Home | 1955 | 1955-09-01 | Bericht über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels

Bericht über die Ergebnisse des Betriebsvergleichs des Einzelhandels

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Im Jahre 1954:

In der vorliegenden Nummer der Mitteilungen wird zum sechsten Male nach dem Kriege über ein Jahresergebnis des Einzelhandelsbetriebsvergleichs des Instituts für Handelsforschung berichtet. Wie in den Vorjahren enthält auch der Bericht für 1954 die Hauptergebnisse der beteiligten Branchen und Teilbranchen in Durchschnittswerten. Die Werte der einzelnen Personen- und Absatzgrößenklassen werden nicht mit ausgewiesen, da das Institut beabsichtigt, Ende des Jahres im Rahmen seiner Schriftenreihe eine Gesamtdarstellung der Ergebnisse der Jahre 1952-1954 zu bringen, in der auch die Aufgliederung nach Personen- und Absatzgrößenklassen erfolgen soll. Die geplante Veröffentlichung soll den in der Nr. 1 der Schriften zur Handelsforschung 1) gegebenen Bericht über die Betriebsvergleichsergebnisse in den Jahren 1949-1951 fortsetzen.
In die Jahresauswertung für 1954 konnten 20 Einzelhandelsbranchen mit 13 Teilbranchen einbezogen werden. Neu hinzugekommen ist gegenüber dem Jahre 1953 der Radio- und Fernseheinzelhandel. Die Erhebung für 1954 erfolgte in der gleichen Weise wie im Vorjahre durch einen besonderen Jahresfragebogen und nicht etwa durch Addition der gemeldeten Monats- und Quartalszahlen. Hierdurch konnten auch solche Firmen in der Auswertung erfaßt werden, die sich nicht an der laufenden Berichterstattung beteiligt haben.
Insgesamt waren an der Jahresauswertung für 1954 2528 Firmen aus der gesamten Bundesrepublik beteiligt. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 1620 auch am laufenden monatlichen und vierteljährlichen Betriebsvergleich teilnehmenden und 908 zusätzlich für die Jahresauswertung geworbenen Firmen. Gegenüber dem Jahre 1953 (2 445 berichtende Betriebe) konnte die Gesamtteilnehmerzahl um 83 Betriebe vergrößert werden. Hiervon entfielen allerdings 48 auf den neu hinzugetretenen Radio- und Fernseheinzelhandel. Trotz der erneuten Erweiterung des Teilnehmerkreises wurde auch im Jahre 19 54 noch nicht bei allen Branchen bzw. Teilbranchen ein ausreichender Repräsentationsgrad erreicht. Dies war vor allem im Fahrradeinzelhandel, im Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel sowie in den Teilbranchen des Textilelnzelhandels mit vorwiegend Herrenausstattung und vorwiegend Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen der Fall. Die Ergebnisse der Branchen, bei denen die Aussagekraft durch die relativ geringe Beteiligung beinträchtigt ist, sind durch Kleinkursivdruck gekennzeichnet.
Die Auswertungspositionen sind im Grundsatz gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben. Allerdings wurden die Zinsen für Fremdkapital, die bisher in der Sammelposition Sonstige Kosten ausgewiesen waren, im Jahre 1954 erstmalig als gesonderte Kostenposition erfaßt. Hierdurch ist die Möglichkeit gegeben, im Zusammenhang mit den Zinsen für Eigenkapital die Gesamtzinsbelastung zu beurteilen und gewisse Rückschlüsse auf die Relation zwischen Fremd- und Eigenkapitalausstattung zu ziehen. Die Anordnung der im vorliegenden Bericht wiedergegebenen Tabellen erfolgte in Anlehnung an den Vorjahrsbericht. In Tabelle 1 ist die Zahl der am Betriebsvergleich beteiligten Firmen, aufgegliedert nach Branchen und Teilbranchen, ausgewiesen. Zur Beurteilung der Betriebsgrößenschichtung ist gleichzeitig eine entsprechende Aufteilung nach Personengrößenklassen vorgenommen worden. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Entwicklung von Beschaffung, Lagerung. Absatz und Gesamtkosten im Jahre 1954 gegenüber 1953.
In Tabelle 3 ist der monatliche Absatz-, Beschaffungs- und Lagerindex für die Hauptbedarfsgruppen Nahrungs- und Genußmittel, Textilien und Bekleidung, Hausrat und Wohnbedarf und sonstiger Einzelhandel sowie für den Einzelhandel insgesamt wiedergegeben. Tabelle 4 enthält die wichtigsten Absatzzahlen und zum Vergleich die Gesamtkostenbelastung in Prozenten vom Absatz. Tabelle 5 gibt einen Überblick über den getätigten Großhandelsabsatz (Absatz an Wiederverkäufer, gewerbliche Verwender und Großverbraucher), den Werkstattabsatz und die Eigenherstellung sowie über die Höhe der Kreditverkäufe und Außenstände. Zur ergänzenden Beurteilung der Kreditsituation ist in Tabelle 6 eine Aufgliederung der Kreditverkäufe nach der Form der Kreditgebung erfolgt. In Tabelle 7 sind die wichtigsten Lagerzahlen aufgeführt. Die Tabellen 8 und 9 enthalten die Handlungskosten, aufgegliedert nach Kostenarten, sowohl in Prozenten des Absatzes als auch in Prozenten der Gesamtkosten.
In den Tabellen sind neben den Durchschnittswerten für die einzelnen Branchen und Teilbranchen auch die Zahlen für den Einzelhandel insgesamt ausgewiesen. Bei der Ermittlung dieser Gesamtdurchschnittswerte fand das nachfolgend wiedergegebene Wägungsschema Berücksichtigung. Infolge des unterschiedlichen Gewichtes von Absatz- und Lageranteil wurde für die Durchschnittsberechnung der Lagerzahle ein besonderes Lagenwägungsschema verwendet, Die Berechnung des Lagergewichtes erfolgte durch Division des Absatzgewichtes durch die Lagerumschlagsgeschwindigkeit, Einzelheiten über die Berechnungsmethode sind in der Nr. 17 der Institutsmitteilungen, wiedergegeben.
Nachfolgend sollen die zum Verständnis des vorliegenden Berichtes notwendigen Begriffserläuterungen gegeben werden.

Beschäftigte Personen :

Hierunter ist die im Berichtszeitraum durchschnittlich beschäftigte Personenzahl einschließlich des oder der Inhaber und der mithelfenden Familienangehörigen zu verstehen. Bei der Ermittlung dieser Zahl sind Lehrlinge im 1, und 2, Lehrjahr und die Anlernlinge im 1. Jahr mit 0,5 bewertet, teilbeschäftigte Personen mit einem ihrer Arbeitszeit entsprechenden Bruchteil.

Warenbeschaffung :

Sie umfaßt die Summe der Einkaufsrechnungen lt. Wareneingangsbuch bzw. Eingangsseite (Soll) des Wareneinkaufskontos einschließlich der Bezugskosten (wie Frachten, Rollgelder), jedoch abzüglich der Retouren, Preisnachlässe und Skonti.

Warenabsatz :

Er enthält den gesamten Warenausgang (Bar- und Kreditverkäufe) zu Verkaufspreisen, In Branchen, in denen die Kreditverkäufe keine besondere Rolle spielen, sind notfalls an Stelle des Warenausgangs die Zahlungseingänge, die den Umsatzsteuermeldungen entsprechen, eingesetzt worden.

Absatz je beschäftigte Person :

Die Berechnung des Absatzes je beschäftigte Person erfolgt durch Division des Gesamtabsatzes des Beriditszeitraumes durch die Zahl der im Berichtszeitraum im Durchschnitt beschäftigten Personen (Personenbewertung siehe Beschäftigte Personen).

Absatz je Kunde, Barabsatz je Barkunde und Kreditabsatz je Kreditkunde:

Der Absatz je Kunde ist durch Teilung des Gesamtabsatzes des Berichtszeitraumes durch die Kundenzahl des Berichtszeitraumes (Zahl der Kassenzettel und Zahl der Kreditverkäufe) errechnet, der Barabsatz je Barkunde durch Teilung des Barabsatzes durch die Zahl der Barkunden und der Kreditabsatz je Kreditkunde durch Teilung des Kreditabsatzes durch die Zahl der Kreditkunden.

Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum :

Seine Berechnung erfolgt durch Division des Gesamtabsatzes durch die Quadratmeterzahl der im Berichtszeitraum benutzten Geschäftsräume. Zu den Geschäftsräumen werden Verkaufs-, Aussteliungs-, Lager- und Büroräume sowohl in eigenen als. auch in fremden Gebäuden gezählt, nicht jedoch ausgesprochene Nebenräume, wie Garagen, Abstellräume.

Großhandelsabsatz :

Darunter ist der Absatzanteil zu verstehen, für den die Großhandelsumsatzsteuer gilt, also Lieferungen an Wiederverkäufer, gewerbliche Verwender und Großverbraucher.

Werkstattabsatz :

Zum Werkstattabsatz rechnen Änderungen, Zurichtungsarbeiten und Montagen von verkauften Waren sowie nicht aus dem Handelsbetrieb erwachsene
Reparaturen, Laborarbeiten usw. Nicht als Werkstattabsatz zählt die Neuanfertigung von Waren (siehe Eigenherstellung).

Eigenherstellung :

Darunter sind die in gewerblichen Nebenbetrieben des Handelsgeschäftes selbsterzeugten Waren zu verstehen.

Kreditverkäufe :

Hierunter fällt der gesamte Kreditabsatz, und zwar in Verbindung mit Teilzahlungs-Finanzierungs- Instituten gewährte Kredite, sonstige Teilzahlungsverkäufe auf Grund von besonderen Teilzahlungsverträgen, alle sonstigen Kreditverkäufe (Offene Buchkredite, Anschreiben).

Außenstände aus Kreditverkäufen :

Die Außenstände aus Kreditverkäufen werden jeweils am letzten Tage des Berichtsjahres erfaßt. Sie beziehen sieh auf ausstehende Raten aus Teilzahlungsverkäufen, Buchkrediten und das sogenannte Anschreiben. Sie sind in Prozenten des Absatzes des Berichtsjahres berechnet.

Lagerbestand je beschäftigte Person :

Berechmingsformel: Durchschnittlicher Lagerbestand des Berichtsjahres zu Inventurwerten (Anfangsbestand + Endbestand geteilt durch 2) dividiert durch die Zahl der im Berichtsjahr im Durchschnitt beschäftigten Personen (Personenbewertung siehe Beschäftigte Personen).
Umschlagsgeschwindigkeit des Warenlagers,Berechnungsformel: Gesamtabsatz des Berichtsjahres zu Einstandspreisen dividiert durch den durchschnittlichen Lagerbestand (Anfangsbestand + Endbestand geteilt durch 2) des Berichtsjahres zu Inventurwerten.

Lagerentwicklung :

Für die Kennzeichnung der Lagerentwicklung werden zwei Auswertungen vorgenommen. Die eine zeigt die Entwicklung der Lagerbestände innerhalb eines Jahres, die andere die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahre. Im ersteren Falle wird der Endbestand des Lagers zu Inventurwerten am 31, Dezember in Prozenten des Anfangsbestandes am 1. Januar des gleichen Jahres berechnet (Anfangsbestand = 100). Im zweiten Falle wird der durchschnittliche Lagerbestand des Berichtsjahres in Prozenten des durchschnittlichen Lagerbestandes des Vorjahres ausgerechnet (Durchschnittlicher Lagerbestand des Vorjahres = 100).

Personalkosten :

In ihnen sind die Bruttogehälter und -löhne aller vom Betriebe angestellten Personen einschließlich des Arbeitgeberanteils an sozialen Lasten sowie Tantiemen, Gratifikationen, Prämien, Provisionen und Sachleistungen enthalten.

Entgelt für nichtentlöhnte Tätigkeit des Inhabers und seiner Familie (Llnternehmerlohn) :

Da bei Einzelunternehmungen, offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften unter Personalkosten kein Unternehmerlöhn verbucht wird, wird dafür ein kalkulatorischer Betrag angesetzt. Das kalkulatorische Entgelt entspricht dem an gleichwertige leitende oder ausführende Kräfte nach den Sätzen der örtlichen Tarifordnung bzw. nach freier Vereinbarung zu zahlenden Gehalt. Für den Tabakwareneinzelhandel gilt wegen der Erhöhung der Absatzwerte durch die Verbrauchssteuer die Regelung, daß die Unternehmerlohnsätze gegenüber den für die anderen Einzelhandelsbranchen geltenden Werten um Vs herabgesetzt werden. Für die mithelfenden Familienangehörigen, die kein Gehalt beziehen und somit nicht Angestellte sind, wird ein ihrer Tätigkeit entsprechendes kalkulatorisches Entgelt angesetzt.

Miete :

Miete ist der für ausschließlich dem Betriebszweck dienende fremde Räume gezahlte Betrag und der Mietwert für Räume in eigenen Gebäuden. Als Mietwert bei eigenen Räumen ist die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn Räume in gleichem Umfang und in gleicher Lage gemietet worden, wären. Kosten für Heizung, Reparaturen, Licht usw. sind nicht in der Miete, sondern in der Position Sonstige Kosten enthalten.

Steuern :

Zu den Steuern sind nur die betrieblichen Steuern gerechnet, also Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Urnsatzsteuer und Gewerbesteuer wurden getrennt erhoben; die Kraftfahrzeugsteuer für Betriebsfahrzeuge ist bei den Sonstigen Kosten berücksichtigt. Nicht als Steuern gelten Beiträge, auch wenn sie steuerlich abzugsfähig sind. Nicht zu dieser Position zählen ferner die Einkommensteuer, Vermögensteuer usw. des Unternehmers sowie die Körperschaftsteuer, Grundsteuer, Lastenausgleichsabgabe und Investitionshilfeabgabe.

Reklamekosten :

Als Reklamekosten gelten alle Sachausgaben für Werbung, wie Dekorationskosten, Inserate, Prospekte, Plakate, ferner die Beiträge für Werbegemeinschaften, Honorare für gelegentliche Werbehelfer usw. Die Gehälter für festangestelltes Personal (z. B. Dekorateure) sind nicht den Reklamekosten, sondern den Personalkosten zugerechnet.

Zinsen für Fremdkapitaleinschließlich der Nebenkosten des Finanz-und Gelderkehrs :

Hierzu gehören alle Zinsen für Fremdkapital einschließlich Diskont und Bankprovisionen sowie die mit dem Geld- und Überweisungsverkehr

Zusammenhängenden Spesen und Gebühren. Zinsen für Eigenkapital :

Bei Einzelunternehmungen und Personalgesellschaften sind 4 % des Eigenkapitals des Inhabers oder der Gesellschafter nach dem Stande des Kapitalkontos am Ende des Berichtsjahres gerechnet, jedoch ohne Berücksichtigung des Gewinnes bzw. Verlustes des jeweiligen Berichtsjahres.
Bei Kapitalgesellschaften sind 4 % des Grundkapitals einschließlich der gesetzlichen und freiwilligen Rücklagen angesetzt, jedoch ohne Berücksichtigung der Zu- und Abgänge auf Grund des Jahresabschlusses.

Abschreibungen :

Hierunter fallen Abschreibungen auf Inventar, Fahrzeuge und Forderungen gemäß dem Abschluß des Berichtsjahres. Abschreibungen auf das Warenlager sind nicht hier, sondern in der Lagerbewertung berücksichtigt. Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude sind durch den Mietwert abgegolten.

Sonstige Kosten :

Hier sind alle in den übrigen Kostenpositionen nicht enthaltenen Handlungskosten berücksichtigt. Nicht enthalten sind die Grundstücks- und Gebäudekosten sowie Wiederaufbaukosten, da sie durch den Mietwert abgegolten sind. Ausgaben für Neuanschaffungen, die durch die Abschreibungen berücksichtigt sind, und die Warenbezugskosten, die der Beschaffung zugerechnet sind.

Entwicklungszahlender Warenbeschaffung, des Warenabsatzes und der Handlnngskosten :

Die Entwicklungszahlen werden für jeden Betriebsvergleichsteilnehmer einzeln berechnet, wobei die Werte des Berichtsjahres in Prozenten der entsprechenden Werte des Vorjahres ausgedrückt werden (Warenbeschaffung, Warenabsatz, Handlungskosten des Vorjahres = 100).
1 1) Beschaffung, Lagerung, Absatz und Kosten des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949, 1950 und 1951, Nr. 1 der Schriften zur Handelsforschung, hrsg. von Rudolf Seyffert, Köln und Opladen 1953
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