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Die Distributionskosten (Handelskettenspannen) spanischer Apfelsinen

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Die nachstehende Tabelle ist der aus dem von Prof. Dr. Seyffert geleiteten Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels hervorgegangenen Dissertation von Dipl.-Kfm. Dr. Heinz G. Murke über „Der deutsche Apfelsinenimport aus Spanien" entnommen. Sie enthält die Hauptergebnisse einer Erfassung der Distributionskosten spanischer Apfelsinen, die auf Grund der von Prof. Seyffert entwikkelten Untersuchungsmethode der Handelskettenstruktur durchgeführt worden ist. Bei ihr werden für die einzelnen am Handelsumsätze beteiligten Glieder der Handelskette die Einzelwerte nach, einheitlichen Gesichtspunkten festgestellt. Dr. Murke hat in sorgfältiger Analyse des Importvorganges „typisch-optimale Handelsketten" ermittelt, die die für den deutschen Apfelsinenimport aus Spanien „unter Berücksichtigung der Wareneigenschaften sowie der gegenwärtigen handels technischen, wirtschaftspolitischen und weltwirtschaftlichen Gegebenheiten günstigsten Handelswege" darstellen. Für die am Import beteiligten Kettenglieder: Exporteur (spanischer Packer), deutscher Importeur, Zentralgrossierer, Grossierer und Detailleur sind die Handelsspannen festgestellt worden. Sie ergeben zusammen die Handelskettenspanne (Distributionskosten). In ihr ist die Handelsspanne des spanischen Apfelsinenproduzenten nicht enthalten, da auf Grund der besonderen Gegebenheiten keine erfaßbaren Vertriebskosten entstehen. In der Regel werden die Produkte vom spanischen Packer ab Baum übernommen („Kauf am Baume"), so daß neben den Verpackungskosten meist auch noch die Pflückkosten von ihm getragen werden müssen.
Über die Durchführung der Untersuchung und die dabei zutage getretenen Ergebnisse schreibt Dr. Murke in seiner Dissertation: „Eine Distributionskostenuntersuchung 1 bei einem relativ leicht verderblichen Naturkonsumprodukt ist nur dann in der Lage repräsentative Ergebnisse zu liefern, wenn sie sich auf einen längeren Zeitraum mit den verschiedensten Marktsituationen erstreckt, um die Ermittlung aussagekräftiger Durchschnittswerte zu ermöglichen, Die erzielten Ergebnisse basieren daher hinsichtlich der Höhe der Distributionskosten teilweise auf der Erhebung von empirischen Handelsketten mit Stichtagspreisen und -spannen, teilweise auf Schätzungen, die in Anbetracht der Berücksichtigung der gesamten Einfuhrsaison 1954/55, der Gliederung nach see- und landseitigem Import sowie der Berechnung von Durchschnittszahlen einen entsprechend repräsentativen Aussagewert gewährleisten dürften.
Während typisches Zahlenmaterial für die Bereiche der spanischen Produktion und des Exports 2 sowie für diejenigen des deutschen Imports, der Zentralgrossierung und Grossierung verhältnismäßig leicht beschafft werden konnte, stellten sich im Bereiche der Detaillierung infolge der in den diversen deutschen Konsumgebieten hinsichtlich der Bedeutung der einzelnen Betriebsformen bestehenden Unterschiede erhebliche Schwierigkeiten ein. Trotzdem wurde versucht, im Interesse einer exakten Erfassung der Handelsspanne eine repräsentative Auswahl der Betriebe nach Standort, Betriebsgröße und Betriebsform zu treffen. Im Einzelhandelsbereich erstreckte sich die Untersuchung auf insgesamt 40 Betriebe verschiedener Größen und Betriebsformen, wobei auf Straßen-, Höker- und Wochenmarkthandel sowie auf die Fachgeschäfte der Obst-, Gemüse- und Südfruchtbranche zusammen ein Anteil von 95 % der erfaßten Betriebe entfällt. Der Rest verteilt sich auf Warenhäuser und Feinkostgeschäfte der Lebensmittelbranche. Von den untersuchten Betrieben haben 20 ihren Sitz im Stadtgebiet Harnburg, 10 im Stadt- und Landgebiet Bremen und 10 im Stadt- und Landgebiet Köln. Sämtliche Angaben beziehen sich auf die Einfuhrsaison 1954/55.
Als erstes sind in der Tabelle die Ergebnisse der Untersuchungen über die Anteile der Erzeugungs- und Distributionskosten im Rahmen der typisch-optimalen — den weitaus größten Teil der Umsätze des deutsch-spanischen Apfelsinenhandels auf sich vereinigende — Distributionswege am Kaufpreis des deutschen Konsumenten wiedergegeben. Hiernach entfallen — abgesehen von der Versorgung des tieferen Binnenlandes bei seeseitigem Import, wo die Distributionskosten in Anbetracht der ausgebauteren Handelsorganisation sogar die 80 %-Grenze überschreiten und die Erzeugungskosten unter 20 % bleiben — annähernd 80 % vom Kaufpreis des Konsumenten (Endpreis) auf die Distributionskosten und nur gut 20 % auf die Erzeugungskosten. Der Konsument in Deutschland bezahlt somit von dem Preis, den er für eine spanische Apfelsine ausgibt, rund ein Fünftel für die Produktion einschließlich Gewinn des spanischen Produzenten und rund vier Fünftel für die Handelsleistung, d. h. für die Verteilungskosten, die aus den Handelsspannen sämtlicher am Absatz der Ware beteiligter selbständiger Handelsglieder bestehen3. Als nächstes zeigt die Tabelle, wie sich die als Durchschnittswerte errechneten Distributionskosten im Rahmen der betreffenden
Absatzwege auf die beteiligten Handelskettenglieder verteilen, wobei die Distributionskostenanteile den Handelsspannen entsprechen.
Während sich die Werte bei den übrigen Gliedern in angemessenen Grenzen halten, erreicht die Handelsspanne der Detailleure einen Anteil von über 40 % des Konsumentenpreises (gleich über 50 % der gesamten Distributionskosten). Andererseits sind die typischen Zentralgrossierer, die nur bei seeseitigem Import im Rahmen der Versorgung des tieferen Binnenlandes eingeschaltet werden, mit dem relativ geringen Anteil von 1,8 % des Konsumentenpreises (gleich 2,2 % der gesamten Distributionskosten) beteiligt.
Um die Bedeutung der wichtigsten, neben den allgemeinen Handlungskosten (Gemeinkosten) aus der Handelsspanne zu deckenden Einzelkosten zu veranschaulichen, sind in der Tabelle noch die Anteile des Zolls und der Umsatzausgleichsteuer, der Pflanzenschutzgebühr, der Umsatzsteuer, der Packmaterialkosten sowie der Transport-, Hafenumschlags- und Grenzkosten in Prozenten vom Kaufpreis des Konsumenten angeführt. Trotz der bestehenden Umsatzsteuerbefreiungen und -Vergünstigungen betragen je nach Handelsweg, Zoll, Umsatzausgleichsteuer, Pflanzenschutzgebühr und Umsatzsteuer — also die in Deutschland anfallenden Staatseinnahmen 4 — 10 bis 11,5 % vom Kaufpreis des Konsumenten. Auf die Packmaterialkosten, die im Rahmen der dargestellten typischen Wege des landseitigem Imports nicht entstehen (lose Ware), entfallen 4,4 bis 5,1 % des Konsumentenpreises. Die Transport-, Hafenumschlags- und Grenzkosten bilden von den drei hier unterschiedenen Kostengruppen den höchsten Anteil mit 12,7 bis 13,1 % bei seeseitigem Import bzw. 16,3 bis 16,7 % bei landseitigem Import. Hieran ist der deutsche Importeur mit einem Anteil von über 50 % beteiligt.
Sämtliche Zahlen können nur unter Berücksichtigung der handelsorganisatorischen und handelstechnischen Gegebenheiten sowie der seitens der einzelnen Glieder zu erfüllenden Funktionen verstanden werden."
1 Distributionskosten (Handelskettenspanne) sind diejenigen Anteile des Konsumentenpreises, die für den Absatz einer Ware vom Fertigwarenlager des Produzenten bis in die Hand des Konsumenten entstehen. Sie bilden die Differenz zwischen dem Verkaufspreis einer Ware beim Absatz an den Konsumentenhaushalt (Letztverwender, Konsument) und dem Erzeugungspreis. Sie enthalten somit die Vertriebskosten des Erzeugers (ohne Gewinn) und die Handelsspannen alier übrigen am Absatz beteiligten Handelsglieder einschließlich der zwischen den einzelnen Gliedern entstehenden Transportkosten und einschließlich Gewinne. Der Berechnung der Distributionskosten liegen die Isthandelsspannen zugrunde. Vgl. hierzu Sonderheft 7 der Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln „Wege und Kosten der Distribution der Textil-, Schuh- und Lederwaren", Köln und Öpladen 1956., 2 Neben Einzelerhebungen und Befragungen dienten für die Ermittlung repräsentativer Zahlen für den spanischen Bereich besonders Unterlagen des Oficina Teenica de Contabilidad (O.TE. CO.), Alcira, herausgeg, als „Promedio gastos y confeccion naranjas y mandarinas campana 1954/55"., 3 Da — durch die Verhältnisse in Spanien bedingt — beim spanischen Apfelsinenproduzenten in der Regel keine Vertriebskosten entstehen, ist eine Aufteilung des Produzentengewinns in Erzeugungs- und Vertriebsgewinn nicht möglich, so daß der Gewinn des spanischen Apfelsinenproduzenten voll auf die Erzeugungskosten entfällt., 4 Außerdem sind im Distributionskostenanteil der spanischen Packer in Spanien anfallende Staatseinnahmen enthalten.
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