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Absatzentwicklung der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte im Februar 1956

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Nach dem Bericht von etwa 1 700 am Betriebsvergleich des Instituts für Handelsforschung beteiligten Einzelhandelsfachgeschäften ergab sich im Februar 1956 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahrsmonat ein Absatzanstieg von 8 %. Es handelt sich hierbei um eine echte Umsatzsteigerung, da das Preisniveau im Durchschnitt des Einzelhandels in den beiden Vergleichsmonaten in etwa gleich hoch war.
Das untenstehende Schaubild gibt einen Überblick über die Absatzentwicklung in den einzelnen Branchen. Im Gegensatz zu dem relativ einheitlichen Absatzverlauf im Vormonat Januar — abgesehen vom Schuheinzelhandel konnten alle am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen gegenüber Januar 195 5 eine beachtliche Absatzzunahme erzielen — weist die Entwicklung im Februar zum Teil beträchtliche Unterschiede auf. Besonders auffallend ist das verhältnismäßig schlechte Abschneiden der Branchen mit Textilien und Bekleidung. Der Schuheinzelhandel mußte eine geringfügige Einbuße von 1 % hinnehmen, während der Textileinzelhandel einen leichten Absatzanstieg von 2 % verzeichnete. Bei der Beurteilung der vergleichsweise ungünstigen Entwicklung beider Branchen ist allerdings zu berücksichtigen, daß in diesem Jahr die beiden ersten Tage des Winterschlußverkaufs, die allgemein ein lebhaftes Geschäft mit sich brachten, in den Monat Januar fielen, während im Vorjahr lediglich der erste Tag im Januar lag. Eine volle Vergleichbarkeit mit dem Vorjahre ist somit nur für den Absatz der Monate Januar und Februar insgesamt gegeben. Aber auch dieser Vergleich ergibt vor allem für den Schuheinzelhandel ein relativ schlechtes Bild. Während der Absatz der Monate Januar/Februar für den gesamten Einzelhandel im Durchschnitt
um 10 % über dem Vorjahrsergebnis lag, konnte der Textileinzelhandel lediglich eine Zunahme von 7 % ausweisen. Der Schuheinzelhandel mußte sich sogar mit einem gleich hohen Absatz wie im Vorjahr begnügen.
Der Grand für das vergleichsweise schlechte Abschneiden der beiden Branchen des Bekleidungssektors im Februar 1956 dürfte vor allem auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen sein. Obwohl der plötzliche Kälteeinbruch in Zusammenhang mit dem Winterschlußverkauf zunächst zu einer Belebung des Absatzes an Winterbekleidung geführt hat, hat die Länge der Kälteperiode letztlich eine offensichtliche Zurückhaltung der Käuferschaft mit sich gebracht. Zweifellos dürften die durch die Schneefälle bedingten Verkehrsbehinderungen einen großen Teil der Kunden zu einer Verschiebung ihrer Einkäufe veranlaßt haben.
Die Gegenüberstellung der Entwicklungszahlen in den einzelnen Fachzweigen des Textileinzelhandels zeigt sehr beachtliche Differenzierungen. Mit einer Umsatzeinbuße von 12 % lagen die Meterwarengeschäfte an letzter Stelle. Bemerkenswerte Absatzrückgänge waren weiterhin bei den Fachgeschäften mit Herren- und Knabenoberbekleidung bzw. mit Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung festzustellen. Im Gegensatz hierzu ist allerdings die Entwicklung bei den Betrieben, die sowohl Herrenals auch Damenkonfektion führen, positiv verlaufen ( + 5 % ). Die stärkste Absatzzunahme verzeichneten mit + 12 % die Wäsche-, Wirk- und Strickwarengeschäfte. Es folgten mit + 11 % die Herrenausstatter. Der Vergleich der Entwicklungszahlen der einzelnen Fachzweige des Textileinzelhandels für den Monat Februar mit den auf der Vorseite wiedergegebenen Ergebnissen des Winterschlußverkaufs läßt in der Tendenz eine weitgehende Übereinstimmung erkennen.
Die durch die Witterungsverhältnisse bedingte Zurückhaltung der Käufer hat sich in gewissem Umfang auch im Bereich des Hausrat- und Wohnbedarfs bemerkbar gemacht. Die im Vormonat Januar erzielten Absatzerhöhungen gegenüber Januar 1955 von 23 % im Möbeleinzelhandel und 19 % im Eisenwaren- und Hausrathandel konnten im Februar nicht mehr erreicht werden. Trotzdem lag der Hausrat- und Wohnbedarf weiterhin über der durchschnittlichen Entwicklung des gesamten Einzelhandels. Die Möbelfachgeschäfte konnten ein Absatzplus von 12 % und die Eisen- und Hausrathandlungen ein solches von 15 % registrieren. Von den Fachzweigen des Eisenwaren- und Hausrathandels lagen erneut die Geschäfte mit vorwiegend Kleineisenwaren und Werkzeugen an der Spitze (+22 %).
Keine wesentlichen Veränderungen im Vergleich zu der Entwicklung im Vormonat Januar ergaben sich bei den Branchen mit Nahrungs- und Genußmitteln. Der Lebensmitteleinzelhandel konnte sein Verkaufsergebnis um 13% der Tabakwareneinzelhandel um 10 % verbessern. In der seit Mitte des Vorjahres kontinuierlich festzustellenden Absatzzunahme von etwa 10 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahrszeitraum spiegelt sich deutlich die relativ starre Nachfrageelastizität bei Nahrungs- und Genußmitteln wider.
Die in der Gruppe „Sonstiger Einzelhandel" zusammengefaßten Branchen registrierten zum Teil stark unterschiedliche Entwicklungszahlen. Mit einer Absatzeinbuße von 27 % hat der Fahrradeinzelhandel am schlechtesten abgeschnitten. Es ergab sich hiermit eine Umkehrung der Entwicklung im Vormonat Januar, in dem der Fahrradeinzelhandel mit einem Plus von 33% eindeutig an erster Stelle lag. Der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel wies im Februar 1956 gegenüber Februar 1955 einen Absatzrückgang von 4 % aus. Die übrigen Branchen des sonstigen Einzelhandels konnten ihre Verkaufsergebnisse weiter verbessern. So erzielten die Reformhäuser einen Anstieg von 16 %, die Drogerien, der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel sowie der Sortimentsbuchhandel einen solchen von 13 %.
Gegenüber dem Vormonat Januar ist für den Durchschnitt aller am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen ein geringfügiger Absatzrückgang von 1 % eingetreten. Hiermit ist die Entwicklung etwas schlechter ausgefallen als im Jahre 1955, in dem sich eine Zunahme von 2 % ergab. Auch in dieser Entwicklung spiegelt sich die durch die winterliche Witterung bedingte Zurückhaltung der Käuferschaft wider. Hinzu kommt bei den Branchen mit Textilien und Bekleidung die durch den unterschiedlichen Zeitpunkt des Winterschlußverkaufs bedingte Verschiebung. Während im Vorjahre der Textileinzelhandel im Februar gegenüber Januar eine Umsatzzunahme von 11 % verzeichnen konnte, ist im Jahre 1956 ein Rückgang von 2 % eingetreten. Der Absatz des Möbeleinzelhandels hat sich im Februar 1956 gegenüber dem Vormonat Januar um 16 %, der des Eisenwaren- und Hausrathandels um 9 % vermindert. Im Vorjahre waren dagegen nur Rückgänge von 4 % bzw. 5 5 zu verzeichnen. Lediglich im Lebensmittel- und Tabakwareneinzelhandel sowie bei einigen Branchen des sonstigen Einzelhandels ist die Saisonentwicklung der des Vorjahres entsprechend verlaufen.
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