Preisbereingte Ergebniszahlen des Betriebsvergleichs des Einzelhandels für die Jahre 1949 bis 1951
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertFür den Vergleich sehr vieler Ergebniszahlen des Betriebsvergleichs über längere Zeiträume hinweg ist die Kenntnis der Entwicklung der Einzelhandelspreise wichtig, denn die im Betriebsvergleich berechneten Ergebniszahlen beruhen fast ausschließlich auf Wertangaben. Höhe und Entwicklung dieser Ergebniszahlen sind damit durch den Stand der Einzelhandelspreise im Vergleichszeitraum beeinflußt. Bei schwankenden Einzelhandelspreisen ist es deshalb notwendig, für die berechneten wertmäßigen Vergleichszahlen eine Preisbereinigung vorzunehmen, um zu voll vergleichbaren Ergebnissen zu gelangen.
Der Index der Einzelhandelspreise
Die Umrechnung der vorliegenden Wertzahlen in preisbereinigte Zahlen war jedoch bisher nicht möglich, da genaue Angaben über Höhe und Entwicklung der Preise in den verschiedenen Einzelhandelsbranchen fehlten. Diese Lücke ist jetzt geschlossen worden. Das Statistische Bundesamt berechnet im Rahmen seiner Preisuntersuchungen einen neuen Index, welcher die Entwicklung der Einzelhandelspreise anzeigt. Die Berechnungsmethode dieses neuen Index ist in Heft 9 von „Wirtschaft und Statistik" vom September 1952 auf den Seiten 363 ff. eingehend dargestellt. Die Indexzahlen sind auf der Basis 1938 gleich 100 berechnet. Der Index erfaßt die Preisentwicklung in den wichtigsten Einzelhandelsbranchen, in den vier Hauptbedarfsgruppen Nahrungs- und Genußmittel, Textilien und Bekleidung, Hausrat und Wohnbedarf sowie Sonstiger Einzelhandel und im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels. Für den zurückliegenden Zeitraum seit der Währungsreform liegen die Angaben als Jahresdurchschnittszahlen und auch für jeweils den ersten Monat des Quartals vor. Ab 1952 sind die Angaben monatlich veröffentlicht. Die Tabelle 1 dieses Berichtes enthält die genauen Zahlen, einmal auf der Basis 1938 gleich 100 und in einer weiteren Aufstellung auf der Basis 1949 gleich 100 berechnet, da die Entwicklungszahlen des Betriebsvergleichs auf dem Jahresdurchschnitt 1949 basieren.
Die Zahlen des Preisindex lassen erkennen, daß im Vergleich zum Jahre 1938 die Preise in den ersten Monaten nach der Währungsreform im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels auf über 200% der Preise von 1938 gestiegen sind und damit einen bisher nicht mehr übertroffenen Höchststand erreichten. Diesem Preisanstieg unmittelbar nach der Währungsreform folgte ein Preisrückgang, der sich bis Mitte 1950 fortsetzte. Mit Beginn der Koreakrise brachte die einsetzende Konjunktur wieder eine starke Aufwärtsentwicklung der Preise, die ihren Höhepunkt im Januar 1952 erreichte. Das Preisniveau des Einzelhandels lag in diesem Monat auf 193 % der Preise von 1938, während zu Beginn der Koreakonjunktur die Preise bis auf 169% von 193 8 heruntergegangen waren. Seit Februar 1952 sinkt der Preisindex des Einzelhandels wieder und erreichte im Januar 1953 184% der Preise des Jahres 1938.
In den einzelnen Branchen und Bedarfsgruppen ist die Entwicklung der Preise der Gesamtentwicklung der Tendenz nach durchweg gefolgt, jedoch in stark unterschiedlichem Ausmaß. Den stärksten Anstieg der Preise in den ersten Monaten nach der Währungsreform im Vergleich zu 1938 verzeichnete die Bedarfsgruppe Textilien und Bekleidung. Im Oktober 1948 lag der Index dieser Branchengruppe auf 249% von 1938. Von den einzelnen Branchen verzeichnete der Tabakwareneinzelhandel infolge der Erhöhung der Verbrauchssteuer die stärkste Preiserhöhung im Vergleich zu 1938. Die Preise erreichten hier im Juli 1948 517% des Standes des Jahres 1938. Es folgt der Textileinzelhandel mit 254 % des Standes von 1938 im Oktober 1948 und der Glas- und Porzellaneinzelhandel mit 252%, ebenfalls im Oktober 1948.
Aufschlußreich ist ferner, daß die für den Durchschnitt des Einzelhandels festgestellte Preisentwicklung in den einzelnen Gruppen und Branchen vielfach nicht im gleichen Zeitpunkt einsetzte. So konnte in der Gruppe der Lebensmittelgeschäfte beispielsweise ein Preisrückgang schon im Januar 1949 festgestellt werden, während das Preisniveau des gesamten Einzelhandels erst im April einen Rückgang aufwies. Ebenso erreichten im Laufe der Koreakonjunktur beispielsweise die Preise der Gruppe der Geschäfte für Textilwaren und Schuhwerk bereits in der ersten Jahreshälfte 1951 ihren Höchststand, während das Gesamtpreisniveau des Einzelhandels erst ab Februar 1952 eine sinkende Tendenz zeigte.
Die Angaben für den Monat Oktober 1952 lassen erkennen, daß die auf der Basis 193s berechneten Preisindexzahlen aller herausgestellten Branchengruppen einheitlich erstmalig sehr nahe um den Gesamtindex des Einzelhandels liegen. Die Preisentwicklung hat sich also in allen Gruppen weitgehend der Gesamtentwicklung angeglichen. Diese Angleichung wird besonders deutlich, wenn man die Indexzahlen der einzelnen Gruppen in der Zeit kurz nach der Währungsreform mit den Indexzahlen im Oktober 1952 vergleicht.
Die Entwicklung von Beschaffung, Lagerbestand und Absatz bei 12 Einzelhandelsbranchen und Teilbranchen in den Jahren 1950 und 1951
In der Tabelle 2 sind die im Betriebsvergleich berechneten Entwicklungszahlen der Beschaffung, des Lagerbestandes und des Absatzes für die Jahre 1950 und 1951 gegenüber dem Basisjahr 1949 mit Hilfe der Angaben des Einzelhandelspreisindex preisbereinigt berechnet worden. Denn wegen der starken Preisschwankungen innerhalb der Vergleichsjahre kann die Entwicklung nur mit Hilfe von preisbereinigten Zahlen zutreffend beurteilt werden. In die Umrechnung konnten nicht alle im Betriebsvergleich erfaßten Branchen einbezogen werden, da der Einzelhandelspreisindex des Statistischen Bundesamtes nur für die wichtigsten Geschäftszweige veröffentlicht ist.
Es zeigt sich, daß das Jahr 1950 bei der Betrachtung der preisbereinigten Zahlen in allen herausgestellten Branchen bedeutend günstiger abschneidet, als es in den wertmäßigen Zahlen zum Ausdruck kommt. Mit Ausnahme der Tabakwarengeschäfte liegen in allen Geschäftszweigen die preisbereinigten Umsatzzahlen des Jahres 1950 über denen des Vergleichsjahres 1949. Auch im Jahre 1951 liegen die preisbereinigten Zahlen in den meisten Branchen durchweg günstiger als die Wertzahlen. Die stärkste Absatzzunahme im Vergleichszeitraum 1949 bis 1951 verzeichnete bei den herausgestellten Branchen der Möbeleinzelhandel, bei dem die preisbereinigte Absatzentwicklung im Jahre 1951 den Absatz von 1949 um 104% übertraf. An zweiter Stelle folgt der Textileinzelhandel mit vorwiegend Konfektion mit einer Zunahme von 94% und an dritter Stelle der Glas-, Porzellan- und Kerarnikeinzelhandel mit einer Zunahme von 45% im Vergleich zu 1949.
Die preisbereinigte Entwicklungszahl des Absatzes für den gesamten Einzelhandel betrug im Jahre 1950 124% von 1949 und im Jahre 1951 127% von 1949. Die Zunahme von 1950 auf 1951 war also nur sehr gering. Dies ist darauf zurückzuführen, daß das Absatzvolumen des Lebensmitteleinzelhandels mit einem Anteil von rund 40 % und des Textileinzelhandels mit einem Anteil von rund 25 % des gesamten Einzelhandelsabsatzes im Jahre 1951 auf der gleichen Höhe lag wie 1950. Einen Rückgang des preisbereinigten Absatzes im Jahre 1951 im Vergleich zum Vorjahre 1950 verzeichneten von den erfaßten Branchen allerdings lediglich der Einzelhandel mit Wäsche, Wirk- und Strickwaren, der Schuheinzelhandel und der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel.
Die Angaben über die Entwicklung des Lagerbestandes im Zeitraum 1949 bis 1951 zeigen in allen Branchen sowohl nicht preisbereinigt als auch preisbereinigt eine sehr starke Zunahme. Im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels betrag die preisbereinigte Lagerentwicklung 1950 167% von 1949 und 1951 195% von 1949. Die Lagerbestände wurden also im Laufe von zwei Jahren fast verdoppelt. Dabei hat sich die Lagervergrößenmg im Jahre 1951 nicht in gleichem Umfange fortgesetzt wie im Vorjahre 1950, Bei den Lagerzahlen zeigt sich die Notwendigkeit der Berechnung von Entwicklungszahlen auf einheitlicher Preisbasis besonders deutlich. Denn die wertmäßigen Zahlen lassen auf einen bedeutend stärkeren Lageranbau von 1950 auf 1951 schließen, als es in den preisbereinigten Zahlen zum Ausdruck kommt, Aus den Wertzahlen können also sehr leicht fälsche Schlüsse über die volumenmäßige Entwicklung gezogen werden. So zeigen in einzelnen Branchen die Zahlen der wertmäßigen Lagerentwicklung eine Erhöhung der Lagerbestände im Jahre 1951 im Vergleich zu 1950 an, während die preisbereinigten Zahlen erkennen lassen, daß in diesen Branchen das Lagervolumen sich im Jahre 1951 im Vergleich zu 1950 verkleinert hat. Es sind dies von den ausgewiesenen Branchen der Eisenwaren- und Hausrathandel mit gemischtem Sortiment sowie der Papier-, Bürobedarf und Schreibwareneinzelhandel.
Index der Einzelhandelsumsätze (Beschaffung und Absatz) vom 1. Qnartal 1949 bis zum 4. Quartal 1952
Seit Januar 1949 berechnet das Institut aus den Branchenzahlen des Absatzes und der Beschaffung einen Index der Einzelhandelsumsätze für die vier Bedarfsgruppen des Einzelhandelsbereichs sowie für den gesamten Einzelhandel. In der Tabelle 3 wurden diese Indexzahlen quartalsweise zusammengefaßt und mit Hilfe des Einzelhandelspreisindex auch die preisbereinigte Entwicklung berechnet.
Sehr aufschlußreich ist es, hier den Verlauf von Wertabsatzzahlen und preisbereinigten Absatzzahlen in den einzelnen Quartalen zu vergleichen. In allen erfaßten Gruppen und im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels liegen in den ersten zwei Quartalen 1949 die preisbereinigten Entwicklungszahlen des Absatzes niedriger als die Wertzahlen. Vom dritten Quartal 1949 an liegen dann in allen Gruppen die preisbereinigten Indexzahlen günstiger als die Wertzahlen. Die Umkehr dieser Tendenz setzt in der Gruppe des Sonstigen Einzelhandels im 2. Quartal 1951 ein. Die preisbereinigten Absatzzahlen erreichen in dieser Gruppe die Wertzahlen nicht mehr sondern liegen niedriger. Diese Entwicklung folgt im 4, Quartal 1951 auch in der Gruppe Nahrungs- und Genußmittel sowie in der Gruppe Hausrat und Wohnbedarf und im Bnzelhandelsdurchscrmitt. Lediglich In der Gruppe Textilien und Bekleidung liegt seit dem 3. Quartal 1949 die preisbereinigte Absatzzahl unverändert in allen Quartalen höher als die Entwicklungszahl der Absatzwerte. In dieser Gruppe stiegen also die Preise in keinem Quartal über das Preisniveau des Jahresdurchschnitts 1949, während in den anderen Gruppen die Preise infolge der Koreakonjunktur eine Zeit lang höher lagen als der Jahresdurchschnitt 1949. Erst im 3. Quartal 1952 sanken in der Gruppe Nahrungs- und Genußmittel sowie im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels die Preise wieder unter den Jahresdurchschnitt 1949, so daß die preisbereinigte Umsatzentwicklung in dieser Gruppe und im Einzelhandelsdurdisdinitt vom 3. Quartal 19 52 ab wieder günstiger verläuft, als es in den Wertabsatzzahlen zum Ausdruck kommt. Dagegen blieb das Preisniveau der Gruppen Hausrat und Wohnbedarf sowie des Sonstigen Einzelhandels auch noch im 4. Quartal 1952, dem letzten Berichtsquartal, über dem des Jahresdurchschnitts 1949.
Die Entwicklung der Warenbeschaffung folgte — im Ganzen gesehen — der oben aufgezeichneten Entwicklung des Absatzes, wenn auch in einzelnen Gruppen die Veränderungen naturgemäß etwas früher eintraten als bei den Absatzzahlen.
Der Absatz je beschäftigte Person in den Jahren 1949 bis 1951 im Vergleich zum Vorkiiegsjahr 1938
Für die zuteffende Beurteilung der Entwicklung des Absatzes je beschäftigte Person ist die Kenntnis der Preisentwicklung ebenfalls notwendig, da die im Betriebsvergleich errechneten Zahlen auf Wertangaben beruhen und somit in ihrer Höhe durdch die Preisentwicklung beeinflußt sind. Die Beobachtung der wertmäßigen Absatzleistung je beschäftigte Person hat also bei schwankendem Preisniveau keinen vollgültigen Aussagewert über die effektive Personalleistung, denn die Entwicklung der effektiven Leistung wird dann durch die Preisentwicklung verdeckt. In der Tabelle 4 wurde deshalb mit Hilfe des Bnzelhandelspreisindex die Entwicklung der Personalleistung in den Nachkriegsjahren 1949 bis 1951 im Vergleich zu 1938 auch preisbereinigt berechnet.
Die preisbereinigten Zahlen lassen erkennen, daß in den Nadikriegsjahren in den meisten Branchen die effektive Personalleistung günstiger lag als im Vergleichsjahr 1938, d. h. also, die Entwicklung der Einzelhandelspreise blieb in den meisten Geschäftszweigen hinter der Entwicklung des Absatzes je beschäftigte Person zurück. Diese Tendenz findet ihre Erklärung in einer besseren Kapazitätsausnutzung der meisten Betriebe in den Nachkriegsjahren infolge des starken Nachholbedarfs in der ersten Zeit nach der Währungsreform, einer zunächst vielleicht weniger kritisch und wählerisch eingestellten Kundsdiaft sowie etwa auch durch die größere Bevölkerungszahl des Bundesgebietes im Vergleich zu 1938.
Betrachtet man den Verlauf der preisbereinigten Zahlen des Absatzes je beschäftigte Person von 1949 bis 1951, so läßt sich in fast allen herausgestellten Geschäftszweigen eine recht einheitliche Entwicklungstendenz feststellen. Mit Ausnahme von zwei Branchen stieg die preisbereinigte Zahl des Absatzes je beschäftigte Person von 1949 auf 1950 an Die volumenmäßige Verkaufsleistung der im Einzelhandel beschäftigten Personen vergrößerte sich also im Zuge der allgemeinen Aufwärtsbewegung der Umsätze durchweg recht erheblich. Dagegen brachte das Jahr 1951 einen Rückgang der effektiven Personalleistung, denn in diesem Jahr liegt die preisbereinigte Zahl des Absatzes je besdiäftigte Person in allen Branchen unter der des Vorjahres 1950. Offensichtlich stellen die Verbraucher heute an die Leistung des Einzelhandels wieder höhere Ansprüche etwa im Hinblick auf Auswahl, Sortimentsgestaltung und Bedienung. Daraus ergibt sich ein Rückgang der preisbereinigten Personalleistung, was zwangsläufig auch eine Zunahme der Kosten der Handelsleistung mit sich bringt, wie die Auswertungsergebnisse des Betriebsvergleichs für 1951 zeigen.
In den einzelnen Branchen ist das Ausmaß der Veränderung der Personalleistung gegenüber dem Vorkriegsjahr 1938 sehr unterschiedlich. Nur in zwei der herausgestellten Branchen liegen die preisbereinigten Absatzzahlen je beschäftigte Person im Jahre 1951 niedriger als im Vorkriegsjahr 1938, und zwar beim Tabakwareneinzelhandel, und beim Eisenwaren- und Hausrathandel mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten. Die stärkste Erhöhung der Personalleistung im Vergleich zu 1938 verzeichnet von den erfaßten Branchen der Elektroeinzelhandel, es folgen der Möbeleinzelhandel und der Textileinzelhandel mit vorwiegend Oberbekleidung.
Der Absatz je Kunde bei fünf Einzelhandelsbranchen in den Jahren 1950 und 1951 im Vergleich zum Vorkriegsjahr 1936
Über die Höhe des auf den Einzelverkauf an einen Kunden entfallenden Betrages liegen aus den Betriebsvergleichserhebungen der Vorkriegsjahre nur sehr wenige Angaben vor. Aus den letzten Jahren vor dem Kriege sind die Angaben nur bei fünf Einzelhandelsbranchen für das Jahr 1936 veröffentlicht. Die Kenntnis der Entwicklung des durchschnittlichen Kundenabsatzes ist jedoch für die Beurteilung der Häufigkeit der Bedarfsdeckung in den Branchen des kurzfristigen Bedarfs und für die Qualitätsanforderungen der Kundschaft in den Branchen des langfristigen Bedarfs außerordentlich wichtig. Voraussetzung einer zutreffenden Beurteilung der Entwicklung ist jedoch auch hier die Ausschaltung der Preisbewegung. Für das Jahr 1936 liegen nun allerdings die Angaben des Einzelhandelspreisindex nicht vor, da die vom Statistischen Bundesamt neu berechnete Indexzahl auf dem Jahr 1938 basiert, Wie jedoch die Angaben des Lebenshaltungskostenindex anzeigen, haben sich die Preise im Zeitraum 1936 bis 1938 nur sehr geringfügig erhöht. Für die preisbereinigte Berechnung des Absatzes je Kunde auf der Basis 1936 gleich 100 ist deshalb die Verwendung der Zahlen des Index für 1938 vertretbar.
Für das Jahr 1949 liegen die Angaben des Absatzes je Kunde nicht vor, da das Institut in seinem Betriebsvergleich die Kundenzahl erst ab Januar 1950 erfragte. Die in der Tabelle 5 enthaltenen Zahlen lassen erkennen, daß in allen erfaßten Branchen der preisbereinigte Absatz je Kunde in den Jahren 1950 und 1951 über dem des Jahres 1936 liegt. Zum Teil ist die Zunahme sehr beachtlich, wie beispielsweise bei den Drogerien sowie im Textileinzelhandel mit gemischtem Sortiment und im Schuheinzelhandel. Diese Zunahme des durchschnittlichen Kundenabsatzes dürfte zum überwiegenden Teil auf den starken Nachholbedarf und auf Bedarfsverschiebungen zurückzuführen sein. Die Entwicklung des Absatzes je Kunde von 1950 nach 1951 ist in den herausgestellten Geschäftszweigen nicht einheitlich verlaufen. Ein Rückgang der preisbereinigten Zahl von 1950 auf 1951 läßt sich in den drei ersten Branchen, also bei den Drogerien, dem Textileinzelhandel mit Oberbekleidung und dem Textileinzelhandel mit vorwiegend Wäsche, Wirk- und Strickwaren feststellen. Dagegen wurde für die Textilgeschäfte mit gemischtem Sortiment eine Zunahme von 141 % im Jahre 1950 auf 145 % im Jahre 1951 festgestellt. Im Schuheinzelhandel lag die preisbereinigte Zahl des Absatzes je Kunde in beiden Jahren unverändert auf 144% von 1936.
Der Lagerbestand je beschäftigte Person in den Jahren 1949 bis 1951 im Vergleich zum Vorkriegsjahr 1938
Die Lagerhaltung des Einzelhandels in den ersten Jahren nach der Währungsreform ist im Vergleich zur Vorkriegszeit durch einen kleineren Lagerbestand je beschäftigte Person und durch eine damit verbundene schnellere Unischlagsgeschwindigkeit des Warenlagers gekennzeichnet. In allen herausgestellten Geschäftszweigen lag zwar der wertmäßige Lagerbestand je beschäftigte Person durchweg in allen drei Jahren höher als 1938. Berücksichtigt man jedoch die Preisveränderungen, so ergeben sich in allen Geschäftszweigen zum Teil wesentlich geringere mengenmäßige Bestände als 1938. Der Lagerbestand je beschäftigte Person hat also in den ersten Nachkriegsjahren im Vergleich zur Vorkriegszeit eine bedeutend schwächere Zunahme zu verzeichnen als die Preise. Lediglich im Textileinzelhandel mit vorwiegend Oberbekleidung lag die preisbereinigte Zahl des Lagerbestandes je beschäftigte Person im Jahre 1951 höher als im Jahre 1938.
Wie die preisbereinigten Zahlen des Lagerbestandes je beschäftigte Person erkennen lassen, war in den einzelnen Branchen die Höhe der Lagervorräte im Jahre 1949 im Vergleich zu 1938 sehr unterschiedlich. Einen sehr niedrigen Lagerbestand im Jahre 1949 im Vergleich zum Vorkriegsjahr 1938 hatten von den erfaßten Branchen der Tabakwareneinzelhandel, der Textileinzelhandel aller Gruppen, der Schuheinzelhandel und der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel.
Die Entwicklung des Lagerbestandes je beschäftigte Person in den Jahren 1949 bis 1951 ist in den einzelnen Branchen sehr uneinheitlich verlaufen. Mit Ausnahme von zwei Geschäftszweigen, dem Eisenwaren- und Hausratbandel mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten sowie dem Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel, erhöhte sich der preisbereinigte Lagerbestand je beschäftigte Person von 1949 auf 1950 zum Teil sehr beträchtlich. Dagegen ging der Lagerbestand je beschäftigte Person von 1950 auf 1951 in einzelnen Branchen zurück, während er sich in anderen Branchen zum Teil noch stark erhöhte.
