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Mittelstandsforschung im Handel

von G. S. Scheltema
In den letzten fünfzig Jahren haben in den Niederlanden die Probleme der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in wachsendem Maße bei Regierung und Behörden Beachtung gefunden. Früher wurden wirtschaftliche Probleme, soweit möglich, durch Zusammenarbeit der örtlichen Verbände mit den städtischen Behörden gelöst. Allerdings waren die örtlichen Verbände im allgemeinen äußerst schwach, so daß es ihnen meist nicht möglich war, bei der Obrigkeit ihre Interessen wirksam zu vertreten. Erst um die Jahrhundertwende trat hier eine Änderung ein.
Die Ursachen finden sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es sind die fortschreitende Entwicklung der Technik und die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Auffassung, die ihren Einfluß geltend machen und die zum Zusammenschluß der Unternehmer der kleinen und größeren Betriebe beitragen.
Die Fortschritte der Technik, die Erschließung neuer Gebiete, die Verbesserung im Transport- und Nachrichtenwesen führten zur Konzentration der Fertigung: der handwerkliche Betrieb konnte sich in vielen Branchen im Kampf gegen die billige Massenproduktion nicht behaupten. Außerdem kamen dauernd neue Produkte auf den Markt. Diese Entwicklung schuf neue Möglichkeiten für den Vertrieb industrieller Produkte. Die wachsende Nachfrage, einerseits verursacht durch den starken Bevölkerungszuwachs, andererseits durch die Hebung des Lebensstandards der schlechtbezahlten Schichten der holländischen Bevölkerung, gab dem kleineren Betrieb des Handels bessere Chancen als dem gewerblichen Kleinbetrieb, Es ist daher nicht verwunderlich, daß in jener Zeit tüchtige Unternehmer des Kleinbetriebes die neuen Möglichkeiten nutzten, um ihre Position zu verbessern. Viele heutige Großbetriebe sind aus damaligen bescheidenen Anfängen entstanden - fast alle Kaufhäuser und die wichtigsten Filialbetriebe der Lebensmittelbranche, zum Beispiel: Bijenkorf, Peek en Cloppenburg, de Gruyter, Albert Heyn. Diese Entwicklung, und auch die Gründung der Konsumgenossenschaften, mit deren Hilfe die Arbeiter nach 1860 ihre wirtschaftliche Lage zu bessern suchten, gaben dem Mittelstand anfangs Anlaß zur Besorgnis. Im 20. Jahrhundert, als Krieg und Krisen die Wirtschaft erschütterten, wurde diese Besorgnis zur Angst.
1899 weist in Belgien Dr. Oscar Pyfferoen in der „Revue des Questions Scientifiques" mit seinem Aufsatz „La crise de la petite bourgeoisie: coneurrence deloyale et deballage" auf die gefährliche Lage hin, in der sich der Mittelstand befand. Dieser Artikel zog weite Kreise. Die in Belgien entstandene Bewegung weckte in Holland die Aufmerksamkeit von Mittelstand und Behörden. Der Ministerpräsident Dr. A. Kuyper spornte den Mittelstand zur Organisierung an. Auf verschiedenen Kongressen wies er wiederholt darauf hin, daß die Inhaber der kleineren Betriebe keine Unterstützung beim Staat suchen sollten, sondern lernen müßten, sich auf die eigene Kraft zu verlassen und sich der wirtschaftlichen Entwicklung anzupassen. Diese Aufforderung hatte Erfolg. Durch die Initiative von Dr. Nouwens wurde im Jahre 1902 der „Ned. Bond van Vetenigingen van den handelsdrijvenden Middenstand" gegründet, also ein Verband der Vereine des handeltreibenden Mittelstandes. Im Jahre 1915 folgte der „Ned. R. K. Middenstandsbond", Niederländischer Katholischer Mittelstandsbund und 1918 die Vereniging v. d. Chr. Handeldr. & Industr. Middenstand in Nederland", der Verein des Protestantischen Mittelstande des Handels und des Gewerbes in den Niederlanden. Zahlreiche Probleme des Mittelstandes wurden von diesen Verbänden auf Kongressen zur Diskussion gestellt.
Auch der Staat zeigte Initiative, und im lahre 1904 wurde die „Staatscommissie voor de Handeldrijvende en Industr. Middenstand" ins Leben gerufen, die unter anderem untersuchen sollte, ob es Aufgabe der Regierung sei, gewisse Regelungen im Interesse des Mittelstandes zu treffen, und gegebenenfalls Vorschläge zu machen. 1903 veranstaltete dieser Ausschuß eine Enquete über den Zustand des mittelständischen Handels und Gewerbes, Zwei Jahre später folgte die Anstellung des ersten Gewerbeberaters; der Anfang des „Rijksnijverheidsdienst" (Staatlicher Gewerbedienst), der jetzt 95 Angestellte hat, und kleineren Betrieben bei der Lösung betrieblicher Probleme hilft. Das 1917 gegründete „lnstituut v. d. Rijksvoorlichting v. d. Middenstand" (Staatlicher Informationsdienst für den Mittelstand) wurde 1922 sang- und klanglos wieder aufgelöst.
Während und nach dem ersten Weltkrieg, als die wirtschaftlichen und sozialen Probleme zahlreicher und komplizierter wurden, empfand die Regierung mehr und mehr das Bedürfnis, sich sachkundig beraten zu lassen. Außerdem war der Kontakt zwischen Behörde und Wirtschaftspraxis immer enger geworden. Neue Organe wie der Nijverheidsraad (Gewerberat) und der Middenstandsraad (Mittelstandsrat) - beides Beratungsausschüsse - fanden ihren Platz im öffentlichen Leben Hollands. Die Tätigkeit dieser beratenden Ausschüsse regte die Verbände der Unternehmer und Arbeiter zur laufenden Beobachtung der durch die dynamische soziale Entwicklung hervorgerufenen Probleme an.
Oft waren wichtige gesetzliche Regelungen das Resultat. Die wissenschaftliche Erforschung sozialer und und wirtschaftlicher Probleme erfuhr dadurch ebenfalls einen starken Aufschwung.
Die großen, oft zum Konkurs führenden Schwierigkeiten vieler Lebensmittelhändler in den zwanziger Jahren brachten den Ausschuß für die Wirtschaftspolitik dazu, die Preisbildung des Lebensrnittelhandels untersuchen zu lassen. Schon während dieser Untersuchung zeigte sich, welch große Bedeutung das Sammeln von betriebswirtschaftlichen Daten hatte, wenn man Einblick in die wirtschaftliche Lage und Struktur einer bestimmten Branche gewinnen wollte. Der Ausschuß erkannte klar, wie sehr die Aufstellung und Weiterführung solcher Statistiken der Rationalisierung des Produktions- und Vertriebsapparates dienen konnte. Allerdings fehlt dem einzelnen mittelständischen Betrieb in der Regel die Möglichkeit, die Probleme der systematischen Betriebsforschung exakt abzuwägen. Deswegen hielt man es für wünschenswert, ein Institut zu gründen, das dem Unternehmer in dieser Richtung helfen konnte, indem es ihm in übersichtlicher und objektiver Form das Material verschafft, das für das Vergleichen der Resultate des eigenen Betriebes mit denen der Brandie im allgemeinen notwendig ist.
In diesem Zusammenhang wurde auf Einrichtungen wie das „Betriebswirtschaftliche Institut für Einzelhandelsforschung" in Köln (1944 zum Institut für Handelsforschung erweitert) und „Affärsekonomiska Forskningsinstitutet" der Handelshochschule in Stockholm verwiesen. Der Augenblick war für dergleichen Untersuchungen günstig: hier und da waren - wie sich bald herausstellte - in den Kreisen der Wissenschaft bereits Pläne im Entstehen, nach denen Forschungsarbeiten auch im Interesse des Mittelstandes durchgeführt werden sollten.
Eine gewisse Verwirrung drohte allerdings dadurch, daß mehrere Institute und Verbände jeweils für sich die Arbeit in Angriff nehmen wollten. Zahlreiche Gründe machten eine Zentralisierung der Forschung dringend notwendig, vor allen Dingen wegen einer Verbesserung der Vergleichbarkeit der Ergebnisse, ferner wegen der schnelleren Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und zur Beschleunigung der Auswertung. Weiter ist zu beachten, daß man durch eine zentrale Forschung auch die kleinen Branchen einbeziehen kann. Denn die Angehörigen kleiner Branchen, ja sogar auch größerer, werden die zur Forschung notwendigen Beträge allein nidit aufbringen können. Außerdem verlangt die Forschungsarbeit einen Stab von Akademikern, der bei Zersplitterung in mehrere Institute nicht aufgestellt werden kann, abgesehen davon, daß man bei kleineren Instituten kaum einen rationellen Einsatz dieser Arbeitskräfte erwarten kann. Die Gründung eines zentralen Forschungsinstituts gibt nicht nur die Möglichkeit, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme einer einzelnen Branche zu untersuchen, sondern auch interdependente Probleme der Branchen und Fragen des Mittel- und Kleinbetriebes unabhängig und wissenschaftlich zu erforschen.
Man kann daher auch die Mitwirkung des damaligen Wirtschaftsministers nicht hoch genug schätzen, dem es gelang, sich mit allen Parteien, wie Universitäten, Wirtschaftshochschulen, Industrie- und Handelskammern, Mittelstandsverbänden und anderen zu verständigen. Das Ergebnis war eine Koordinierung alle Kräfte in der „Stiditing Economisch Instituut voor de Middenstand", welche im Januar 1931, etwa zwei Jahre nach der Gründung des „Betriebswirtschaftlichen Instituts für Einzelhandelsforschung an der Universität zu Köln", ihre Tätigkeit begann. Gemäß den Satzungen, die vom Wirtschaftsminister genehmigt wurden, liegt die allgemeine Leitung der Stiftung bei einem Verwaltungsrat, der aus 11 Personen besteht. Vier von ihnen werden vom Wirtschaftsniinister ernannt, die übrigen sieben werden von den Verbänden der gewerblichenW irtschaft nominiert. Diese Zusammensetzung soll die unabhängige Lage als Forschungsinstitut garantieren. Mit der täglichen Leitung der Forschung ist die Direktionb eauftragt, die jedes Jahr einen Arbeits- und einen Haushaltspland em Rat zur Begutachtung vorlegt. Die notwendigen Mittel kommen zur Hälfte aus staatlichen Zuschüssen und zur anderen Hälfte aus den Öffentlich-rechtlichen Körperschaftend es Detailhandels und des Handwerks, die voni hren Mitgliedern einen Jahresbeitrag zugunsten des Instituts einziehen. Außerdem bezieht das Institut noch Mittel von den Industrie- und Handelskammern, aus Vergütungen für Sonderaufträge und durch den Verkauf von Veröffentlichungen.
Von den zur Verfügung stehenden Mitteln wurden 1954 etwa zwei Drittel für Löhne und Gehälter des 58 Personen umfassenden Personals ausgegeben. Davon waren 18 Akademiker und 12 Befragungsspezialisten im Außendienst. Die starke Erweiterung der Tätigkeit zwingt zu einer ständigen Vergrößerung des Personalbestandes. Man rechnet damit, daß Ende 1956 etwa 120 Angestellte erforderlich sein werden.
Die Zielsetzung des Economisch Instituut voor de Middenstand lautete ursprünglich „Förderung der Forschung im Interesse des handeltreibenden und industriellen Mittelstandes", Dabei sind aber die Begriffe „Forschung" und „Mittelstand" ungenügend umrissen. 1952 erfolgte daher durch Änderung der Satzungen eine nähere Angabe über die Art der Forschung, indem hinzugefügt wurde, daß diese auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete liegen muß. Eine Begriffsbestimmung für „Mittelstand" war schwieriger. Das ist verständlich, denn es wird ja noch allgemein eine gute, ausgeglichene Definition gesucht. Die Formulierung, die Dr. Bödiker im Jahre 1905 auf einem internationalen Kongreß in Lüttich gab, vermochte nur wenig zu einer Lösung beizusteuern. Zum Mittelstand rechnete er „die Berufsund Personengruppen, die weder zu den Großkapitalisten noch zu den Lohnarbeitern zu zählen sind". In dieser negativen Formel faßte er den selbständigen und unselbständigen Mittelstand zusammen. In seinem Buch „Kapitalismus und Mittelstandspolitik" gibt Wernicke 1922 eine positivere Umschreibung, obwohl der Unterschied faktisch nicht sehr groß ist. Er sagt nämlich: „In der Regel gehören zum Mittelstand Personen mit einer über die gewöhnliche, durch die Volksschulen vermittelte, hinausgehende Bildung, die in ihrem Berufe nicht rein körperliche oder mechanische Arbeit leisten und physische oder mechanische Arbeit anordnen, leiten oder beaufsichtigen, ein mittleres Einkommen haben und vielfach ein mittleres Kapital besitzen."
Auch andere Autoren haben objektive Merkmale gesucht und dabei den Personalstand, bescheidene Kapitalkraft, Fachkenntnisse, relativ geringes Einkommen, Selbständigkeit, Verantwortung, direkten Kontakt zwischen Unternehmer und Kunden, Fehlen funktioneller Arbeitsteilung und dergleichen als Maßstäbe angelegt. Mittlerweile ist man noch nicht viel weiter gekommen. Die Schwierigkeit liegt meiner Meinung nach darin, daß „Mittelstand" im Grunde ein sozialrechtlicher Begriff ist, dem man in einigen Ländern einen sozialwirtschaftlichen Inhalt gegeben hat. Nach niederländischer Auffassung gibt die folgende Definition vielleicht am besten den Begriff des Mittelstandes: Mittelständler sind die bewußten 7 räger des Unternehmerrisikos im Mittel- und Kleinbetrieb in Handel, Handwerk, (Klein)industrie .Transport- und Gastgewerbe. Die Kriterien für Mittel- und Kleinbetrieb werden jedodi von Brandiez u Branche und auch von Land zu Land starke Unterschiede zeigen können. Grenzen zu ziehen, ist äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich. Nur konventionelle Abgrenzung kann meiner Ansicht nach eine vernünftige Lösung bringen. Für einen zutreffenden internationalen Vergleich wird sich das sogar als notwendig erweisen.
Anfangs hat man sich um die Abgrenzung des Arbeitsgebietes verhältnismäßig wenig gekümmert. Mit dem Statistischen Zentralamt (Centraal Bureau voor de Statistiek) kam man zu einem „gentlemen's agreement", in demf estgelegt wurde, daß das Economisch Instituut voor de Middenstand sich nicht mit Forschung auf dem Gebiet derK onsumgenossenschaften und der Warenhäuser beschäftigen sollte. Auch würde man sich nicht mit der Nationalstatistik des Mittel- und Kleinbetriebes befassen. Dagegen sollted as Centraal Bureau voor de Statistiek keine Umfragen sozialer und betriebswirtschaftlicher Art unter den Gruppen veranstalten, die den Arbeitsbereich des Economisch Instituut voor den Middenstand bilden.
Die ersten Forschungen des Institutes lagen auf rein betriebswirtschafflidiem Gebiet, Das wird niemand erstaunen. Die Krise des Jahres 1929 übte einen starken Druck auf den Mittelstand aus. Bei gleichbleibenden Betriebskosten sanken der Umsatz und die prozentualen Handelsspannen erheblich, so daß der Reingewinn und damit auch das Einkommend er Unternehmer der Klein- und Mittelbetriebe stark zurückgingen. Inzwischen etablierten sich tausende Unternehmer - meist entlassenes Personal industrieller Unternehmungen - die die verzweifelte Konkurrenz noch in starkem Maße erhöhten. Bedenkt man außerdem, daß ungefähr 10 Großfilialbetriebe in diesen schwierigen Jahren ihre Niederlassungen um 40 % erweiterten, dann wird es verständlich, daß die Lage der Unternehmer der Kleinbetriebe alles andere als rosig war.
Mit Hilfe der in der ersten Zeit erarbeiteten betriebswissenschaftlichen Forschungsergebnisse hat das Institut versucht, die mittelständische Betriebsführung auf ein höheres Niveau zu bringen. Daneben wurden zahlreiche Betriebsbefragungen durchgeführt, deren Ergebnisse dieG rundlage zu einer Reihe von gesetzlichen Maßnahmen gebildet haben. Geschah dies anfangs nur gelegentlich, so nahm nach dem zweiten Weltkrieg das Interesse des Staates für die Probleme des Mittel- und Kleinbetriebes zu, im besonderen soweit sie die Verteilung von Lebensmitteln und haltbaren Gebrauchsgütern betreffen. Das Interesse der Arbeitnehmerverbände für die Preispolitik ist ebenfalls nicht ohne Einfluß geblieben.
Um eine positiv orientierte Mittelstandspolitik durchrühren zu können, ist jedoch nicht nur eine genaue Kenntnis der Struktur der Mittel- und Kleinbetriebe erforderlich, sondern auch ein unaufhörlicher Strom wirtschaftlichen Dokumentationsmaterials. Bedenkt man weiterhin, daß die besondere Verbundenheit von Unternehmung und Familie im kleinen und mittelgroßen Betrieb ein typischer Gesichtspunkt der Mittelstandsproblematik ist, dann ergibt sich die Notwendigkeit, neben der betriebswirtschaftlichen auch die sozialökonomische Forschung zur Entwicklung zu bringen. Im Zusammenhang hiermit hat sich der Aufgabenkreis des Economisch. Instituut voor de Middenstand nicht unerheblich erweitert. Eine ansehnliche Ausdehnung des Forschungsapparates, Hand in Hand gehend mit einer zunehmenden Spezialisierung, ist die Folge gewesen.

Die Abteilung Betriebswirtschaftliche Forschung hat drei Unterabteilungen:
Betriebskosten- und Rentabilitätsforschung, Betriebsstudien und Umsatzstatistik. Die Abteilung Sozialökonomische Forschung umfaßt die wirtschaftsgeographische und die allgemeine Wirtschaftsforschung, Beide Abteilungen werden unterstützt von der Abteilung Statistische und Mathematische Analyse, die ebenso wie die Bibliothek ihre Arbeit auf den Innendienst richtet.
Der Betriebsvergleich stellt das wichtigste Arbeitsgebiet der Abteilung für betriebswirtschaftliche Forschung dar. In den Großbetrieben hat sich der Betriebsvergleich allgemein als Hilfsmittel der Rationalisierung durchgesetzt. Manchmal konnte er innerhalb des eigenen Unternehmens durchgeführt werden, wie zum Beispiel bei den großen Filialbetrieben; in anderen Fällen, wie bei den Warenhäusern, mußte er aus praktischen Gründen oft auf internationaler Basis stattfinden.
Die Größe des Betriebes, die Kompliziertheit des ganzen Apparates, die Schnelligkeit, mit der wichtige Besdilüsse gefaßt werden müssen, stellen die Leitung eines Großbetriebes immer wieder vor Probleme, die nur dann korrekt gelöst werden können, wenn in kürzester Frist brauchbare Betriebsangaben zur Verfügung stehen. Dieses Material kann an Hand der Buchhaltung oder auch außerhalb gesammelt werden. In Ergänzung hierzu können externe statistische Angaben eine wichtige Stütze für die Leitung bilden. Im Mittel- und Kleinbetrieb liegen die Verhältnisse vollkommen anders, Hier ist der Besitzer oft der Meinung, daß seine persönliche Anwesenheit ihn schon auf dem laufenden hält und er demzufolge seine Beschlüsse zur rechten Zeit fassen kann. Außerdem ist er noch meist der Auffassung, daß sein Geschäftserfolg hauptsächlich von seiner Intuition abhängig ist. Hinzu kommt noch, daß die Allgemeinbildung der Unternehmer von mittleren und kleinen Betrieben oft sehr begrenzt ist und die Kenntnis der Betriebswirtschaft und der Buchhaltung in den meisten Fällen sehr gering ist, wenn sie nicht überhaupt ganz fehlt. Glücklicherweise hat sich hierin infolge der Wirkung der Zulassungsbeschränkung des Kleinhandels viel gebessert. Ihr Ziel ist es, das Niveau des Unternehmers zu heben. Kurz nach Erlaß dieses Gesetzes im Jahre 1937 führte das Institut eine Untersuchung zur Klärung der Ursadien von Konkursen des Mittel- und Kleinbetriebes durch. Dabei wurde offenbar, daß die Konkurse hauptsächlich einem Mangel der Fähigkeit zur Leitung und einer falschen Finanzierung zuzuschreiben waren. Die Tatsache, daß Dreiviertel der befragten Unternehmen über kein oder nur ein unzureichendes Rechnungswesen verfügten, ist bezeichnend, Mehr als 90 % der Besitzer hatten nur die Volksschule besucht.
Es versteht sich, daß unter derartigen Verhältnissen die Möglichkeiten, zu einem repräsentativen Betriebsvergleich zu gelangen, nicht allzu groß waren, einerlei ob es hier den Betriebsvergleich oder den Zeitvergleich betrifft. Die Versuche, die das Institut kurz nach seiner Gründung unternahm, um auf schriftlichem Wege Unterlagen für den Betriebsvergleich zu sammeln, erlitten Schiffbruch. Obgleich ein reges Interesse auf selten der Mittelständler vorhanden war, brachte das Ausfüllen der Fragebogen oft unüberwindliche Schwierigkeiten mit sich. Noch ziemlich kurz nach dem zweiten Weltkrieg waren nur wenige Teilnehmer in der Lage, den Fragebogen für die Betriebskostenstatistik richtig auszufüllen. Von 503 empfangenen Fragebogen waren beispielsweise nur 4 völlig einwandfrei ausgefüllt. In zwanzig Fällen konnten mangelhafte Antworten brieflich ergänzt werden. Die übrigen 479 Unternehmen mußten von Befragern des Instituts besucht werden, die 471 Fragebogen mehr oder weniger wesentlich änderten. In acht Betrieben war es sogar unmöglich, einigermaßen zuverlässige Zahlenangaben zu erhalten.
Diese Erfahrung führte zu dem Beschluß, die Betriebsunterlagen soweit als möglich durch Befrager des Instituts beim Unternehmer oder dessen Wirtschaftsprüfer aufnehmen zu lassen. Außerdem sollte hierdurch eine gewisse Einheitlichkeit bei der Erfassung der Unterlagen herbeigeführt werden. Da diese Arbeitsweise äußerst kostspielig ist, wurde auch noch auf eine andere Art versucht, die so notwendige Einheitlichkeit in der Kostenaufteilung zu erreichen. Es wurden daher für jede Branche einheitliche Buchführungsschemata entworfen, die bei einigermaßen umfangreicher Anwendung das Sammeln von Betriebsunterlagen vereinfachen und beschleunigen sollen. Der erste Leitfaden mit dem dazugehörigen Musterbuch ist vor kurzem erschienen. Er wird durch die Fachverbände im Milchhandel in einer Auflage von 5000 Exemplaren verteilt.
Diese Fachverbände sollen bei den betroffenen Buchhaltungsbüros die Anwendung dieses einheitlichen Rechnungswesens propagieren, indem sie beispielsweise kurze Schulungskurse einrichten.
Die Anwendung eines einheitlichen Buchhaltungsschemas wird wohl nie ganz das Einschleichen von Fehlern beim Ausfüllen der Fragebogen verhindern können. Wenn auch nach der Ansicht des Besitzers eines Mittelstandsbetriebes der Fragebogen richtig ausgefüllt ist, so sind doch die gelieferten Unterlagen oft nicht dazu geeignet, unverändert in den Betriebsvergleich aufgenommen zu werden. Der weitaus größte Teil der Verwaltungen ist ja darauf eingestellt, die nötigen Unterlagen für die Steuererklärung zu liefern. Eine richtige betriebswirtschaftliche Statistik fordert aber, daß Kosten und Gewinn nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben bestimmt werden. Im Zusammenhang hiermit soll sowohl für den Besitzer als auch für seine mitarbeitenden, nichtbezahlten Fanlilienmitgliedere in Lohn einkalkuliert werden. Zur Feststellung des Gehalts des Besitzers wird von dem Betrag ausgegangen, der bei einer Vertretung bezahlt werden müßte. Der Betrag ist - auf den Umsatz bezogen - degressiv und enthält nie eine Entschädigung für die Übernahme des Unternehmerrisikos, für die Familienmitglieder wird in den Kosten ein Betrag einkalkuliert, der dem Lohn und den Soziallasten gleichkommt, der für bezahlte Kräfte aufzuwenden wäre, falls diese dieselbe Arbeit verrichten würden. Außerdem werden in den Kosten Zinsen für das gesamte Kapital aufgenommen, also auch auf das Eigenkapital, das im Unternehmen investiert ist.
Um die gegenseitige Vergleichbarkeit zu fördern, wird für das Betriebsgebäude, das Eigentum des Besitzers ist, ein bestimmter Betrag als Kostenbestandteil eingesetzt, der mit dem geschätzten Mietwert des von dem Betrieb belegten Teiles des Gebäudes übereinstimmt. Natürlich werden dann die wirklichen Betriebskosten des Betriebsgebäudes nicht berechnet.
Falls das Unternehmen in form einer Aktiengesellschaft betrieben wird, werden die Körperschaftssteuern und die Gehälter der Direktion nicht in die Kosten aufgenommen, Für die Direktion wird dann genau wie für die Besitzer kleiner Betriebe ein entsprechendes Gehalt einkalkuliert.
Falls erforderlich, wird der Wert des Warenvorrates neu festgestellt und der Bruttogewinn geändert. Dann wird im Gegensatz zu den von den Finanzämtern aufgestellten Normen für den Ge- oder Verbrauch von Waren aus dem Betrieb für die Familie des Besitzers oder Dritte der wirkliche Betrag so genau wie möglich geschätzt und eine Korrektur in der Betriebsrechnung vorgenommen. Daneben müssen die Befrager des Instituts noch all die Änderungen durchführen, die betriebswirtschaftlich oder buchhaltungstechnisch notwendig sind.
Es wird demjenigen, der die Betriebsstatistiken des Instituts einmal in der Hand gehabt hat, aufgefallen sein, daß die Kosteneinteilung weder hundertprozentig nach Kostenarten, noch hundertprozentig nach Kostenstellen durchgeführt worden ist. Bei dem kleinen Umfang der Unternehmen ist es praktisch ausgeschlossen, eine Verteilung nach Kostenstellen durchzuführen, während die Verteilung nach Kostenarten für den Betriebsvergleich wenig
interessant ist. Dies hat mit dazu geführt, daß eine Zwischenlösung gewählt wurde. In der Praxis hat dieses Schwanken zwischen zwei Gedanken nie Schwierigkeiten verursacht.
Im allgemeinen soll für den Betriebsvergleich die Erfassung der Kosten nach dem Anschaffungswert erfolgen. Falls aber das gesammelte Material auch für besondere Zwecke benutzt werden muß, kann man hiervon abweichen. Wenn die derzeitige Rentabilität oder der Kostenpreis von Artikeln berechnet werden soll, für die der Staat Minimumoder Maximumpreise bestimmen will, wird der Wiederbeschaffungswert verwendet.
Der Umfang der Forschung, die Branchenauswahl und Betriebsauswahl erfordern besondere Beachtung Seit 1934 wird der Lebensmitteleinzelhandel, der Textileinzelhandel und das Fleischerhandwerk jedes Jahr untersucht, wobei die Erhebungen teilweise bis zu 2000 mittlere und kleiner Betriebe umfassen. Andere Branchen wurden nur gelegentlich und manchmal auch nur in großen Zeitabständen untersucht. Zur Zeit strebt man danach, alle wichtigen Branchen regelmäßig und die kleineren Branchen gelegentlich in die Forschung einzubeziehen. Die Auswahl der Branchen soll von dem Verwaltungsrat, nach Rückfrage bei der Wirtschaft,j edes Jahr neu bestimmt werden.
Die Zahl der zu erfassenden Betriebe muß branchenweise festgelegt werden. Für jede hat dann eine Feststellung zu erfolgen. Mit wissenschaftlichen Methoden kann ausgerechnet werden, welchen Umfang eine Stichprobe haben muß, wenn die Gesamtzahl bekannt ist. Obwohl entsprechendes Zahlenmaterial auch in bezug auf die Anzahl der Geschäfte in den Niederlanden verfügbar ist, so sind doch die Unterlagen nicht ausreichend. Angaben, die nur Auskunft geben über die Verteilung auf die Umsatzklassen, den Charakter des Betriebes, die Zusammenstellung des Warensortiments oder die Kombination mit Betrieben anderer Branchen genügen nicht den Ansprüchen.
Die Tatsache, daß das Institut auf freiwillige Mitarbeit angewiesen ist, macht die Anwendung von blinden Stichproben unmöglich. Außerdem gehören nur Mittel- und Kleinbetriebe zum Arbeitsgebiet des Instituts. Schließlich ist man auch durch die für bestimmte Untersuchungen zur Verfügung stehenden Geldmittel gebunden. Die Wahl fiel auf Geschäfte, in denen mindestens der Besitzer voll beschäftigt ist. Die Grenze nach oben bilden Betriebe mit höchstens sechs Angestellten, Auf diese Weise werden Vertreter der überwältigenden Mehrheit von der betriebswirtschaftlichen Untersuchung erfaßt. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß das Niederländische Institut die Ziffern der kleineren Unternehmungen sammelt. Ungefähr 94 Prozent der untersuchten Textilgeschäfte hatten einen Umsatz von unter 500 000 Gulden. Von den beim Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln angeschlossenen Textilgeschäften hatten 51 Prozent einen Umsatz unter 500 000 DM, Nach den amerikanischen „Merchandising and Operating Results", herausgegeben vom Controllers' Congress der National Retail Dry Goods Association, hatten nur etwa 12 Prozent einen Umsatz unter 500 000. In keinem der drei Fälle kann man sagen, daß die Stichprobe ein genaues Bild der Totalität gibt. Da aber die Angaben vor allem dem Betriebsvergleich dienen sollen, spielt dies keine Rolle.
Es ist die Absicht, die Betriebsziffern von 100 bis 150 Unternehmen pro Branche, die zu der geplanten Stichprobe gehören, durch die Befrager aufnehmen zu lassen und dies Material in einer allgemein zugänglichen Publikation zu Verfügung zu stellen. Darin sollen die betriebswirtschaftlichen Probleme in Einzelheiten und mit Hilfe von Durchschnittswerten, Streuungstabellen und dergleichen beleuchtet werden. Die individuellen Angaben werden hierin nicht veröffentlicht. Dafür ist eine Publikation vorgesehen, in der die Ziffern der Einzelbetriebe unter Codenummern angegeben werden. Diese Betriebsziffern sollen durch Angaben von Unternehmern ergänzt werden, die den Fragebogen völlig selbständig ausfüllen. Für die Richtigkeit dieser eingesandte Angaben kann das Institut natürlich keine Verantwortung übernehmen. In der Betriebskosten-Statistik stehen eine Anzahl wichtiger Angaben über den Betrieb; Umsatz, Bruttogewinn, Kosten (diese sind in viele Rubriken gegliedert), Reingewinn, einkalkulierte Gehälter und schließlich das Betriebsergebnis. Diese Aufzählung kann man noch fortsetzen mit der Anzahl der Arbeitsstunden pro Verkaufsstelle, denn Absatz pro Arbeitskraft, dem Absatz pro Gulden Lohn, Absatz pro Quadratmeter und Umschlagsgeschwindigkeit des Lagers. An Hand der Indexziffern aus den Monatsübersichten der Umsatzstatistik, die für 27 Branchen und eine Anzahl Nebenbranchen zusammengestellt wird, kann jeder Unternehmer außerdem noch den Umsatzverlauf seines Betriebes vergleichen und zum Beispiel die Wirkung der Reklame kontrollieren. Mit Hilfe all dieser Angaben ist e jedem Unternehmer möglich, sich über seinen Betriebszweig zu orientieren und die schwachen Stellen in seinem Betrieb zu entdecken. Tausende von Kaufleuten, aber auch Wirtschaftsprüfer, Beratungsbüros, Handelskurse fürdie offiziellen Mittelstandsexamen, Behörden und Politiker benutzen diese Veröffentlichungen. Für den einzelnen Kaufmann ist das Beschaffen von Zahlenmaterial noch nicht ausreichend, um eine Verbesserung in der Leitung seines Betriebes herbeizuführen. Er braucht eine individuelle Beratung. Er muß nicht nur lernen, die Statistiken zu benutzen, sondern man wird ihm auch helfen müssen, den Unterschied zwischen seinen Betriebsziffern und denen der Kollegen zu deuten. Zu diesem Zweck wird die Unterabteilung „Betriebsstudien" mittels tiefergehender Analyse der Betriebsangaben die Lirsache der Ergebnisunterschiede aufspüren müssen. Besondere Untersuchungen sollen sich mit der Zusammenstellung des Sortiments befassen, der Ein- und Verkaufspolitik, der Einrichtung von Läden und Lagerraum, den verschiedenen Arbeitsgängen und der dafür nötigen Zeit, der Transportdurchführung, den Betriebsformen usw.
Diese Untersuchungen werden es ermöglichen, die Beratung intensiver durchzuführen als es bisher der Fall war. Hierzu ist bereits ein Anfang gemacht durch die vor einigen Monaten erfolgte Anstellung von sieben „Mittelstandsberatern", Vorläufer einer ziemlich großen Beratungsstelle, deren Aufgabe die individuelle Beratung im Einzelhandel sein wird. Daneben sprechen Mitarbeiter des Economisch Instituut voor de Middenstand auf Kongressen und anderen Zusammenkünften, um allgemeine Aufklärung zu geben.
Sehr wertvoll dafür sind auch Artikel In der Mittelstandsund Fachpresse, sowie eine Dokumentationsmappe mit regelmäßigen Nachlieferungen, die der Presse zur Verfügung steht.
Im Laufe meines Vortrages durfte Ich Sie schon darauf aufmerksam machen, daß neben den betriebswirtschaftlichen Untersuchungen nach dem lahre 1949 auch sozialökonomische in Angriff genommen wurden. Bei diesen handelt es sich um die Gemeinschaft der Unternehmungen mit ihren Angestellten und deren Familien. Um ein Bild der Struktur des Niederländischen Mittelstandes zu erhalten, wurde 1953 bei 6000 Zugehörigen eine mündliche Befragung gehalten. Diese Stichprobe kann als bezeichnend gelten für Mittel- und Kleinbetriebe aller Branchen vom Detailhandel, Handwerk, Transportwesen undG aststättenbetrieben, da es sich hier um eine blinde Stichprobe handelte. Untersucht wurden unter anderem Einkommensverhältnisse Schul- und Fachausbildung, Altersaufbau der Unternehmer, Betriebsausrüstung, Finanzierung, Mobilität, daß heißt die Eingliederung und Nachfolge und die Familienverhältnisse. Über die ersten zwei Gegenstände sind jetzt Veröffentlichungen erschienen.
Aus dem Heft „Einkommensverhältnisse in Detailhandel und Handwerk" ersieht man, daß die Unternehmer im Textildetailhandel und Drogeriebetrieb durchschnittlich die höchsten Einkommen im Detailhandel haben. Die Eigentümer der kleinen Betriebe sind nicht ausschließlich ""om Reingewinn des Betriebes abhängig, wie sich aus der Tatsache ergibt, dnß 39 Prozent Nebeneinnahmen haben.
Nach der Veröffentlichung „Schul- und Fachausbildung" haben 79 Prozent der Kleinhändler nur Volksschulbildung. Deutlich sichtbar ist der Zusammenhang zwischen höherer Schulbildung und höherem Einkommen, ebenso erkennt man, daß sich unter dem Einfluß des Zulassungsgesetzes für Kleinbetriebe das Fachniveau hebt.
Neben dieser großen Untersuchung haben in zwei Provinzen örtliche Untersuchungen stattgefunden. In der Provinz Friesland wurden drei Orte mit den relativ meisten Läden in den Niederlanden gründlich erforscht. Alle Unternehmungen des Mittel- und Kleinbetriebes wurden von Befragern des Instituts aufgesucht. Ein ziemlich umfangreicher Fragebogen wurde ausgefüllt, unter anderem über Umsatz, Betriebsgröße in Quadratmetern, Betriebsmittel, Grundstückseigentum, Grundschulden, Alter des Betriebs, Zahl der darin tätigen Personen, Einkommen aus dem Betrieb, Quelle und Höhe von Nebeneinkommen, Alter des Unternehmers, Religionszugehörigkeit, Wohnraum, frühere Berufe, Grund der Niederlassung, Ausbildung von Unternehmer und Kindern und Berufe der Söhne. In diesem Gebiet, wo die Einwohnerzahl sieh seit 1880 kaum geändert hat, hatten 42 Prozent der Detailhändler einen Umsatz bis zu 10000 fl. Eine oberflächliche Untersuchung im Jahre 1954 zeigte, daß von den 574 Unternehmen seit 1949 74 ( = 13 Prozent) aufgelöst und 57 ( = 10 Prozent) verkauft wurden. Grund der Aufhebung waren: in 21 Fällen Bezug von Altersrente, in 21 weiteren Fällen nahm der Besitzer eine Anstellung an oder ging in einen anderen Beruf, 13 waren gestorben, 12 wurden ausverkauft, sechs emigrierten, in einem Fall war der Grund unbekannt.
Der Vergleich mit der Untersuchung von Orten in Nordbrabant zeigt, daß die Betriebe dort größer und wohlhabender sind als in Friesland. Es besteht die Absicht, diese Untersuchungen fortzusetzen, um auf diese Weise ein Bild des Mittelstandes in ländlichen Gebieten in den ganzen Niederlanden zu erhalten. Diese Berichte können vor allem einen Beitrag zur besseren Kenntnis des Mittelstandes und damit eine Grundlage für die zukünftige Mittelstandspolitik bilden.
Ebenso wichtig sind die vom Institut gelieferten Berichte, die als Basis für gesetzliche Maßnahmen dienten. So gab die Untersuchung der Ausverkäufe den Anstoß für deren gesetzliche Regelung. Die Untersuchung der Gründe für Konkurse, die Ausbreitung des Lebensmittelhandels in Den Haag und in Schiedam sowie andere Abhandlungen haben wesentlich zum Zustandekommen des Zulassungsgesetzes für den Kleinbetrieb beigetragen. Dieses Gesetz hat zusammen mit anderen Faktoren zur Gesundung des niederländischen Einzelhandels beigetragen.
Von den vielen Berichten, die im Laufe der Jahre erschienen sind, möchte ich noch den über die Altersversorgung Selbständiger in einer Anzahl westeuropäischer Länder nennen.
Viele neue Aufgaben harren der Ausführung, viele Problerne, die zusammenhängen mit der Stellung des Mittelund Kleinbetriebes im Rahmen der Allgemeinheit. Studiert werden jetzt die sozialökonomischen Gesichtspunkte der Selbstbedienung; Studien über Strukturveränderung von Detailhandel und Handwerk sollen in nicht allzu ferner Zeit begonnen werden, In Kürze wird das Institut mit dem Studium der Probleme beginnen, die mit der Niederlassung neuer Betriebe verbunden sind. Es übernimmt zu diesem Zweck das Sekretariat der Stiftung „Zentrale zur Förderung der Etablierung von Mittelstandsgeschäftsgebäuden", deren Aufgabe es sein soll, die Möglichkeiten neuer Niederlassungen zu untersuchen und neue Mittelständler davon zu unterrichten. Hierdurch wird der Vorsprung, den die Filialbetriebe und Konsumvereine auf Grund ihrer eigenen Wktsehaftsforsehung besitzen, eingeholt werden.
Schließlich muß erwartet werden, daß dem Institut eine wichtige Aufgabe zugewiesen werden wird bei den Untersuchungen, die für die Staatskomniission für kleine Mittelstandsbetriebe durchzuführen sind.
Aus all diesem können Sie ersehen, daß das Economisch Instituut voor de Middenstand sich im Laufe von fast 25 Jahren einen wichtigen Platz in der niederländischen Gemeinschaft erworben hat. In dieser Zeitspanne hat sich viel verändert. Für den niederländischen Mittelstand hat sich vieles zum Guten gewandt. Aber stets werden sich neue Entwicklungen vollziehen und neue Gefahren den Mittelstand bedrohen. Nur systematische Untersuchungen, Studium der Resultate, Anpassung an neue Verhältnisse, werden den Mittelstand seinen Platz in der Gemeinschaft behalten lassen.
In vielen Ländern werden Llntersuchungen geführt, die auf dem Gebiet unseres Instituts liegen. Austausch von Erfahrungen, Vereinheitlichung der Methoden und eine Arbeitsteilung können das Ergebnis unserer gemeinsamen Anstrengungen erheblich vergrößern. Es scheint, daß in den kommenden Jahren sich schwerwiegende Änderungen im Verteilungssektor vollziehen werden. Dies berührt nicht nur die Interessen des Unternehmers, sondern auch die der anderen Glieder der Betriebskette und last not least die der Gesamtbevölkerung. Größere Rationalisierung in der Verteilungswirtschaft kann zu einem größeren Wohlstand in Westeuropa beitragen. Unsere gemeinschaftliche Anstrengung und Zusammenarbeit kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.
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