Absatz- und Kostensituation der Einzelhandelsfachgeschäfte im IV. Quartal 1957
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertNachdem der Durchschnitt aller am Betriebsvergleich des Instituts für Handelsfosrchung beteiligten Einzelhandelsbrandien im III. Quartal 1957 das Verkaufsergebnis des entsprechenden Vorjahrszeitraums wertmäßig um 9 % übertroffen hat, ergibt sich nach den nunmehr vorliegenden Auswertungszahlen für das IV, Quartal 1957 lediglich eine Steigerung von 5 %. Bei der Beurteilung dieser unterschiedlichen Entwicklung ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Situation im Jahre 1956 ein umgekehrtes Bild aufwies. Während nämlich irn III, Quartal 1956 der Absatz im Vergleich zum III. Quartal 1955 nur um 6 % erhöht werden konnte, wurde im IV, Quartal 1956 gegenüber dem entsprechenden Vorjahrszeitraum eine Zunahme von 9 % erzielt. In der langfristigen Betrachtung 1957 gegenüber 1955 ergibt sich somit ein weitgehender Ausgleich der in den beiden Jahren aufgetretenen Abweichungen.
Die vergleichsweise gute Geschäftslage im IV. Quartal 1956 war in erster Linie auf die weltpolitischen Ereignisse in Ungarn und Ägypten zurückzuführen, die in einer Reihe von Einzelhandelsbranchen zu beachtlichen Vorratseinkäufen geführt haben. Vor allem zeigte sich im Textil- und Bekleidungsbereich eine ofiensiditliche Belebung des Geschäftes. Insofern ist es verständlich, daß der Textil- und der Schuheinzelhandel beim Vergleich des IV. Quartals 1957 mit dem IV. Quartal 1956 an letzter Stelle aller erfaßten Einzelhandelsbrandien liegen. Beide Branchen wiesen im Durchschnitt einen wertmäßig gleich hohen Absatz wie im IV. Quartal 1956 aus. Relativ geringfügig waren mit einem Plus von 3 % die Zunahmen im Tabakwaren-, Möbel- und Leder- und Galanteriewareneinzelhandel. Im Lebensmitteleinzelhandel entsprach der Absatzverlauf in etwa dem des Einzelhandelsdurchschnitts. Alle übrigen Branchen lagen über der durchschnittlichen Entwicklung. Die stärkste Zunahme erzielten mit 15 % die Reformhäuser. Es folgten an zweiter Stelle der Sortimentsbuchhandel ( + 14 %) und an dritter Stelle die Drogerien ( + 11 %). Beachtlich waren auch die Erhöhungen, die der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 10 %) und der Uhren- und Schmuckwareneinzelhandel ( + 9 %) auswiesen.
Der bereits in den drei Vorquartalen festgestellte Anstieg der Kosten setzte sich auch im IV. Quartal 1957 weiter fort. Im Durchschnitt aller Einzelhandelsbrandien betrug die Erhöhung der Kosten absolut 7 % und war damit um 2 % stärker als die Steigerung des Absatzes. Es kann hieraus der Schluß gezogen werden, daß die prozentuale Kostenbelastung des Absatzes gegenüber dem Vorjahr größer geworden ist. Besonders im Textil- und Schuheinzelhandel hat sich der Kostendruck verstärkt. In diesen Branchen lag der Anstieg der absoluten Kosten um 7 % bzw. 6 % über der Absatzzunahme. Auch im Möbeleinzelhandel ist eine bemerkenswertelrhöhung der prozentualen Kostenbelastung eingetreten. Eine offensichtliche Minderung des Kostendrucks hat sich bei den Reformhäusern, den Drogerien und im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel ergeben. Bei den übrigen Einzelhandelsbranchen läßt die weitgehende Übereinstimmung der Absatz- und Kostenzunahme auf einen im wesentlichen unveränderten Kostenprozentsatz schließen.
