Absatzentwicklung der Einzelhandelsfachgeschäfte im Monat Februar 1957
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDie am Betriebsvergleich des Instituts für Handelsforschung beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte wiesen im Februar 1957 im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahrsmonat eine wertmäßige Absatzerhöhung von durchschnittlich 7% aus. Die preisbereinigte Entwicklung ist allerdings um 3% hinter der wertmäßigen zurückgeblieben, da nach den Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes das Preisniveau im Einzelhandelsdurchschnitt gegenüber Februar 1956 um diesen Prozentsatz angestiegen ist.
Das untenstehende Schaubild läßt zwei besonders bemerkenswerte Tendenzen erkennen. Die Branchen mit Nahrungs- und Genußmitteln sowie mit Textilien sind hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben, während alle übrigen Fachzweige eine überdurchschnittliche Absatzzunahme erzielten.
Die am Betriebsvergleich beteiligten Lebensrnittelfachgeschäfte wiesen einen gleich hohen Absatz wie im Februar 1956 aus. Bei der Beurteilung dieses im Vergleich zu den übrigen Einzelhandelsbranchen schlechten Ergebnisses ist allerdings unter anderem zu berücksichtigen, daß der Februar 1957 einen Verkaufstag weniger hatte als der Februar 1956; ein Tatbestand, der sich bei der relativ starren Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel wesentlich stärker auswirkt als in anderen Fachzweigen.
Der wertmäßige Absatz des Textileinzelhandels lag im Februar 1957 2% höher als im entsprechenden Vorjlahrsnionat. Da die Preise im Textilbereich im gleichen Zeitraum um etwa 3% angestiegen sind, ergibt sich für die preisbereinigte Absatzentwicklung ein leichter Rückgang von etwa 1%. Das vergleichsweise ungünstige Abschneiden des Textileinzelhandels dürfte einmal auf die Verschiebung des Winterschlußverkaufs zurückzuführen sein. Während im Jahre 1956 10 Verkaufstage des Schlußverkaufs in den Februar fielen, waren es im Jahre 1957 nur 8 Tage. Darüber hinaus hat sich zweifellos auch die ungewöhnlich milde Witterung ausgewirkt, die zu einer Beeinträchtigung des Verkaufs von Winterbekleidung geführt hat. Dieser Einfluß hat sich in erster Linie bei den Geschäften mit Wäsche, Wirk- und Strickwaren sowie mit Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung bemerkbar gemacht. Demgegenüber haben die milden Wetterverhältnisse zu einer offensichtlichen Belebung des Meterwarengeschäfts geführt. Entgegen der Entwicklungstendenz in den Vormonaten lagen die Meterwarengeschäfte mit einer Absatzzunahme von 20% beträchtlich über der Entwicklung der übrigen Fachzweige des Textileinzelhandels.
Nachdem die Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf im Januar 1957 nicht die im Einzelhandelsdurchsehnitt registrierten Absatzsteigerungen erreichen konnten, lagen sie im Februar wieder über der allgemeinen Entwicklung. So verzeichnete der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel eine Zunahme von 23%, der Möbeleinzelhandel von 19% und der Eisenwaren- und Hausrathandel von 14%. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß es sich um wertmäßige Entwicklungszahlen handelt. Im Eisenwaren- und Hausrathandel sowie im Möbeleinzelhandel lag das Preisniveau im Februar 1957 etwa 6% höher als im Februar 1956. Im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel betrugen die Preissteigerungen rund 3%. Die preisbereinigten Absatzentwicklungszahlen vermindern sich gegenüber den wertmäßigen um die entsprechenden Prozentsätze der Preiserhöhungen. Der Vergleich der einzelnen Fadizweige des Eisenwaren- und Hausrathandels läßt besonders starke Absatzzunahmen bei den Geschäften mit Kleineisenwaren und Werkzeugen erkennen. Hier dürfte sieh die durch die Wetterverhältnisse bedingte Belebung der Bautätigkeit günstig auf den Absatzverlauf ausgewirkt haben.
Von den übrigen Einzelhandelsbranchen wies vor allem der Fahrradeinzelhandel ein bemerkenswertes Ergebnis aus. Die am Betriebsvergleich beteiligten Firmen dieses Fachzweiges erzielten im Durchschnitt gegenüber Februar 1956 eine Absatzzunahme von 84%. Diese ungewöhnliche Entwicklung ist in erster Linie durch die frühjahrsmäßige Witterung im Februar 1957 hervorgerufen worden. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß der Februar 1956 eine umgekehrte Situation aufwies. In diesem Monat hatte das außergewöhnlich kalte und schneereiche Wetter zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftslage im Fahrradeinzelhandel geführt. Im Vergleich mit dem Februar 1955 lag der Absatz der Branche im Februar 1956 um 27% niedriger.
Abgesehen von den Drogerien wiesen auch die übrigen in der Gruppe „Sonstiger Einzelhandel" zusammengefaßten Branchen eine überdurchschnittliche Absatzzunahme aus. Im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel sowie im Uhrenund Schmuckwareneinzelhandel wurden Verbesserungen von 22% erzielt. Der Sortimentsbuchhandel konnte das Verkaufsergebnis des Februar 1956 um 21 und die Reformhäuser um 15% übertreffen. Im Papier-,, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel sowie im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel waren Steigerungen von durchschnittlich 12% festzustellen.
Gegenüber dem Vormonat Januar ergab sich im Februar 1957 für den Durchschnitt des gesamten Einzelhandels ein Absatzrückgang von 3%. Der Saisonverlauf entsprach hiermit weitgehend der Entwicklung in den Vorjahren (1949-1956), in denen der Februarabsatz durchschnittlich 4 % unter dem Januarabsatz lag. In den einzelnen Fachzweigen sind allerdings zum Teil beachtliche Unterschiede im Saisonverlauf aufgetreten. Dies ergibt sich aus der nachfolgenden Übersicht:
Lediglich im Lebensmitteleinzelhandel entsprach der Absatzverlauf dem Durchschnitt der Vorjahre. Der Textileinzelhandel mußte einen stärkeren Rückgang als sonst üblich hinnehmen. Demgegenüber ist bei den übrigen ausgewiesenen Branchen die Saisonentwicklung günstiger verlaufen. Besonders auffallend sind die starken Abweichungen im Fahrradeinzelhandel. Auch in der Saisonentwicklung kommt das ungewöhnliche Verkaufsergebnis dieser Branche im Februar 1957 zum Ausdruck.
