Unterschiedliche Verbraucherpreise bei gleichartigen Konsumwaren
von Dipl.-Kim. Gerhard SchmitzDer Verfasser hat in dem Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels von Prof. Dr. Dr. h. c. Rudolf Seyffert seine Diplomarbeit über „Unterschiedliche Preisgestaltung bei gleichartigen Konsumwaren" angefertigt, aus der die nachstehende Tabelle entnommen ist.
Die 1957 vorgelegte Diplomarbeit ermöglicht interessante Einblicke in das Preisbildungs- und Kalkulationsverhalten des Einzelhandels, das heute durchaus nicht so starr vom Denken in gegebenen Handelsspannen beherrscht wird als häufig unterstellt. Die Gründe, die zu verschiedenartigen Endpreisen führen, liegen nur zum Teil bei entsprechend unterschiedlichen Einkaufspreisen. Sie liegen auch in der Abstellung auf den funktionsgemäßen Preis. Es sei in diesem Zusammenhang auf die Abhandlung von Dr. Gerhard Meyer (von 1954 bis 1957 Mitarbeiter am Institut für Handelsforschung) übet „Der funktionsgemäße Preis als Instrument einer Ökonomisierung der Distribution" hingewiesen, die im Heft 5 des Jahrgangs 1957 der Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung abgedruckt ist.
Die Erhebung erfolgte im Herbst 1956 in der Weise, daß bei 90 exakt bezeichneten Waren (z.B. Büchsenmilch, Glücksklee, 410g) in zahlreichen Geschäften festgestellt wurde, ob diese Artikel im Sortiment geführt und zu welchem Preise sie angeboten wurden. Die ausgewählten 90 Artikel gehören den Bedarfsgruppen Nahrungs- und Genußmittel (45 Artikel), Hausratwaren (30 Artikel) sowie Textil- und Lederwaren (15 Artikel) an. Die genaue Bezeichnung der Artikel ergibt sich aus der Tabelle auf den Seiten 598 und 599. Bei der Erhebung wurden alle Betriebsformen des Ladeneinzelhandels einschließlich der Warenhäuser berücksichtigt. Erhebungsgebiete waren die Stadtbezirke Köln und Bonn sowie die Landkreise Euskirchen und Geilenkirchen. Erfaßt sind in der Erhebung nur die durch Preisschilder ausgezeichneten Verkaufspreise. Preise, die Verbrauchern auf Grund besonderer Vergünstigungen eingeräumt wurden, blieben unberücksichtigt.
Die folgende Tabelle gibt ein Teilergebnis dieser Preisuntersuchung wieder. Für jeden der 90 einbezogenen Artikel ist in der Tabelle neben der Zahl der durchgeführten Preiserhebungen der niedrigste bzw. höchste der festgestellten Preise angegeben sowie ferner derjenige Preis, der am häufigsten auftrat. Es wurde weiter ausgewiesen, welcher Unterschied in DM und in Prozenten zwischen dem niedrigsten und dem höchsten der festgestellten Preise besteht. Innerhalb der drei Warenbereiche sind die Artikel in der Tabelle nach dem prozentualen Unterschied zwischen Minimal- und Maximalwert angeordnet.
Das Schwergewicht der Preisfeststellungen lag im Bereich der Nahrungs- und Genußmittel, wo für die 45 erfaßten Artikel insgesamt 2334 Erhebungen durchgeführt wurden; im Bereich der Hausratwaren erfolgten 343 Preiserhebungen, bei Textilien und Lederwaren 81. Die stärkere Berücksichtigung der Nahrungsmittel bei den Preiserhebungen ergab sich daher, daß Lebensmittel derselben Marke und Ausführung meist von vielen Einzelhandelsgeschäften gleichzeitig geführt werden, während sich Textil- und Lederwaren in der gleichen Ausführung seltener in benachbarten Betrieben gleichzeitig finden lassen. Dazu kommt, daß Textil- und Lederwaren sowie auch viele Hausratwaren oft mangels exakter Markierung nur schwer als genau gleichartige Konsumwaren zu erkennen sind.
Die Tabelle zeigt, daß bei den meisten Artikeln beachtliche Preisunterschiede zwischen den erfaßten Einzelhandelsbetrieben bestehen. Wichtig ist hierbei die Feststellung einer stärkeren Streuung der erhobenen Einzelpreise der Artikel zwischen den Minimal- und Maximalwerten. Die in der Tabelle ausgewiesenen Extremwerte stellen also nicht vereinzelt auftretende Sonderfälle dar. Die am häufigsten festgestellten Preise dürften vielfach mit den vom Hersteller empfohlenen Endverbraucherpreisen identisch sein. Besonders hervorzuheben sind die starken Preisunterschiede bei Nahrungs- und Genußmitteln, wo 8 Artikel eine prozentuale Abweichung von mehr als 30 % zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis (niedrigster Preis = 100) und 16 Artikel eine Abweichung von 20 bis 30 %, jedoch nur 4 der einbezogenen 45 Artikel Preisdifferenzen unter 10 % aufweisen.
