Kreditverkäufe und Außenstände im Einzelhandel
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDie Kundenkreditsituation des westdeutschen Einzelhandels weist nach den Ergebnissen der vierteljährlichen Befragung, die das Institut im Rahmen des Einzelhandelsbetriebsvergleichs durchführt, im Jahre 1960 gegenüber 1959 deutliche Veränderungen auf.
Im I. Quartal des Jahres 1960 hat sich im Vergleich zum Vorjahrsquartal in der Mehrzahl der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen der Anteil der Kreditverkäufe am Gesamtabsatz allgemein erhöht. — Bei der Betrachtung der Einzelhandelsgesamtwerte ist zu berücksichtigen, daß im I. Quartal 1959 zwei in größerem Umfange kreditgewährende Branchen, der Tapeten- und Linoleumhandel sowie der Radio- und Fernseheinzelhandel, nicht in die Erhebungen einbezogen waren. — Der allgemeinen Zunahme des Kreditabsatzanteils im I. Quartal stand im II. Quartal ein Rückgang der Kundenkreditinanspruchnahme von 15,6 % des Absatzes im Jahre 1959 auf 15 % im Jahre 1960 gegenüber. Während sich im III. Quartal die Kreditverkäufe lediglich geringfügig von 15,0 % auf 14,9 % im Einzelhandelsdurchschnitt verringert haben, folgte im IV. Quartal wieder eine stärkere Abnahme von 14,5 % im Jahre 1959 auf 13,9 % im Jahre 1960. Insgesamt gesehen ist somit die Kundenkreditgewährung in Prozenten des Einzelhandelsabsatzes im Jahresdurchschnitt 1960 etwas niedriger gewesen als im Jahre 1959.
Die Verringerung des Kreditabsatzanteils im Einzelhandel dürfte jedoch nicht auf eine echte Abnahme des Kundenkreditbedarfs, sondern vielmehr auf die Verlagerung der Kreditinanspruchnahme in den unmittelbaren Bereich der Bankinstitute zu erklären sein, da die sogenannten Kleinkredite und Teilzahlungsbarkredite der Bankinstitute erheblich an Bedeutung zugenommen haben.
Eine ähnliche Entwicklungstendenz wie die Kreditverkäufe weisen im Jahr 1960 auch die Außenstände auf. Während im I. Quartal 1960 die Außenstände in Prozenten des Quartalsabsatzes allgemein über dem Wert des gleichen Vorjahrsquartals lagen, hat sich in den drei übrigen Quartalen 1960 die Höhe der Außenstände im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahrsquartalen merklich verringert. Bezieht man die Außenstände nicht auf den Gesamtabsatz, sondern auf ihre Verursachung, den Kreditabsatz, so ergibt sich, daß mit Ausnahme des I. Quartals eine gewisse Verkürzung der Kundenkreditdauer im Einzelhandel eingetreten ist.
Auch in der Struktur der Kreditgewährung zeigt sich mit Ausnahme des I. Quartals im vergangenen Jahr eine einheitliche Entwicklungstendenz. Während im I. Quartal 1960 sowohl der Anteil der bankmäßigen als auch der nichtbankmäßigen Teilzahlungsverkäufe an den gesamten Kreditverkäufen im Vergleich zum Vorjahrsquartal allgemein etwas angestiegen war, ist in den übrigen drei Quartalen der Umfang der vertraglich organisierten Kundenkredite (bankmäßige und nichtbankmäßige Teilzahlungskredite) in Prozenten der gesamten Kreditverkäufe zurückgegangen. Danach hat sich die Verringerung der Kreditinanspruchnahme im Einzelhandel vor allem im Bereich der Teilzahlungskredite bemerkbar gemacht. Dem steht jedoch, wie schon erwähnt, bei den Bankinstituten eine Bevorzugung der Kleinkredite und Teilzahlungsbarkredite gegenüber.
