Absatzentwicklung der Einzelhandelsfachgeschäfte im Monat Dezember 1956
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertIm November 1956 ergab sich im Einzelhandel als Folge der in der ersten Monatshälfte getätigten Angsteinkäufe mit einer Zunahme von 17% gegenüber November 1955 eine besonders günstige Absatzentwicklung. Die auf Grund des Novemberergebnisses erwartete gegenläufige Entwicklung im Weihnachtsmonat Dezember ist nicht oder nur in unbedeutendem Umfange eingetreten. Nach den Betriebsvergleichsergebnissen des Institats für Handelsforschung erzielte der Durchschnitt des gesamten Einzelhandels gegenüber Dezember 1955 eine wertmäßige Absatzzunahme von 7%. Die Entwicklung ist hiermit nur geringfügig hinter der im Durchschnitt der Monate Januar bis November registrierten Absatzzunahme von etwa 9 bis 10 % zurückgeblieben. Faßt man den November- und Dezemberabsatz 1956 zusammen, so läßt sich für den Einzelhandel insgesamt im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahrszeitraum eine Verbesserung des Verkaufsergebnisses um 10% errechnen.
An der Absatzbelebung im Dezember 1956 haben alle am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen teilgenommen. Allerdings war bei einer Reihe von Branchen die Verbesserung gegenüber Dezember 1955 nicht sehr bedeutend. So wiesen der Lebensmitteleinzelhandel und der Tabakwareneinzelhandel lediglich Absatzzunahmen von 4 bzw. 3% aus. Der Textil- und der Schuheinzelhandel lagen mit Erhöhungen von jeweils 9 bis 10% geringfügig über der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts. Von den einzelnen Fachzweigen des Textileinzelhandels haben die Geschäfte mit Herren- und Damenkonfektion ( + 15%) am günstigsten abgeschnitten. Es folgten mit einer Erhöhung von 11% die Geschäfte mit Herren- und Knabenoberbekleidung und mit einer Erhöhung von 10 % die Geschäfte mit Haus- und Bettwäsche, Bettwaren. Die Spezialgeschäfte mit Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen lagen mit einer Absatzzunahme von nur 1 % eindeutig an letzter Stelle. Auch die Meterwarengeschäfte ( + 4%) sind nicht unwesentlich hinter der allgemeinen Entwicklung des Textileinzelhandels zurückgeblieben.
Ähnlich wie im November haben auch im Dezember die Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf im Gegensatz zu ihrem relativ guten Abschneiden in den Vormonaten nur eine durchschnittliche Entwicklung registiert. Der Möbeleinzelhandel verzeichnete einen Absatzanstieg von 10% und der Eisenwaren- und Hausrathandel einen solchen von 8 % . Lediglich der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel lag mit einer Zunahme von 14% in stärkerem Umfange über der durchschnittlichen Entwicklung des gesamten Einzelhandels.
Von den übrigen Einzelhandelsbranchen wiesen vor allem die Fachzweige mit Geschenkartikeln günstige Entwicklungszahlen aus. Der Uhren- und Schmuckwareneinzelhandel erzielte gegenüber Dezember 1955 eine Absatzzunahme von 14%. Der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel sowie der Sortimentsbuchhandel konnten das Verkaufsergebnis um 11 bzw. 10% verbessern. Auch die Reformhäuser ( + 13%) und die Drogerien ( + 9%) registrierten relativ starke Absatzzunahmen. Demgegenüber konnten der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 1%) und der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel ( + 2%) das Verkauf sergebnis des Dezember 1955 nur unwesentlich übertreffen.
Das Preisniveau des gesamten Einzelhandels hat sich nach den Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes im Dezember 1956 gegenüber Dezember 1955 im Durchschnitt um etwa 1% erhöht. Besonders kräftig waren die Preissteigerungen bei den Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf. So wiesen der Eisenwaren- und Hausrathandel Preiserhöhungen von durchschnittlich etwa 6%, der Möbeleinzelhandel von 4% und der Glas-, Porzellanund Keramikeinzelhandel sowie der Beleuditungs- und Elektroeinzelhandel von etwa 2% aus. Bei Lebensmitteln haben sich die Preise um 1% und im Textil- und Schuheinzelhandel um etwa 2% erhöht. Die preisbereinigten Absatzzunahmen vermindern sich gegenüber den oben ausgewiesenen wertmäßigen jeweils um den Prozentsatz des Preisanstiegs.
Im Vergleich zum Vormonat November ergab sich im Dezember der saisonbedingte Absatzanstieg. Mit 53% ist dieser allerdings geringer gewesen als sonst üblich, denn im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1955 lag der Dezemberabsatz des gesamten Einzelhandels etwa 62% höher als der des Vormonats November. Der Gesamttendenz entsprechend wich auch bei den einzelnen Branchen die Saisonentwicklung im November und Dezember zum Teil in beträchtlichem Umfange von der der Vorjahre ab. Im Textileinzelhandel betrug die Zunahme im Jahre 1956 53%, im Schuheinzelhandel 44% und im Lebensmitteleinzelhandel 37% . Demgegenüber konnte im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1955 das Verkaufsergebnis um etwa 70, 75 bzw. 45 % übertroffen werden. Das vergleichsweise ungünstige Ergebnis im Jahre 1956 ist jedoch nicht etwa auf ein schlechtes Dezemberergebnis, sondern auf die vergleichsweise günstige Verkaufslage im Vormonat November zurückzuführen.
Um die Entwicklung des Weihnachtsgeschäfts in seiner Gesamtheit beurteilen zu können, sind nachfolgend die Absatzveränderungen der Monate November und Dezember 1956 gegenüber dem entsprechenden Vorjahrszeitraum ausgewiesen.
Insgesamt betrachtet ist demnach das Weihnachtsgeschäft durchaus günstig ausgefallen. Bei dem überwiegenden Teil der Branchen lagen die im November und Dezember erzielten Absatzerhöhungen über der durchschnittlichen Zunahme in den Monaten Januar bis Oktober 1956.
