Umsatz, Kosten, Spannen und Gewinn des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1958,1959 und 1960
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDie betriebswirtschaftliche Situation des Einzelhandels ist in den Jahren nach der Währungsreform durch zwei auffallende Entwicklungstendenzen gekennzeichnet. Auf der einen Seite hat sich im Zusammenhang mit der ständigen Erhöhung der Kaufkraft der Absatz von Jahr zu Jahr vergrößert. Trotz der Absatzverbesserung ist jedoch andererseits keine Verminderung, sondern eine Vergrößerung in der prozentualen Belastung des Absatzes mit Kosten eingetreten. Die absoluten Kosten sind relativ in stärkerem Umfange angestiegen als der Absatz. Die Ursache dieser Entwicklung liegt nicht in einem unwirtschaftlicheren Arbeiten der Betriebe, sondern in einer Reihe von Außeneinflüssen. So hat einerseits der Preisanstieg einer Reihe von Kostengütern (Löhne und Gehälter, Mieten) sich ungünstig auf die Kostensituation ausgewirkt. Darüber hinaus haben die ständig gestiegenen Ansprüche der Kunden die Firmen zu einem größeren Einsatz von sachlichen Betriebsmitteln gezwungen. Vor allem der durch die Nachfrage bedingte beträchtliche Anbau der Lagerbestände hat die Betriebe mit erheblichen Kosten belastet.
Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick, wie sich Beschaffung, Lagerung, Absatz und Handlungskosten in den Jahren 1958 bis 1960 im Vergleich zum Jahre 1949 entwickelt haben. Die in der Tabelle ausgewiesenen Indexwerte für den Einzelhandel insgesamt zeigen, daß der Absatz im Jahre 1960 111 % höher war als im Jahre 1949. Im gleichen Zeitraum sind die Gesamtkosten um 155 % angestiegen. Die relativ stärkste Erhöhung ist bei den Lagerbeständen eingetreten, die im Jahre 1960 im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels rund 280 % höher waren als im Jahre 1949. Bemerkenswert ist, daß die Zahlen für die Beschaffungsentwicklung trotz des beachtlichen Lageranbaus hinter der Absatzentwicklung zurückgeblieben sind. Bei einer Absatzsteigerung von 111 % ergab sich für die Beschaffung im Jahre 1960 gegenüber 1949 eine Zunahme von 87 %. Bei der Beurteilung dieses Ergebnisses ist zu berücksichtigen, daß infolge des notwendigen Lageranbaus unmittelbar nach der Währungsreform die Beschaffung im Basisjahr 1949 vergleichsweise wesentlich höher war als der Absatz des betreffenden Jahres.
Die starken Abweichungen zwischen Beschaffungs-, Lager-, Absatz- und Kostenentwicklung sind vor allein in den ersten Jahren nach der Währungsreform aufgetreten. Ab 1952 zeigte sich eine gewisse Anpassung der Beschaffungs- und Lagerentwicklung an die Absatzentwicklung. Das gilt seit dem Jahre 1955 auch für die Kostenentwicklung. Wie die Zahlen der Tabelle 14 erkennen lassen, hat sich im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels auch in den Jahren 1958 bis 1960 eine weitgehende Übereinstimmung in der Entwicklung ergeben. Vergleicht man das Jahr 1960 mit dem Jahre 1958, so sind Beschaffung und Lagerung um jeweils 10 % und Absatz sowie Handlungskosten um jeweils 12 % angestiegen. Diese Tatsache weist darauf hin, daß sowohl die Lagerumschlagsgeschwindigkeit als auch die prozentuale Kostenbelastung in den drei Vergleichsjahren keine wesentlichen Veränderungen erfahren haben. Im einzelnen wird hierauf in dem Band 24 bei der Behandlung des Lagers und der Kosten noch eingegangen.
