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Die Aktiengesellschaften des Einzelhandels

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Mit den ersten Auswertungsergebnissen der Umsatzsteuerstatistik 1956 1 veröffentlichte das Statistische Bundesamt Anfang Januar auch die Umsätze der Aktiengesellschaften. Die für das Erhebungsjahr ausgewiesenen Werte zeigen, daß diesen Unternehmungen auf Grund ihres Absatzanteils in den einzelnen Wirtschaftsbereichen eine recht unterschiedliche Bedeutung beizumessen ist.
Im Bundesgebiet wurden insgesamt 2526 Aktiengesellschaften mit einem Absatz von 95 Mrd. DM registriert. Hiervon gehören 137 Betriebe mit 6,2 % des Absatzes aller Aktiengesellschaften dem Großhandel an, 37 Gesellschaften (1955 = 32) mit einem Absatzanteil von 2,9 % entfallen auf den Einzelhandel. Stellt man dem im Einzelhandel von den Aktiengesellschaften getätigten Absatz von 2,7 Mrd. DM den gesamten Einzelhandelsabsatz gegenüber, so ergibt sich ein Anteil von 4,7 %, Die Absatzzunahme der Aktiengesellschaften betrug im Vergleich zu 1955 16,4 %, die des gesamten Einzelhandels 12%.
Über die quantitative Seite der Leistung der in der Rechtsnorm einer Aktiengesellschaft bzw. einer Kommanditgesellschaft auf Aktien betriebenen Einzelhandlungen gibt der durchschnittliche Jahresabsatz je steuerpflichtige Unternehmung Auskunft. Der für das Jahr 1956 ermittelte Durchschnittsabsatz je Gesellschaft nbelief sich auf 73,5 Mill. DM, Von den 8 Warenhäusern und Kaufhäusern (Anteil am Gesamtabsatz der Aktiengesellschaften 81,3 %) wurde ein durchschnittlicher Jahresabsatz von 276 Mill. DM erzielt, bei den übrigen 29 Gesellschaften lag er bei 18 Mill. DM. Im gesamten Einzelhandel betrug im Jahre 1956 der Durchschnittsabsatz je Betrieb 113600 DM.
Da die Umsatzsteuerstatistik nichts über die in den Handlungen beschäftigten Personen aussagt, läßt sich die Bedeutung der Aktiengesellschaften nach dem Anteil der in ihnen beschäftigten Personen nur auf Grund der Ergebnisse der Arbeitsstättenzählung aus dem Jahre 1950 messen. Danach waren nur 2 % der in Einzelhandlungen tätigen Personen in Aktiengesellschaften beschäftigt.
Eine detaillierte Aufgliederung der Aktiengesellschaften nach Wirtschaftszweigen bzw. Wirtschaftsklassen wurde in der Umsatzsteuerstatistik 1956 nicht vorgenommen. Für das Jahr 1955 wurden 8 Gesellschaften als Warenhäuser und Kaufhäuser, 9 Gesellschaften als Einzelhandlungen mit Nahrungs- und Genußmitteln und verwandten Waren (davon 6 als Einzelhandlungen mit Nahrungsmitteln), 10 Gesellschaften als Einzelhandlungen mit Bekleidung, Wäsche, Ausstattungsartikeln, Schuhen und Sportartikeln (davon 5 als Einzelhandlungen mit Textilwaren aller Art) ausgewiesen. Der bis zur Gesamtzahl 32 verbleibende Rest verteilt sich auf den Einzelhandel mit Metallwaren, den Einzelhandel mit Maschinen, Fahrrädern, Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugbedarf sowie auf den sonstigen Facheinzelhandel.
Welche Firmen nun im einzelnen auf diese Wirtschaftszweige entfallen, konnte auf Grund der Verpflichtung zur Wahrung des Steuergeheimnisses nicht bekanntgegeben werden. Gewisse Aufschlüsse vermittelt jedoch die Bilanzstatistik 2 des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 1955.

Danach wurden folgende 24 Einzelhandlungen (von 32) als Aktiengesellschaften registriert:

Warenhäuser und Kaufhäuser

Basse & Uerpmann AG, Iserlohn, Handel mit Waren aller Art (Grundkapital 1,0 Mill. DM, Familienbesitz)
W, Jacobsen AG, Kiel, Handel m.Waren aller Art (Gk. 2,4 Mill. DM)
Rudolf Karstadt AG, Hamburg, Handel mit Waren aller Art (Gk. 72,0 Mill. DM)
Kaufhaus Kortum AG, Bochum, Handel mit Waren aller Art (Gk. 1,8 Mill. DM)
Kaufhof AG, Köln.Handel ra. Waren aller Art (Gk. 75,0 Mill.DM)
Emil Köster KGaA, Düsseldorf, Handel mit Waren aller Art (Gk. 8,0 Mill. DM)
Westfalen-Kaufhaus AG, Gelsenkirchen, Handel mit Waren aller Art (Gk. 1.8 Mill. DM)
Kaufhaus Horten AG, Duisburg, Handel mit Waren aller Art (Gk. 0,96 Mill. DM)

Sonstiger Einzelhandel

Brahmfeld & Gutruf AG, Hamburg, Handel mit Juwelen, Uhren, Gold- und Silberwaren (Gk. 0,2 Mill. DM)
„Brema" Kolonialwarenverkauf AG, Bremen, Handel m. Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs (Gk. 0,49 Mill, DM)
E. Breuninger KGaA, Stuttgart, Handel mit Textilwaren aller Art, insbes. Bekleidungs- und Ausstattungsgegenständen (Gk. 6,0 Mill. DM, Familienbesitz)
Michael Brücken AG, Hagen/Westf., Handel mit Lebensrnitteln (Gk. 0,5 Mill. DM)
Brüggemann & Barkmann AG, Hamburg, Handel mit Teppichen, Möbelstoffen, Gardinen, Linoleum usw. (Gk. 0,7 Mill DM)
Carl Brunswig AG, Hamburg, Handel mit Büromaschinen und Büroeinrichtungsgegenständen aller Art (Gk. 0,1 Mill. DM, Familienbesitz)
Casino Mönchen-Gladbach AG, An- und Verkauf von Weinen und sonstigen Getränken (nur für Mitglieder der Gesellschaft) (Gk. 0.1 Mill. DM)
Hacifa Hamburger Cigarren Handels AG, Hamburg, Handel mit Tabakerzeugnissen (Gk, 0,7 5 Mill. DM)
Heinrich Hill AG, Hattingen/Ruhr, Handel mit Lebensmitteln, insbes. Kaffee (Gk. 1,0 Mill. DM)
Kasseler Modenhaus AG, Kassel, Handel mit Textilwaren aller Art (Gk. 0,18 Mill. DM)
Kraftverkehr Württemberg AG, Stuttgart, Handel mit Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugbedärf (Gk. 2,4 Mill, DM)
Gustav Lichdi AG, Heilbronn a. N., Handel mit Lebens- und Genußmitteln (Gk. 1,0 Mill. DM)
Rheika AG, Kassel, Handel mit Lebensmitteln und Delikateßwaren (Gk. 0,616 Mill. DM, Familienbesitz)
Cornelius Stüssgen AG, Köln, Handel mit Lebensmitteln (Gk. 2,45 Mill. DM, Familienbesitz)
„Wehag" AG, Bochum, Handel mit Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Haushaltsbedarfs (Gk. 3,0 Mill, DM)
Hako-Schuh AG, Frankfurt, Handel m. Schuhw. (Gk. 0,96 Mill. DM)

Ergänzend hierzu sind noch zwei weitere Aktiengesellschaften zu nennen: Casino Euskirchen AG, An- und Verkauf von Weinen und sonstigen Getränken; gesellige Vereinigung (Grundkapital 0,05 5 Mill. DM) und die Westdeutsche Handelsgesellschaft, Köln, Handel mit Waren aller Art, insbesondere Textilwaren (Grundkapital 4,8 Mill. DM).
1 Wirtschaft und Statistik, Heft 12, Dezember 1957, 2 Statistik der Bundesrepublik Deutschland, Die Abschlüsse der Aktiengesellschaften für das Geschäftsjahr 1955, Band 180; vgl. ferner Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften
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