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Der Einzelhandesl-Lagerindex des Instituts für Handelsforschung

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Im Rahmen der Betriebsvergleichsauswertungen des Instituts für Handelsforschung sind bisher im Bereich des Einzelhandels nur jährlich Zahlen über die Lagerhaltung ermittelt worden, nämlich die prozentuale Entwicklung der Lagerbestände, die Umschlagsgeschwindigkeit des Warenlagers und der Lagerbestand je beschäftigte Person. Eine kurzfristige Beobachtung der Lagerentwicklung wurde dagegen nicht vorgenommen, während Beschaffung und Absatz auch monatlich verfolgt wurden. Für die betrieblichen Dispositionen des Einzelhändlers ist die Kenntnis der kurzfristigen Lagerentwicklung besonders wichtig, darum liegt hier auch ein starkes Interesse an entsprechenden Vergleichszahlen vor. Diesem Gesichtspunkt entspricht das Institut von Januar 1954 an durch die Bekanntgabe von Lagerentwicklungszahlen in den Monatstabellen des Betriebsvergleichs. Neben Beschaffungs- und Absatzindex wird jetzt auch ein Lagerindex errechnet. Als Basis wird für alle drei Indices das Jahr 1952 gewählt, da in diesem Jahr erstmalig nach der Währungsreform eine einigermaßen normalisierte Marktsituation festzustellen war, die keinen speziellen Außeneinflüssen unterlag, wie es beispielsweise bei den Jahren 1950 und 1951 durch die Koreakrise der Fall war. Auch der bis dahin festzustellende starke Lageranbau ist in diesem Jahr weitgehend zum Stillstand gekommen.
Die Ermittlung des Lagerindex geschieht nach einer Fortschreibungsmethode mit Hilfe des monatlichen Beschaffungsund Absatzindex. Aus den Betriebsvergleichsunterlagen des Instituts ergeben sich für jede Branche der Lageranfangsbestand des Jahres 1952 zu Inventurwerten sowie die Gesamtbeschaffung und der Gesamtabsatz des Jahres 1952 zu Einkaufspreisen. Sowohl der Beschaffungs- als auch der Absatzindex beziehen sich auf den Monatsdurchschnitt des Jahres 1952. Somit ergibt die Multiplikation der durchschnittlichen Beschaffung mit dem jeweiligen Beschaffungsindex den Beschaffungswert des entsprechenden Monats. In gleicher Weise ergibt die Multiplikation des durchschnittlichen Absatzes zu Einkaufspreisen mit dem jeweiligen Absatzindex den Absatzwert des entsprechenden Monats zu Einkaufspreisen. Durch Subtraktion des Absatzwertes zu Einkaufspreisen von dem zugehörigen Beschaffungswert wird nun die jeweilige Lagerfortschreibungsquote ermittelt, die positiv oder negativ sein kann. Die weitere Berechnung erfolgt durch Addition bzw. Subtraktion der errechneten Lagerfortschreibungsquote zum oder vom letzten Lagerbestand.

Zum besseren Verständnis sei der Gang der Berechnung an einem Beispiel erläutert, in dem der Lagerindex für Januar 1953 berechnet wird:
Dies ist der absolute Wert des Lagerbestandes am 31. Januar, der nun noch in einen Indexwert umgerechnet werden muß. Hierbei wird der durchschnittliche Lagerbestand des Jahres 1952 gleich 100% gesetzt. Der Jahresdurchschnittsbestand 1952 wurde aus dem Januaranfangsbestand und den 12 Monatsendbeständen des Jahres 1952 ermittelt. Ist in dem aufgeführten Beispiel der durchschnittliche Lagerbestand 1952 = 13 8 000, so ergibt sich der Lagerindex für Ende Januar 1953 aus 113520/ 138000 ; 100 = 82%

Da die Ermittlung des Lagerindex nach der oben beschriebenen Methode auf dem in gewissem Umfange preisabhängigen Verhältnis von Beschaffung und Absatz des Jahres 1952 basiert, ist eine periodische Kontrolle mit Hilfe der endgültigen Lagerzahlen der Jahresauswertung des Betriebsvergleichs notwendig. Die aus der jährlichen Erhebung ermittelte Lagerentwicklung vom 1.1. zum 31.12. des jeweiligen Jahres wird mit der auf Grund der Fortschreibungsmethode ermittelten verglichen. Dabei werden die Zahlen der einzelnen Monate nachträglich um die eventuell festgestellte Differenz korrigiert. Der Lagerindex des laufenden Jahres ist somit nur ein vorläufiger, wogegen der endgültige nach Fertigstellung der Jahresauswertung im Juli/August des dem Vergleichsjahre folgenden Jahres veröffentlicht wird.
Zur Ermittlung des Lagerindex für den gesamten Einzelhandel oder eine Hauptbedarfsgruppe ist es erforderlich, ein Wägungsschema zu verwenden, das dem unterschiedlichen Gewicht des Lagers der einzelnen Branchen am Lager des gesamten Einzelhandels gerecht wird. Ein ähnliches Problem ergab sich schon bei der Berechnung des Warenabsatz- und -beschaffungsindex. Hierbei wurde der Abs atzanteil der einzelnen Branchen am Absatz des gesamten Einzelhandels zugrunde gelegt (vgl. Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln, Nr. 3).
Dieses Wägungsschema ist aber für Lagerzahlen nicht verwendbar, da für diese die Höhe des Lagers der einzelnen Branchen die Grundlage der Gewichtung bilden muß. Aus der Division des Absatzgewichtes durch die Lagerumschlagsgeschwindigkeit läßt sich nach folgender Überlegung das relative Lagergewicht ermitteln: Die Division des Absatzes durch den durchschnittlichen Lageibestand ergibt die Umschlagsgeschwindigkeit. Der durchschnittliche Lagerbestand kann somit aus der Division des Absatzes durch die Umschlagsgeschwindigkeit berechnet werden. Analog hierzu erhält man aus der Division des Absatzes gewichtes durch die Umschlagsgeschwindigkeit das Lagergewicht. Es ist notwendig, das so errechnete Wägungsschema unter Berücksichtigung der sich verändernden Umschlagsgeschwindigkeit jährlich nach Vorliegen der Jahresauswertung neu zu ermitteln.

Das Wägungsschema für das Jahr 1952 ist in der folgenden Tabelle 1 dargestellt:
In der folgenden Tabelle 2 wird der Einzelhandels-Lagerindex für die vier Hauptbedarfsgruppen und den gesamten
Einzelhandel von Dezember 1948 an dargestellt. Die monatlichen Indexzahlen beziehen sich jeweils auf den Monatsendbestand des Warenlagers. Bis Dezember 1952 sind bereits die endgültigen Zahlen berechnet worden, während es sich von Januar 1953 an um vorläufige Werte handelt. Aus diesem Grunde sind die Lagerindexzahlen ab Januar 1953 in Kursivdruck eingesetzt worden. Es ist zu beachten, daß dieser Lagerindex die Situation der am Betriebsvergleich beteiligten vorwiegend mittleren und größeren Fachgeschäfte wiedergibt. Er ist daher für eine Beurteilung der Lagerentwicklung des gesamten westdeutschen Einzelhandels nur bedingt verwendbar.
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