Den Betriebsvergleich richtig lesen und auswerten
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertEin Betriebsvergleichsteilnehmer an seine Kollegen
Die Teilnahme am Betriebsvergleich wird für den einzelnen Betrieb dann besonders wertvoll sein, wenn die Auswertungstabellen in der richtigen Weise genutzt werden. Zu diesem Thema gibt ein Großhandelskaufmann, Betriebsvergleichsteilnehmer des Technischen Handels, einen Beitrag, der die vielseitigen Auswertungsmöglichkeiten des Betriebsvergleichs verdeutlicht. Mit freundlicher Genehmigung der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Technischen Händler bringen wir aus dem Mitteilungsblatt „Technischer Handel", 42. Jahrgang. Heft 10, Oktober 1955, den nachfolgenden Abdruck. Was darin speziell für eine Branche aufgeführt wird, ist auch von allgemeiner Bedeutung, da es sich dem Sinne nach auf die Betriebsvergleichsauswertung jeder Branche übertragen läßt.
„Ob Sie, sehr geehrter Herr Kollege, die Betriebsvergleichsergebnisse auch stets mit Spannung und Ungeduld erwarten? Ob auch Sie, wenn die beiden Auswertungsblätter mit den vielen Einzelergebnissen, den Größenklassen- und den Gesamtdurchschnittszahlen eingetroffen sind, eine ruhige Stunde nur Ihrem Betriebsvergleich und dem Ihrer Branche widmen? Es steht so unendlich viel in diesen Bogen und die Zahlen sprechen eine so lebendige Sprache. Freilich muß man sie richtig lesen und auswerten. Um das zu können, braucht man kein betriebswirtschaftliches Studium absolviert zu haben. Dazu gehören ein gesunder kaufmännischer Verstand, ein wenig Muße, die Liebe zum Betrieb und zum Betriebsvergleich.
Sie, der Sie selbst am Betriebsvergleich mitarbeiten, vielleicht ebenfalls schon seit Jahren, werden mich verstehen, denn Sie machen es wahrscheinlich ebenso oder ähnlich wie ich, Ihnen aber der Sie noch nicht mitmachen, der Sie sich aber längst schon zur Teilnahme angemeldet hätten, wenn nicht immer wieder etwas d az wischen gekommen wäre - auch Bedenken über den Zeitaufwand, die unbegründet sind - Ihnen möchte ich zeigen, was mir die Betriebsvergleichs-Auswertung vom II. Quartal 1955 für meinen Betrieb gesagt hat. Zwar können Sie mir nicht so leicht folgen wie die Teilnehmer am Betriebsvergleich, denn diese bekommen ja die Einzelergebnisse von nahezu 100 Betrieben, wogegen Sie mit den Durchschnittswerten in unserer Fachzeitschrift vorliebnehmen müssen, die zwar manches, aber längst nicht so viel aussagen Angst, Betriebsgeheimnisse zu verraten, habe ich nicht. Eine solche Furcht wäre übrigens auch völlig unbegründet, denn mein Betrieb hat seine geheime, nur mir und dem vertrauenswürdigen Sachbearbeiter bekannte Kennziffer. Unter dieser Nummer finde ich meine Zahlen auf einem der beiden Auswertungsblätter, auf denen nach dem Anteil von Lager- und Streckeilgeschäften am Umsatz der teilnehmenden Firma unterschieden ist, und dort innerhalb einer der zwei Umsatzgrößenklassen.
Meine Gedanken zur Betriebsvergleichsauswertung des II. Quartals 1955 sind weder vollständig, noch habe ich lange Zeit darauf verwendet, sie niederzuschreiben. Nehmen Sie sie bitte, wie sie gemeint sind: als den spontanen Ausdruck meiner Befriedigung darüber, was mir der Betriebsvergleich bietet; als eine Anregung, falls Sie noch nicht alles das aus ihm herausholen, was er Ihnen zu geben vermag; als eine herzliche Aufforderung an Sie, der Sie noch gar nicht mitarbeiten, sich heute noch zur Teilnahme anzumelden. Denn je mehr Firmen mitarbeiten, umso wertvoller und interessanter wird der Betriebsvergleich natürlich, - für Sie selbst, auch für mich und für uns alle.
Zu: Absatz je Betrieb in DM - Mit der Umsatz - große kann ich ganz zufrieden sein. Jedenfalls hält sich der Betrieb ohne große Schwankungen auf seinem Rangplatz. Die unbekannten Nachbarn sind fast immer die gleichen.
: Absatz des Berichtsquartals in Prozenten des gleichen Vorjahrsquartals - Der allgemeinen Aufwärtsentwicklung entsprechend liegt meine Zahgut und richtig. Interessant wäre es, gleichzeitig den Konjunkturverlauf der Konsum- und Investitionsgüter-Industrie zu kennen und die Ergebnisse zu vergleichen.
Zu: Absatz je beschäftigte Person in DM - Der Umsatz je Kopf der Beschäftigten liegt günstig. Die geplante personelle Vergrößerung des Betriebes kann also gewagt werden. Bemerkenswert ist, daß die hohen Umsatzbeträge je beschäftigte Person bei den Firmen mit hohem Industriekunden-Anteil liegen. Das ist verständlich. Die Belieferung der Wiederverkäufer dagegen macht in der Regel einen größeren Personalbestand und ein umfangreicheres Lager erforderlich.
Es wäre übrigens interessant, die durchschnittliche Höhe der Kundenrechnungen ebenfalls zu erfahren.
Zu: Kundenziel in Tagenbezogen auf den Quartalsabsatz - Die Kundschaft nimmt ein zu langes Ziel in Anspruch. Die Buchhaltung muß verstärkt werden, damit pünktlicher und regelmäßiger gemahnt werden kann. Manche Abnehmer sind „verwöhnt", und es wird Zeit und Mühe kosten, das durchschnittliche Ziel zu erreichen. Bemerkenswert: Kleinere Technische Händler melden längere Kundenziele als die größeren.
Zu: Lieferantenskonti in Prozenten der Warenbeschaffung - Beachtenswert ist, daß manche Firmen der Größenklasse bis zu DM 350000,- Jahresumsatz ein längeres Kundenziel geben können und trotzdem die schnelleren Zahler sind.
Zu: Warenbeschaffung des Betriebsquartals in Prozenten des gleichen Vorjahrsquartals- Die Warenbeschaffung war prozentual größer als der Umsatzzuwachs. Hier kommt das Bemühen zum Ausdruck, die länger werdenden Lieferzeiten der Lieferindustrie aufzufangen durch größere Lagervorräte.
Zu: Warenbeschaffung in Prozenten des Absatzes - Eine ungemein wichtige Zahl. Bei mir könnte sie besser liegen. Sie ist ungünstiger als beim letzten Vergleich. Die Werte des Warenlagers, die im Jahresfragebogen erfragt werden, sollten auch in der Jahres-Auswertungstabelle erscheinen.
Zu: Personalkosten- Das schon Gesagte kann auch hier angeführt werden: Firmen, die überwiegend an Industriekunden liefern, weisen geringere Personalkoste n auf als diejenigen, die vornehmlich Wiederverkäufer und Handwerker beliefern.
Zu: Provisionen - Sie liegen beim Durchschnitt.
Zu: Raumkosten - Sie liegen über dem Durchschnitt. Lage und Aufwand wirken sich aus.
Zu: Steuern - Wichtig werden die Zahlen aus den Jahresbetriebsvergleichen als Unterlage für künftige Steuerkontrollen durch das Finanzamt. Bei einer früheren Prüfung hat die Teilnahme am Betriebsvergleich sich günstig ausgewirkt.
Zu: Zinsen für Fremdkapital nach Abzug der Zinserträge sowie Nebenkosten des Finanz- und Geldverkehrs- Die Zinsen für Fremd kapital haben sich in allen Größenklassen erhöht; ein Zeichen dafür, daß der Technische Handel die Umsatzausweitung nicht selbst verkraften konnte. Die gegenwärtigen Steuern machen eine Kapitalbildung beim Handel unmöglich.
Zu: Werbekosten- Mein Betrieb könnte mehr tun.
Zu: Gesamtkosten- Meine Zahlen liegen günstig. Diese Zahl, in Beziehung gebracht zur Warenbeschaffung
und zum Umsatz, läßt, ein gleichbleibendes Warenlager vorausgesetzt, Schlüsse auf den Gewinn zu, der im Berichtsquartal erzielt worden ist."
