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Absatzentwicklung der Einzelhandelsfachgeschäfte im Monat Januar 1957

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Die im Einzelhandel während des ganzen Jahres 1956 festzustellende Absatzbelebung setzte sich auch im Januar 1957 weiter fort. Nach den Betriebsvergleichsergebnissen des Instituts für Handelsforschung wurde im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels das Verkaufsergebnis des Januar 1956 wertmäßig um 10% übertroffen. Die Zunahme entsprach damit weitgehend der im Durchschnitt des Jahres 1956 gegenüber 1955 erzielten Absatzerhöhung von 9%. Bei der Beurteilung des Januarergebnisses ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Absatzsteigerung zum Teil auch durch die Preisentwicklung beeinflußt worden ist. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, lag das Preisniveau im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels im Januar 1957 etwa 3% höher als im entsprechenden Vorjahrsmonat. Nach Preisbereinigung der wertmäßigen Absatzentwicklung vermindert sich somit die Zunahme von 10 auf 7%.
Der Vergleich der Absatzentwicklung zwischen den einzelnen Fachzweigen läßt zum Teil beachtliche Abweichungen erkennen. Die stärksten Zunahmen registrierten die Branchen mit Textilien und Bekleidung. So konnte der Textileinzelhandel das Verkaufsergebnis des Januar 1956 wertmäßig um 16% und der Schuheinzelhandel um 19% übertreffen. Die Werte vermindern sich allerdings auch hier nach Ausschaltung der Preiserhöhung im Textileinzelhandel
auf 13% und im Schuheinzelhandel auf 17%. Von den einzelnen Fachzweigen des Textileinzelhandels erzielten die Sortimentsgeschäfte mit + 19% den größten Anstieg. Es folgten mit + 18% die Geschäfte mit Herrenoberbekleidung. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz hierzu die Damenoberbekleidungsgeschäfte mit einer Absatzerhöhung von 8% die letzte Stelle einnahmen. Auch die Meterwarengeschäfte sind mit + 11% geringfügig hinter der durchschnittlichen Entwicklung des Textileinzelhandels zurückgeblieben. Die für die einzelnen Bundesländer ermittelten Betriebsvergleichsergebnisse lassen erkennen, daß in regionaler Hinsicht die Entwicklung der Verkaufssituation nicht einheitlich gewesen ist. Offensichtlich haben die norddeutschen Länder günstiger abgeschnitten als die west- und süddeutschen. Der Absatz der am Betriebsvergleich beteiligten Firmen aus Niedersachsen lag um 18%, der der Firmen aus Bremen und Hamburg um 22% und der der Finnen aus Schleswig-Holstein um 28% über dem Verkaufsergebnis im Januar 1956. Demgegenüber sind die Länder Baden-Württemberg ( + 13%), Hessen/Rheinland- Pfalz (+ 14%) und Nordrhein-Westfalen ( + 15%) etwas hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben. Bayern hat mit einem Plus von 16 % dem Bundesdiirchschnitt entsprechend abgeschnitten. Auch in den einzelnen Betriebsgrößenklassen des Textileinzelhandels war das Januarergebnis nicht einheitlich. Während die Firmen mit bis zu 10 beschäftigten Personen im Durchschnitt nur eine Absatzzunahme von 13% auswiesen, ergab sich bei den Firmen mit 11 und mehr beschäftigten Personen eine durchschnittliche Erhöhung von 19%.
Der Schuheinzelhandel hat mit + 19% von den am Betriebsvergleich beteiligten Branchen relativ die stärkste Zunahme erzielt. Bei der Beurteilung dieses Ergebnisses ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Branche im Januar 1956 ein umgekehrtes Bild aufwies. Während der Einzelhandelsdurchschnitt im Januar 1956 gegenüber 1955 ein Plus von 11 % verzeichnete, wies der Schuheinzelhandel keine Absatzveränderung auf und lag damit an letzter Stelle der Einzelhandelsbranchen. In der langfristigen Betrachtung 1957 gegenüber 1955 ergibt sich eine weitgehende Angleichung der Entwicklung des Schuheinzelhandels an den Einzelhandelsdurchschnitt.
Die beachtlichen Absatzzunahmen der Branchen mit Textilien und Bekleidung im Januar 1957 dürften unter anderem durch die zeitliche Verschiebung des Winterschlußverkaufs hervorgerufen worden sein. Während im Jahre 1956 lediglich die beiden ersten Tage des Schlußverkaufs in den Januar fielen, waren es im Jahre 1957 die vier ersten Tage. Weiterhin ist zu berücksichtigen, daß durch den Kälteeinbruch und den in vielen Gebieten starken Schneefall im Januar eine Belebung des Geschäfts eingetreten ist.
Im Gegensatz zu der Situation im Jahre 1956 sind der Möbeleinzelhandel sowie der Eisenwaren- und Hausrathandel im Januar 1957 hinter der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts zurückgeblieben. Die am Betriebsvergleich beteiligten Möbelfachgeschäfte konnten das Verkaufsergebnis des Januar 1956 wertmäßig nur um 2% übertreffen. Da im gleichen Zeitraum die Preise um etwa 5% angestiegen sind, ergibt sich für die preisbereinigte Absatzentwicklung sogar ein Rückgang von 3%. Der Eisenwaren- und Hausrathandel erzielte zwar eine wertmäßige Zunahme von 10%, jedoch vermindert sich diese nach Preisbereinigung auf + 4%. Bei der Beurteilung dieser Entwicklungszahlen ist jedoch zu beachten, daß im Januar 1956 der Möbeleinzelhandel und der Eisenwaren- und Hausrathandel mit Absatzsteigerungen von 23 bzw. 19% wesentlich besser als der Einzelhandelsdurchschnitt ( + 11%) abgeschnitten haben. Stärkere Zunahmen als der Möbeleinzelhandel und der Eisenwaren- und Hausrathandel wiesen der Glas-, Porzellan- und Keramik- sowie der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel auf. Diese beiden Branchen erzielten wertmäßige Absatzerhöhungen von 17 bzw. 12% und preisbereinigte von 14 bzw. 10%.
Der Lebensmittel- und Tabakwareneinzelhandel sind wie in den Vormonaten auch im Januar hinter der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts zurückgeblieben; und zwar verzeichnete der Lebensmitteleinzelhandel eine wertmäßige Absatzerhöhung von 6% und eine preisbereinigte von 4%, der Tabakwareneinzelhandel eine wertmäßige und preisbereinigte Zunahme von 6%. Demgegenüber haben die Drogerien mit + 12% sowie die Reformhäuser mit + 16% vergleichsweise besser abgeschnitten. Von den übrigen Einzelhandelsbranchen lag der Fahrradeinzelhandel, der als einziger Fachzweig eine Absatzeinbuße (— 7%) hinnehmen mußte, an letzter Stelle. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß diese Branche im Januar 1956 mit einer Zunahme von 33% gegenüber Januar 1955 besonders günstig lag. Der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel, der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel registrierten die gleichen Absatzzunahmen wie der Einzelhandelsdurchschnitt. Während der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel nicht ganz ( + 7 %) die allgemeine Absatzsteigerung erreichen konnte, verzeichnete der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel mit einer Zunahme von 17% ein über dem Durchschnitt liegendes Ergebnis.
Im Vergleich mit dem Vormonat Dezember ergab sich im Januar 1957 der saisonbedingte Absatzrückgang. Für den Durchschnitt der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte betrug die Minderung 48%. Die Entwicklung entsprach hiermit fast genau dem Saisonverlauf im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1956 (— 47%). Auch die Entwicklungszahlen in den einzelnen Branchen lassen einen weitgehend normalen Saisonverlauf erkennen.
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