgefüllt und somit auch vom Institut erst später augewertet werden.
Die Zusatzfragen wurden nur von etwa zwei Drittel der am Betriebsvergleich beteiligten Firmen beantwortet. Aus diesem Grunde sind die Ergebnisse für eine Reihe von Branchen nur bedingt repräsentativ. In der Tabelle 1 wird die Zahl der beteiligten Betriebe irn einzelnen ausgewiesen.
Ferner wurde die bereits monatlich fortlaufend ermittelte Beschaffungs- und Absatzentwicklung für den geschlossenen Betriebskreis der an der Jahresauswertung beteiligten Betriebe neu berechnet. Die endgültigen Zahlen für das Jahr 1950 sind in den Tabellen 3 und 4 enthalten. Diese Zahlen stützen sich auf die Angaben sämtlicher im Jahre 1950 am Betriebsvergleich beteiligten Betriebe. Sie konnten jedoch im ersten Teil der Jahresauswertung noch nicht gebracht werden, weil eine einzelbetriebliche Neuberechnung erfolgen mußte. An Hand der endgültigen Entwicklungszahlen der einzelnen Branchen
konnte nunmehr der Beschaffungs- und Absatzindex des Instituts neu berechnet werden. Die Ergebnisse von Januar 1949 bis Juni 1951 sind in der Tabelle 2 wiedergegeben.
Auf Grund der im Jahresfragebogen zusätzlich erfaßten Angaben über Abschreibungen und Zinsen für Eigenkapital kann jetzt die Gesamtauswertung der Handlungskosten veröffentlicht werden. In der Tabelle 5 werden die Ergebnisse in Prozenten des Absatzes, in der Tabelle 6 in Prozenten der Gesamtkosten bekanntgegeben.
Die Betriebsvergleichsergebnisse über die Lagerhaltung sind in mehreren Positionen ausgewertet worden. Die Veröffentlichung geht weiter als im Jahre 1949 und erfaßt erstmalig auch die Umschlagsgeschwindigkeit des Warenlagers. Die Ergebnisse lassen erkennen, wie sehr sich gerade im Hinblick auf die Lagerentwicklung die Verhältnisse beim Einzelhandel noch in Bewegung befinden. Sie sind in starkem Maße durch die besondere Situation der ersten Jahre nach der Währungsreform gekennzeichnet. Die Tabelle 7 zeigt im einzelnen die wichtigsten Lagerzahlen der Erhebungsjahre 1949 und 1950 und Zahlen aus dem Jahre 1938 zum Vergleich.
Zwischen der Personalleistung (Absatz je beschäftigte Person) und der Kostensituation der Einzelhandlungen besteht ein enges Wechselverhältnis. Die von dieser Seite her bestehenden Einwirkungen werden in den Tabellen 8-15 näher untersucht. Entgegen der sonst gebräuchlichen. Einteilung nach Betriebsgrößenklassen sind hier die Betriebe nach der Höhe der Personalleistung gruppiert worden.
Bei allen Tabellen, wo es möglich war, wurden neben den Ergebnissen des Jahres 1950 die von 1949 zum Vergleich abgedruckt.
Endlich ist vom Institut versuchsweise auf Grund der für 1950 vorliegenden Unterlagen ein Index der Betriebshandelsspanne des gesamten Einzelhandels aufgestellt worden, dessen Ergebnis im Anschluß an die Tabelle 15 mitgeteilt wird.
Die Betriebsvergleichsergebnisse sollen sich im wesentlichen durch die Tabellen selbst erläutern. Die Erläutelungen zu den Tabellen beschränken sich daher vor allem auf Besonderheiten der Auswertung. Für die Berechnungsweise der einzelnen in den Tabellen enthaltenen Angaben gilt folgendes:
Warenbeschaffung:
Sie umfaßt die Summe der Einkaufsrechnungen laut Wareneingangsbuch einschließlich der Bezugskosten, abzüglich der Retouren und Preisnachlässe.
Warenabsatz:
Er enthält den gesamten Umsatz der Betriebe im Bar- und Kreditgeschäft zu Verkaufspreisen.
Personalkosten:
In ihnen sind die Bruttolöhne und -gehälter aller vom Betriebe angestellten Personen enthalten einschließlich des Arbeitgeberanteils an sozialen Lasten, der Sachleistungen und der Tantiemen, Gratifikationen und Prämien. Außerdem sind, soweit möglich, die gezahlten Provisionen und sonstigen Zahlungen an nichtangestellte, aber regelmäßig herangezogene selbständige Vertreter, Buchhaltungs- und Steuerhelfer usw. hinzugerechnet, soweit diese Beträge nicht unter die sonstigen Kosten aufgenommen worden sind.
Entgelt für nichtentlöhnte Mitarbeit des Inhabers und seiner Familie (Unternehmerlohn):
Der als Entgelt angesetzte Betrag ist nicht höher als der, der für gleichwertige leitende oder ausführende Kräfte nach den Sätzen der Örtlichen Tarifordnung oder nach den Bedingungen für außertarifliche Gehälter zu zahlen wäre.
Miete:
Darunter ist die für fremde Räume gezahlte Miete und der Mietwert der eigenen Räume zu verstehen, soweit sie ausschließlich für Betriebszwecke verwendet werden. Für eigene Räume ist als Mietwert die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn Räume in gleichem Umfange und in gleicher Lage gemietet werden müßten. In den Mietwert sind keine Raumkosten (z. B. Heizung, Reparaturen, Licht) eingerechnet worden. Sie sind vielmehr in den sonstigen Kosten enthalten.
Steuern:
Zu den Steuern sind nur die betrieblichen Steuern gerechnet, also Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Kraftfahrzeugsteuer für Betriebsfahrzeuge. Nicht als Steuern gelten Beiträge, auch wenn sie steuerlich abzugsfähig sind. Nicht eingesetzt sind femer die Einkommensteuer, Vermögensteuer usw. des Unternehmers sowie die Körperschaftsteuer, Grundsteuer und die Soforthilfeabgabe.
Reklamekosten:
In ihnen sind die Personalkosten nicht enthalten, sofern sie schon bei den allgemeinen Personalkosten ausgewiesen sind.
Abschreibungen:
Darunter sind die Abschreibungen auf Inventar, Fahrzeuge und Forderungen gemäß dem Jahresabschluß für 1950 zu verstehen; Abschreibungen auf Warenlager sind nicht berücksichtigt, da sie bereits in der Lagerbewertung ihren Ausdruck finden; ebenso sind die Abschreibungen auf Gebäude nicht enthalten, da sie durch den Mietwert abgegolten sind.
Zinsen für Eigenkapital:
Bei Einzelunternehmungen und Personalgesellschaften sind 4% des Kapitalkontos des Inhabers oder der Gesellschafter nach dem Stand vom 31.12.1950 als kalkulatorische Zinsen berechnet worden, jedoch ohne den Gewinn des Jahres 1950. Bei Kapitalgesellschaften sind 4% des Grundkapitals einschließlich der gesetzlichen und freiwilligen Reserven berechnet.
Sonstige Kosten:
Dazu zählen alle nicht bereits einzeln ausgewiesenen Kosten. Nicht zu den Betriebskosten gehören sämtliche Grundstückskosten und abgaben, da sie im Mietwert schon enthalten sind, ferner beispielsweise Entnahmen für private Zwecke, Kosten für Lebensversicherung des Inhabers.
Lagerbestand:
Seine Höhe ist berechnet aus dem Durchschnitt von Anfangsbestand am 1.1.1950 und Endbestand am 31.12.50, beide zu Inventurwerten.
Umschlagsgeschwindigkeit:
Sie ist berechnet aus dem Warenabsatz 1950 zu Einstandspreisen dividiert durch den durchschnittlichen Lagerbestand 1950 zu Inventurwerten.
Zahl der beschäftigten Personen:
Darunter sind alle im Betriebe tätigen Personen einschließlich des oder der Inhaber und der mithelfenden Familienmitglieder zu verstehen. Teilbeschäftigte Personen sowie Lehrlinge im 1. und 2. Jahr und Anlernlinge im 1. Jahr sind mit 0,5 bewertet.
1 Dipl.-Kfm. Leihner, Erhebliche Umsatzverlagerungen. „Der Deutsche Handel", Beilage zum "Handelsblatt" Düsseldorf, vom 19.3.51, Seite 2.
