Bericht über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels im Jahre 1952
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDie vorliegende Nummer der Institutsmitteilungen bringt die Jahresergebnisse des Einzelhandelsbetriebs Vergleichs für das Jahr 1952. Der Jahresbericht für 1952 enthält wie der Bericht für das Jahr 1951 eine Zusammenfassung der Hauptergebnisse in Form von Durchschnittswerten der Branchen und Teilbranchen des Einzelhandels. Die Bekanntgabe der Durchschnittsergebnisse für die Personen- und Absatzgrößenklassen sowie der Ergebnisse der Sonderauswertungen nach der Personalleistung, nach Ländern und Ortsgrößen ist in einer besonderen Nummer der Neuen Folge der Schriftenreihe des Instituts vorgesehen, die voraussichtlich gegen Ende des Jahres erscheinen wird.
In die Jahresauswertung für 1952 wurden 19 Einzelhandelsbranchen und 11 Teilbranchen einbezogen. Im Berichtsjahr sind gegenüber dem letzten Jahresbericht über die Betriebsvergleichsergebnisse für 1951 zwei neue Einzelhandelsbranchen, der Linoleumhandel und die Blumenbindereien hinzugetreten. Die Blumenbindereien hatten bereits im Jahre 1949 am Betriebsvergleich teilgenommen. Infolge zu geringer Beteiligung mußten die Erhebungen hier jedoch vorübergehend eingestellt werden.
Die Jahreserhebung 1952 wurde nach den gleichen Grundsätzen durchgeführt wie für das Jahr 1951. Sie erfolgte wiederum durch Versendung von eigenen Jahresfragebogen, so daß auch solche Firmen, die nicht laufend monatlich berichten, durch eine einmalige Meldung am Jahresbetriebsvergleich teilnehmen konnten. In verschiedenen Branchen wurde der Betriebsvergleich für 1952 ausschließlich in Form dieser jährlichen Gesamterhebung durchgeführt. Es sind dies der Photoeinzelhandel, der Sportartikeleinzelhandel, der Linoleumhandel und die Blumenbindereien.
Den Jahresergebnissen des Betriebsvergleichs für 1952 liegen die Meldungen von insgesamt 2346 Einzelhandelsfinnen zugrunde. Damit hat sich die Beteiligung an dem Jahresvergleich gegenüber den Vorjahren weiter vergrößert.
Im Vergleich zu 1951 ist die Teilnehmerzahl an der Jahreserhebung 1952 um etwa 6% größer. Neben dem Schuheinzelhandel, der durch das Hinzutreten einer größeren Anzahl von Mitgliedern einer Einkaufsgenossenschaft einen kräftigen Zugang erfahren hat, wirkt sich die Erweiterung der Erhebungsbasis auch in einigen anderen Branchen, so im Möbeleinzelhandel, bei den Drogerien, im Papier-, Bürobedarf und Schreibwareneinzelhandel, im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel und im Photoeinzelhandel auf den Repräsentationsgrad der Ergebnisse günstig aus. Allerdings konnte auch im Jahre 1952 in verschiedenen Fachzweigen die an sich wünschenswerte Beteiligung noch nicht erreicht werden. Das gilt besonders für diejenigen Branchen, deren Teilnehmerzahl noch unter 40 Betrieben liegt. Diese Branchen sind der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel, der Fahrradeinzelhandel, der Photoeinzelhandel, der Sportartikeleinzelhandel, der Linoleumhandel, die Blumenbindereien und innerhalb des Textileinzelhandels die Teilbranchen Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung, Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung, Meterwaren sowie Haus- und Bettwäsche, Bettwaren und innerhalb des Eisenwaren- und Hausrathandels die Teilbranche Öfen und Herde. Diese nicht ausreichende Repräsentation ist in den Tabellen durch Kleinkursivdruck gekennzeichnet.
Der Kreis der in der Jahreserhebung 1952 erfaßten Einzelhandelsbetriebe setzt sich zusammen aus 1637 Finnen, die auch am monatlichen Betriebsvergleich teilnehmen, und aus 709 Firmen, die eine einmalige Jahresmeldung abgegeben haben. Unter den letzteren befinden sich 328 Firmen, die sich bereits im Jahre 1951 einmalig beteiligt haben, und 381 Firmen, die im Jahre 1952 zum ersten Male am Jahresbetriebsvergleich teilgenommen haben.
Die in dem vorliegenden Jahresbericht abgedruckten Tabellen enthalten mit Ausnahme der Übersicht in Tabelle 1 über die Gliederung des Teilnehmerkreises die auf Grund der einzelbetrieblich ausgerechneten Vergleichszahlen ermittelten Durchschnittsergebnisse der Branchen und Teilbranchen. Die Zahl der Auswertungspositionen konnte im Jahre 19 52 um eine Reihe zusätzlicher Vergleichsangaben erweitert werden. Erstmalig für das Jahr 1952 wird in einigen Branchen, die in stärkerem Umfange Großhandelsabsatz tätigen, die Vergleichszahl Absatz je Kunde, aufgeteilt in Barabsatz je Barkunde und Kreditabsatz je Kreditkunde, bekanntgegeben. Ferner werden wie bei den vierteljährlichen Erhebungen über den Umfang des Kreditgeschäftes die Kreditverkäufe jetzt aufgegliedert angegeben, und zwar in Verbindung mit Teilzahlungs-Finanzierungs- Instituten gewährte Kredite, sonstige Teilzahlungsverkäufe auf Grund von besonderen Teilzahlungsverträgen, alle sonstigen Kreditverkäufe (offene Buchkredite, Anschreiben).
Im übrigen beziehen sich die vorliegenden Tabellen auf die gleichen Auswertungspositionen wie im Jahre 1951. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises an der Jahreserhebung 1952 nach Branchen, Teilbranchen und Personengrößenklassen. Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der Warenbeschaffung, des Warenabsatzes, der Gesamtkosten und des Lagerbestandes im Jahre 1952 in Prozenten von 1951. In Tabelle 3 wird der monatliche Index der Einzelhandelsumsätze (Beschaffung und Absatz) für die Hauptbedarfsgruppen und für den gesamten Einzelhandel seit Beginn der Betriebsvergleichserhebungen im Januar 1949 aufgeführt. Tabelle 4 enthält eine Generalübersicht über widitige Absatzergebnisse des Jahres 1952. Tabelle 5 vermittelt einen Überblick über die Aufgliederung des Warenabsatzes sowie über die Höhe der Kreditverkäufe und Außenstände. Tabelle 6 enthält eine Aufgliederung der Kreditverkäufe nach den bereits oben genannten Kreditarten. Tabelle 7 gibt die wichtigsten Lagerzahlen wieder. In den Tabellen 8 und 9 sind die Handlungskosten aufgegliedert nach Kostenarten sowohl in Prozenten des Absatzes als auch in Prozenten der Gesarntkosten zusammengestellt.
Hinsichtlich der Erläuterung der Erhebungspositionen wird auf die Ausführungen auf den Seiten 8 bis 12 der Nr. 1 der Schriften zur Handelsforschung „Beschaffung, Lagerung, Absatz und Kosten des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949, 1950 und 1951" sowie auf den Sonderdruck „Der Betriebsvergleich des Einzelhandels und seine Durchführung" (Ausgabe 1953) verwiesen. Die für das Verständnis der folgenden Tabellen wichtigsten Erläuterungen sind nachstehend abgedruckt.
Für die Berechnungsweise der in den einzelnen Tabellenenthaltenen Angaben gilt folgendes:
Beschäftigte Personen:
Hierunter ist die im Berichtszeitraum durchschnittlich beschäftigte Personenzahl einschließlich des oder der Inhaber und der mithelfenden Familienangehörigen zu verstehen. Bei der Ermittlung dieser Zahl sind Lehrlinge im 1. und 2. Lehrjahr und Anlernlinge im 1. Jahr mit 0,5 bewertet, teilbeschäftigte Personen mit einem ihrer Arbeitszeit entsprechenden Bruchteil.
Warenbeschaffung :
Sie umfaßt die Summe der Einkaufsrechnungen laut Wareneingangsbuch bzw. Eingangsseite (Soll) des Wareneinkaufskontos einschließlich der Bezugskosten (wie Frachten, Rollgelder), jedoch abzüglich der Retouren, Preisnachlässe und Skonti.
Warenabsatz :
Er enthält den gesamten Warenausgang (Bar- und Kreditverkäufe) zu Verkaufspreisen. In Branchen, in denen die Kreditverkäufe keine besondere Rolle spielen, sind notfalls an Stelle des Warenausgangs die Zahlungseingänge, die den Umsatzsteuenneldungen entsprechen, eingesetzt worden.
Absatz je beschäftigte Person :
Die Berechnung des Absatzes je beschäftigte Person erfolgt durch Division des Gesamtabsatzes des Berichtszeitraumes durch die Zahl der im Berichtszeitraum im Durchschnitt beschäftigten Personen (Personenbewertung siehe „Beschäftigte Personen").
Absatz j e Kunde , Barabsatz je Barkunde und Kreditabsatz je Kreditkunde :
Der Absatz je Kunde ist durch Teilung des Gesamtabsatzes des Berichtszeitraumes durch die Kundenzahl des Berichtszeitraumes (Zahl der Kassenzettel und Zahl der Kreditverkäufe) errechnet, der Barabsatz je Barkunde durch Teilung des Barabsatzes durch die Zahl der Barkunden und der Kreditabsatz je Kreditkunde durch Teilung des Kreditabsatzes durch die Zahl der Kreditkunden.
Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum :
Seine Berechnung erfolgt durch Division des Gesamtabsatzes durch die Quadratmeterzahl der im Berichtszeitraum benutzten Geschäftsräume. Zu den Geschäftsräumen werden Verkaufs-, Ausstellungs-, Lager- und Büroräurne sowohl in eigenen als auch in fremden Gebäuden gezählt, nicht jedoch ausgesprochene Nebenräume wie Garagen, Abstellräume.
Großhandelsabsatz :
Darunter ist der Absatzanteil zu verstehen, für den die Großhandelsumsatzsteuer gilt, also Lieferungen an Wiederverkäufer, gewerblidie Verwender und Großverbraucher.
Werkstattabsatz :
Zum Werkstattabsatz rechnen Änderungen, Zurichtung arbeiten und Montagen von verkauften Waren sowie nicht aus dem Handelsbetrieb erwachsene Reparaturen, Laborarbeiten usw. Nicht als Werkstattabsatz zählt die Neuanfertigung von Waren (siehe Eigenherstellung).
Eigenherstellung :
Darunter sind die in gewerblichen Nebenbetrieben des Handelsgeschäftes selbsterzeugten Waren zu verstehen.
Kreditverkäufe :
Hierunter fällt der gesamte Kreditabsatz und zwar in Verbindung mit Teilzahlungs-Finanzierungs- Instituten gewährte Kredite, sonstige Teilzahlungsverkäufe auf Grund von besonderen Teilzahlungsverträgen, alle sonstigen Kreditverkäufe (offene Buchkredite, Anschreiben).
Außenstände aus Kreditverkäufen :
Die Außenstände aus Kreditverkäufen werden jeweils am letzten Tage des Berichtsjahres erfaßt. Sie beziehen sich auf außenstehende Raten aus Teilzahlungsverkäufen, Buchkredite und das sogenannte Anschreiben. Sie sind in Prozenten des Absatzes des Berichtsjahres berechnet.
Lagerbestand je beschäftigte Person. Berechnungsformel:
Durchschnittlicher Lagerbestand des Berichtsjahres zu Inventurwerten (Anfangsbestand + Endbestand geteilt durch 2) dividiert durch die Zahl der im Berichtsjahr im Durchschnitt beschäftigten Personen (Personenbewertung siehe „Beschäftigte Personen").
Umschlagsgeschwindigkeit des Warenlagers :
Berechnungsformel: Gesamtabsatz des Berichtsjahres zu Einstandspreisen dividiert durch den durchschnittlichen Lagerbestand (Anfangsbestand + Endbestand geteilt durch 2) des Berichtsjahres zu Inventurwerten.
Lagerentwicklung :
Für die Kennzeichnung der Lagerentwicklung werden zwei Auswertungen vorgenommen. Die eine zeigt die Entwicklung der Lagerbestände innerhalb eines Jahres, die andere die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahre. Im ersten Falle wird der Endbestand des Lagers zu Inventurwerten am 31. Dezember in Prozenten des Anfangsbestandes am 1, Januar des gleichen Jahres berechnet (Anfangsbestand gleich 100). Im zweiten Falle wird der durchschnittliche Lagerbestand des Berichtsjahres in Prozenten des durchschnittlichen Lagerbestandes des Vorjahres ausgerechnet. (Durchschnittlicher Lagerbestand des Vorjahres gleich 100).
Personalkosten :
In ihnen sind die Bruttogehälter und -löhne aller vom Betriebe angestellten Personen einschließlich des Arbeitgeberanteils an sozialen Lasten sowie Tantiemen, Gratifikationen, Prämien, Provisionen und Sachleistungen enthalten.
Entgeltfürnichtentlöhnte Tätigkeit des Inhabers und seiner Familie (Unternehmer - Lohn):
Da bei Einzelunternehmungen, offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften unter Personalkosten kein Unternehmerlohn verbudit wird, wird dafür ein kalkulatorischer Betrag angesetzt. Das kalkulatorisdie Engelt entspricht dem an gleichwertige leitende oder ausführende Kräfte nadr den Sätzen der örtlichen Tarifordnung bzw. nach freier Vereinbarung zu zahlenden Gehalt. Für den Tabakwareneinzelhandel gilt wegen der Erhöhung der Absatzwerte durch die Verbrauchssteuer die Regelung, daß die Unternehmerlohnsätze gegenüber den für die anderen Einzelhandelsbranchen geltenden Werten um 1/3 herabgesetzt werden. Für die mithelfenden Familienangehörigen, die kein Gehalt beziehen und somit nicht Angestellte sind, wird ein ihrer Tätigkeit entsprechendes kalkulatorisches Entgelt angesetzt.
Miete :
Miete ist der für ausschließlich dem Betriebszweck dienende fremde Räume gezahlte Betrag und der Mietwert für Räume in eigenen Gebäuden. Als Mietwert bei eigenen Räumen ist die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn Räume in gleichem Umfang und in der gleichen Läge gemietet worden wären. Kosten für Heizung, Reparaturen, Licht usw. sind nicht in der Miete, sondern in der Position „Sonstige Kosten" enthalten.
Steuern :
Zu den Steuern sind nur die betrieblichen Steuern gerechnet, also Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Umsatzsteuer und Gewerbesteuer wurden getrennt erhoben, die Kraftfahrzeugsteuer für Betriebsfahrzeuge ist bei den „Sonstigen Kosten" berücksichtigt. Nicht als Steuern gelten Beiträge, audi wenn sie steuerlich abzugsfähig sind. Nicht zu dieser Position zählen ferner die Einkommensteuer, Vermögensteuer usw. des Unternehmers, sowie die Körperscfaaftstemet, Grundsteuer, Soforthilfeabgabe und Investitionshilfeabgabe.
Reklamekosten :
Als Reklamekosten gelten alle Sachausgaben für Werbung, wie Dekorationskosten, Inserate, Prospekte, Plakate, ferner die Beiträge für Werbegemeinschaften, Honorare für gelegentliche Werbehelfer usw. Die Gehälter für festangestelltes Personal (z.B. Dekorateure) sind nicht den Reklamekosten, sondern den Personalkosten zugerechnet.
Abschreibungen :
Hierunter fallen Abschreibungen auf Inventar, Fahrzeuge und Forderungen gemäß dem Abschluß des Berichtsjahres, Abschreibungen auf das Warenlager sind nicht hier, sondern in der Lagerbewertung berücksichtigt, Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude durch den Mietwert abgegolten.
Zinsen für Eigenkapital :
Bei Einzelunternehmungen und Personalgesellschaften sind 4% des Eigenkapitals des Inhabers oder der Gesellschafter nach dem Stande des Kapitalkontos am Ende des Berichtsjahres gerechnet, jedoch ohne Berücksichtigung des Gewinnes bzw. Verlustes des jeweiligen Berichtsjahres. Bei Kapitalgesellschaften sind 4% des Grundkapitals einschließlich der gesetzlichen und freiwilligen Rücklagen angesetzt, jedoch ohne Berücksichtigung der Zu- und Abgänge aufgrund des Jahresabschlusses.
Sonstige Kosten :
Hier sind alle in den übrigen Kostenpositionen nicht enthaltenen Handlungskosten berücksichtigt, laicht enthalten sind die Grundstücks- und Gebäudekosten sowie Wiederaufbaukosten, da sie durch den Mietwert abgegolten sind, Ausgaben für Neuanschaffungen, die durch die Abschreibungen berücksichtigt sind, und die Warenbezugskosten, die der Beschaffung zugerechnet sind.
Entwicklungszahlen der Warenbeschaffung, des Warenabsatzesund der Handlungskosten:
Die Entwicklungszahlen werden für jeden Betriebsvergleichsteiltiehmer einzeln berechnet, wobei die Werte des Berichtsjahres in Prozenten der entsprechenden Werte des Vorjahres ausgedrückt werden. (Warenbeschaffung, Warenabsatz, Handlungskosten des Vorjahres gleich 100).
