Kreditverkäufe und Außenstände im Einzelhandel
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertNach Vorlage der Ergebnisse der Kreditbefragung für das IV. Quartal 1957 kann nunmehr durch einen gegenüberstellenden Vergleich der vier Quartalsergebnisse 1957 mit den entsprechenden Vorjahrswerten ein erster Überblick über die Gesamtentwicklung der Kundenkreditsituation des Einzelhandels im Jahre 1957 gegeben werden.
Wie aus den Ergebniszahlen der nachstehenden Tabelle zu entnehmen ist, verringerte sich im Durchschnitt der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte der Anteil der Kreditverkäufe am Gesamtabsatz in allen vier Quartalen des Jahres 1957 gegenüber den jeweiligen Vorjahrsquartalen. Während der Rückgang der Kreditverkäufe von 14,4 % im I. Quartal 1956 auf 13,5 % im I. Quartal 1957 mit 0,9 % des Gesamtabsatzes am stärktsen war, betrug die Abnahme im II. und III. Quartal 1957 jeweils 0,5 % und im IV. Quartal 1957 0,2 % vom Gesaititabsatz, Somit dürfte sich die seit 1955 stagnierende bzw. rückläufige Tendenz des Anteils der Kreditverkäufe am Gesamtabsatz im Jahre 1957 weiter fortgesetzt haben.
Wenn auch die Entwicklung der Kreditverkäufe in den einzelnen Fachzweigen nicht einheitlich verlaufen ist, so sind gewisse typisdre Entwicklungstendenzen doch deutlich zu erkennen. Während insbesondere im Eisenwaren- und Hausrathandel sowie im Papier-, Bürobedarf- und SchreibwareneinzelhandeL in denen die Kreditgewährung vorwiegend an Wiederverkäufer und Großverwender in Form von echten Lieferantenkrediten erfolgt, durchweg eine Ausweitung des Kreditumfanges zu registrieren ist, hat sich im Möbeleinzelhandel, als typischer Teilzahlungsbranche, ein weiterer Rückgang des Kreditgeschäfts bemerkbar gemacht. Die Abnahme des relativen Anteils der Kreditverkäufe, die im Möbeleinzelhandel seit 1952 beobachtet werden kann, ist auch in weiteren typischen Teilzahlungsbranchen, wie im Radio- und Fernseheinzelhandel und im Fahrradeinzelhandel zu beobachten, so daß die Situation im Möbeleinzelhandel die allgemeine Entwicklung des Teilzahlungsgeschäfts widerspiegeln dürfte. Auch im Lebensmitteleinzelhandel ist im Jahre 1957 ein weiterer, wenn auch nur geringfügiger Rückgang des Anteils der Kreditverkäufe zu bemerken, der nunmehr seit 1952 anhält. In den übrigen Branchen dürfte sich auf Grund der vierteljährlichen Ergebniszahlen für die Gesamtentwicklung der Kreditverkäufe im Jahre 1957 gegenüber 1956 eine stagnierende bzw. leicht rückläufige Tendenz ergeben haben.
I. , III. und IV. Quartal 1957 im Vergleich zum jeweiligen Vorjahrsquartal im Einzelhandelsdurchschnitt verringert. Dagegen sind sie im II. Quartal trotz sinkendem Kreditabsatzanteil leicht angestiegen. Allerdings sind die Außenstände im L, IL und IV. Quartal 1957 stärker zurückgegangen als die Kreditverkäufe, was auf eine gewisse Verbesserung des Zahlungseinganges und Verkürzung des Zahlungszieles schließen läßt. Insgesamt gesehen ist auf Grund der vierteljährlichen Vergleichszahlen im Jahre 1957 erstmals bei rückläufigem Kreditabsatzanteil ein stärkeres Absinken der Außenstände und damit eine Verkürzung der Kreditdauer festzustellen, während in den Vorjahren die Länge des Zahlungszieles ständig zunahm bzw. unverändert blieb.
Die Struktur der Kreditgewährung weist im Einzelhandelsdurchschnitt für die Gesamtsituation des Jahres 1957 einen gewissen Rückgang der bankmäßigen Teilzahlungskredite auf, während die nicht bankmäßigen Teilzahlungskredite, die vom Einzelhandel in eigener Regie abgewickelt werden, nahezu unverändert geblieben sind und die unorganisierten Kundenkredite eine leichte Zunahme erkennen lassen.
