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Absatzentwicklung der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgefchäfte im März 1956

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Der Monat März 1956 stand im Zeichen einer besonders guten Verkaufslage. Die am Betriebsvergleich des Instituts für Handelsforschung beteiligten Einzelhandelsbranchen konnten im Durchschnitt das Verkaufsergebnis gegenüber März 1955 wertmäßig um 26% verbessern. Da das Preisniveau sich in diesem Zeitraum um etwa 2 % erhöht hat, ist die preisbereinigte Umsatzentwicklung mit + 24 % geringfügig hinter der wertmäßigen zurückgeblieben. Der Grund für das positive Umsatzergebnis im Monat März dürfte vor allem auf den Zeitpunkt des Osterfestes zurückzuführen sein. Während im Vorjahre das Ostergeschäft mit seinem Schwerpunkt im Monat April lag, ist es im Jahre 1956 ausschließlich in den Monat März gefallen und zwar in die letzten Tage, die infolge des schönen Wetters und der Gehaltszahlungen besonders günstige Bedingungen aufwiesen. Es ist anzunehmen, daß sich im Monat April ein gewisser Ausgleich ergeben wird. Eine endgültige Beurteilung des Frühjahrsgeschäfts ist daher erst nach Vorliegen des Aprilergebnisses möglich.
Die Beeinflussung der Verkaufssituation durch das Ostergeschäft kommt auch beim Vergleich der Umsatzentwicklung der einzelnen Branchen zum Ausdruck. Ganz offensichtlich lagen der Bekleidungsbereich sowie einige Branchen mit Kultur- und Luxusbedarf an der Spitze. Mit einer Umsatzzunahme von 55% hat die Schuhbranche vergleichsweise am günstigsten abgeschnitten. Es ergab sich somit eine Umkehrung der Entwicklung in den Monaten Januar und Februar, in denen der Schuheinzelhandel an der letzten Stelle aller Branchen lag. Nach dem Schuheinzelhandel folgte der Textileinzelhandel, der im Durchschnitt eine Umsatzzunahme von 34 % registrieren konnte. Allerdings haben die einzelnen Fachzweige des Textilbereichs in unterschiedlichem Umfange an der Belebung teilgenommen. Der Situation im Schuheinzelhandel entsprechend wiesen vor allem die Fachzweige mit Oberbekleidung, besonders mit Herrenkonfektion, ein günstiges Ergebnis aus. Auch die Geschäfte mit Herrenausstattung lagen mit einem Plus von 46% noch in bemerkenswertem Umfang über der durchschnittlichen Entwicklung. Die bei weitem schlechteste Entwicklung verzeichneten die Meterwarengeschäfte, die ihre Umsätze gegenüber März 1955 nur geringfügig um 3 % erhöhen konnten. Unter der durchschnittlichen Entwicklung lagen ebenfalls die Fachzweige mit Heimtextilien.
Auch im Bereich des Hausrat und Wohnbedarfs ist infolge der hier nur im geringen Umfange üblichen Ostereinkäufe die Entwicklung im Vergleich zum Einzelhandelsdurchschnitt relativ ungünstig ausgefallen. Nach Monaten lag die Umsatzzunahme bei diesen Branchen erstmalig unter der im Durchschnitt aller Branchen erzielten. Immerhin konnte jedoch der Eisenwaren-und Hausrathandel sein Verkaufsergebnis gegenüber März 1955 noch um 18 % verbessern. Im Gegensatz zu der Entwicklung in den Vormonaten lagen die Geschäfte mit Haus- und Küchengeräten von den Fachzweigen des Eisenwaren- und Hausrathandels mit einem Plus von 19 % an der Spitze, während die Geschäfte mit Kleineisenwaren und Werkzeugen mit + 15 % vergleichsweise schlechter abgeschnitten haben. Der Möbeleinzelhandel konnte sein Verkaufsergebnis um 23 % verbessern. Von den Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf lag lediglich der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (+ 30%) über der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts. In dieser Branche dürfte sich der verhältnismäßig starke Anteil der Geschenkartikel ausgewirkt haben.
Die relativ starre Nachfrage im Nahrungs- und Genußmittelbereich bringt hier üblicherweise nicht so starke Umsatzschwankungen mit sich wie etwa bei den Branchen mit Textilien und Bekleidung. Trotzdem hat der Lebensmitteleinzelhandel mit einem Plus von 23 % eine bemerkenswerte Zunahme ausgewiesen. Nicht ganz so groß war die Erhöhung im Tabakwareneinzelhandel ( + 17%), da sich hier die Ostereinkäufe nicht in dem Umfange bemerkbar machen wie bei Lebensmitteln, besonders bei Süßwaren.
Von den sonstigen Einzelhandelsbranchen konnte besonders der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel ein erfreuliches Ergebnis erzielen. Die am Betriebsvergleich beteiligten Firmen dieser Branche registrierten im Durchschnitt einen Umsatzanstieg von 33 %. Es folgten der Fahrradeinzelhandel mit + 28 % und der Uhren-, Juwelen-,G old- und Slberwareneinzelhandel mit + 25 %. Hinter der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts zurückgeblieben sind die Drogerien ( + 19 %), die Reformhäuser ( + 18%), der Sortimentsbuchhandel (+ 14 %) und der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel ( + 10 %). Unbeeinflußt durch das Ostergeschäft sind die Umsätze im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel nur um 3 % angestiegen.
Die gute Verkaufslage des Einzelhandels im März 1956 kommt auch beim Vergleich der Umsätze mit denen des Vormonats Februar zum Ausdruck. Der Durchschnitt der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte konnte die Umsätze im März 1956 gegenüber Februar 1956 um 31 % erhöhen. Zwar ist der Umsatzanstieg von Februar nach März saisonbedingt, jedoch nicht in diesem starken Umfange. Dies läßt bereits die nebenstehende grapische Darstellung erkennen. Noch instruktiver ist allerdings der Vergleich der Entwicklung im Jahre 1956 mit der im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1955. Nachfolgend sind die Umsatzveränderungen März gegenüber Februar im Jahre 1956 und im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1955 für einige wichtige Branchen und den Einzelhandel insgesamt wiedergegeben.
Im gesamten Einzelhandel lag demnach im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1955 das Märzergebnis lediglich 14% über dem Februarergebnis. Auch bei den einzelnen Branchen zeigt sich im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre im Jahre 1956 eine wesentlich stärkere Zunahme der Umsätze. Besonders deutlich sind die Abweichungen im Textilund Schuheinzelhandel. Als Folge der geringen Bedeutung des Ostergeschäfts ist im Eisenwaren- und Hausrathandel der Unterschied vergleichsweise nur unwesentlich gewesen.
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