Kreditverkäufe und Außenstände im Einzelhandel
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertNach den vierteljährlichen Ergebnissen der Kundenkreditbefragung, die das Institut im Rahmen des Einzelhandelsbetriebsvergleichs durchführt, weist die Kreditgewährung ses Einzelhandels im Jahre 1959 gegenüber 1958 keine wesentlichen Veränderungen auf.
Im Durchschnitt der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte ist der Umfang der Kreditverkäufe im I. Quartal 1959 mit 13,3 % vom Gesamtabsatz im Vergleich zum I. Quartal 1958 gleich geblieben. Dein leichten Anstieg von 13,6 % im II. Quartal 1958 auf 13,8 % des Gesamtabsatzes im II. Quartal 1959 folgte im III. Quartal ein geringfügiger Rückgang von 13,4 % auf 13,3 % . Dem steht im IV. Quartal wieder eine leichte Zunahme des Kreditabsatzanteils von 12,7 % im IV. Quartal 1958 auf 12,9 % im IV. Quartal 1959 gegenüber. Somit hat sich insgesamt gesehen nach den vierteljährlichen Betriebsvergleichsergebnissen bei nahezu unveränderter Höhe der Kreditverkäufe in Prozenten des Gesamtabsatzes im Jahre 1959 die rückläufige Entwicklungstendenz der Jahre 1957 und 1958 nicht fortgesetzt. Im Einzelhandelsdurchschnitt war von 1956 bis 1958 eine Verringerung der Kundenkreditgewährung um 0,6 % des Gesamtabsatzes eingetreten.
In den einzelnen Fachzweigen hat sich der Anteil der Kreditverkäufe am Gesamtabsatz in den vier Quartalen 1959 gegenüber den entsprechenden Vorjahrsquartalen nicht einheitlich entwickelt. Einen Anstieg des Kreditabsatzanteils in allen vier Quartalen 1959 im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahrs werten wiesen der Texdleinzelhandel, der Schuheinzelhandel, der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel sowie der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel aus. Im Sortimentsbuchhandel ist dagegen in allen vier Quartalen 1959 gegenüber 1958 ein. Rückgang der Kreditverkäufe in Prozenten des Absatzes zu registrieren.
Ebenso wie der Umfang der Kreditverkäufe hat sich im Einzelhandel insgesamt die durchschnittliche Höhe der Außenstände in Prozenten des Absatzes im Jahre 1959 gegenüber 1958 nicht wesentlich verändert. Im Durchschnitt der Betriebsvergleichsteilnehmer haben die Außenstände von 9,2 % des Quartalsabsatzes am 31. März 1958 auf 9,3 % am 31. März 1959 geringfügig zugenommen. Dem leichten Rückgang von 8,8 % auf 8,6 % im IL Quartal folgte im III. Quartal wieder eine Erhöhung von 8,2 % auf 8,4 %. Am 31. Dezember 1959 hatten sich die Außenstände auf 7,5 % des Quartalsabsatzes gegenüber 7,9 % am 31. Dezember 1958 verringert.
Das Verhältnis von Außenständen und Kreditverkäufen vermittelt einen Anhaltspunkt über die Veränderung der Kreditdauer bzw. über die Entwicklung des Zahlungseinganges.
Bemerkenswert ist zunächst, daß die Außenstände in Prozenten der Kreditverkäufe am Jahresletzten relativ niedrig sind und daher nicht dem Jahresdurchschnitt entsprechen.
Insgesamt gesehen gleichen sich im Jahre 1959 die Veränderungen der Außenstände in Prozenten der Kreditverkäufe gegenüber den entsprechenden Vorjahrsquartalen, mit Ausnahme des IV. Quartals, nahezu aus, so daß im Jahresdurchschnitt keine wesentliche Verbesserung des Zahlungseingangs eingetreten sein dürfte.
Zur Kennzeichnung der Struktur der Kreditgewährung wird bei den Betriebsvergleichserhebungen eine Aufgliederung der gesamten Kreditverkäufe nach folgenden Kreditarten vorgenommen:
1. Teilzahlungsverkäufe, die unmittelbar in Verbindung mit Bankinstituten (Teilzahlungsfinanzierungsinstituten, Sparkassen, Geschäftsbanken) gewährt werden (bankmäßige Teilzahlungskredite).
2. Alle übrigen Teilzahlungsverkäufe, die vom Einzelhandel in eigener Regie abgewickelt werden (nichtbankmäßige Teilzahlungskredite).
3. Alle sonstigen Kreditverkäufe (vertraglich unorganisierte Kundenkredite).
Im Durchschnitt der Betriebsvergleichsteilnehmer schwankte in den vier Quartalen 1959 der Anteil der bankmäßigen Teilzahlungskredite zwischen 8,2 % bis 10,2 % der gesamten Kreditverkäufe. Da sich die bankmäßigen Teilzahlungskredite der Betriebsvergleichsteilnehmer fast ausschließlich auf Konsumgüter erstrecken, ist ein direkter Vergleich dieser Werte mit den Zahlen der Bankenstatistiken nicht möglich. Die in den Bankenstatistiken enthaltenen Teilzahlungskredite für Produktionsmittel und Gebrauchsgüter mit ausschließlich gewerblichem Verwendungszweck sind sehr erheblich und schlagen sich bei den am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäften nur in sehr geringem Umfange nieder. Des weiteren sind in den obigen Zahlenwerten die beträchtlichen Kredite für den Erwerb von Kraftfahrzeugen nicht enthalten.
Die nichtbankniäßigen Teilzahlungskredite bewegten sich in den vier Quartalen 1959 im Durchschnitt der Vergleichsbetriebe zwischen 14,6 % und 18,7% der gesamten Kreditverkäufe. Der weitaus größte Teil der Kundenkredite, der etwa 75 % der gesamten Kreditverkäufe ausmacht, wird vom Einzelhandel in unorganisierter Form ohne besondere vertragliche Regelung als offene Buchkredite, Anschreiben usw. gewährt.
