Die Kreditverkäufe und Außenstände im Einzelhandel
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDer letzte Bericht über die vierteljährliche Befragung der Betriebsvergleichsteilnehmer nach der Höhe der Kreditverkäufe und Außenstände erfolgte in der Nr. 12 der „Mitteilungen" vom 10. September 1952. Die in der Zwischenzeit ausgewerteten Ergebnisse der Monate September und Dezember 1952 sowie März, Juni, September und Dezember 1953 sind in der folgenden Tabelle aufgeführt. Neben den Branchendurchschnittswerten sind an Hand des Wägungsschemas des Instituts auch Gesamtdurchschnittswerte für den am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandel ausgerechnet worden. Bei der Beurteilung der ausgewiesenen Zahlen ist zu beachten, daß es sich um die Ergebnisse des Betriebsvergleichs handelt. Da sich vorwiegend mittlere und größere Fachgeschäfte am Vergleich beteiligen, kann man die Ergebnisse nur bedingt für die Betrachtung der Gesamtsituation des Westdeutschen Einzelhandels heranziehen.
Vergleicht man die vier erfaßten Monate des Jahres 1953 mit den entspredienden Vorjahrsmonaten, so ergibt sich für den Anteil der Kreditverkäufe — abgesehen von September — eine geringfügige Erhöhung. Die Außenstände haben sich ebenfalls erhöht, jedoch vergleichsweise stärker als die Kreditverkäufe. Somit hat sich die von den Kunden in Anspruch genommene Zieldauer verlängert. Im Juni 1953 wurden für die Höhe der Kreditverkäufe mit 15,6% des Monatsabsatzes und für die Außenstände mit 28,4% des Monatsabsatzes die bisher höchsten Werte verzeichnet. Bei fast allen untersuchten Einzelhandelsbranchen erreichen die Kreditverkäufe — in Prozenten vom Absatz berechnet —im Dezember den niedrigsten Stand. Hieraus kann man schließen, daß das Kreditgeschäft nicht in gleichem Maße den Saisonschwankungen unterworfen ist wie das Bargeschäft. Das zeigt sich auch deutlich an dem relativ hohen Anteil der Kreditverkäufe im Juni. Da der Juni in fast allen Branchen ein verhältnismäßig umsatzschwacher Monat ist, läßt der vergleichsweise hohe Prozentsatz der Kreditverkäufe nicht auf besonders hohe absolute Beträge des Kreditgesdiäftes schließen.
Setzt man die Außenstände zu den Kreditverkäufen in Beziehung, so gewinnt man einen Anhaltspunkt für die Länge des Zahlungszieles. Bei dem überwiegenden Teil der Branchen entsprechen die Außenstände in etwa der Höhe der im Monat getätigten Kreditverkäufe, das Zahlungsziel für die Kreditverkäufe liegt demnach im Durchsdmitt bei etwa einem Monat. Nur der Möbeleinzelhandel, der Eisenwaren- und Hausrathandel, sowie der Fahrradeinzelhandel gewähren für ihre Kreditverkäufe ein längeres Ziel.
