Home | 1953 | 1953-11-15 | Über die Förderung der wirschaftswissenschaftlichen Forschung

Über die Förderung der wirschaftswissenschaftlichen Forschung

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Akademische Festrede, gehalten bei der Jubiläumsfeier der Gesellschaft zur Förderung des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln

Vor 25 Jahren wurde durch die Gründung der Gesellschaft, deren Jubiläum wir heute feiern, das Fundament gelegt, auf dem seitdem die Handelsforschung an der Kölner Universität basiert.
Diese Gründung, weitschauend und weitherzig gefördert durch die Kaufmannschaft und begleitet vom Wohlwollen der kommunalen und staatlichen Stellen, ist ein markantes Beispiel der Art, wie überhaupt wirtschaftswissenschaftliche Forschung gefördert werden kann.
Im handelswissenschaftlichen Bereiche gebührt dabei den Kaufleuten des Einzelhandels unbestritten das große Verdienst, den Weg als erste beschritten zu haben. Die seit einem Vierteljahrhundert bestehende Förderungsgesellschaft meines Instituts war zunächst eine zur Förderung der betriebswirtschaftlichen Einzelhandelsforschung, Es spricht für die hohe Einsicht der die Gesellschaft tragenden Kaufleute, daß sie bald anerkannten, daß über den Einzelhandel hinaus die Forschungsaufgabe in dem größeren Rahmen des gesamten Handels gesehen werden muß, um auch für den Einzelhandel fruchtbare Ergebnisse zu zeitigen und daß für alle wirtschaftswissenschaftliche Forschung die Zielsetzung die gleiche zu sein hat, die auch jeder wirtschaftlichen Tätigkeit gesetzt ist: die der besten Versorgung der Konsumenten.
So erwuchs in kurzer Zeit aus der engeren Förderungsaufgabe die weitere und das drückte sich auch sowohl in der Namensgebung der Förderungsgesellschaft als auch insbesondere in der des darin beweglicheren Instituts aus. Es begann 1928 als Betriebswirtschaftliches Institut für Einzelhandelsforschnng und bezeichnete schon ab 1931 seine Aufgabe als die eines Forschungsinstituts für Konsumtionsversorgung und hieß ab 1935 Institut für Bedarfs- und Absatzforschung. Die wieder zunehmende Anerkennung der alten Inhaltsbedeutung des Wortes Handels als des Inbegriffs aller wirtschaftlichen Umsatzprozesse überhaupt, die sich in Bezeichnungen wie Handelsgesetzbuch oder Handelskammer erhalten hatte, führte schließlich 1944 zur heutiigen Benennung „Institut für Handelsforschung". Der Forschungsbereich schließt den Handel der Produzenten ebenso wie den der Groß- und der Einzelhändler und den der Haushaltungen, also den Konsumentenhandel, ein.
Die Fragen der Förderungsnotwendigkeit dieser Handelsforschung und die nicht minder wichtige der zu wählenden organisatorischen Form der Förderung sind vor 25 Jahren für das Handelsinstitut durch die Gründung einer eigenen im wesentlichen von der Kaufmannschaft getragenen, Förderungsgesellschaft entschieden worden. Diese Fragen sind aber zugleich Grundsatzfragen für den gesamten Bereich der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung. Inwieweit bedarf sie einer Förderung, und wenn, in welcher Form hat diese zu erfolgen und was bedeutet das für ihre Unabhängigkeit? Darauf sei jetzt eingegangen.
Im weitesten Sinne umschließt Förderung der Wissenschaft alles, was für die Betätigung des Wissenschaftlers an
Voraussetzungen erfüllt sein muß, also insbesondere auch die der Freiheit der Forschung. Im engeren Sinne ist an
die Förderungsmaßnahmen zu denken, die ihm Forschungsapparat und Existenz sichern.
Das alte Modell der Sicherung der wissenschaftlichen Arbeit durch geeignete Institutionen, die aus eigenem Vermögen heraus sich selbst ausreichend zu unterhalten in der Lage sind, ist auch heute noch das ideale. Es hat den wiederholten Entwertungen des Besitzes und den Nationalisierungsbestrebungen nicht standhalten können. Heute sind auch die einst über große eigene Vermögen verfügenden alten Universitäten ohne staatlichen Zuschuß nicht lebensfähig und wandeln sich damit zunehmend in von Beamten betreute staatliche Anstalten, eine Entwicklung, die bedenklich stimmen muß. Denn wissenschaftliche Forschung bedarf der Linabhängigkeit, der Freiheit des Forschers, und insofern ist der Beamte, der seinen Dienst durch Forschen wahrzunehmen hat, eine ähnlich schiefe Konstruktion, wie sie etwa der beamtete Hofpoet war. Andererseits aber bedarf es keiner ausführlichen Begründung mehr, daß Arbeitskraft und Hilfsmittel eines einzelnen, allein auf sich gestellten Gelehrten heute in der Regel für größere Forschungsvorhaben nicht ausreichen. Selbst wenn er seinen Lebensunterhalt aus eigenem Vermögen oder anderer Berufstätigkeit bestreiten kann, so ist doch in vielen wissenschaftlichen Disziplinen der Materialbereich so umfangreich geworden, daß es zusätzlicher Hilfen bedarf, um wissenschaftlich arbeiten zu können.
Die öffentlichen wissenschaftlichen Bibliotheken sind die älteste, uns heute selbstverständliche Hilfe dieser Art.
Hinzu treten die Archive, um die Jahrhundertwende auch eigene Wirtschaftsarchive, die zusätzliches, bibliothekmäßig nicht erfaßtes wirtschaftswissenschaftliches Material bereitstellen. Ihren Ausbau finden diese Forschungshilfen in den Instituten.
Die ersten wirtschaftswissenschaftlichen Institute bildeten sich in den Jahren vor dem ersten Weltkriege. Ihre Aufgabe
ist die Bereitstellung eines ausgebauten Forschungsapparates, der, ähnlich wie bei den viel älteren naturwissenschaftlichen Instituten, dem einzelnen Forscher die Forschungsunterlagen und -hilfsmittel und die Arbeitsbedingungen zu geben hat, die selbst zu erstellen er nicht mehr in der Lage ist. Die meisten dieser Institute beschränken sich auf die literarische Materialhilfe und entsprechen praktisch Bibliotheken oder Wirtschaftsarchiven, und ihr Forschungsbetrieb ist der eines Seminars, abhängig vom Zufall der gerade verfüg- oder gewinnbaren Bearbeiter und deren Themenwünschen, Diesen Charakter ändert auch nicht die häufige Ergänzung durch einen Veröffentliehungsdienst bibliographischer oder sonstiger berichtender Art bis zur Herausgabe eigener Zeitschriften. Die besondere Leistung der Institute liegt vielmehr im Ermitteln und Aufbereiten der gewaltigen Fülle der wirtschaftlichen. Fakten, Ihre Beobachtung und vielfältig benutzbare Ordnung bedarf umfangreicher Vorkehrungen und eines erheblichen laufenden Arbeitsaufwandes. Nur für die durch die öffentliche Statistik erfaßten Fakten ist das bisher brauchbar gelöst und damit allerdings für einen recht wesentlichen Teil. Aber immer mehr zeigt sich, wie viele Wirtschaftsdaten, insbesondere betrieblichen Ursprungs, sonst noch festzuhalten und aufzuarbeiten wären.
Vor allem in diesen betrieblichen Bereichen hat die Institutsarbeit einzusetzen. Hier eröffnen sich noch weite
Aufgaben, da insbesondere audi die Methoden der Arbeitsweise wie der Materialdarstellung erst noch zu entwickeln sind. Je vollkommener das gelingt, um so mehr steigt der Erkenntniswert des Erfaßten, das dann nicht nur den Wert von vorgearbeitetem Material hat, sondern Eigenwert als wissenschaftliches Ergebnis. Insofern können die Institute auch forscherisch produktiv sein. Diese Entwicklung und Ausprobimg von Forschungsmethoden samt ihrer Anwendung auf die Materialdarstellung ist eine Aufgabe, die über die Sammelaufgabe hinausgeht.
Hingegen wird die wissenschaftliche Durchleuchtung und - wenn es gelingt - Lösung eines wirtschaftlichen Problems immer eine gelehrte Individualleistung bleiben müssen, auch wenn sie in einem Institute einem Mitarbeiter übertragen wird. Hierin unterscheidet sich die Arbeitsweise wirtschaftswissenschaftlicher Institute stark von der der naturwissenschaftlichen, in denen gegebenenfalls Forschungsarbeit an der gleichen Aufgabe in vielen gleichzeitig laufenden Versuchsreihen, unter Umständen noch arbeitsteilig aufgegliedert, von einer größeren Zahl Forschender zu gleicher Zeit geleistet wird, bis zu den gewaltigen Kollektivforschungen mit Tausenden wissenschaftlich Arbeitenden, die die in eigenen Forscherstädten konzentrierte Atomforschung gezeitigt hat.
Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche fehlt die naturgesetzliche Zwangsläufigkeit der Kontrolle des Forschungsergebnisses. Es ist vielmehr letzten Endes immer eine Interpretation und damit eine subjektive Stellungnahme. Aber die Institute können dazu verhelfen, daß diese Stellungnahme auf breitem und gesichertem Wissen um die wirtschaftlichen Fakten basiert, wenn diese auch im Augenblick ihrer Festhaltung bereits historische Größen sind und damit von einem bedingten Geltungswert. So kommt den Instituten eine zweifache Aufgabe zu: die der Materialsammlungund Materialaufarbeitung für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und die der Methodenentwicklung. Bei den Hochschulinstituten tritt, aus der für die deutschen Universitäten charakteristischen engen Verbindung von Forschung und Lehre erwachsend, als dritte die Unterrichtsaufgabe als eine der Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses hinzu.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, bedarf die wirtschaftswissenschaftliche Forschung erheblicher finanzieller Mittel,
die durch Zuwendungen an die Wissenschaft aufgebracht werden müssen. Diese Zuwendungen tragen aber für die
Forschung eine große Gefahr in sich. Sie können unfrei machen. Damit wird eine Frage angeschnitten, die seit der
ersten Subventionierung wirtschaftswissenschaftlicher Forschung besteht: Ob und inwieweit es vertretbar ist, durch
Zuwendungen eine Wissenschaft zu fördern, deren Ergebnisformulierung im wesentlichen subjektive Leistung ist und damit persönlicher Beeinflussung unterliegen kann. Lind wie ist insbesondere eine solche Subventionierung zu beurteilen, wenn sie durch die Wirtschaftenden selbst, also durch Interessenten, erfolgt?
Wir gedenken heute der Gründung der Förderungsgesellschaft meines Instituts. Es geziemt sich daher, die damals
für das Institut gewählte und bis heute beibehaltene Form der Förderung an erster Stelle zu würdigen. Bei diesem,
inzwischen in Köln noch wiederholt beschrittenen Weg der Wissenschaftsförderung, ist zwischen dem einzelnen Förderer und dem Institute ein Mittler, eben die Förderungsgesellschaft, eingeschaltet, die die einzelnen finanziellen Beiträge sammelt und aus diesen ihren Einnahmen die wissenschaftliche Arbeit subventioniert.
Bei der Gründung meines Instituts war daran gedacht worden, aus den Beiträgen, vor allem aus großen einmaligen, ein Stiftungskapitel für das Institut aufzubringen, das groß genug sei, um aus seinem Zinsertrage die laufende Arbeit zu finanzieren. Das gelang nicht, es mußte vielmehr die Ihnen geläufige Form der Förderung durch jährliche Zuwendungen gewählt werden. Dabei fördern die Mitglieder der Gesellschaft die Handelsforschung des Instituts durch Beiträge an die Gesellschaft, die ihrerseits die Institutsarbeit durch laufende, im Beirat des Institutes auf ein Jahr im voraus vereinbarte Zuwendungen unterstützt. Dem Institutsbeirate gehören an der Präsident und die Vizepräsidenten der Gesellschaft sowie der Kölner Handelskammerpräsident und als die zuständigen universitären Stellen der Rektor, der Dekan, der Vorsitzende des Universitätskuratoriums und der Institutsdirektor. Da die Satzung der Förderungsgesellschaft jede Einflußnahme auf den wissenschaftlichen Betrieb und die Leitung des Instituts ausdrücklichausschließt, ist der Beirat die Stelle des Zusammenwirkens von Förderungsgesellschaft und Institut. Um auch hier die Unabhängigkeit der Forschung zu wahren, ist der Beirat nach der Institutssatzung ausdrücklich als Beratungsorgan für den Verwaltungsbereich des Instituts bezeichnet, hat also keine Weisungsbefugnisse.
Diese Konstruktion setzt seitens der Förderer des Instituts hohe Einsieht in das Wesen wissenschaftlicher Institutsarbeit voraus und ist besonders hoch zu veranschlagen bei Kaufleuten, die bei ihrer eigenen Tätigkeit ein ausgeprägter Sinn für die Wechselwirkung von Leistung und Gegenleistung auszeichnet. Daß gerade in den Kreisen des praktischen Handels so großes Verständnis für die unbedingte Notwendigkeit vorliegt, auch nur den Anschein einer Einflußnahme zu vermeiden, die sich auf Beitragsleistungen beruft, ist hoch anzuerkennen und nicht zuletzt das Verdienst der Präsidenten der Förderungsgesellschaft, die diesen Gesichtspunkt immer auf das allerdeutliichste betont haben. Es beruht aber auch auf der Einsicht, daß wissenschaftliche Arbeit nur in Ruhe und ohne den Zwang gedeihen kann, sofort ausnutzbare Ergebnisse zu zeitigen und daß, auf lange Sicht gesehen, allein schon die Tatsache der wissenschaftlichen Durcharbeitung der Handelsprobleme allen Handelstreibenden zum Nutzen gereicht, gleichgültig, ob Teilergebnisse auf diesem Wege ihren augenblicklichen wirtschafts- oder betriebspolitischen Wünschen entsprechen oder nicht.
Jeder am Handel Beteiligte bedarf des Einblicks in die Bedingtheiten und die Arbeitsweise der übrigen. Nur dadurch kann er das für ihn selbst Erforderliche richtig bewirken. Der mittelständische Klein- und Mittelbetrieb muß daher über die Großbetriebe, diese über ihn unterrichtet sein, ebenso der selbständige Handel über die Genossenschaften und umgekehrt. Der Großhandel bedarf des Einblickes in die Wirtschaftsweise seiner Kunden, der Einzelhändler, und in die aller, die diese sonst noch beliefern, etwa die der direkt absetzenden Fabrikanten. Die einzelnen Arten und Betriebsformen des Handels sind so auf die Kenntnisse der mit ihnen im Wettbewerb stehenden angewiesen und alle müssen über die Konsumenten und ihre Haushaltungen unterrichtet sein. Die wissenschaftliche Erforschung der Handelswirtschaft erstreckt sich auf alle diese Erscheinungen des Umsatzprozesses und ihre strukturellen Grundlagen. Für das Institut sind sie alle gleich wichtig, und seine Forschungsarbeit muß unbeeinflußt bleiben von den praktischen Interessen, die hinter jeder dieser Betriebsformen stehen.
Diese starke Betonung der Unabhängigkeit des Instituts bedeutet natürlich nicht Absentierung von den Fragen der
wirtschaftlichen Praxis. Im Gegenteil: der Mitgliederkreis der Förderungsgesellschaft ist für mein Institut Resonanzboden seiner praktischen Auswirkung und es ist sehr um Kontakt bemüht. Ein eigenes Mitteilungsblatt, das über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts berichtet, wird für die Mitglieder der Förderungsgesellschaft herausgegeben, ein Arbeitskreis für angewandte Handelsforschung ist auf ihre Anregung von Mitgliedern der Gesellschaft und den Institutsvertretern gebildet worden. Für die Gesellschaftsmitglieder werden die Ergebnisse der Betriebsvergleichserhebungen des Instituts, die dieses für zahlreiche Geschäftszweige des Handels nach bestimmten Gruppenmerkmalen geordnet veröffentlicht, in vertrauliche synoptische Tabellen aufgelöst, aus denen jeder einzelne Betrieb seine individuellen Zahlen mit denen der anderen Betriebe vergleichen kann. Groß ist die Zahl der aus dem Institut und seinen Seminaren hervorgegangenen Diplomkaufleute, die bei Mitgliedern der Förderungsgesellschaft tätig sind und zahlreiche Junioren der Mitglieder haben am Institut ihre wissenschaftliche Ausbildung gefunden.
Diese Förderung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung über eine eigene Förderungsgesellsdiaft, deren Mitgliederkreis außer der Wirtschaftspraxis auch ihre Verbände, ferner kommunale und staatliche Stellen, im Grundsatz jeder und jede Institution, die förderungswillig sind, angehören können, ist einer der Wege.
Näher liegt ein anderer: Die Förderung aus Mitteln der öffentlichen Hand. Er ist sogar der nächstliegende, nachdem der Staat Finanzträger der Universitäten als den nicht nur traditionellen, sondern auch den berufensten Stellen der wissenschaftlichen Forschung geworden ist.
Der Staat hat für die Förderung der Wirtschaftswissenschaft viel geleistet und leistet weiterhin viel. Die Zahl
der Lehrstühle ist im gesamten wirtschaftswissenschaftlidien Bereich sehr stark vermehrt worden, ist es doch erst
5O Jahre her, daß der erste betriebswirtschaftliche Lehrstuhl in Zürich mit dem Handelswissenschaftler Johann
Friedrich Schär besetzt wurde. In diesem halben Jahrhundert sind die Handelshochschulen als eigene Wirtschaftshochschulen errichtet, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultäten gegründet und rechtswissenschaftliche nach der wirtschaftswissenschaftlichen Seite hin ausgebaut und das Wirtschaftsstudium mit eigenen Abschlußmöglichkeiten ausgestattet worden. Aber die Diskrepanz zwischen Wünschenswertem und Erreichtem ist dennoch sehr groß. Vor allem hat sidi die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt, daß für diesen Bereich der Geisteswissenschaften ein Forschungsapparat erforderlich ist, der zwar in seinen Dimensionen nicht mit dem für naturwissenschaftliche Aufgaben benötigten vergleidibar ist, aber doch ganz wesentlich über das hinausgehen muß, was die heutigen Mittel gestatten. Dieser Forschungsapparat erfordert zu seiner Unterhaltung laufende Mittel, die seine fixen Kosten ausmachen und die eine gewisse Breite des wissenschaftlichen
Betriebes unbeschadet der zu lösenden Einzelaufgaben zulassen müssen.
Leider werden Mittel der öffentlichen Hand mit Vorliebe nicht für solche existenzsichernden fixen Aufwendungen,
sondern nur für ganz bestimmte, inhaltlich und zeitlich genau begrenzte Forschungsvorhaben bewilligt und es wird ein genauer Nachweis gefordert, daß alle Ausgaben dem bewilligten Einzelvorhaben dienten. Ein solches vorher, also in einer Art Voransdilag, in seinen Dimensionen, seinen Schwierigkeiten und damit in seinen Kosten genau abzuschätzen, ist bei vielen wissenschaftlichen Aufgaben aus ihrer Natur heraus unmöglich und so ergeben sich zu den Finanzierungs- auch noch Abrechnungsschwierigkeiten, die nicht auftreten würden, wenn eine breitere Arbeitsbasis von vornherein gegeben wäre. In der langfristigen Sicherung der Grundkosten des Forschungsapparates der Institute, der sachlichen wie der persönlichen, liegt, da sie die Hochschulen selbst nicht mehr aus eigenem Vermögen gewähren kann, eine klare Aufgabe der staatlichen Förderung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung vor. Mit ihrer Wahrung ist zugleich die größte Sicherung gegen etwaige Versuche unzulässiger Einflußnahme gegeben, denn Unabhängigkeit im Apparat bedeutet auch Unabhängigkeit in seiner Anwendung.
Erst wenn die laufenden Kosten eines Forschungsinstitutes garantiert sind, kann es sich um zusätzliche Mittel
für einzelne, in sich abgegrenzte Forschungsvorhaben bemühen. Erst nach Sicherung der Grundkosten der Institute
kann auch eine so segensreiche Einrichtung wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft voll wirksam werden. Denn
auch die Forschungsgemeinschaft, eine Förderungsgesellschaft für die gesamte Wissenschaft, subventioniert nur
die Einzelaufgabe, nicht aber die Forschungseinrichtung als solche.

Wir müssen also eigentlich zwei Arten der Förderung unterscheiden:
Die mit und die ohne Anspruch, und durch diese ist die Voraussetzung für jene zu schaffen.
Die meisten wirtschaftswissenschaftlichen Institute werden heute aus mehreren Finanzquellen unterhalten, deren richtige Bemessung als Problem noch kaum erkannt wird. Dabei liegt in der Dosierung ein gutes Stück Forschungspolitik und der Staat sollte darüber wachen, daß, immer aus dem Gesichtspunkte der Sicherung der Unabhängigkeit, seine Mitwirkung nicht kleiner als die aller anderen ist, ja, es sollte geradezu Grundsatz sein, bei anerkannten Forschungsinstituten die Untergrenze des Zuschusses der öffentlichen Hand gleich der Hälfte der sonst aufgebrachten Mittel zu fixieren. Bei diesen anerkannten Instituten müssen aber auch alle Sicherheiten gegeben sein, daß die wissenschaftliche Arbeit unbeeinflußt und im Dienste der Allgemeinheit erfolgt. Ihre Satzungen sollten ministeriell genehmigt, ihre Direktoren von den zuständigen Ministern bestellt sein.
Erst die finanzielle Sicherung des Institutsbestandes durch die öffentliche Hand macht unabhängig von geldlichen
Sorgen, die sich hemmend auf die Forschung auswirken können. Denn die privaten Zuwendungen sind als
freiwillige jederzeit widerrufbar und bei der Empfindlichkeit der praktischen Kreise den wirtschaftspolitischen
Fragestellungen gegenüber kann nicht ausgeschlossen werden, daß aus einer augenblicklichen Mißstimmung heraus
mit dem Zurückziehen bisher gewährter Unterstützung reagiert wird. Mein Institut z. B. betreibt und muß betreiben Handelsforschung, die unabhängig von den Formen ist, in denen der Handel sidi vollzieht. Der Forschung sind die vielerlei Distributionsformen alle gleich untersuehungswichtig. Da sie alle im Wettbewerb untereinander stehen, sollten auch ihre praktischen Vertreter, ob sie nun im Groß- oder Einzelhandel, in Klein-, Mittel- oder Großbetrieben, in Händler- oder Konsumentengenossenschaften ihr Wirkungsfeld gefunden haben, ihr gemeinsames Interesse an der Klärung der Distributionssituation als komplexer Erscheinung und daher auch an der Förderung der Handelsforschung erkennen.
Abzulehnen sind Institute, die durch ihre Finanzträger oder in ihrer Aufgabenstellung so einseitig gebunden sind,
daß ihre Wissenschaftlichkeit darunter leiden kann. In Gefahr sind hier schon wirtschaftswissenschaftliche Institute, die durch die Abgrenzung ihres Forschungsbereiches wirtschaftspolitisch fixiert sind, indem ihre Aufgaben etwa nur auf die genossenschaftliche oder die mittelständische Wirtschaftsdurchführung abgestellt sind. Vor allem ist aber hier an Einrichtungen zu denken, die sich Interessentengruppen zu ihrer wissenschaftlichen Orientierung und für die Propagierung ihrer Ideen einrichten. So hat erst kürzlich eine große Berufsvereinigung zur Förderung und Durchführung von Forschungsaufgaben eine Forschungseinrichtunggeschaffen, die die Ergebnisse ihrer Arbeit ausschließlich der Vereinigung zur Verfügung zu stellen und die von der Durchführung einer Aufgabe abzusehen hat, wenn das Verbandspräsidiuni Einspruch erhebt.
Solche Institute und Forschungsstellen können keine der objektiven wissenschaftlichen Arbeit sein. Sie sind vielmehr den wissenschaftlichen Abteilungen vergleichbar, die sich große Firmen oder Firmenzusamnenschlüsse zur Förderung ihrer eigenen Belange zulegen. Sie werden in der Industrie, insbesondere der chemischen, schon lange erfolgreich eingesetzt, und sind zunehmend auch in nichtnaturwissenschaftlichen Bereichen zu finden, so bei Großbetrieben des Handels und Großgenossenschaften. Von solchen Stellen kann natürlich sehr qualifizierte Arbeit geleistet werden - sie würden bestimmt nicht unterhalten, wenn das nicht erwartet würde - aber diese, mit wissenschaftlichen Methoden durchgeführte Arbeit dient weder der Allgemeinheit, noch geht es ihr um die Problemklärung im Grundsatz.
Aus gleichen Gründen kann der Charakter der Wissenschaftlichkeit auch nicht von Instituten in Anspruch genommen werden, die kommerziellen Auftraggebern dienen. Diese PseudoInstitute sind nichts anderes als geschäftliche Unternehmungen, die ihre Dienste gegen Honorar bestimmten Firmen für deren Zwecke verkaufen. Das kann und darf niemals Aufgabe eines wissenschaftlichen Instituts sein. Das gilt auch für die Gutachtertätigkeit. Das Erteilen von Gutachten für private Zwecke ist Sache der wirtschaftsberatenden Berufe, die aber in ihrer Firmierung vermeiden sollten, den Anschein wissenschaftlicher Institutionen zu erwecken. Wirtschaftswissenschaftliche Institute sollten Gutachten nur für behördliche Stellen, Verbände usw. und in Fragen erstatten, die inhaltlich oder methodisch Problemstellungen von allgemeinem Interesse betreffen, und auch dann nur, wenn die Veröffentlichung der Gutachten gesichert ist.
Abzulehnen sind auch die gemischten Formen, bei denen wissenschaftliche und geschäftliche Zwecke in einem Institut miteinander verquickt sind, meist so, daß die Einnahmen aus geschäftlichen Aufträgen die wissenschaftliche Forschung finanzieren sollen. Nur zu leicht verschiebt sich dann das Schwergewicht von der unrentablen Forschungsarbeit zum lukrativeren Privatauftrag, und auch die gelegentlich gewählte Form, das Geschäftsunternehmen zu verselbständigen und damit formal vom Forschungsunternehmen zu trennen, macht dieses Verfahren nicht annehmbarer. Vielmehr muß immer wieder gesagt werden, daß wissenschaftliche Forschung vollständig unbeeinflußt von irgendwelchen Interessentengesichtspunkteii um ihrer selbst willen betrieben und folglich auch nur ohne irgendeine Erwartung oder gar einen Anspruch auf einen bestimmten Inhalt ihrer Ergebnisse gefördert werden kann.
Im naturwissenschaftlichen Forschungsbereiche ist es auch dem Laien klar, daß Forschungsergebnisse und subjektive Einstellung des Forschenden zu ihnen zwei verschiedene Dinge sind. Welche persönlichen Konsequenzen z. B. der Astronom aus den von ihm festgestellten Fakten zieht, hat mit diesen nichts zu tun. Seine weltanschauliche Einstellung zum Kosmos ist vielmehr das Ergebnis seiner subjektiven Auslegung der astronomischen Erkenntnisse. Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche liegt es nicht anders. Was da an wirtschaftlichen Daten in Form von Umsatz- und Kostenzahlen, Betriebsergebnissen, Konsumtionswerten, Preisen usw. festgestellt, geordnet und erläutert wird, sind nach wissenschaftlichen Methoden, die ihrerseits Forschungsgegenstand sind, gewonnene Erkenntnisse, die unsere Einsieht in das Wirtschaftsleben verbessern helfen. Die Folgerungen, die der einzelne daraus zieht, haben nichts zu tun mit den Fakten als solchen. Insofern ist die wissenschaftliche Arbeit eines Forschungsinstitutes durchaus objektiv: Sie beschränkt sieh auf die so exakt wie nur möglich durchzuführende Konstatierung von Wirtschaftsdaten. Jeder Institutsdirektor wird sich aber bemühen, Bearbeiter für dieses Material zu finden und Anregungen für die Problemstellung solcher Bearbeitungen zu geben. Solche Untersuchungen sind aber dann die Stellungnahme einer bestimmten Persönlichkeit und als solche subjektiv. Es steht jedem frei, ihre Gründe ganz oder teilweise anzuerkennen oder abzulehnen.
Für die Wirtschaftswissenschaft ist der gegebene Rahmen der Forschung die Universität, an der sie in Verbindung
mit der Lehre betrieben wird, Wirtschaftswissenschaftliche Forschungsinstitute sollten also Universitätsinstitute sein und damit schon ihrem Standorte nach lebendige Verbindung mit allen übrigen wissenschaftlichen Bestrebungen haben und zugleich den vielfältigen Korrektiven, nicht zuletzt in personeller Hinsicht, unterliegen, die die Zugehörigkeit zu den Institutionen der ältesten und strengsten wissenschaftlichen Tradition zwangsläufig mit sich bringt.
Die finanziellen Mittel unserer Hochschulen reichen jedoch nicht aus, um auch im wirtschaftswissenschaftlichen
Räume großzügige Forschungsbasen zu schaffen. So ist das beweglichere, frei gegründete Forschungsinstitut, das sich seine Finanzgrundlage selbst zu schaffen in der Lage ist, heute die herrschende Form. Das ist kein erfreulicher Zustand, denn die Kontinuität der Finanzquellen ist meist nicht gesichert und damit auch nicht die der wissenschaftlichen Arbeit, Auch ist die Fälligkeit, solche Quellen zum Fließen zu bringen, keine dem wissenschaftlichen Forscher eigentümliche und somit können durchaus an der einen Stelle die Mittel, an der anderen die Fähigkeit zu ihrem besten Gebrauche vorhanden sein.
Über die Schwierigkeit des Problems der richtigen Lenkung der für die Forschung erforderlichen Geldmittel ist sich niemand im Unklaren. Die staatlichen Mittel sind, jedenfalls die für die Wirtschaft-wissenschaftliche Forschung, in keiner Weise zureichend. Die Förderung durch die Wirtschaft ist daher die Regel.
Innerhalb der Wirtschaft bestehen beachtliche Bestrebungen, eine gewisse Ordnung in diese Subventionen zu bringen, insbesondere sie durch eine Gemeinschaftsaktion, dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, zusammenzufassen und sie dann durch eine Selbsthilfeeinrichtung der Wissenschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, zu verteilen. Bei dieser von hohem Idealismus und großer Opferfreudigkeit zeugenden Organisation der Wissenschaftsförderung zeigt sich, daß zwar eine starke Zentralisation des Fördererwillens möglich, aber zugleich, daß es sehr schwierig ist, die Dezentralisation der aufgebrachten Mittel sinnvoll zu organisieren, Sie erfolgt durch die Forschungsgemeinschaft in der Weise, daß auf Antrag genau abgegrenzte Sachbeihilfen, Forschung- und Reisestipendien und Druckbeihilfen dann gewährt werden, wenn sonstige Hilfen nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Diese Subventionen müssen also beantragt werden, in der Regel durch den zu Fördernden. Hier liegt eine erhebliche Schwäche des Verfahrens, denn nicht immer sind die, deren Arbeit die meiste Förderung verdient, auch die, die an solche Hilfe
appellieren.
Solche Sorge um Fehlleitung ist bei dezentralisierten Aufkommen der Subventionsmittel geringer, da die Förderer
die Leistungen der von ihnen gestützten Forschung beobachten können. Weldie Nachteile sich wiederum daraus ergeben können, habe ich, bereits erwähnt.
Wie es aber auch gelöst wird, die wirtschaftswissenschaftliche Forschung bedarf erheblicher Ausweitung. Ihre institutsmäßige Pflege steht noch in den Anfängen und hat mangels ausreichender Förderung in keiner Weise Schritt halten können mit der auf naturwissenschaftlichem Gebiete. Das zeigt sich zum Beispiel sehr anschaulich auf dem heute so aktuellen Gebiete der Rationalisierung. Dank der intensiven Arbeit der technischen Forschungsinstitute hat diese einen für die technische Fertigung von Wirtschaftsgütern hohen Vollkommenheitsgrad erreicht. Der ebenso wichtige Bereich der wirtschaftlichen Rationalisierung, insbesondere der der Distribution, ist aber noch nicht einmal in seinen Grund takten geklärt. Es fehlt an den Mitteln, ohne die eine intensive Forschungsarbeit auf wirtschaftswissenschaftlichem Gebiete ebensowenig wie auf naturwissenschaftlichem möglich ist.
Für wirtschaftswissenschaftliche Forschung müssen daher sei es aus ordentlichen Etatmitteln der Hochschulen, sei es aus Fonds für Forschungszwecke, Beträge zur Verfügung stehen, die ein Vielfaches der heute gewährten ausmachen. Dabei muß die enge Zweckbindung, die sowohl bei staatlichen wie bei sonstigen Subventionen die Regel ist, zur Ausnahme werden. Die Abgrenzung und Ausrichtung der Forschungsaufgaben ergibt sich vielmehr aus der Aufgabenstellung der Forschungsinstitutionen, die weder zu eng
noch zu weit sein sollte.
Eine größere Zahl kleinerer, arbeitsteilig gebildeter wirtschaftswissenschaftlicher Institute erscheint mir daher die
wünschenswertere Form gegenüber überdimensionierten Anstalten zu sein, wenn auch deren Vorteil, sich dank ihrer größeren Finanzkraft einen festen Mitarbeiterstamm erhalten zu können, unverkennbar ist. Aber was in der Wirtschaft als der große Vorzug des Mittelbetriebes gilt, daß sein Inhaber noch in der Lage ist, den Betrieb in allen seinen Teilen laufend zu beobachten und persönlich zu beeinflussen, das ist auch der der mittleren Forschungsinstitute, die für ihren Direktor noch übersehbar bleiben und ihn davor bewahren, sich nur in der Organisation der Forschungsarbeit erschöpfen zu müssen. Auch darin erweisen sich die Hochschulen mit ihrer Ausgewogenheit der einzelnen Disziplinen als besonders geeignete Träger der Institutsarbeit. Sie sind es aber auch aus einem ganz anderen Grunde.
Ich erwähnte schon die Verbindung von Forschung und Lehre als ein besonders wertvolles Charakteristikum der
deutschen Universitäten. Schon der jüngere Student kommt durch die Personalunion von Institutsdirektor und Lehrstuhlinhaber und die meist gegebene Raumunion von Institut und Seminar in unmittelbare Verbindung mit der Forschungsarbeit. Diese Verbindung steigert sich, wenn, was die Regel sein dürfte, seine eigene wissenschaftliche Arbeit, die er beim Diplomexamen vorzulegen hat, und später seine Dissertation, dem Forschungsbereiche des Instituts entnommen wird.
So werden zum Beispiel zur Zeit in meinem Seminar wissenschaftliche Themen in 154 Diplomarbeiten und 31 Dissertationen bearbeitet, die nahezu alle dem Arbeitsbereiche des Instituts für Handelsforschung zugehören. 11 der Doktoranden sind zugleich als Assistenten am Institut oder Seminar tätig, drei weitere der Assistenten haben unlängst promoviert. Gegen 600 der 4200 Studenten,
die zur Zeit in Köln Wirtschaftswissenschaft studieren, haben eigene handelswissenschaftliche Erhebungen in der
Praxis zur Vervollständigung der Materialsammlungen des Instituts gemacht. Und von den rund 660 Diplomarbeiten und den 90 Dissertationen, die in. den 25 Jahren seit der Gründung des Instituts bei mir geschrieben wurden (also 15 Arbeiten im Semester, davon 1,8 Dissertationen), ist der weitaus größte Teil in enger Verbindung mit den Forschungen entstanden, denen das Institut obliegt.
Durch die Universitätsinstitute werden so ganz erhebliche Beiträge zur Ausbildung des wirtschaftswissenschaftlichen Nachwuchses geleistet. Sowohl die wirtschaftliche Praxis und ihre Organisationen, wie die öffentliche Verwaltung und die außerhalb der Hochschulen errichteten wirtschaftswissenschaftlichen Institute sind in bezug auf ihr wissenschaftlich geschultes Personal auf diese durch die Hochschulen geleistete Ausbildung angewiesen. Überall, wo Absolventen gesucht werden, denen Forschungsaufgaben anvertraut werden sollen, wird mit Recht zunehmend ihre frühere Mitarbeit in einem Hochschulinstitute verlangt. Die moderne Wirtschaft und auch die öffentlicbe Verwaltung haben einen ständig noch wachsenden Bedarf an solchen Kräften, die in der Lage sind, sich bei der
Lösung ihrer Aufgaben auch der Methoden der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zu bedienen. Solche Kräfte werden in vielen Referaten der Ministerien, in statistischen Ämtern, in Kaminern, bei den großen Organisationen der Wirtschaft, insbesondere bei den Zentralverbänden, gebraucht, und in der Wirtschaft selbst tragen einige Hilfsgewerbe, wie die der Wirtschaftsprüfung und der Marktanalyse, ausgesprochen wissenschaftliche Züge, Bei großen Betrieben sind deren Forschungsabteilungen zu besetzen. Wirtschaft und Staat holen hier eine Entwicklung nach, die in der Technik schon viel früher eingesetzt hat und da wesentlicher Träger des gewaltigen Aufschwungs der angewandten Naturwissenschaften geworden ist. Dazu bedarf es aber der entsprechend ausgebildeten Kräfte.
Die bestellenden Einrichtungen sind jedoch den Anforderungen dieser für unsere gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
äußerst wichtigen Nachwuchsausbildung nur ganz unzureichend gewachsen. Allein schon aus dem Motiv der Förderung der jungen Kräfte, die die zukünftige Wirtschaft tragen müssen, müßte für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre gegenüber dem jetzigen Zustand ein Vielfaches von Förderungsmaßnahnien eingesetzt werden. Der jeder systematischen Ausbildung und Schulung tödlichen Überfülrung unserer Hörsäle, Seminare und Institute, über die in allen deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und Hochschulen geklagt wird — und die Erscheinung ist nicht nur auf Deutschland beschränkt — kann nur durch radikale Vermehrung der personellen und sonstigen Hilfen begegnet werden.
Erstes, zwar selbstverständliches aber durchaus nicht allgemein erfülltes Erfordernis ist, den Studenten Raum zu
schaffen, in dem sie arbeiten können. Das zweite, sie zum richtigen Arbeiten anzuleiten. Das kann nicht nur durch Vorlesungen geschehen. Dazu gehören Übungen und Praktika mit individueller Einflußnahme auf den einzelnen, also Unterrichtsveranstaltungen in einem übersehbaren und ansprechbaren Kreise. Die Klage, daß das nicht gewährleistet sei, ist allgemein. Wie ihr zu begegnen ist, hängt von den örtlichen Umständen ab.
Auf Kölner Universitätsverhältnisse abgestellt, muß gesagt werden, daß — and: wenn die Studentenzahl sich sehr
stark verkleinern würde — nur eine sehr großzügige Raumvervielfachung die Arbeitsplätze schaffen kann, die erstes
Erfordernis jedes geordneten Unterrichts sind. Für die Intensivierung und Individualisierung des Unterrichtes wäre eine radikale Vermehrung der Lehrstühle nötig. Das würde im Augenblick, selbst wenn die Mittel bereitgestellt würden, daran scheitern, daß nicht genügend Kräfte gewonnen werden könnten, die unter den heutigen Bedingungen bereit sind, einen Lehrstuhl zu übernehmen, ihr Vorhandensein einmal unterstellt. Solange muß unterrichtliche Hilfe durch junge Nachwudiskräfte, vor allem zur Betreuung kleinerer Studentengruppen, eingesetzt werden. Das heißt, daß die Zahl der Assistentenstellen zu vervielfachen ist. Hier besteht durchaus die Möglichkeit, qualifizierte Kräfte zu gewinnen, die zwei, drei Jahre Assistentenzeit zugleich als zusätzliche Ausbildung ansehen. Auf längere Sicht kann dann auch mit einer Vermehrung der Habilitationen und damit schließlich noch später auf eine Milderung der Schwierigkeit, Lehrstühle zu besetzen, gerechnet werden.
An den Dimensionen der naturwissenschaftlichen Forschung gemessen, sind die .Kosten für die wirtschaftswissenschaftliche
Forschung gering. Sie machen nur kleine Bruchteile etwa der Beträge aus, die für die physikalische, die chemische oder die landwirtschaftliche Forschung ausgegeben werden. Aber diese.Kosten nicht aufbringen heißt, Möglichkeiten ungenutzt lassen, die bei der entscheidenden Rolle, die die Wirtschaft für das Wohl und Wehe des gesamten Volkskörpers spielt, nicht ungenutzt bleiben dürfen. So wie in den Naturwissenschaften alle Phänomene so genau und so vollständig wie möglich erfaßt werden, so brauchen wir auch in der Wirtschaftswissenschaft eine allen wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werdende Registrierung der Erscheinungen der Wirtschaftsstruktur und des Wirtschaftsablaufes, die die Grundlage zu bilden hat für jede Beschäftigung mit den wirtschaftlichen Problemen und für die wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Lim aber dieses Fundament legen und erhalten zu können, bedarf die wirtschaftswissenschaftliche Forschung, die in diesem Sinne durchaus Grundlagenforschung ist, einer viel intensiveren Förderung als bisher.
Über die Förderung hier zu sprechen, schien mir der Anlaß des heutigen Jubiläums geeignet. Die Förderungsgesellschaft
des Instituts für Handelsforschung hat durch ihre Leistungen gezeigt, daß der Förderungswille der Kaufmannschaft groß und anhaltend ist. Es ist ihr Verdienst, daß die Wirtschaftsforschung auf einem wichtigen, aber lange Zeit unzureichend gepflegten Gebiete fruchtbringend belebt werden konnte.
Als Direktor des Instituts habe ich der Förderungsgesellschaft für diese großzügige, der Wissenschaft nunmehr
bereits ein Vierteljahrhundert geleistete Hilfe zu danken, die im Vertrauen auf die Objektivität der wissenschaftlichen
Institutsarbeit gewährt wurde, nur basierend auf dem Wunsche, die wissenschaftliche Erkenntnis des Handels zu fördern.

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