Der Einzelhandelsbsatz im Januar 1960
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDer Einzelhandel hat im Januar i960 nach den Betriebsvergleichsergebnissen des Instituts für Handeisforschung wertmäßig das gleiche Verkaufsergebnis ausgewiesen wie im Januar 1959. Das Statistische Bundesamt ist für den von ihm erfaßten Kreis von Einzelhandelsgeschäften zu einer leichten Absatzzunahme von 2 % gekommen.
Der Vergleich der für die einzelnen Branchen ermittelten Ergebnisse läßt im Januar 1960 einige bemerkenswerte Abweichungen in der Absatzentwicklung erkennen. Im Gegensatz zu der allgemeinen Entwicklungstendenz haben der Radio- und Fernseheinzelhandel und der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel im Januar 1960 beachtliche Absatzeinbußen verzeichnet. Bei beiden Fachzweigen ergaben sich nach den Betriebsvergleichsergebnissen gegenüber Januar 1959 Rückgänge von jeweils 10 %. Das Statistische Bundesamt hat für den Radio- und Fernseheinzelhandel ein Minus von 10 % und für den Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel von 9 % errechnet. Hinter der Entwicklung des Einzelhandelsdurchschnitts zurückgeblieben ist auch der Textileinzelhandel. Das Verkaufsergebnis dieser Branche lag nach den Betriebsvergleichsergebnissen wertmaßig 4 % niedriger als im Januar 1959 (Statistisches Bundesamt ebenfalls -4 %). Die stärkste Einbuße ergab sich hier bei den Meterwarengeschäften (- 10 % ) , die geringste bei den Geschäften mit vorwiegend Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung (- 1 % ) . Im Gegensatz zum Textileinzelhandel hat der Schuheinzelhandel gegenüber Januar 1959 eine Absatzzunahme erzielt. Die wertmäßige Erhöhung betrug im Durchschnitt 4 % (Statistisches Bundesamt + 2 %). Ein ähnliches Ergebnis registrierten auch der Lebensmitteleinzelhandel sowie der Eisenwaren- und Hausratb.an.del. Der Absatz beider Branchen lag nach den Betriebsvergleichsergebnissen im Januar 1960 wertmäßig 3 % höher als im Vorjahr (Statistisches Bundesamt Lebensmittel + 3 %, Eisenwaren und Hausrat + 2 %). Etwas schlechter hat der Möbeleinzelhandel abgeschnitten, dessen Wertabsatz sowohl nach den Ergebnissen des Instituts für Handeisforschung als auch nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes nur etwa gleich hoch war wie im Vorjahr. Die stärkste Absatzzunahme wies von den am Betriebsvergleich beteiligten Branchen wie in den Vormonaten der Bürotnaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel aus. Für diesen Fachzweig ist im Durchschnitt gegenüber Januar 1959 ein Absatzanstieg von 9 % (Statistisches Bundesamt + 13%) eingetreten. Lediglich der am Bctriebsvergleich nicht beteiligte Handel mit Kraftwagen und Zubehör hat im Januar 1960 eine noch stärkere Absatzzunahme registriert. Nach den Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes lag das Verkaufsergebnis dieses Fachzweiges im Januar 1960 26 % höher als im Januar 1959. Die starke Absatzsteigerung im Handel mit Kraftwagen und Zubehör dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, daß die für den Einzelhandelsdurchschnitt vom Statistischen Bundesamt ermittelte Absatzentwicklung im Januar 1960 gegenüber Januar 1959 um 2°/o über dem Ergebnis des Instituts für Handelsforschung liegt.
Ergänzend ist zu dem vorstehenden Bericht noch auszuführen:
Von den einzelnen Fachzweigen des Textileinzelhandels lagen die Meterwarengeschäfte mit einem Absatzminus von 10% an letzter Stelle. Es folgten mit einer Absatzeinbuße von 8 % die Geschäfte mit vorwiegend Haus- und Bettwäsche, Bettwaren. Bei den Textilsortirnentern lag das Verkaufsergebnis im Januar 1960 5 % niedriger als im Januar 1959. Einen dem Gesamtdurchschnitt entsprechenden Rückgang von 4 % wiesen die Geschäfte mit vorwiegend Herren- und Knabenoberbekleidung sowie mit vorwiegend Herrenausstattung aus. Bei den Geschäften mit vorwiegend Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung ergab sich eine Absatzminderung von 3 %, bei den Geschäften mit vorwiegend Wäsche, Wirk- und Strickwaren von 2 % und bei den Geschäften mit vorwiegend Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung von 1 %. Entgegen der allgemeinen Entwicklungstendenz registrierten die Textilgeschäfte mit vorwiegend Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen als einziger Fachzweig eine Verbesserung des Verkaufsergebnisses. Im Durchschnitt wurden von diesen Geschäften im Januar 1960 5 % mehr abgesetzt als im Januar 1959.
Im Gegensatz zu den starken Unterschieden bei den Fachzweigen des Textileinzelhandels zeigte sich in den einzelnen Bereichen des Eisenwaren- und Hausrathandels eine weitgehende Übereinstimmung in der Entwicklung. Bei den Geschäften mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten und den Geschäften mit vorwiegend Kleineisenwaren und Werkzeugen lag im Durchschnitt der Absatz 5 % höher als im Januar 1959. Etwas geringer war die Steigerung, die von den Eisenwaren- und Hausratsortirnentern ( + 3 %) verzeichnet wurde. Bemerkenswerterweise ist bei den Geschäften mit vorwiegend Glas-, Porzellan- und Keramikwaren entgegen der Entwicklung bei den Geschäften mit Hans- und Küchengeräten eine Absatzminderung eingetreten. Insgesamt mußten die am Betriebsvergleich beteiligten Firmen dieses Fachzweiges eine Einbuße von 5 % hinnehmen, Noch stärkere Absatzrückgänge ergaben sich, wie bereits erwähnt, im Beleuchtungs- und Elektrocinzelhandel sowie im Radio- und Fernseheinzelhandel (jeweils - 10 %). Im Gegensatz hierzu hat der Tapeten- und Linoleumhandel das Verkaufsergebnis des Januar 1959 um 5 % verbessert.
Auch bei den in der Gruppe „Sonstiger Einzelhandel" zusammengefaßten Branchen zeigte der Absatzverlauf im Januar 1960 gegenüber Januar 1959 einige bemerkenswerte Abweichungen. Neben dem Büromaschinen-, Büromöbelund Organisationsmittelhandcl (+ 9 %) haben auch der Fahrradeinzelhandel ( + 5 %) und der Sortimentsbuchhandel ( + 5 %) eine beachtliche Zunahme erzielt. Geringe Steigerungen von 2 % wiesen die Reformhäuser und die Gemischtwarengeschäfte, eine Zunahme von 1 % der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel auf. Ein wertmäßig unverändertes Verkaufsergebnis ergab sich bei den Drogerien und im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel. Hinter der durchschnittlichen Entwicklung zurückgeblieben sind mit einem Absatzrückgang von 2 % die Uhren- und Schmuckwarengeschäfte.
Gegenüber dem Vormonat Dezember ist im Januar 1960 der saisonbedingte Absatzrückgang eingetreten. Im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels war das Verkaufsergebnis 47 % niedriger als im Dezember 1959. Die Entwicklung entsprach hiermit weitgehend der der Vorjahre, denn im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1959 betrug die Absatzminderung von Dezember nach Januar 49 %.
