Home | 1956 | 1956-02 | Abzatzentwicklung der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte im Januar 1956

Abzatzentwicklung der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte im Januar 1956

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Auch im Januar 1956 konnte der Einzelhandel allgemein eine bemerkenswerte Umsatzsteigerung gegenüber dem entsprechenden Vorjahrsmonat verzeichnen. Nach den Meldungen der am Betriebsvergleich des Instituts beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte betrug die Absatzerhöhung gegenüber Januar 1955 wertmäßig etwa 11 Prozent. Da die Preise im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels um etwa 1 Prozent angestiegen sind, ergibt sich für die preisbereinigte Absatzentwicklung ein Plus von 10 Prozent.
Der Vergleich der Entwicklungszahlen zwischen den einzelnen Branchen läßt ähnliche Tendenzen wie in den Vormonaten erkennen. Die Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf lagen auch im Januar eindeutig an der Spitze. So konnte der Möbeleinzelhandel sein Verkaufsergebnis gegenüber Januar 1955 um 23 Prozent verbessern. Der Eisenwaren- und Hausrathandel wies insgesamt eine Absatzzunahme von 19 Prozent aus. Von den einzelnen Fachzweigen des Eisenwaren- und Hausratbereichs lagen die Geschäfte mit Kleineisenwaren und Werkzeugen an erster Stelle. Diese Betriebe konnten eine Verbesserung des Absatzes im Durchschnitt um 35 Prozent erzielen. Die Geschäfte mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten registrierten eine Absatzzunahme von 21 Prozent. Lediglich die Geschäfte mit gemischtem Sortiment lagen mit + 12 Prozent geringfügig unter der Entwicklung der gesamten Branche. Der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel konnte das Verkaufsergebnis um 20 Prozent, der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel um 16 Prozent erhöhen.
Ähnlich wie in den Vormonaten, so lag auch im Januar 1956 der Sehuheinzelhandel vergleichsweise am schlechtesten. Die am Betriebsvergleich beteiligten Schuhfachgeschäfte wiesen einen gleich hohen Absatz wie im Jahre 1955 aus. Die Entwicklung der Branche ist um so bemerkenswerter, als die hinsichtlich des Bedarfscharakters mit dem Schuheinzelhandel vergleichbaren Fachzweige des Textileinzelhandels mit Oberbekleidung besonders günstige Ergebnisse erzielen konnten. Während sich für den Textileinzelhandel insgesamt im Durchschnitt ein Absatzplus von 11 Prozent ergab, verzeichneten die Geschäfte mit Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung eine Zunahme von 18 Prozent. Es folgten die Geschäfte mit Herren- und Knabenoberbekleidung ( + 16 Prozent) und die Geschäfte mit Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung ( + 13 Prozent). Von den übrigen Faehzweigen des Textileinzelhandels registrierten auch die Firmen mit vorwiegend Haus- und Bettwäsche, Bettwaren ein vergleichsweise günstiges Ergebnis (+ 14 Prozent). Die Meterwarengeschäfte sowie die Firmen mit Wäsche-, Wirk- und Strickwaren lagen mit Absatzerhöhungen von + 7 Prozent geringfügig unter der Entwicklung des Branchendurchschnitts. Relativ am schlechtesten haben von den Fachzweigen des Textileinzelhandels die Herrenausstatter sowie die Geschäfte mit Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen abgeschnitten. Für diese Firmen war im Durchschnitt nur eine Erhöhung von 4 Prozent festzustellen. Insgesamt ist bei der Beurteilung des befriedigenden Absatzverlaufs im Textileinzelhandel zu berücksichtigen, daß im Jahre 195 5 nur der erste Tag des Winterschlußverkaufs im Januar lag, im Jahre 1956 dagegen die beiden ersten Tage in den Vergleichsmonat fielen. Diese zeitliche Verschiebung läßt die Entwicklung des Schuheinzelhandels noch negativer erscheinen.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel hat an der allgemeinen Absatzbelebung teilgenommen. Mit einer Zunahme von 9 Prozent entsprach die Entwicklung der Branche weit gehend dem Absatzverlauf des Einzelhandelsdurchschnitts. Wie in den Vormonaten, so konnte auch im Januar der Tabakwareneinzelhandel im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel mit + 11 Prozent geringfügig besser abschneiden.
Von den Branchen des sonstigen Einzelhandels wiesen die Drogerien mit einem Absatzanstieg von + 8 Prozent vergleichsweise noch die schlechteste Entwicklung auf. Im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel ergab sich eine Zunahme von 10 Prozent. Es folgten der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel ( + 12 Prozent), der Sortimentsbuchhandel ( + 13 Prozent) und die Reformhäuser ( + 14 Prozent). Der Uhren- und Schmuckwareneinzelhandel hat mit einer Absatzerhöhung von 18 Prozent beträchtlich besser als der Einzelhandelsdurchschnitt abgeschnitten. Noch günstigere Entwicklungszahlen ergaben sich mit + 21 Prozent im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel und mit + 33 Prozent im Fahrradeinzelhandel. Bei der Beurteilung der letzten Entwicklungszahl ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Aussagekraft durch einen relativ kleinen Teilnehmerkreis stark beeinträchtigt ist.
Um ein abschließendes Bild über die Absatzentwicklung des westdeutschen Einzelhandels im Januar 1956 gegenüber Januar 1955 zu ermöglichen, ist es erforderlich, die inzwischen eingetretenen Preisveränderungen mit zu berücksichtigen.
Insgesamt gesehen hat sich das Preisniveau nur geringfügig verschoben. Für den Einzelhandelsdurchschnitt ergab sich - wie bereits einleitend erwähnt - ein leichter Preisanstieg von etwa 1 Prozent. Diese Tendenz ist vor allem durch die Branchen des Haurat- und Wohnbedarfs und des Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandels hervorgerufen worden. So ergab sich im Eisenwaren- und Hausrathandel im Durchschnitt ein Preisanstieg von etwas mehr als 3 Prozent und im Möbeleinzelhandel von 1 Prozent. Der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel verzeichnete eine Preiserhöhung von etwa Prozent. Die preisbereinigten Absatzentwicklungszahlen der drei Branchen sind um die entsprechenden Prozentsätze hinter der wertmäßigen Entwicklung zurückgeblieben, Preisrückgänge sind lediglich im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (etwa 2 Prozent) und im Lebensmitteleinzelhandel (etwa 1 Prozent) zu verzeichnen gewesen.
Im Vergleich zum Vormonat Dezember ist im Januar der saisonbedingte Absatzrückgang eingetreten. Für den gesamten Einzelhandel lag der Januarabsatz 49 Prozent niedriger als der Dezemberabsatz. Die Entwicklung entsprach damit weitgehend dem Saisonverlauf des Vorjahres, in dem sich ein Absatzrückgang von 50 Prozent ergab. Die stärksten Absatzminderungen zeigten sich naturgemäß bei den Branchen mit vorwiegend Geschenkartikeln. So verzeichnete der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel einen Rückgang von 79 Prozent und der Uhren- und Schmuckwareneinzelhandel einen solchen von 74 Prozent. Im Textileinzelhandel lag der Januarabsatz 1956 57 Prozent und im Schuheinzelhandel 58 Prozent niedriger als der Dezemberabsatz 1955. Der relativ starren Nachfrage entsprechend ist der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel nur um 36 Prozent zurückgegangen. Der Vergleich der Saisonentwicklung der einzelnen Branchen mit der des Vorjahres läßt eine fast vollkommene Übereinstimmung erkennen und weist somit, insgesamt betrachtet, auf einen normalen Absatzverlauf im Januar 1956 hin.


'