Der Einzelhandelsabsatz im Januar 1961
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDas Jahr 1961 hat für den Einzelhandel mit einer Absatzsteigerung begonnen. Auf Grund der Betriebsvergleichsergebnisse des Instituts für Handelsforschung lag das wertmäßige Verkaufsergebnis des Einzelhandels im Januar 1961 7 % höher als im Januar 1960. Das Statistische Bundesamt hat für den von ihm untersuchten Kreis von Einzelhandelsfirmen die gleiche Zunahme ermittelt. Die im ersten Monat des Jahres 1961 erzielte Absatzerhöhung entsprach genau dem durchschnittlichen Ergebnis des Jahres 1960, für das das Institut für Handelsforschung im Vergleich mit 1959 ein Plus von 7 % errechnet hat.
Abgesehen vom Schuheinzelhandel ist bei allen übrigen Einzelhandelsbrandien im Januar 1961 gegenüber dem entsprechenden Vorjahrsmonat eine Absatzerhöhung eingetreten. Allerdings war der Umfang der Steigerungen zum Teil stark abweichend. An der Spitze lagen die Branchen mit Bürobedarf, mit Kultur- und Luxusbedarf sowie mit Hausratund Wohnbedarf. Die am Betriebsvergleich beteiligten Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandlungen wiesen im Durchsdmitt gegenüber Januar 1960 einen Absatzanstieg von 21 % auf (Statistisches Bundesamt + 18 %). Es folgte der Möbeleinzelhandel, dessen wertmäßiges Verkaufsergebnis im Januar 1961 16 % höher war als im Vorjahr (Statistisches Bundesamt + 15 %). Eine Absatzzunahme von 15 % registrierte der Eisenwaren- und Hausrathandel (Statistisches Bundesamt + 16 %). Ebenfalls 15°/o betrug die Verbesserung im Radio- und Fernseheinzelhandel (Statistisches Bundesamt + 16 %) sowie im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (Statistisdies Bundesamt + 15 %). Die am Betriebsvergleich beteiligten Sortimentsbuchhandlungen verzeichneten im Januar 1961 gegenüber dem Vorjahr eine Absatzerhöhung von 14 % (Statistisdies Bundesamt + 12 %). Im Vergleich hierzu hat der Lebensmitteleinzelhandel im Januar 1961 gegenüber Januar 1960 nur ein unbedeutendes Absatzplus ausgewiesen. Für die am Betriebsvergleidi beteiligten Lebensmittelfadigesdiäfte ergab sich im Durdischnitt eine Zunahme von 4 % (Statistisdies Bundesamt + 5 %). Auch bei den Reformhäusern betrug die vom Institut für Handelsforsdiung erredinete Verbesserung des Verkaufsergebnisses im Januar 1961 gegenüber Januar 1960 4 % . Stärker waren dagegen die Steigerungen im Tabakwareneinzelhandel und bei den Drogerien. Der Absatz der Tabakwarenfachgeschäfte lag im Januar 1961 10 % (Statistisdies Bundesamt + 9%) und der der Drogerien 12 % (Statistisches Bundesamt + 11 %) höher als im Vorjahr. Ein dem Einzelhandelsdurchschnitt weitgehend entsprechendes Ergebnis war im Textileinzelhandel festzustellen. Hier lag der wertmäßige Absatz im Januar 1961 6 % höher als im Januar 1960 (Statistisches Bundesamt + 4 %). Bemerkenswerterweise hat im Gegensatz zu der allgemeinen Entwicklungstendenz der Sdiuheinzelhandel im Januar 1961 als einzige Branche eine Absatzminderung hinnehmen müssen. Die vom Institut für Handelsforschung untersuchten Schuhfachgeschäfte verzeichneten im Durchschnitt gegenüber Januar 1960 einen wertmäßigen Absatzrückgang von 12 % (Statistisdies Bundesamt — 11 %). Hierbei muß allerdings in Betracht gezogen werden, daß der zum Vergleich herangezogene Januar 1960 dem Schuheinzelhandel ein besonders gutes Verkaufsergebnis gebracht hatte.
Ergänzend ist zu dem vorstehenden Bericht noch auszuführen:
Besonders auffallend waren im Januar 1961 die starken Unterschiede in der Absatzentwicklung der einzelnen Fachzweige des Textileinzelhandels. Mit einer Absatzzunahme von 1 % gegenüber Januar 1960 nahmen die Geschäfte mit vorwiegend Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung die letzte Stelle ein. Nur geringfügig stärker waren die Erhöhungen bei den Textilgeschäften mit vorwiegend Herren- und Knabenoberbekleidung ( + 2 %) und den Geschäften mit vorwiegend Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung ( + 3 %). Auch die Meterwarengeschäfte haben mit einem Anstieg von 4 % im Januar 1961 gegenüber Januar 1960 das durchschnittliche Ergebnis der Textilbranche ( + 6 %) nicht ganz erreicht. An der Spitze lagen im Januar 1961 die Textilgeschäfte mit Heimtextilien. Von den Geschäften mit Haus- und Bettwäsche, Bettwaren wurde das Verkaufsergebnis des Januar 1960 um 21 % übertroffen. Eine Absatzerhöhung von 18 % registrierten die Geschäfte mit vorwiegend Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen. Die Textilsortimenter (+7), die Herrenausstatter (+ 7 %) sowie die Geschäfte mit Wäsche, Wirkund Strickwaren (+ 6 %) haben im Januar 1961 dem Durchschnitt der Branche entsprechend abgeschnitten.
Im Gegensatz zum Textileinzelhandel verzeichneten die Teilbranchen des Eisenwaren- und Hausrathandels im Januar 1961 ein relativ einheitliches Ergebnis. Die Absatzzunahme gegenüber Januar 1960 betrug bei den Geschäften mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten 13 %, bei den Geschäften mit vorwiegend Kleineisenwaren und Werkzeugen 15 %. Etwas stärker war die Erhöhung bei den Eisenwaren- und Hausrathandlungen mit gemischtem Sortiment, die das Verkaufsergebnis des Januar 1960 um 16 % gesteigert haben. Auch bei den übrigen in der Gruppe „Wohnungs- und Hausratbedarf" erfaßten Branchen ergab sich im Januar 1961 gegenüber Januar 1960 eine beachtliche Geschäftsbelebung. Im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel sowie im Tapeten- und Linoleumhandel betrug die Absatzzunahme jeweils 16% und imBeleuchtungs- und Elektroeinzelhandel sogar 27 %.
Gegenüber dem Vormonat Dezember ergab sich im Januar 1961 der saisonbedingte Absatzrückgang. Für den Durchschnitt aller am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen betrug die Minderung 48 %. Die Entwicklung entsprach hiermit weitgehend der der Vorjahre; denn im Durchschnitt der Jahre 1949 bis 1960 lag das Verkaufsergebnis des Einzelhandelsdurchschnitts im Januar etwa 49 % niedriger als im Dezember. Dem Bedarfscharakter der Waren entsprechend wiesen vor allem die Branchen, die in stärkerem Umfange Geschenkartikel führen, im Januar 1961 gegenüber dem Vormonat Dezember beträchtliche Absatzeinbußen auf. Im Leder- und Galantieriewareneinzelhandel wurde ein Rückgang um 77 % und im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel um 74 % registriert. Der Textileinzelhandel (—51 %) und der Schuheinzelhandel (—55 %) haben in etwa dem Einzelhandelsdurchschnitt entsprechend abgeschnitten. Vergleichsweise gering waren dagegen die Absatzrückgänge im Januar 1961 gegenüber Dezember 1960 im Büromaschinen-, Büromöbel - und Organisationsmittelhandel (— 28 %), bei den Reformhäusern (—35 %) und im Lebensmitteleinzelhandel ( - 36 %).
