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Kreditverkäufe und Außenstände im Einzelhandel

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert
Die nunmehr vorliegenden Ergebnisse der Kreditbefragung für das IV. Quartal 1958 ermöglichen einen ersten Überblick über die Veränderung der Kundenkreditsituation des Einzelhandels im gesamten Jahre 1958. Im Durchschnitt der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte sind in allen vier Quartalen des Jahres 1958 gegenüber den entsprechenden Vorjahrsquartalen die Kreditverkäufe in Prozenten des Gesamtabsatzes zurückgegangen. Die stärkste Abnahme des Kreditabsatzanteils gegenüber dem Vorjahrsquartal ist mit 0,8 % des Gesamtabsatzes im IV. Quartal 1958 eingetreten. Im II. Quartal 1958 betrug der Rückgang 0,7 % , im III. Quartal 0,6% und im I. Quartal 1958 0,2 % des Gesamtabsatzes. Somit hat sich die stagnierende bzw. rückläufige Entwicklungstendenz des Anteils der Kreditverkäufe am Gesamtabsatz, die seit 1955 zu beobachten ist, nach den vierteljährlichen Ergebnissen des Betriebsvergleichs auch im Jahre 1958 weiter fortgesetzt.
In den einzelnen Fachzweigen ist allerdings keine einheitliche Veränderung der prozentualen Höhe der Kreditverkäufe während der vier Quartale des Jahres 1958 im Vergleich mit den entsprechenden Vor Jahrsquartalen festzustellen. Lediglich der Fahrradeinzelhandel, der Textileinzelhandel, die Drogerien, der Schuheinzelhandel sowie der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel weisen in allen vier Quartalen des Jahres 1958 eine Verringerung des Kreditabsatzanteils aus.
Die Außenstände aus dem Kreditgeschäft, in denen die Länge des Zahlungsziels und die Dauer der Kreditgewährung ihren Ausdruck finden, haben ebenso wie die Kreditverkäufe im Durchschnitt der Berichtsbetriebe in den vier Quartalen 1958 gegenüber den Vergleichsquartalen des Vorjahres in Prozenten des Gesamtabsatzes abgenommen. Der Rückgang der Außenstände war am stärksten mit 0,7 % des Quartalsabsatzes am Ultimo des III. Quartals und betrug im II. Quartal 0,6 % , im I. Quartal 0,3 % und im IV. Quartal 0,2 % des Quartalsabsatzes.

Bezogen auf den Kreditabsatz ergaben sich für die Höhe der Außenstände im Einzelhandelsdurchschnitt folgende Werte:
Nach den vorstehenden Zahlenwerten sind im I. bis III. Quartal 1958 verglichen mit den entsprechenden Vorjahrsquartalen die Außenstände stärker als die Kreditverkäufe zurückgegangen. Dieses deutet auf eine gewisse Verbesserung des Zahlungseinganges bzw. auf eine Verkürzung der Kreditdauer in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres hin. Lediglich im IV. Quartal 1958 ist die Abnahme der Außenstände hinter der der Kreditverkäufe zurückgeblieben, so daß die Außenstände von 60,0 % am 31.12.1957 auf 62,2 % des Kreditabsatzes am Ultimo des IV. Quartals 1958 angestiegen sind. Insgesamt gesehen kann für das Jahr 1958 neben dem Rückgang des Kreditabsatzanteils auch eine Verringerung der Außenstände festgestellt werden.
Zur ergänzenden Beurteilung der Kreditsituation des Einzelhandels im Jahre 1958 soll nachfolgend die Veränderung der Kreditstruktur aufgezeigt werden. In de Struktur der Kreditgewährung ist in allen vier Quartalen des Jahres 1958 im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahrsquartalen eine Verringerung des Anteils der vertraglich organisierten Kundenkredite (Teilzahlungsverkäufe) und eine Zunahme des Anteils der unorganisierten Kundenkredite an den gesamten Kreditverkäufen eingetreten. Der Rückgang der Teilzahlungskredite war mit 4,6 % der Kreditverkäufe im II. Quartal 1958 gegenüber dem II.
Quartal 1957 am stärksten. Im IV. Quartal 1958 hat der Umfang der Teilzahlungsverkäufe um 3,4 % der gesamten Kreditverkäufe abgenommen. Wie die nebenstehenden Ergebniszahlen erkennen lassen, ist die Verringerung der Teilzahlungskredite vorwiegend auf die bankmäßigen Teilzahlungsverkäufe zurückzuführen.
Während im Einzelhandelsdurchschnitt die unmittelbar in Verbindung mit Bankinstituten gewährten Teilzahlungsverkäufe in allen vier Quartalen des Jahres 1958 gegenüber den jeweiligen Vorjahrsquartalen merklich abgefallen sind, weisen die vom Einzelhandel in eigener Regie abgewickelten Teilzahlungsverkäufe nur im II. und IV. Quartal 1958 einen erkennbaren Rückgang auf. Dagegen ist im I. Quartal 1958 der Anteil der nichtbankmäßigen Teilzahlungskredite an den gesamten Kreditverkäufen nahezu gleich geblieben und im III. Quartal 1958 sogar angestiegen.
Zusammenfassend kann die Entwicklung der Kreditsituation des Einzelhandels im Jahre 1958 gegenüber dem Jahr 1957 auf Grund der vierteljährlichen Betriebsvergleichsergebniszahlen dahingehend gekennzeichnet werden, daß sowohl Kreditumfang als auch Kreditdauer infolge des verminderten Kundenkreditbedarfs eine sinkende Tendenz aufweisen, was vornehmlich durch den Rückgang der Teilzahlungsverkäufe und speziell durch die bankmäßigen Teilzahlungskredite ausgelöst wurde.
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