Der Einzelhandelsabsatz im Januar 1959
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertNach den Betriebsvergleichsergebnissen des Instituts für Handelsforschung war im Januar 1959 das Verkaufsergebnis des Einzelhandels wertmäßig 5 % höher als im Januar 1958. Das Statistische Bundesamt ist für den von ihm erfaßten Kreis von Einzelhandelsfirmen zu einem ähnlichen Ergebnis ( + 4%) gekommen.
Das besondere Merkmal der Absatzentwicklung des Einzelhandels im Januar 1959 waren die starken Abweichungen, die zwischen den einzelnen Branchen aufgetreten sind. Als Folge der schneereichen Witterung im Januar 1959 zeigte sich vor allem im Schuheinzelhandel eine deutliche Belebung des Geschäftes. Die am Betriebsvergleich beteiligten Schuhfachgeschäfte wiesen im Durchschnitt gegenüber Januar 1958 eine wertmäßige Absatzzunahme von 27 % aus (Statistisches Bundesamt 18 %). Im Textileinzelhandel lag das Verkaufsergebnis im Januar 1959 nach den Betriebsvergleichserhebungen um 4 % und nach den Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes um 2 % über dem des Januar 1958. Zwar hat der Textileinzelhandel hiermit bei weitem nicht die Zunahme des Schuheinzelhandels erzielen können, jedoch entsprach die Entwicklung der Branche im Gegensatz zu den Vormonaten, in denen der Textileinzelhandel ständig die letzte Stelle aller Branchen eingenommen hat, weitgehend dem Ergebnis des Einzelhandelsdurchschnitts. Dem Gesamtdurchschnitt entsprechend hat auch der Lebensmitteleinzelhandel abgeschnitten. Diese Branche wies sowohl nach den Untersuchungen des Instituts für Handelsforschung als auch nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes im Januar 1959 gegenüber Januar 1958 eine wertmäßige Absatzzunahme von 4 % aus. Hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben ist dagegen erneut der Möbeleinzelhandel der nach den Betriebsvergleichsergebnissen gegenüber Januar 1958 einen Absatzrückgang von 5 % (Statistisches Bundesamt 10 %) registrierte. Im Gegensatz zum Möbeleinzelhandel hatte der Eisenwaren- und Hausrathandel im Januar 19 59 einen höheren Absatz als im entsprechenden Vorjahrsmonat. Die am Betriebsvergleich beteiligten Firmen dieser Branche verzeichneten im Durchschnitt eine Absatzzunahme von 5 % (Statistisches Bundesamt 7 %).
Die im Schuh- und Möbeleinzelhandel zwar nicht tendenziell, jedoch in ihrer Höhe aufgetretenen Abweichungen der Ergebnisse des Instituts für Handelsforschung und des Statistischen Bundesamtes dürften in erster Linie auf die unterschiedliche größenmäßige Zusammensetzung des Teilnehmerkreises zurückzuführen sein. Die Betriebsvergleichsergebnisse des Schuh- und Möbeleinzelhandels ließen erkennen, daß im Januar 1959 die kleineren und mittleren Firmen vergleichsweise besser abgeschnitten haben als die größeren. Da an den Betriebsvergleichserhebungen des Instituts vorwiegend kleine und mittlere Schuh- und Möbelgeschäfte beteiligt sind, das Statistische Bundesamt jedoch in stärkerem Umfange größere und Großbetriebe erfaßt, sind die Ergebnisse des Instituts nach oben, die des Statistischen Bundesamtes dagegen nach unten beeinflußt worden.
Ergänzend ist zu dem vorstehenden Bericht noch auszuführen:
Die einzelnen Fachzweige des Textileinzelhandels verzeichneten im Januar 1959 z.T. stark abweichende Ergebnisse. Im Gegensatz zu der allgemeinen Entwicklungstendenz wiesen die Fachzweige mit Heimtextilien eine rückläufige Absatzentwicklung auf. Für die am Betriebsvergleich beteiligten Fachgeschäfte mit vorwiegend Hausund Bettwäsche, Bettwaren ergab sich im Durchschnitt gegenüber Januar 1958 eine Absatzeinbuße von 6 %. Bei den Geschäften mit vorwiegend Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen betrug die Verminderung des Absatzes 2 %. Die Geschäfte mit vorwiegend Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung wiesen im Januar 1959 einen gleich hohen wertmäßigen Absatz wie im Vorjahr aus. Alle übrigen Fachzweige des Textilbereichs haben das Januarergebnis 1958 in mehr oder weniger starkem Umfange übertroffen. Die stärkste Erhöhung verzeichneten mit + 8 % die Geschäfte mit vorwiegend Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung. Es folgten mit einer Zunahme von 6 % die Geschäfte mit vorwiegend Herren- und Knabenoberbekleidung. Bei den Geschäften mit vorwiegend Wäsche, Wirk- und Strickwaren, mit vorwiegend Herrenausstattung und mit gemischtem Sortiment entsprach die Absatzerhöhung mit jeweils 4 % dem Durchschnitt des gesamten Textileinzelhandels. Eine nur unwesentliche Zunahme von 1 % ergab sich bei den Meterwarengeschäften.
Von den Teilbranchen des Eisenwaren- und Hausrathandels lagen die Geschäfte mit vorwiegend Kleineisenwaren und Werkzeugen ( + 10 %) an der Spitze. Bei den Geschäften mit Haus- und Küchengeräten und mit gemischtem Sortiment betrugen die Zunahmen jeweils nur etwa 4 %. Im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel lag das Verkauf sergebnis im Januar 1959 6 % und im Beleuchtungsund Elektroeinzelhandel 3 % höher als im Januar 1958.
Abgesehen vom Fahrradeinzelhandel (— 1 %) haben alle übrigen in der Gruppe „Sonstiger Einzelhandel" zusammengefaßten Branchen im Januar 1959 gegenüber Januar 1958 eine Absatzsteigerung erzielt. Besonders stark waren die Erhöhungen, die der Sortimentsbuchhandel ( + 11 %), die Drogerien ( + 10 %) und der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel ( + 10 %) erreichten. Im Uhren-und Schmuckwareneinzelhandel betrug die Steigerung 6 %, bei den Reformhäusern 2 %, im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel 2 % und im Papier-, Bürobedarfund Schreibwareneinzelhandel 1 %.
Gegenüber dem Vormonat Dezember ergab sich im Januar 1959 der saisonbedingte Absatzrückgang. Der Absatz aller am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbetriebe lag im Januar 1959 im Durchschnitt 45 % niedriger als im Dezember 1958. Der Rückgang war hiermit etwas stärker als sonst üblich, denn im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1958 ergab sich im Januar gegenüber Dezember ein Rückgang von 41 %. Besonders stark war im Vergleich zu den Vorjahren die Absatzminderung des Möbeleinzelhandels. Der Durchschnitt dieser Branche verzeichnete im Januar 1959 einen um 57 % niedrigeren Absatz als im Vormonat Dezember. Im Durchschnitt der Jahre 1949—1958 lag dagegen das Januarergebnis des Möbeleinzelhandels nur 39 % unter dem des Vormonats. Relativ gut war infolge des lebhaften Wintergeschäftes die Entwicklung im Schuh- und Textileinzelhandel. Der Januarabsatz 1959 des Schuheinzelhandels lag 40 % und der des Textileinzelhandels 49 % unter dem des Vormonats Dezember. Im Durchschnitt der Jahre 1949—1958 ergaben sich Rückgänge von 52 bzw. 54 %.
