Die Beschaffungswege des Kölner Lebensmitteleinzelhandels
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertIm Rahmen des vom Institut für Handelsforschung durchgeführten Betriebsvergleichs des Einzelhandels wird gelegentlich der Jahreserhebung die Frage nach den wichtigsten Beschaffungswegen für den Wareneinkauf gestellt. Dabei wird nach vier Beschaffungswegen gefragt: Nach der Beschaffung
1. von Herstellern,
2. von Großhändlern,
3. durch Gemeinschaftseinkauf,
4. durch sonstige Beschaffungswege.
Die Ergebnisse dieser Erhebungen sind für die Jahre 1949 und 1950 in den Nummern 4 und 6 der Institutsmitteilungen publiziert worden. Dabei hat sich gezeigt, daß die Beschaffungswege durch die Betriebsgröße sehr stark beeinflußt werden, und zwar wesentlich stärker als alle übrigen Erhebungspositionen des Betriebsvergleichs. Mit wachsender Betriebsgröße steigt der Anteil des Direktbezuges beim Hersteller in starkem Maße an. Da am Betriebsvergleich mittlere und größere Betriebe wesentlich stärker beteiligt sind, als es der Zusammensetzung des gesamten Einzelhandels entspricht, sind die berechneten Branchendurchschnittswerte bei den Beschaffungswegen nicht ohne weiteres als charakteristisch für die Gesamtsituation anzusehen. Sie stellen vielmehr lediglich die Verhältnisse bei den Betriebsvergleichsteilnehmern selbst dar. Das Institut ist bemüht, im Hinblick auf die eingeschränkte Aussagekraft dieser Betriebsvergleichsposition die Verhältnisse durch zusätzliche Erhebungen zu klären. Dies ist zunächst für den Lebensmitteleinzelhandel im Stadtbereich Köln vorgenommen worden.
Zu diesem Zwecke wurde im Januar und Februar 1952 eine Erhebung durch 120 Studenten des unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Seyffert stehenden Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels (Handelsseminar) nach« folgender Methode durchgeführt:
Das Stadtgebiet Köln wurde in 45 Erhebungsbezirke aufgeteilt. Für jeden Bezirk wurde durch Ortsbesichtigung festgestellt, wieviel eigentliche Lebensmittelfachgeschäfte (Kolonialwarenhandlungen), die das normale Sortiment führen, vorhanden waren. Spezialisierte Geschäfte, die nur Spirituosen, Obst und Gemüse, Milch, Butter, Eier, Käse, Fischwaren, Kaffee, Tee, Kakao, Süßwaren usw. führen, wurden nicht erfaßt, ferner keine Reformhäuser, Massenfilialgeschäfte und Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaften.
Durch dieses Verfahren, wurden im Stadtgebiet Köln 1598 Lebensmitteleinzelhandlungen der oben definierten Art festgestellt. Dabei ergab sich bei einem Vergleich mit der Liste des Kölner Einzelhandelsverbandes, daß 84% der Betriebe dem Verband angeschlossen waren.
Von den Geschäften wurde in jedem Erhebungsbezirk ein Drittel, insgesamt 571 Betriebe, ausgesucht, das als repräsentativ für den Erhebungsbezirk anzusehen war, wobei gleichzeitig auf gleichmäßige Streuung dieser Betriebe über das ganze Gebiet geachtet wurde. Die einer Einkaufsgenossenschaft angeschlossenen Betriebe waren dabei anteilmäßig zu berücksichtigen. Das Verhältnis der den Einkaufsgenossenschaften angeschlossenen Betriebe zu der Zahl der insgesamt vorhandenen entsprach der tatsächlichen Zusammensetzung in Köln, die wesentlich von der der beim Betriebsvergleich des Instituts beteiligten Firmen abweicht. Die folgende Tabelle zeigt, wie groß der prozentuale Anteil der den Einkaufsgenossenschaften angeschlossenen Firmen bei der Kölner Erhebung im Vergleich zu den an der Jahreserhebung des -Betriebsvergleichs für 1950 beteiligten Firmen ist.
Wie aus Tabelle 1 ersichtlich ist, ist der Anteil der den Einkaufsgenossenschaften angeschlossenen Firmen bei den Betriebsvergleichsteilnehmern wesentlich höher als bei den Kölner Betrieben. Um im Hinblick auf diese Differenzierung nicht zu falschen Durchschnittsergebnissen zu gelangen, wurde bei der Auswertung beider Erhebungen grundsätzlich eine Trennung zwischen den beiden Betriebsgruppen vorgenommen.
Die Erhebung der Kölner Betriebe wurde durch die Studenten des Seminars in Form einer mündlichen Befragung der Betriebsinhaber durchgeführt. Die Ergebnisse über den Anteil der einzelnen Beschaffungswege an der gesamten Warenbeschaffung sind in der folgenden Tabelle enthalten. Während sich die Kölner Erhebung auf das Jahr 1951 bezieht, mußten die Betriebsvergleichsergebnisse des Lebensmitteleinzelhandels aus dem Jahre 19 50 zum Vergleich herangezogen werden, da die Jahresauswertung für 1951 noch: nicht fertiggestellt ist. Immerhin ist anzunehmen, daß sich im Laufe eines Jahres der Anteil der einzelnen Beschaffungswege nicht allzusehr verändert hat. Mit Rücksicht auf die unterschiedliche Verteilung der Betriebe auf die Größenklassen bei der Kölner Erhebung und der allgemeinen Betriebsvergleichsauswertung sind für den Vergleich die Ergebnisse der einzelnen Größenklassen die wichtigsten, während den Durchschnittswerten aller Betriebe nur ein beschränkter Vergleichswert zukommt. Die in der Tabelle festgehaltenen Ergebnisse lassen in der Tendenz eine weitgehende Übereinstimmung beider Erhebungen erkennen, während sich im einzelnen Differenzierungen ergeben.
Bei denjenigen Betrieben, die keiner Einkaufsgenossenschaft angeschlossen sind, ist der Direktbezug von Herstellern bei den Kölner Betrieben im Durchschnittswert und in zwei der Größenklassen geringer als bei den Betriebsvergleichsfitmen. In der Größenklasse 4-5 beschäftigte Personen liegen die Zahlen bei beiden Gruppen dagegen sehr ähnlich.
Durch den geringen Anteil des Direktbezuges bei den Kölner Betrieben liegt der Bezug beim Großhandel hier höher als bei den Betriebsvergleichsteilnehmern. Da die Einkaufsgenossenschaften auch an Nichtmitglieder liefern, sind auch bei den nicht angeschlossenen Firmen geringfügige Prozentsätze für diesen Bezugsweg festzustellen.
Für die den Einkaufsgenossenschaften angeschlossenen Betriebe nimmt der Direktbezug beim Hersteller mit wachsender Betriebsgröße nicht so stark zu wie bei den nicht angeschlossenen Firmen. Bei den Kölner Betrieben liegt die Warenbeschaffung durch Einkaufsgenossenschaften mit insgesamt 5 3% an erster Stelle und an zweiter Stelle die von Großhändlern mit 36 %, während bei den Betriebsvergleichsteilnehmern die entsprechenden Zahlen 38% und 42% sind.
Im Hinblick auf die in den beiden Erhebungen unterschiedliche Verteilung der Betriebe auf die Größenklassen sind in der folgenden Tabelle 3 nur diejenigen Größenklassen in die Durchschnittswerte einbezogen, die in den beiden Vergleichsgruppen in ausreichender Repräsentation vertreten sind. Für die Berechnung der Gesamtdurchschnitte wurde dabei in beiden Fällen nach der Verteilung der Kölner Betriebe auf die Größenklassen gewogen. Dadurch treten die Abweichungen stärker zurück. Die restlichen dürften wohl nicht zuletzt darin begründet sein, daß die Verhältnisse in einem Großstadtbereich nicht ohne weiteres mit denen der Betriebsvergleichsteilnehmer zu vergleichen sind. Aus beiden Erhebungen läßt sich klar erkennen, daß der Direktbezug im Lebensmitteleinzelhandel keine sehr große Rolle spielt tmd das Schwergewicht beim Bezug vom Großhandel und, beim genossenschaftlichen Einzelhandel, beim Bezug von den Einkaufsgenossenschaften liegt.
Neben der Feststellung des Anteils der einzelnen Bezugswege wurde im Rahmen der Kölner Erhebung auch erfragt, in welchem Umfang Großhändler als Hauptlieferanten mindestens 25% des gesamten Wareneinkaufs lieferten. Insgesamt ergab sich, daß 391 Betriebe einen oder mehrere Hauptlieferanten aufwiesen, und zwar hatten 194 Betriebe (= 49,6%) einen Hauptlieferanten, 148 Betriebe (= 37,8%) zwei Hauptlieferanten, 44 Betriebe (= 11,3%) drei Hauptlieferanten und 5 Betriebe (= 1,3%) vier Hauptlieferanten. 165 Betriebe bezogen von einem Hauptlieferanten 50-% und mehr ihres gesamten Wareneinkaufs. Die Verteilung innerhalb der einzelnen Größenklassen ist in der Tabelle 4 angegeben.
Schließlich wurde der Standort der Hauptlieferanten erfragt. Dieser lag bei 74% aller Hauptlieferanten in Köln. Dabei zeigten sich zwischen den Größenklassen keine sehr wesentlichen Unterschiede. Die 26% auswärtige Lieferanten hatten ihren Standort durchschnittlich etwa 29 Kilometer von Köln entfernt. Hier wurden mit wachsender Betriebsgröße weiter entfernt liegende Lieferanten in Anspruch genommen. Die Betriebsgrößenklassen-Zahlen enthält Tabelle 4.
