Distributionswege und Distributionskosten der Nichtlebensmittel
von Dr. Fritz Klein1. Die Durchführung der Erhebungen
Das Institut bearbeitet seit 1953 ein vom Minister für Wirtschaft und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen gefördertes Forschungsvorhaben, das eine exakte Feststellung der Verteilungswege und Verteilungskosten aller Konsumwarenbereiche zur Aufgabe hat. Die Untersuchung soll im einzelnen klären, auf welchen Handelswegen die Konsumwaren der verschiedenen Bedarfsgruppen vom Erzeuger zum Verbraucherhaushalt gelangen, welche Umsatzbedeutung die einzelnen Verteilungswege erreichen und welchen Anteil die Distributionskosten vom Konsumentenpreis.
Die Bearbeitung des Forschungsvorhabens erfolgte in mehreren nach Konsumgütergruppen gebildeten Teilabschnitten. Anfang 1953 wurde mit der empirischen Erhebung der Hausratwaren begonnen und die Untersuchung ein Jahr später abgeschlossen. Die Ergebnisse sind 1955 als Sonderheft 6 der Mitteilungen des Instituts „Wege und Kosten der Distribution der Hausratwaren" und gleichlautend als Forschungsbericht des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums Nordrhein-Westfalen Nr. 124 veröffentlicht.
In diesem Bericht sind auch Aufgabenstellung und Methode der Erhebungen näher dargelegt. Als zweiter Abschnitt folgte die Bearbeitung der Textilien, Schuhe und Lederwaren, deren Ergebnisse 1956 vorlagen. Sie sind 1956 publiziert als Sonderheft 7 der Institutsmitteilungen „Wege und Kosten der Distribution der Textil-, Schuh- und Lederwaren" bzw. unter gleichem Titel als Nr. 323 der Forschungsberichte des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums.
Der dritte — jetzt abgeschlossene — Untersuchungsabschnitt, für den die Erhebungsarbeiten im Frühjahr 1957 begannen, umfaßt 31 Warengruppen des Pflege- und Heilbedarfs, Arbeits- und Betriebsmittelbedarfs, Bildungs- und Unterhaltungsbedarfs, Schmuck- und Zierbedarfs sowie Wohnbedarfs. Die Ergebnisse des dritten Abschnitts werden im Laufe des Monats Mai in dem Sonderheft 11 der Institutsmitteilungen bekanntgegeben. Eine zusammenfassende Darstellung wird ferner auch in der Mai-Nummer der Institutsmitteilungen gebracht.
Offen stehen damit von dem Gesamtbereich der Konsumwaren nur noch die Nahrungs- und Genußmittel. Die Arbeiten hierfür sind angelaufen, die Erhebungen werden im Mai beginnen. Die Feststellungen der Distributionskosten erfolgten durch Besuche von 3 Assistenten des Instituts in den Betrieben seihst. Für die in drei Teilabschnitten durchgeführte Untersuchung des Gesamübereichs der Nichtlebensmittel wurden in 1414 Erhebungstagewerken 2172 Betriebsbesuche durchgeführt, die Unterlagen von 1684 Firmen erbrachten, hiervon 608 Industrie-, 306 Großhandels- und 770 Einzelhandelsbetriebe. Die bei den Betriebsbesuchen ermittelten Angaben über die Distributionswege wurden durch eine schriftliche Umfrage bei 9409 Produzenten, die 4448 Firmen beantworteten, vervollständigt. Da die berichtenden Firmen mehr als die Hälfte des Absatzes der untersuchten Warenbereiche tätigen, konnte somit ein beachtlicher Repräsentationsgrad erreicht werden. Bei der Vorbereitung der Arbeiten und bei der Firmenauswahl wirkten 150 Industrie-, Groß- und Einzelhandelsverbände mit.
2. Die untersuchten Warengruppen
Mit Abschluß des dritten Abschnitts des Forschungsvorhabens liegt jetzt ein vollständiger Überblick über die Distributionsverhältnisse aller wichtigen Konsumwarengruppen des Bereichs der Nichtlebensmittel vor. Auf die Nichtlebensmittel entfallen rund 60 % des Konsumwarenabsatzes, die restlichen 40 % betreffen die jetzt noch in Arbeit befindlichen Nahrungs- und Genußmittel.
Untersucht wurden im einzelnen 84 Warengruppen, die nachfolgend mit ihren genauen Bezeichnungen abgedruckt sind:
Innerhalb der aufgeführten 84 Warengruppen konnten naturgemäß nicht alle Einzelwaren, welch« die Gruppe bilden, bearbeitet werden. Die gestellten Fragen mußten deshalb an Hand eines repräsentativen Warenkatalogs geklärt werden, dessen Zusammenstellung in eingehenden Besprechungen mit Sachverständigen erfolgte. Insgesamt wurde für den Bereich der Nichtlebensmittel ein Katalog von 376 Artikeln untersucht, der als repräsentativ für die Bedarfsverhältnisse der westdeutschen Verbraucherhaushaltungen angesehen werden kann. Aus Platzgründen wird die genaue Liste der 376 Einzelartikel im Rahmen des vorliegenden Berichts nicht abgedruckt. In der nachstehenden Warengruppenliste ist jedoch für jede der 84 Warengruppen vermerkt, wie viele Artikel die Warengruppe bilden.
3. Die Distributionskosten und Distributionswege der Nichtlebensmittel insgesamt
Die Zielsetzung des Forschungsvorhabens ist sowohl auf die Ermittlung der Absatzwege und Distributionskosten der Warengruppen im einzelnen als auch auf die exakte Berechnung von Durchschnittswerten der Distributionsstruktur im Gesamtbereich der Konsumwaren gerichtet. Diese Gesamtberechnung kann erst nach Vorliegen der für die Nahrungs- und Genußmittel ermittelten Ergebnisse durchgeführt werden. Für den Bereich der gesamten Nichtlebensmittel läßt sich aber bereits jetzt ein Gesamtbild ihrer Distributionswege und Distributionskosten gewinnen.
Die Ergebnisse dieser Gesamtberechnung werden nachfolgend bereits vorab bekanntgegeben. Die Berechnungen der Durchschnittszahlen erfolgten an Hand der Einzelunterlagen der 84 untersuchten Warengruppen, wobei jede Warengruppe mit ihrem Umsatzanteil in die Durchschnittsberechnung einging. Die Unterlagen über die Umsatzanteile der Warengruppen wurden der Produktionsstatistik sowie der Umsatzsteuerstiatistik des Statistischen Bundesamts entnommen. Der Gesamtberechnung diente ferner das vom Institut für die Berechnung seines Einzelhandelsindex verwendete Wägungsschema als Grundlage. Die Umsatzanteile einiger Warengruppen, über die keine Unterlagen vorliegen, mußten für die Gesamtberechnung geschätzt werden. In die Tabellen sind ferner auch die Durchschnittsergebnisse der sechs Warenbereiche, denen die 84 Warengruppen entstammen (Hausratwaren, Möbel, Textilien, Schuhe, Lederwaren und Sonstige Nichtlebensmittel = Bereiche A bis F der vorstehenden Warengruppenaufstellung), mit aufgenommen, da sich aus einem Vergleich der sechs Warenbereiche untereinander und mit den Gesamtzahlen der Nichtlebensmittel bereits aufschlußreiche Erkenntnisse gewinnen lassen. Bei dem Vergleich sind die unterschiedlichen Erhebungsjahre (in Zeile 22 von Tabelle 1 angegeben) zu beachten.
Die Prozentangaben in Tabelle 1 zur Struktur der Distributionswege (Zeilen 1 bis 12) beziehen sich nur auf diejenigen Umsätze, welche von inländischen Produzenten an letzte Verwender für deren Ge- oder Verbrauch in privaten Haushaltungen abgesetzt wurden. Der Absatz von Konsumwaren an andere Verwender als Haushaltungen, also an Weiterveranbeiter (z. B. Briefpapier an Druckereien) oder an gewerbliche Verwender (z. B. Filme an Photoateliers) oder an Großverbraucher (z. B. Arzneimittel an
Krankenhäuser) wurde in die Erhebung nicht einbezogen. Nicht miterfaßt sind auch die Absatzwege importierter Waren an Haushaltungen sowie die Absatzwege des sogenannten Beziehungskaufs.
Die Untersuchung beantwortet zuerst die Frage, an welche Abnehmer die Erzeuger ihre Produkte verkaufen. Aus den Erhebungen ergeben sich bei Außerachtlassung der Betriehsformen drei Abnehmergruppen, an welche die Produzenten absetzen, und zwar: die Detailleure (Sammelbegriff für die verschiedenen Betriebsformen des Einzelhandels), die Grossierer (Sammelbegriff für die verschiedenen Betriebsformen des Großhandels) und die Haushalte direkt. Im Bereich der Nichtlebensmittel wird von den Herstellern der überwiegende Anteil ihrer Produktion (60 %) an Detailleure abgesetzt. 37,5 % gehen an Grossierer und 2,5 % direkt an Haushalte (Zeilen 1—3). Innerhalb des Grossiererbereichs beträgt der Anteil des selbständigen Großhandels 28,5 %, der Anteil der Einkaufsvereinigungen 9 % (Zeilen 4 und 5).
Die Frage, in welchen Betriebsformen die Haushaltungen ihre Einkäufe tätigen, wird für den Gesamtbereich der Nichtlebensmittel in den Zeilen 6 bis 12 von Tabelle 1 beantwortet. Als hervortretendes Merkmal kann der hohe Anteil der Fachgeschäfte des Ladeneinzelhandels an der Versorgung der Konsumenten angesehen werden. Auf sie entfallen 82 % des Gesamtumsatzes der Nichtlebensmittel. Der Anteil der übrigen Betriebsformen des Einzelhandels ist im Vergleich zu dem der Ladengeschäfte prozentual niedrig. Die Warenhäuser erreichen einen Umsatzanteil von 9 %, die Versandgeschäfte einen Anteil von 3 %. Über Fabrikfilialen gehen 2 % des Absatzes an den Haushalt, weitere 2,5 % direkt vom Erzeuger zum Haushalt (über Haushaltvertreter, im Versandwege usw.). Der ambulante Handel ist mit 1 % am Absatz beteiligt, der Anteil der Konsumgenossenschaften beträgt 0,5 %.
Neben der Feststellung der Absatzwege und ihrer Prozentanteile ist die Zielsetzung des Forschungsvorhabens weiter auf die Ermittlung des im Konsumentenpreis enthaltenen Distributionskostenanteils gerichtet. Diese Unterlagen sind von besonderem Interesse. Hier haben die Erhebungen ergeben, daß bei den Nichtlebensmitteln im Durdrschnitt 56 % des Verbraucherpreises auf die Produktionskosten und 44 % auf die Distributionskosten (Vertriebskosten der Industrie und Spannen des Groß- und
Einzelhandels) entfallen (Zeilen 13 und 14).
Die vom Fertigwarenlager des Produzenten bis zum Verbraucher anfallende Umsatzsteuer macht 6,9 % des Konsumentenkaufpreises bzw. 16,2 % der Distributionskosten aus (Zeilen 15 und 16). Sie ist in dem eben genannten Distributionskostenanteil von 44 % des Konsumentenpreises enthalten. Ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer ergibt sich für den Gesamtbereich der Nichtlebensmittel ein Distributionskostenanteil von 37,1 % des Konsumentenkaufpreises (Zeile 17). Die Distributionskosten enthalten auch die Kosten des Transports (einschließlich Transportverpackung) der Waren vom Produzenten bis zum Verbraucher. Diese erfordern 3,7 % des Konsumentenkaufpreises, das sind 8,1 % der gesamten Distributionskosten (Zeilen 18 und 19).
Die mit 44 % des Konsumentenkaufpreises ermittelten Distributionskosten gliedern sich auf die Handelsbereiche folgendermaßen auf (Zeile 20 und 21):
Von den gesamten Distributionskosten ( = 100) entfallen 26,5 % auf die Erzeuger und 73,5 % auf Handlungen (Grossierer und Detailleure).
Ein Vergleich der besprochenen Durchschnittswerte des Gesamtbereichs der Nichtlebensmittel mit den in Tabelle 1 ebenfalls ausgewiesenen Prozentangaben der Warenbereiche Hausrat, Möbel, Textilien, Schuhe, Lederwaren und Sonstige Nichtlebensmittel läßt zwischen -den Warenbereichen starke Unterschiede der Distributionsstruktur erkennen. Eine eingehende Untersuchung der Gründe hierfür wird — unter Berücksichtigung auch der Einzelwerte aller 84 Warengruppen — in weiteren Auswertungen, die das Institut vornehmen wird, erfolgen; denn die in den Erhebungen der Distributionsuntersuchung ermittelten einzelbetrieblichen Zahlenwerte bieten über die bereits bekanntgegebenen Zahlenwerte hinaus noch eine Vielzahl von zusätzlichen Erkenntnismöglichkeiten. Die Bekanntgabe wird in weiteren Publikationen erfolgen. Im Rahmen der vorliegenden Zusammenfassung kann nur auf einige Besonderheiten der Ergebnisse im Vergleich der sechs Warenbereiche untereinander hingewiesen werden.
So liegt der Anteil der Grossierer besonders hoch in den Gruppen Hausratwaren und Sonstige Nichtlebensmittel (Zeile 3). Demgegenüber sind Grossierer in die Absatzwege der Lederwaren fast gar nicht und in die der Möbel nur zu 10,5 % eingeschaltet. Die Warenhäuser (Zeile 7) erreichen die höchsten Umsatzanteile bei Textilien und Lederwaren, die Versandgeschäfte (Zeile 8) ihre stärkste Bedeutung bei Textilien und Schuhen. Über Fabrikfilialen (Zeile 11) werden stärker als in anderen Warenbereichen Schuhe abgesetzt (6,5 %). Der Direktabsatz der Erzeuger an den Haushalt durch Vertreter oder Kataloge wurde am meisten bei Hausratwaren und bei der Gruppe Sonstige Nichtlebensmittel (jeweils 4 %) festgestellt. Die Konsumgenossenschaften, deren Sortiment vornehmlich Lebensmittel umfaßt, sind innerhalb des Bereichs der Nichtlebensmittel nur schwach vertreten; auch der ambulante Handel erreicht nur kleine Umsatzanteile, am meisten tritt er mit 2 % Anteil bei Textilien auf.
Größere Differenzierungen zeigt auch die Gliederung des Konsumentenpreises in Produktions- und Distributionskosten. Der niedrigste Anteil der Distributionskosten wurde mit 34,4 % des Konsum entenpreises bei Schuhen festgestellt, der höchste mit 51,1 % in der Gruppe der Sonstigen Nichtlebensmittel. Mit Ausnahme der letztgenannten Gruppe liegen die Distributionskosten in allen anderen Warenbereichen unter 50 % des Konsumentenpreises; bei Hausratwaren bleibt der Anteil der Distributionskosten mit 48,6 % allerdings nur wenig unter der Hälfte. Ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer ergaben sich als Extremwerte 27,3 % Distributionskosten bei Schuhen und 44,4 % in der Gruppe Sonstige Nichtlebensmittel. Vergleicht man die Distributionskosten jedoch zwischen den 84 untersuchten Artikelgruppen im einzelnen, so zeigen sich noch stärkere Unterschiede. Der niedrigste Wert liegt dann bei 22,5 % des Konsumentenpreises, der höchste bei 65,7 %. Sehr verschieden hoch ist in den einzelnen Warenbereichen die Belastung durch Transportkosten. Sie liegt am höchsten bei Möbeln mit 8 % des Konsumentenpreises und nimmt damit hier rund ein Fünftel der Distributionskosten ein.
Ein gleichartiges Bild ergibt sich in bezug auf die Aufgliederung der Distributionskosten auf Erzeuger und Handlungen (Grossierer und Detailleure zusammengenommen). Der Anteil der Erzeuger an den Distributionskosten (= 100) liegt in den sechs Warengruppen zwischen 25 % und 28,2 %, der der Handlungen entsprechend zwischen 75 % und 81,8 %.
4. Die industriellen Vertriebskosten nach Kostenarten
Im Rahmen der Distributionsuntersuchung konnten erstmalig für die Nachkriegszeit exakte Unterlagen über die Vertriebskosten der Konsumgüterindustrie, auch gegliedert nach Kostenarten, ermittelt werden. Derartige Unterlagen gibt es bisher nur aus der Vorkriegszeit für wenige Produktionszweige.
Insgesamt liegen dem Institut jetzt Unterlagen über die Höhe und über die Gliederung der industriellen Vertriebskosten von 84 Warengruppen vor, die auf unmittelbaren Betriebserhebungen durch Assistenten des Instituts bei 608 Firmen der Konsumgüterindustrie basieren.
Es ist beabsichtigt, in einem in Kürze erscheinenden weiteren Sonderheft der Mitteilungen („Die Vertriebskosten der Konsumgüterindustrie") ausführlich über die Ergebnisse der industriellen Vertriebskostenerhebungen sowie über die hierbei gemachten Erfahrungen zu berichten. Im Rahmen dieses Sonderheftes wird auch die Erhe.bung.smethode eingehend erläutert. Vorab wird in der nachstehenden Tabelle 2 der vom Institut für den Gesamtbereich der Nicht!ebensmitel berechnete Durchschnittswert der industriellen Vertriebskosten, gegliedert nach Kostenarten, bekanntgegeben. Ferner sind auch die Durchschnittswerte der sechs Warenbereiche Hausrat, Textilien, Schuhe, Lederwaren, Möbel sowie Sonstige Nichtlebensmittel mit aufgenommen, um somit bereits Vergleiche zu ermöglichen. Die Abgrenzung der industriellen Vertriebskosten ergibt sich aus den Fußnoten zu Tabelle 2.
Die Vertriebskosten der Konsumgüterindustrie (ohne Lebensmittel) betragen im Durchschnitt 17,7 % ihres Verkaufspreises. Innerhalb der Kostenarten steht die Umsatzsteuer, die 4 % des Verkaufspreises bzw. 22 % der Gesamtvertriebskosten ausmacht, an erster Stelle. Es folgen mit fast gleichen Prozentanteilen die Personalkosten des Vertriebs, die Provisionen und die Reklamekosten mit jeweils einem Anteil von 2,7 bzw. 2,8 % des Produzenten- Verkaufspreises, das sind 15 bzw. 1 6% der Gesamtvertriebskosten. Die von den Produzenten bezahlten Transportkosten nehmen 1,2 % ihres Verkaufserlöses ein, die Kosten des Versandverpackungsmaterials 0,8 %. Insgesamt entfallen damit auf die Kosten des Versandes (Transportkosten und Verpackungsmaterial) 12 % der gesamten Vertriebskosten. Die kalkulatorische Verzinsung des Fertigwarenlagers erfordert Aufwendungen von 0,6 % des Produzentenverkauf spreises, die der Außenstände 0,8 %.
Zwischen den sechs Warenbereichen zeigen sich zum Teil stärkere Differenzierungen in der Höhe der Gesamtvertriebskosten und der einzelnen Kostenarten. Bei den Gesamtvertriebskosten liegen die Extremwerte zwischen 12,4 % (Schuhe) und 24,3 % (Sonstige Nichtlebensmittel) des Produzentenverkaufspreises. Die Vertriebskosten der Industrie sind in der Gruppe Sonstige Nichtlebensmittel also durchschnittlich fast doppelt so hoch wie in der Gruppe Schuhe. Noch stärkere Unterschiede in der Vertriebskostenhöhe zeigen sich bei Einbeziehung der Einzelwerte der Artikelgruppen in den Vergleich. Hier ergibt sich als niedrigster Wert innerhalb der 84 Artikelgruppen ein Vertriebskostenprozentsatz von 7,3 %, als höchster ein Wert von 41,6 % des Produzentenverkaufspreises.
Die Reklamekosten sind in den Warenbereichen Möbel, Textilien, Schuhe und Lederwaren mit 1 % des Produzentenverkaufspreises genau gleich hoch; leicht über diesem Wert liegen sie bei Hausratwaren. In der Warengruppe sonstige Nichtlebensmittel erreichen die Reklamekosten dagegen mit 7 % des Umsatzes einen sehr hohen Durchschnitt. Er kommt zustande durch besonders hohe Reklamekostenprozentsätze in mehreren Artikelgruppen dieses Warenbereichs, in denen seitens der Produzenten eine direkte Endverbraucherwerbung betrieben wird. Innerhalb der 84 Artikelgruppen ergab sich für die Reklamekosten als niedrigster Durchschnittssatz ein Wert von 0,2 %, als höchster ein Wert von 17,1 % des Produzentenverkaufspreises.
Die stärkste Belastung mit Personalkosten wurde im Vergleich der sechs Warengruppen untereinander bei der Gruppe Sonstige Nichtlebensmittel und Hausrat ermittelt; der höchste Durchschnittssatz für Provisionen ergab sich in der Gruppe Lederwaren, für Reisekosten und Spesen in der Gruppe Sonstige Nichtlebensmittel. Faßt man die Werte der drei personalabhängigen Kostenarten (Personalkosten, Provisionen, Reisekosten und Spesen) zusammen, so verringern sich hier zwischen den Warengruppen — mit Ausnahme der Schuhe — die Unterschiede in der Höhe der Belastung. Die Werte zusammengefaßt liegen zwischen 5,5 % (Textilien) und 7,7 % (Lederwaren) des Produzentenverkaufspreises. Dagegen sind in der Gruppe Schuhe die personalabhängigen Kosten des Vertriebs mit 3,9 % nur halb so hoch wie in der benachbarten Gruppe Lederwaren.
Auch die anderen Kostenarten zeigen zum Teil stärkere Differenzierungen. Bereits aus den Durchschnittszahlen der sechs Warenbereiche läßt sich damit das Bild einer nach Waren sehr unterschiedlichen Höhe und Struktur der industriellen Vertriebskosten gewinnen. Der Einblick erweitert sich nach Bekanntgabe der im dritten Abschnitt für weitere 31 Artikelgruppen ermittelten Einzelwerte in dem angekündigten Sonderheft 11 der Mitteilungen. Zusammen mit den bereits früher publizierten Unterlagen besteht dann ein vollständiger Überblick über die Vertriebskosten aller wichtigen Zweige der Konsumgüterindustrie (ohne Lebensmittel) und damit die Möglichkeit eines interessanten Vergleichs zwischen den verschiedenen Artikelgruppen.
