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Die Rationalisierung der Distribution

von Prof. Dr. Edmund Sundhoff
1. Der Begriff der Distributionsrationalisierung
Zwischen der Exploitation der von der Natur dargebotenen Güter und der Konsumtion der zur Bedarfsdeckung benötigten stehen die Wirtschaftsprozesse der Produktion und der Distribution. Während es sich bei der Produktion um Transformationsvorgänge handelt, die erforderlich werden, wenn die Naturgüter noch nicht die von den Verbrauchern verlangte Sacheignung haben, geht es bei der Distribution um Transpositionsmaßnahmen, die notwendig sind, weil darüber hinaus die Güter zu ihrer Verwendung einer zusätzlichen spezifischen Situationseignung bedürfen, die sie unmittelbar nach der Produktion meist noch nicht besitzen.
Distribution ist gleichbedeutend mit Handel, sofern man darunter nicht nur das Arbeitsgebiet der Handlungen versteht, sondern auch die Umsatzprozesse der Produzenten und Konsumenten sowie die transpositorischen Tätigkeiten der Handelshilfsbetriebe. Die einzelnen Distributionsvorgänge, gleich von Betrieben welcher Art sie durchgeführt werden, leiten sich aus der Grundfunktion Handel ab. Wie zahlreich und unterschiedlich sie sind, ergibt sich bei ihrer systematischen Zusammenstellung, wie sie durch die Aufstellung von Handelsfunktionskatalogen versucht wird. Diese unterscheiden sich weniger in den Elementen als in ihrer Gruppierung. Die Vielfalt der möglichen Handelsteilfunktionen ist aus der Übersicht 1 deutlich erkennbar.
Rationalisierung der Distribution bedeutet ein vernunftgemäßes, auf Verbesserungen abzielendes Gestalten des Transpositionsprozesses im gesamten Bereich der Distributionskette. Diese reicht als Weg der stofflich unveränderten Ware vom Produzenten über die etwa eingeschalteten Handlungen bis zum Konsumenten und hat, da die Kettenglieder ihre Distributionsaufgaben zum Teil delegieren können, auch die Handelshilfsbetriebe einzubeziehen. Als Bereiche der Distributionsrationalisierung sind somit neben dem Handel der Handlungen auch der Absatz der Produzenten und die Beschaffung der Konsumenten sowie die umschlagsfördernde Tätigkeit der in Anspruch genommenen Betriebe der Handelshilfsgewerbe zu nennen.
Rationalisierung kann unter verschiedenen Aspekten betrieben werden. Die Ratio des Ingenieurs strebt nach dem technisch vollkommensten Verfahren; insoweit ist Rationalisierung als Technisierung zu verstehen. Aus der Sicht des Wirtschaftenden geht es um das ökonomisch sinnvollste Vorgehen; dann ist Rationalisierung gleichbedeutend mit ökonomisierung. In wirtschaftenden Betrieben ist der Technisierung eine Grenze dadurch gesetzt, daß sie als Mittel zum Zweck nicht in Widerspruch zur ökonomisierung treten darf, wenn sie Rationalisierung bleiben soll. Aber auch die ökonomisierung selber ist, wie sich aus dem dienenden Charakter der Wirtschaft ergibt, einem übergeordneten Prinzip unterstellt und nur dann echte Rationalisierung, wenn sie nicht in einen Gegensatz zur richtungweisenden metaökonomischen Ratio gerät.
Daß es nicht immer um letzte Werte geht, wenn das Verlangen nach „Rationalisierung" auftritt, und daß das, was darunter verstanden wird, nicht selten einer skeptischen Betrachtung aus übergeordneter Sicht bedarf, ist auch im folgenden stets vor Augen zu halten. Denn im Rahmen dieser Ausführungen soll Rationalisierung, wie üblich, lediglich im Sinne von ökonomisierung gebraucht werden. Nur insoweit, wie beide sich miteinander vereinbaren lassen, wird damit auch die Technisierung in die Betrachtung einbezogen 3.

Übersicht 1

Katalog der Distributionsfunktionen
A. Sachgüterumgruppierungsfunktionen
1. Sortimentsfunktionen
a) produktionsorientierte Sortimentsbildung
b) konsumtionsorientierte Sortimentsbildung
2. Quantitätsfunktionen
a) Sachgütersammlung
b) Sachgüterverteilung

B. Bedarfsanpassungsfunktionen
1. Uberbrückungsfunktionen
a) Raumüberbrückung
b) Zeitüberbrückung
2. Sicherungsfunktionen
a) Leistungssicherung
b) Preissicherung

C. Marktausgleichsfunktionen
1. Markterschließungsfunktionen
a) Marktuntersuchung
b) Marktbeeinflussung
2. Umsatzdurchführungsfunktionen
a) Umsatzakquisition
b) Umsatzabwicklung

D. Sachgüteraufbereitungsfunktionen 2
1. Qualitätsfunktionen
a) Sortierung
b) Mischung
2. Vollendungsfunktionen
a) Manipulation
b) Montage und Wartung

Rationalisierung vollzieht sich teils sozusagen von selber im Laufe einer langfristigen, sowohl Erfahrungen als auch Zufallserkenntnisse berücksichtigenden Entwicklung; teils handelt es sich bei ihr aber um einen bewußt und methodisch betriebenen Prozeß zur planmäßigen ständidigen Vornahme von Verbesserungen mit dem Ziel, bereits in kürzerer Frist spürbare Erfolge zu erreichen. Vorzugsweise von Rationalisierung dieser Art soll nachstehend die Rede sein.

2. Der Gegenstand der Distributionsrationalisierung

Rationalisierung der Distribution liegt demnach vor, wenn in ökonomischer Hinsicht die Transpositionsleistungen planmäßig gegenüber der Ausgangssituation verbessert werden. Dabei ist Leistung in unterschiedlicher Bedeutung zu verstehen, einmal im Sinne von Leistungsprozeß, zum anderen als Leistungsprodukt. Leistungsprodukt ist die Gesamtheit der vom Betrieb für andere hervorgebrachten Güter. Beim Distributionsbetrieb sind es die Dienste, die insgesamt die Distribution ausmachen. Zusammen mit den nur tradierten Gütern (vorzugsweise den Sachgütern, doch kommen auch tradierte Dienstleistungen vor) bilden sie den für den Abnehmer bereitgestellten Güterkomplex. Leistungsprozeß ist hingegen der Vorgang, durch den die Leistungsgüter hervorgebracht werden. Gegenstand der Distributionsrationalisierung können sowohl der Distributionsprozeß als auch das Distributionsprodukt sein.
Die Rationalisierung kann hier oder dort ansetzen, jedoch sind die Konsequenzen unterschiedlich. Während eine Veränderung des Distributionsprozesses je nach Lage des Falles nicht zu einer Abwandlung des Distributionsproduktes führt oder aber eine solche nach sich zieht, ist eine Veränderung im Bereich der Distributionsgüter in aller Regel die Ursache für eine Modifikation des Distributionsverfahrens.

Daraus ergibt sich, da Verbesserung immer Veränderung bedeutet, umgekehrt Veränderung aber nicht in jedem Fall von Vorteil zu sein braucht, daß ökonomisierung sich an Distributionsprodukt und Distributionsprozeß nur in folgender Weise vollziehen kann:
1. Das Produkt bleibt unverändert; der Prozeß wird vorteilhafter.
(Beispiel: Ohne Auswirkung auf das Distributionsprodukt wird der innerbetriebliche Transport vereinfacht.)

2. Das Produkt wird zwar verändert, doch gleichen sich die daraus resultierenden Vor- und Nachteile aus; der Prozeß wird vorteilhafter.
(Beispiel: Ein flüssiges Erzeugnis wird durch Wasserentzug konzentriert. Für die Verwendung ergibt sich daraus kein Nachteil, da ohnehin Wasser zugesetzt werden muß; Verpackung, Transport und Lagerung werden jedoch verbilligt.)

3. Das Produkt und der Prozeß werden vorteilhafter.
(Beispiel: Lebensmittel werden statt in zylindrischen in würfelförmigen Behältern verpackt. Sie lassen sich daher sowohl im häuslichen Kühlschrank wie im Handelslager raumsparender unterbringen. Der Mehrverbrauch an Blech bei der Würfeldose wird, da die runden Deckel und Böden wegfallen, durch den geringeren Verschnitt ausgeglichen.)

4. Das Produkt wird vorteilhafter; der Prozeß wird zwar verändert, doch gleichen sich die daraus resultierenden Vor- und Nachteile aus.
(Beispiel: Zusätzlicher Kundendienst mit regelmäßiger Überwachung wird für ein Haushaltgerät eingerichtet. Die Kosten des Kundendienstes werden dadurch kompensiert, daß infolge der Wartung weniger Gewährleistungsansprüche gestellt werden.)

5. Das Produkt wird vorteilhafter, der Prozeß nachteilhafter; insgesamt jedoch überwiegen die Vorteile.
(Beispiel: Die Beratungsleistungen werden gesteigert, der Verkaufsvorgang dadurch in der Durchführung erschwert, in den Verkaufserfolgen aber erheblich verbessert.)

6. Das Produkt wird nachteilhafter, der Prozeß vorteilhafter; insgesamt jedoch überwiegen die Vorteile.
(Beispiel: Das Sortiment wird geringfügig eingeengt, indem einige sehr selten verlangte Artikel eliminiert werden. Die Kosteneinsparung bei der Beschaffung, Lagerung und Verwaltung ist aber sehr beträchtlich.)
Gegenstand der Rationalisierung kann somit der Distributionsprozeß allein sein; der ökonomisierungseffekt ist dann erreicht, wenn es gelingt, zu einem vorteilhafteren Verfahren zu kommen. Im anderen Fall ist das Rationalisierungsobjekt ein aus Distributionsprozeß und Distributionsprodukt bestehender Komplex; dann tritt eine ökonomisierungswirkung nur ein, wenn die Veränderungen bei beiden so sind, daß unbeschadet etwa sich auch ergebender Nachteile insgesamt die herausspringenden Vorteile höher einzuschätzen sind.

3. Die Messung der Distributionsrationalisierung

Um feststellen zu können, ob ein Rationalisierungseffekt vorliegt und wie groß er ist, müssen die eingetretenen Vor- und Nachteile gemessen werden. Das bereitet keine Schwierigkeiten, wenn Gegenstand der ökonomisierung lediglich der Distributionsprozeß ist. Bleibt das Distributionsprodukt unverändert, so ist der ökonomisch bessere Distributionsprozeß durch niedrigere Kosten gekennzeichnet. Der Umfang der erzielten Kostensenkung ist dann als Maß für die Effizienz eines Rationalisierungsschrittes verwendbar.
Das ist nicht mehr möglich, wenn es sich um eine Rationalisierungsmaßnahme handelt, die uno actu auf Distributionsprozeß und -produkt einwirkt; denn je nach den bei den Leistungsgütern hervorgerufenen Veränderungen kann es sich trotz Kostenanstiegs um ökonomisierung und trotz Kostensenkung um einen Rationalisierungsmißerfolg handeln.
Die Situation ist dann nicht nur insofern komplizierter, als nun zwei Auswirkungen zu beziffern sind und zudem überlegt werden muß, ob die beiden Wertungszahlen in additiver oder multiplikativer Verknüpfung zu einer Maßgröße vereinigt werden sollen, sondern vor allem deshalb, weil die Bezifferung selber höchst problematisch ist. Kann man auch die Distributionsprozeß-Komponente durch die Kostenzahl erfassen, weil Verfahrensvereinfachungen und -erschwerungen sich in Kostensenkung und Kostensteigerung auswirken, so ist doch eine befriedigende Meßzahl für die Distributionsprodukts-Komponente nur schwer zu gewinnen.
Der den Abnehmern von den Distributionsbetrieben (zu denen u. a. auch die Absatzabteilungen der Industriewerke gehören) angebotene Güterkomplex besteht aus miteinander gekoppelten Sach- und Dienstleistungen. Für das von ihnen entrichtete Entgelt erhalten sie regelmäßig nicht nur die Ware, sondern darüber hinaus Beratung, Kredit, Zustellung, Kundendienst, Garantie und alle anderen Zusatzleistungen, die sich aus den allgemeinen Bedingungen des Handelsbrauches oder den speziellen Konditionen des Kaufvertrages oder auch nur aus den Prinzipien der vom Verkäufer geübten Absatzpolitik ergeben, wie z. B. oft die Vorteile der jederzeitigen Eindeckungsmöglichkeit am Orte, des Bezugs in bedarfsgerechten Mengen und der Auswahl aus einem umfangreichen Sortiment.
Da Distributionsrationalisierung das nur tradierte Sachgut unberührt läßt, kommt es auf die Erfassung der Veränderungen bei den Dienstleistungen an. Ist es schon nicht einfach, in bezug auf nur eine von diesen, wie das Beispiel der Sortimentsveränderung überzeugend erkennen läßt, den Abwandlungseffekt zu quantifizieren, so werden die Schwierigkeiten um so größer, je mehr durch ökonomisierungsmaßnahmen das Bündel der Dienstleistungen in seiner artmäßigen Zusammensetzung variiert wird.
Der naive, aber trotzdem immer wieder gemachte Vorschlag, die Meßzahl für den Wert des Distributionsproduktes von den Kosten abzuleiten, geht davon aus, daß die Abwandlungen des Leistungsproduktes sich in den Kostenveränderungen widerspiegeln. Das kann zwar, braucht aber nicht zu sein; wäre es regelmäßig so, würden zahlreiche ökonomische Probleme entfallen. Tatsächlich läuft der Vorschlag darauf hinaus, den ökonomisierungseffekt auf der Leistungsprozeß- wie auf der Leistungsproduktseite mit demselben Maßstab, den Kostenunterschieden, zu messen. Da infolgedessen ein Gleichlauf beider Wertzahlen besteht, könnte ihre Gegenüberstellung keine Aussagekraft haben.
Zunehmend wird eine analytische Bewertung des Leistungsproduktes diskutiert, die sich ähnlicher Methoden zu bedienen hätte, wie sie für die analytische Arbeitsbewertung ausgebildet wurden. Hier wie dort ergeben sich aber zahlreiche Einwände gegen ein Verfahren, das zunächst die einzelnen Komponenten je nach dem Umfang, in dem sie in Erscheinung treten, mit partiellen Wertzahlen versieht, um aus ihnen dann nach einer vorherigen Gewichtung die Totalwerte durch Summierung zu ermitteln. Der schwerwiegendste unter ihnen ist wohl, daß es keine verbindlichen Kriterien für eine objektive Gewichtung gibt, so daß für die gleiche Situation unterschiedliche, subjektiv gefärbte Ergebnisse denkbar sind.
Aber auch der oft als objektiver Ausgangspunkt betrachtete Preis vermag nicht alle Bedenken zu zerstreuen. Gerade für das im Distributionsprodukt vereinigte Bündel heterogener Leistungen ist meist ein objektiver Preis im Sinne eines für alle verbindlichen Marktpreises nicht angebbar, weil hier nicht selten Musterbeispiele für die Verhältnisse des unvollkommenen Marktes vorliegen. Außerdem gilt ganz allgemein und selbst für den Fall des objektiven Preises im obigen Sinn, daß seine Bildung nicht allein von den Wertvorstellungen der Marktteilnehmer abhängt, sondern auch durch Faktoren wie Marktstruktur, Marktmacht, Marktverhalten und Marktentwicklung beeinflußt wird.
Trotz dieser Mängel wird in vielen Fällen kein anderer Weg zur Messung des Rationalisierungseffektes verfügbar sein als der, von den Preisen ausgehend, über die ErlösVeränderungen führende, wie sie sich auf Grund der ökonomisierungsmaßnahmen ergeben. Immerhin ist der Preis der Wert, auf den sich bei einer gegebenen beständigen Marktkonstitution unter dem Einfluß einer gegebenen augenblicklichen Marktsituation die am Umsatz beteiligten Marktpartner einigen. Daß die Messung des Rationalisierungseffektes mit Hilfe der Relation von Kostenund Erlösdifferenz in bezug auf Ausgangs- und Endsituation bei einzelwirtschaftlicher Blickrichtung eher befriedigt als bei gesamtwirtschaftlicher, ist offensichtlich. Fraglich ist jedoch, ob gesamtwirtschaftliche Rationalisierung überhaupt rechenmäßig nachweisbar ist.

4. Die Beurteilung der Distributionsrationalisierung

Ob durch eine Rationalisierungsmaßnahme tatsächlich ein ökonomisierungseffekt erreicht wurde, ist offenbar nicht immer mit Sicherheit feststellbar. Allerdings bestehen in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen der Produktions- und der Distributionsökonomisierung. Obwohl im Prinzip bei beiden die gleiche Problematik vorliegt, sind Rationalisierungseffekte in der Produktion im allgemeinen leichter und genauer nachweisbar als in der Distribution. Das liegt daran, daß sich in der Produktion die Rationalisierung in relativ vielen Fällen, ohne auf das Transformationsprodukt, das herzustellende Sachgut, einzuwirken, lediglich auf den Transformationsprozeß erstreckt. Dadurch ist sehr häufig allein im Wege des Kostenvergleichs feststellbar, ob und in welchem Ausmaß ein ökonomisierungseffekt erreicht wurde.
Situationen dieser Art gibt es natürlich bei der Distributionsrationalisierung auch, doch zeigt die Erfahrung, daß bei ihr als ökonomisierungsobjekt weitaus überwiegend Prozeß und Produkt gekoppelt auftreten. Allein die Geschichte der Sonderformen des Ladenhandels (von den Warenhäusern bis zu den Diskontmärkten) bietet hierfür Beispiele in Hülle und Fülle. Daß somit in der Mehrzahl der Fälle die Maßnahmen der Distributionsökonomisierung (aus den im vorhergehenden Abschnitt behandelten Gründen) nicht mit Sicherheit beurteilt werden können, führt durchaus nicht selten dazu, daß die einzelnen Interessentengruppen (Handlungen — Industriebetriebe; Händler — Verbraucher; traditionelle Handlungen — unkonventionelle Handelsbetriebe) in der Beurteilung der Rationalisierungsergebnisse weit voneinander abweichen, ohne daß in jedem Falle einer Seite mit Sicherheit eine Fehlbeurteilung nachzuweisen wäre.
Schlimmer ist es, wenn Fehlinterpretationen dadurch zustande kommen, daß die in der Distributionsrationalisierung vorherrschende Ambivalenz derökonomisierungswirkungen übersehen wird. Es scheint, daß Techniker auf Grund des ihnen gewohnten, weil bei der Produktionsrationalisierung dominierenden Kostenmaßstabes verhältnismäßig leicht in den Fehler verfallen, ökonomisierungsvorteile immer dann schon als gegeben zu betrachten, wenn die Distributionskosten je Einheit des Sachgutes gesunken sind, und Rationalisierungseffekte als unmöglich zu unterstellen, sofern die Kosten stationär bleiben oder gar steigen, ohne dabei zu bedenken, daß es maßgeblich auch auf die positive oder negative Veränderung des Leistungsproduktes ankommt.
Überhaupt wird in bezug auf die Rationalisierung die Wesensverschiedenheit der Situation in Produktion und Distribution nicht immer genügend beachtet und manches sich daraus ergebende schiefe Urteil außerdem noch auf das damit nicht ohne weiteres gleichzusetzende Verhältnis von Industrie und Handel übertragen.
Daß die Produktion konkret faßbare Sachgüter liefert und daß sie dies vielfach mit Hilfe unübersehbarer großartiger Anlagen tut, während das Distributionsprodukt aus abstrakten Dienstleistungen besteht und der Distributionsprozeß sehr weitgehend in unscheinbaren und für die Öffentlichkeit unsichtbaren Räumen vollzogen wird, begünstigt die Meinung, dort handele es sich, wie die unglückliche Wortbildung „Produktivität" anzudeuten scheint, um echte, hier hingegen um mehr oder weniger überflüssige Leistungen. Von da aus ist es nicht weit bis zu der Meinung, daß Distributionsrationalisierung, ernstlich angestrebt, eigentlich ganz einfach sein müsse, wohingegen man der sichtbaren Schwere des Produktionsvorgangs die Schwere der Produktionsrationalisierung assoziiert. Solche Vorstellungen verdichten sich nicht selten zu dem Vorwurf, die Distributionsökonomisierung leiste weniger als ihr möglich sei.
Die Tatsachen sind in den meisten Fällen ganz anders. Denn es liegt auf der Hand, daß gerade umgekehrt die Rationalisierungschancen bei Prozessen größer sein müssen, bei denen erstens sachliche Produktionsmittel in ganz anderem Ausmaß verwendet werden können als in der Distribution, und zweitens der Mensch nur als dienstbereiter Mitarbeiter, nicht jedoch auch als nach Diensten verlangender Käufer zu berücksichtigen ist. Refa-Methoden auf den Einzelhandelskunden anzuwenden, ist zwar nicht völlig undenkbar; ganz sicher aber wird die Grenze des Möglichen hier sehr viel früher erreicht als bei der Arbeitsorganisation. Aus der Schlüsselstellung des in seinen Ansprüchen zu berücksichtigenden Konsumenten heraus ergibt sich, daß Leistungspezialisierung im Verein mit Leistungsmassierung als wichtigste Rationalisierungsprinzipien der Produktion in der Distributionssphäre immer nur sehr begrenzt in Betracht kommen können.
Die oft zu hörende Klage, angesichts der (wie zuzugeben ist) überwältigenden Rationalisierungserfolge in der Produktion seien die ökonomisierungsergebnisse in der Distribution zu gering, etwa: einer 20prozentigen Kostensenkung dort müsse doch wenigstens eine 10prozentige hier entsprechen, geht überdies von irrigen Vorstellungen über die Relationen zwischen Produktion und Distribution aus.
Die Distributionskosten können eine Funktion der Produktionskosten sein, aber sie müssen es nicht. Erzeugungsund Verteilungsvorgang sind häufig keiner gegenseitigen Beeinflussung ausgesetzt. Ist dann eine Rationalisierungschance für jenen gegeben, so besagt das für diesen bei der Unterschiedlichkeit und Unabhängigkeit der Prozesse gar nichts. Gleichbleibende absolute Distributionskosten sind daher bei Verminderung der Produktionskosten weder erstaunlich noch von vornherein rügenswert, und selbst der in einem solchen Fall unvermeidliche Anstieg des prozentualen Anteils der Distributionskosten an den gesamten Kosten ist völlig unbedenklich, sofern auch in der Distributionssphäre unabhängig vom Transformationsbereich das Mögliche getan wurde.
Besteht aber ein funktionaler Zusammenhang zwischen den Kostenbestandteilen, so ist er meist gegenläufiger Art, d. h., absolut sinkenden Produktionskosten stehen je Sachguteinheit zunehmende Distributionskosten gegenüber. Es ist ein für die moderne Wirtschaft typischer Fall, daß Produktionsverfahren mit in bezug auf die Beschäftigung steiler Zunahme der beweglichen, jedoch verhältnismäßig niedrigeren fixen Kosten durch Arbeitsweisen ersetzt werden, bei denen infolge verstärkt notwendiger Investition die Fixkosten höher sind, die beweglichen aber flacher ansteigen.
In derartigen Fällen pflegt bei kleinen Mengen das weniger anlagenintensive Verfahren kostengünstiger zu sein. Die Vorteile des anderen ergeben sich erst jenseits einer kritischen Menge, die daher mindestens erreicht werden muß. Rationalisierung solcher Art trägt also den Trend zur Produktionsausweitung in sich. Produktvermehrung aber bedeutet in der Regel zunehmende Absatzschwierigkeit, so daß eine Intensivierung von Prozessen wie Marktuntersuchung, Werbung, Vertriebsförderung usw. erforderlich ist, um das vermehrte Produkt im Markt unterzubringen.
So ist es nicht erstaunlich, daß sehr oft absolut sinkenden Produktionskosten absolut steigende Distributionskosten gegenüberstehen, was zu einem um so stärkeren prozentualen Anstieg dieser führen muß. Der scheinbare Mißerfolg der Distributionsökonomisierung ist daher oftmals nichts anderes als die Kehrseite einer erfolgreichen Produktionsrationalisierung. Sie ist auch völlig unbedenklich, solange die Rationalisierungsvorteile in der Produktion den sich in der Distribution ergebenden Nachteil überkompensieren, also insgesamt eine Kostensenkung erzielt wird. Andernfalls aber ist der Mangel nicht im Verteilungsbereich zu suchen, sondern dann handelt es sich bei der Erzeugung nur noch um eine Technisierung, die nicht mehr Rationalisierung ist, obwohl sie auf einem Teilgebiet erfolgreich erscheint.
Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Verbesserungen in der Herstellung zu Vereinfachungen in der Verteilung führen. Sie stehen insofern nur am Rande dieser Betrachtungen, als dann regelmäßig neben dem Produktionsprozeß auch das Transformationsprodukt, das Sachgut, verändert zu werden pflegt. Überlegungen in bezug auf Distributionsrationalisierung haben es aber in erster Linie mit den Transpositionsvorgängen innerhalb der Distributionskette zu tun, die von der stofflich unveränderten Ware durchlaufen wird, für die das Sachgut mithin als Datum anzusehen ist.
Weitere Fehlurteile ergeben sich daraus, daß nicht selten in oberflächlicher Weise Produktion und Industrie einerseits, Distribution und Handel andererseits gleichgesetzt werden. Alle tatsächlich in der Distribution begangenen Fehler werden dann ebenso wie die ihr irrtümlicherweise vorgeworfenen einseitig den Handlungen angelastet. Zwar sind diese die Distributionsbetriebe par excellence; doch bleibt bei solcher Betrachtung, ganz abgesehen von der Existenz eines in die Erfüllung der Handelsfunktionen eingeschalteten Handelshilfsgewerbes, ein wesentlicher Entwicklungstrend unberücksichtigt. Der Industriebetrieb alten Stils, der sich im wesentlichen auf den Transformationsprozeß beschränkte, ist selten geworden. Der moderne Typ ist, jedenfalls im Konsumgütersektor, durch das Nebeneinander von Transformations- und umfangreichen Transpositionsaufgaben gekennzeichnet. Wenn aber in einzelnen Betrieben heute bereits die Vertriebskosten die Fertigungskosten 4 erheblich übersteigen, so ist die Frage berechtigt, ob sie dann nicht auch in erster Linie zu den Distributionsbetrieben zu rechnen sind. Jedenfalls besteht hier ein weites Feld für Distributionsrationalisierung, das eher stärker ins Bewußtsein gehoben als aus ihm verdrängt werden sollte. Denn während die Kritik mangelnder Rationalisierungsbemühungen bei den Handlungen von der Gegenüberstellung der Handelsspanne und Handelsleistung auszugehen pflegt, ist der Preis des Fabrikanten kein Ansatzpunkt. Man weiß meist wenig über die Kostenstruktur des Industriebetriebes und vermutet im Zweifel, daß der Preis in der Hauptsache das Entgelt für die Herstellungsleistung ist; womit sich der Kritiker, da er den technischen Prozeß nicht überschaut und nicht zu beurteilen vermag, dann bald zufrieden gibt.
Rationalisierung der Distribution ist mithin eine auch im industriellen Sektor zunehmend an Bedeutung gewinnende Aufgabe. Andererseits besagt die Feststellung, daß der Handlungshandel leicht in die Rolle des Sündenbocks für die Gesamtheit der Betriebe, die Handelsfunktionen erfüllen, gedrängt wird, noch keineswegs, daß hier in bezug auf die ökonomisierung nichts mehr zu tun verbleibt. Ein Blick in die Praxis zeigt, daß man sich dessen auch sehr wohl bewußt ist.

5. Die Bereiche der Distributionsrationalisierung

Distributionsrationalisierung ist möglich bei allen Gliedern der Distributionskette, die ein Sachgut auf dem Weg von der Produktion zur Konsumtion durchlaufen muß. In ihrer kürzesten Form besteht die Kette nur aus dem Erzeuger und dem Verwender. Sie verlängert sich entsprechend der Zahl der etwa hinzutretenden Handlungen, die im Binnenhandel selten über drei (Spezialgroßhandlung, Sortimentsgroßhandlung und Einzelhandlung) hinausgeht, im Außenhandelsfall jedoch sehr viel größer sein kann. Soweit die Kettenglieder Distributionsaufgaben delegieren, treten Kettenanhängsel in Form von Handelshilfsbetrieben (Spediteure, Lagerhäuser, Handelsvermittler usw.) hinzu. In der Übersicht 2 auf Seite 6 wird als Beispiel eine Distributionskette mittleren Umfangs schaubildlich dargestellt.

Als Bereiche der Distributionsrationalisierung heben sich demnach voneinander ab:
1. die Absatztätigkeit der Erzeuger,
2. die Beschaffungstätigkeit der Verwender,
3. die Handelstätigkeit der Handlungen und
4. die umsatzfördernde Tätigkeit der Handelshilfsbetriebe im weiteren Sinne.

Zu den Letztgenannten gehören auch Betriebe wie die Marktuntersuchungsinstitute und Werbeagenturen.
Die Ökonomisierung der Distribution im Bereich der Produzenten umfaßt alle Maßnahmen, die bei einem gegebenen Sachgütererzeugungsprogramm geeignet sind, ein optimales Verhältnis zwischen dem Wert des darüber hinaus hervorzubringenden Distributionsleistungsproduktes und den Kosten des dafür erforderlichen Distributionsleistungsprozesses herbeizuführen. Die einzelnen Felder der Rationalisierungsarbeit gehen von der Fertigerzeugnisselagerung über die Marktuntersuchung, die Vertriebsförderung und Werbung, die Verpackung und Aufmachung, die Verkaufsverhandlung und -abwicklung, den Versand und Transport bis zum Kundendienst und zur Absatzfinanzierung. Rationalisierung der Werbung liegt beispielsweise vor, wenn durch Veränderung der Methoden bei gleichem Werbeerfolg die Werbekosten gesenkt oder aber bei gleichen Kosten die Informationsleistungen für den Bezieher verbessert werden, nicht hingegen, trotz daraus resultierender privatwirtschaftlicher Vorteile des Produzenten, falls mittels suggestiver Beeinflussung die Markttransparenz der Abnehmer verschlechtert wird.
Über die bloße Distributionsökonomisierung hinaus gehen die Maßnahmen, die eine absatzfördernde Produktgestaltung beim einzelnen Erzeugnis, eine vertriebserleichternde Zusammensetzung des gesamten Produktionsprogramms oder einen verkaufsbegünstigenden Rhythmus der Typenveränderung zu erreichen suchen. Zum Beispiel kann sowohl ein zu rascher als auch ein zu langsamer Wechsel nicht nur den erwerbswirtschaftlichen Interessen des Verkäufers, sondern auch den bedarfsdeckungswirtschaftlichen Wünschen des Käufers zuwiderlaufen. Daß der Industriebetrieb, sofern er sich von umsatzwirtschaftlichem Denken leiten läßt, in dieser Weise auch vom Produktionsprozeß her die Weichen für die ökonomischere Bewältigung der Distributionsaufgaben zu stellen vermag, ist hier zwar nur am Rande zu vermerken, aber doch auch insofern nicht unerwähnt zu lassen, als damit die bereits hervorgehobene distributionsökonomische Bedeutung der Industriebetriebe auf einem weiteren Gebiet festzustellen ist.
In entsprechender Weise kann in seinem Bereich auch der Konsument zur ökonomisierung der Distribution durch eine auf ihre Möglichkeiten (und die der Produktion) Rücksicht nehmende Art der Bedarfsdeckung beitragen; unmittelbar z. B. durch den für ihn und seinen Lieferanten vorteilhafteren Bezug nicht zu kleiner Mengen, indirekt z. B. durch die Bereitwilligkeit, statt frischer Lebensmittel konservierte zu verbrauchen und so eine Herstellung zu ermöglichen, welche die sonst während des Distributionsprozesses unvermeidbaren Verluste durch Verderb zu verhindern gestattet. Ausgedehnter als beim privaten Verbraucher sind die Möglichkeiten der Distributionsrationalisierung bei den gewerblichen Verwendern, bei denen die Unterprozesse der Beschaffung in ähnlicher Weise Ansatzpunkte bieten wie im Vertriebswesen. Damit tritt der Industriebetrieb auf noch einem anderen Sektor als Träger der umsatzwirtschaftlichen ökonomisierung in Erscheinung.
Im Bereich der Handelshilfsbetriebe geht es um so viele und ihrem Wesen nach so unterschiedliche Betriebsprozesse, daß es allein aus Raumgründen nicht möglich ist, auch nur einen einigermaßen abgerundeten Überblick zu liefern. Es mag daher der Hinweis genügen, daß hier nächst der Produktion bei der Rationalisierung die Prinzipien der miteinander verbundenen Leistungsspezialisierung und Leistungsmassierung die größte Rolle spielen und daß auf einigen Gebieten auch die Technisierung erhebliche Bedeutung hat. So sind z. B. die Transportversicherungsbetriebe sehr weitgehend in der Lage, den sehr differenzierten Risiken durch entsprechend variierte Leistungen zu begegnen, weil in jeder Sparte nach dem Gesetz der großen Zahl die spezifische Belastung ermittelt werden kann. Der Versicherte braucht nicht wie bei der Selbstversicherung zu befürchten, infolge eines zu hohen Risikozuschlages zu den Kosten eine absatzhemmende Preisbildung einzuleiten oder durch einen zu niedrigen Satz die sich aus der unvollständigen Erfassung der Selbstkosten ergebenden Nachteile tragen zu müssen, und er ist vor allem für den Fall gesichert, daß der Schaden eintritt, bevor durch Thesaurierung der kalkulatorischen Prämien die erforderliche Deckung vorhanden ist. In ähnlicher Weise sind Leistungsspezialisierung und Leistungsmassierung für das Transportgewerbe von Bedeutung, das überdies den industriellen Verhältnissen auch noch durch die bei ihm gegebenen großen Möglichkeiten der Technisierung nahekommt. Für einige Hilfsgewerbe ergeben sich Rationalisierungsschwierigkeiten daraus, daß weder sie noch die Auftraggeber ernstlich in der Lage sind, den Wert konkurrierender Leistungen auch nur annähernd genau abzuschätzen. So hängt z. B. die Rationalisierung der Arbeit von Werbeagenturen entscheidend davon ab, welche Fortschritte die Distributionsforschung auf den Gebieten der Werbeerfolgsprognose und -kontrolle macht 5.
Alle nicht von Erzeugern, Verwendern und Hilfsbetrieben übernommenen Handelsfunktionen müssen durch die Handlungen erfüllt werden, die, obwohl sie längst nicht mehr die fast alleinigen Anbieter von Distributionsleistungen sind, immer noch für den Umsatz der Mehrzahl der Erzeugnisse und insbesondere der Konsumgüter von großer Bedeutung sind. Außerdem handelt es sich bei ihnen um diejenigen Betriebe, für die das eigenverantwortliche Hervorbringen von Distributionsleistungen die Hauptaufgabe darstellt, und um diejenige Gruppe, die über die engsten Kontakte sowohl zu Verwendern und Erzeugern als auch zu den Hilfsgewerben verfügt.
Während in diesem Bereich früher die Rationalisierung bei den Betriebsmitteln kaum eine Rolle spielte, hat sich in den letzten Jahrzehnten die Situation sehr verändert, wie aus der Entwicklung des Verhältnisses von Anlageund Umlaufvermögen im Einzelhandel hervorgeht, das früher lange Zeit hindurch annähernd 1 :2 betrug und heute bereits 2 :1 erreicht hat. Je mehr der Weg von der traditionellen Form der vollen Bedienung durch Verkaufspersonal über die Zwischenstufen der Teilselbstbedienung und der Selbstbedienung zum automatischen Verkauf hinführt, um so größeres Gewicht muß das Anlagevermögen erlangen und damit der technische Aspekt der Rationalisierung an Bedeutung gewinnen 6.
Bei den Handelswaren als den Sachgütern des Umlaufvermögens erstrecken sich die Rationalisierungsbemühungen einmal auf die Zusammensetzung des Sortiments, über das Verteilungsuntersuchungen in sehr vielen Fällen ergaben, daß der ganz überwiegende Prozentsatz des Umsatzwertes auf einen sehr geringen Prozentsatz der geführten Artikel entfällt (nicht selten sind es mehr als 80 % des Umsatzes, die sich auf weniger als 20 % der Artikel konzentrieren) 7. Die zwecks Kostenreduzierung durchzuführende Sortimentskontrolle ist als eine ständige Rationalisierungsaufgabe anzusehen, weil sich der Kreis der in das Handelssortiment hineindrängenden Güter erstens durch die technischen Neuentwicklungen und zweitens durch die von der Industrie aus absatzpolitischen Gründen befolgten Prinzipien der Typenvielfalt und des Typenwechsels laufend ausbreitet.
Das Kerngebiet der Rationalisierung im Handel stellt aber, da Mechanisierung in der Distribution nur begrenzt möglich ist, die ökonomisierung der Arbeitsleistung dar. Hier sind, da die Ausbildung vieler im Handel Tätiger große Lücken aufweist, noch erhebliche Rationalisierungsreserven vorhanden. Weitere liegen auf dem Gebiet der Arbeitsorganisation, setzen aber in bezug auf einen Teil der Maßnahmen einen gewissen Mindestumfang der Betriebe voraus.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß die größeren Betriebe sich deswegen in einer vorteilhafteren Lage befinden, weil die Rationalisierung mit dem Ziel der Kostensenkung je Leistungseinheit der umgesetzten Sachgüter weitgehend auf der Ausnutzung von Kostendegressionserscheinungen beruht. Das von dem Leipziger Nationalökonomen Bücher 8 bereits im vorigen Jahrhundert aufgestellte Gesetz der Massenproduktion ist auch für den Handel nachweisbar, bei dem es in fünf verschiedenen Spielarten auftritt.

Und zwar sucht ein großer Teil der Handlungen auf einem oder mehreren der folgenden Wege die Kosten durch Massierung der Sachleistungen zu verringern:
1. durch das Hinarbeiten auf größere Bezugsmengen (z. B. „Mi-gros") beim Abnehmer (der Fall der von Schmalenbach so genannten Auftragsdegression);

2. durch Begrenzung der Artikelzahl, um so die Umsätze auf weniger Warenkategorien zu verteilen und daher für den einzelnen Artikel zu erhöhen (Sortimentsdegression);

3. durch Anstreben des optimalen Beschäftigungsgrades, wie z. B. durch Werbung für die Verlagerung des Einkaufs der Konsumenten von den überlasteten in die ruhigeren Zeiten (Beschäftigungsdegression);

4. durch den meist zur Expansion führenden Versuch, die unter den speziellen Verhältnissen optimale Betriebsgröße zu erzielen (Betriebsgrößendegression); und

5. durch die Bemühungen, eine Anzahl von Betriebsprozessen zu konzentrieren, indem im Rahmen einer Unternehmung ein Filialnetz aufgebaut oder die Kooperation mit anderen gleichartigen Betrieben herbeigeführt wird (Zusammenschlußdegression).
Der grenzenlosen Fortsetzung dieser Wege stehen allerdings Hemmnisse insofern entgegen, als auf einigen der genannten Gebiete außer den Kostendegressionen von einer bestimmten Schwelle ab auch beachtliche Kostenprogressionen auftreten können, was bedeutet, daß Rationalisieren gelegentlich auch erfordern kann, den Weg des
Reduzierens zu beschreiten.

6. Die Arten der Distributionsrationalisierung

Je nach den Beziehungen, die bei der Rationalisierungsarbeit eines Betriebes zwischen ihm und anderen Gliedern der Distributionskette oder Einzelwirtschaften der gleichen Stufe vorliegen, sind folgende Arten der Distributionsökonomisierung
zu unterscheiden:
1. die einbetrieblich introvertierte Rationalisierung,
2. die einbetrieblich extravertierte Rationalisierung,
3. die überbetrieblich kooperative Rationalisierung und
4. die überbetrieblich wirtschaftspolitische Rationalisierung.

Bei den beiden ersten Arten handelt es sich um betriebsautonome ökonomisierungsvorgänge, bei den beiden letzten um abstimmungsbedürftige, die, wenn sie Einzelwirtschaften aufeinanderfolgender Stufen betreffen, vertikale Rationalisierung, und im Falle gleichstufiger Betriebe, horizontale Rationalisierung sind.
Einbetrieblich introvertierte Rationalisierung liegt vor, wenn der ökonomisierungseffekt eintritt, ohne daß dabei auf außerbetriebliche Stellen im geringsten Rücksicht genommen zu werden braucht, was nur möglich ist, wenn das Leistungsprodukt unverändert bleibt, die Rationalisierungsmaßnahme also nach außen hin überhaupt nicht in Erscheinung tritt oder sich allenfalls beim Abnehmer durch die Weitergabe des okonomisierungseffektes in einer Preissenkung auswirkt, die er jedenfalls nicht als Folge einer Leistungssenkung ansieht und deren Gründe er im übrigen nicht überblickt.
Introvertierte Rationalisierung ist also gleichbedeutend mit der nur den Distributionsprozeß erfassenden. In den Handlungen gehören hierher die Verbesserung der Verwaltungs-, Beschaffungs- und Lagerorganisation, soweit die Absatzverhältnisse dadurch nicht tangiert werden, wie Übergang zur Ermittlung optimaler Bestellmengen im Einkauf, zur elektronischen Datenverarbeitung im Rechnungswesen, zur Verwendung von Gabelstaplern und Paletten im Lagerwesen. Aber auch im Absatzprozeß bestehen Möglichkeiten der introvertierten Rationalisierung, so z. B. die automatische Fakturierung oder der mechanisierte Verpackungsvorgang.
Auch bei der einbetrieblich extravertierten Rationalisierung handelt es sich formal noch um autonome Maßnahmen, nur muß bei ihnen immerhin schon die bei den Abnehmern zu erwartende Reaktion berücksichtigt werden; d. h., materiell ist der Freiheitsgrad für die Entscheidungen geringer. Diese Art liegt vor, wenn die ökonomisierungsmaßnahme Distributionsprozeß und -produkt zugleich betrifft. Falls trotz der abgewandelten Leistung der Preis konstant gehalten wird, ist die Elastizität des Käuferverhaltens (Umsatzprogression, -konstanz oder -degression) in bezug auf die vorgenommene Veränderung ein Indiz dafür, ob sie von den Marktpartnern als Verbesserung oder Verschlechterung oder als indifferent empfunden wird. Der Betrieb muß also bei der extravertierten Rationalisierung nicht nur die innerbetriebliche Situation, sondern auch die Marktverhältnisse im Auge behalten.
Das Prinzip der extravertierten Distributionsrationalisierung hat im Handel zu immer neuen Betriebsformen geführt. Für die meisten unter ihnen ist kennzeichnend, daß man die Kosten (und als Folge dessen durchweg auch den Preis) je Einheit des Sachguts zu senken sucht, indem das mit ihm gekoppelte Distributionsprodukt der zusätzlichen Dienstleistungen verändert und mitunter eindeutig verringert wird. Dieser Vorgang hat sich in abgewandelter Form im Laufe der Jahre oft wiederholt, so beim Aufkommen von Kaufhaus, Versandhaus, Massenfilialunternehmen, Einheitspreisgeschäft, Kleinpreisladen, Basement, Supermarkt, Diskonthaus, Schnellbedienungsladen, Selbstbedienungsgeschäft, Verkaufsautomat sowie des Migros- Ausfahrbetriebs Duttweilerscher Prägung. Auch das Vorgehen der Konsumgenossenschaften bewegte sich in dieser Richtung. Seltener kommt es vor, daß, wie bei der Angliederung von Parkhäusern oder der Einführung des Abzahlungsgeschäfts unter Verzicht auf Kosten- und Preissenkung vor allem das Leistungsprodukt attraktiver zu gestalten versucht wird, häufiger hingegen schon, daß anfängliche Leistungsreduzierungen später wieder zum Teil abgebaut werden.
Ob in den Fällen der Kostenreduzierung je Sachguteinheit die Betriebsform im ganzen gesehen als rationeller empfunden wird, zeigt sich im Laufe der Zeit daran, ob sie sich zu halten versteht oder nicht. So ist z. B. das Einheitspreisgeschäft nach einer kurzen Periode stürmischer Ausbreitung fast völlig wieder von der Bildfläche verschwunden. Daß, anders als bei den introvertierten Maßnahmen, die Frage, ob durch extravertierte tatsächlich eine Rationalisierung erreicht wurde, nicht objektiv zu beantworten ist, sondern von den Verhältnissen und Anschauungen der Abnehmer abhängt, ist der Grund dafür, daß sich die unterschiedlichsten Betriebsformen mit der ihnen entsprechenden Variation des Distributionsproduktes nebeneinander zu halten vermögen. Man wird annehmen dürfen, daß insgesamt vom Distributionsprodukt her gesehen die rationellste Situation gegeben ist, wenn die Dimensionierung der Leistungskapazitäten (z. B. in der Reihe Voll-, Schnell- und Selbstbedienung) den in dieser Hinsicht vorhandenen Bedarfsquantitäten entspricht, wobei diese allerdings auch eine Funktion des Preises sind. Eine derart geordnete Angebotsvielfalt trüge dem Umstand Rechnung, daß unterschiedliches Verhalten zweier Käufer, von ihrer spezifischen Situation aus gesehen, hier wie dort durchaus rationell sein kann.
Die Möglichkeiten überbetrieblicher Rationalisierung durch kooperatives Vorgehen sind, wie die Anfänge der Einkaufsgenossenschaften von Handwerkern, Landwirten, Einzelhändlern und Konsumenten zeigen, schon früh erkannt worden. Aus der ursprünglich horizontalen Zusammenarbeit ist im Laufe der Zeit durch die Angliederung vorgelagerter Distributionsstufen und sogar der Produktion, insoweit als die dafür geschaffenen genossenschaftlichen Institutionen dezentral zu planen und zu disponieren in der Lage sind, eine zugleich vertikale Kooperation geworden. Diese ist deutlicher und von Anfang an bei den sogenannten Handelsketten hervorgetreten, zu denen sich Groß- und Einzelhandlungen mittelständischen Charakters im Laufe der letzten Jahrzehnte zunehmend verbunden haben. Doch ist ihr spezifischer Beitrag zur Distributionsrationalisierung eher darin zu sehen, daß sowohl die Ketten selber als unter ihrem Einfluß auch die konkurrierenden Organisationen, von der Beschaffung ausgehend, die horizontale Kooperation weiter auf die Betriebsprozesse des Absatzes, der Werbung, der Finanzierung und des Rechnungswesens ausgedehnt haben. Als Beispiel für die so gebotenen ökonomisierungsmöglichkeiten sei angeführt, daß in der betriebswirtschaftlichen Zentrale einer dieser Ketten für Tausende von angeschlossenen selbständigen Betrieben die Buchhaltung nebst ihrer steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Auswertung mit Hilfe modernster Anlagen bei minimalen Kosten erledigt wird.
Wurden die bisher erwähnten Kooperationsformen vorwiegend von den Konsumenten und den Handlungen entwickelt und getragen, so sind für die neuere Entwicklung die Versuche kennzeichnend, zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel zu kommen. Die ersten Schritte in dieser Richtung wurden zwar schon getan, als sich in einigen Branchen die für Produzenten und Händler gleichermaßen verbindlichen, die Bedeutung von Handelsbräuchen erlangenden allgemeinen Geschäftsbedingungen durchsetzten und den Umsatzverkehr vereinfachen halfen. Heute handelt es sich dagegen nicht mehr nur um solche im Prinzip einmaligen Aktionen, sondern um ständige Zusammenarbeit auf vielen Gebieten. So hat die Intensivierung des Markenartikelabsatzes zu einer Abstimmung und Verzahnung der Fabrikantenund der Händlerwerbung geführt. Ein anderes Beispiel ist die durch die Form der Selbstbedienung im Einzelhandel stark begünstigte Kooperation zwischen Industrie und Handel in bezug auf die Vereinheitlichung der Verpackungsformate und ihre den Notwendigkeiten beider Wirtschaftsstufen angepaßte Ausgestaltung, die wesentlich zur Vereinfachung und Kostensenkung bei der Lagerung, dem zwischenbetrieblichen und dem innerbetrieblichen Transport beigetragen hat 9.
Die überbetriebliche Rationalisierung durch wirtschaftspolitische Maßnahmen kann sich der Mittel des Gebots und der Empfehlung bedienen. In einer marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsordnung kommen unmittelbar auf die Betriebe einwirkende dirigistische Regelungen jedoch prinzipiell nicht in Betracht; nur indirekt können sie zu ökonomisierungsmaßnahmen gezwungen werden, wenn die staatliche Wirtschaftspolitik den Wettbewerb so aktiviert, daß der aus ihm resultierende Preisdruck die Betriebe vor die Wahl stellt, entweder zu rationalisieren oder aber aus dem Markt auszuscheiden.
Je schärfer der Konkurrenzdruck ist, mag er auf staatlichen Einfluß zurückgehen oder unabhängig von ihm entstanden sein, um so besser sind die Chancen der Wirtschaftspolitik, die Distributionsbetriebe zur Nutzung der von ihr bereitgestellten und empfohlenen Rationalisierungsmöglichkeiten zu veranlassen. Sie bestehen hauptsächlich in der Förderung erstens der Ausbildungshilfe für die im Handelsbereich Tätigen, zweitens der Kredithilfe für die zur ökonomisierung erforderlichen Sachinvestitionen und drittens der Betriebsberatung sowohl für den laufenden Umsatzprozeß als auch für die einmaligen Umstellungsaktionen. Die Wirkung der für solche Zwecke bereitgestellten Mittel erfährt nicht selten eine erhebliche Steigerung dadurch, daß sie auf diese Aufgaben spezialisierten und eng mit den Organisationen und Betrieben der Wirtschaftspraxis zusammenarbeitenden Stellen zur Verfügung gestellt werden 10.
Nur im Zusammenwirken der vier Rationalisierungsarten in allen ökonomisierungsbereichen kann die Aufgabe bewältigt werden, den gesamten Distributionsvorgang von der Produktion über alle beteiligten Betriebe hinweg so zu gestalten, daß sich für den Konsumenten die optimale Bedarfsdeckungssituation ergibt.

7. Die empirische Forschung als Hilfe der Distributionsrationalisierung

Obwohl die Rationalisierungsarbeit weitaus überwiegend von den Betrieben und Organisationen der Distributionswirtschaft
getan werden muß, ist der Beitrag, den die Forschungsinstitutionen leisten, keineswegs unbedeutend; denn ihre Tätigkeit ist für den sich in der Wirtschaftspraxis vollziehenden ökonomisierungsprozeß in mehrfacher Hinsicht wertvoll und teils sogar unentbehrliche Voraussetzung. Einmal hat die Distributionsforschung den umfassenden Überblick über die Umsatzwirtschaft zu vermitteln, welcher der einzelnen Rationalisierungsstelle diejenigen von ihr benötigten Auskünfte gibt, die sie sich selber zu verschaffen nicht in der Lage ist. Zum anderen obliegt ihr, die Methodik des Vorgehens ständig zu verbessern und dadurch der Rationalisierungsarbeit immer neue Impulse zu verleihen. Zum weiteren hat die Distributionsforschung durch die Registrierung dessen, was geschieht, wie und warum es sich vollzieht, den Rationalisierungsprozeß und seinen ökonomisierungserfolg laufend zu beobachten 11 .
Von grundlegender Bedeutung im Rahmen der empirischen Forschung ist die Distributionsanalyse, deren Objekte die Wege der Distribution von Produktionsund Konsumtionsgütern sind. Aus ihr ergibt sich die Kenntnis der gesamtökonomischen Funktionen und einzelwirtschaftlichen Prozesse, der Kosten und Leistungen, der Preise und Handelsspannen, der externen und internen Ausgangsdaten für das Verhalten der distributiv tätigen Betriebe und Betriebsabteilungen sowie ihrer Verknüpfung zu Distributionsketten, wie sie sich aus den Besonderheiten der gehandelten Waren und der vermittelten Dienstleistungen herleiten. Weiter unterrichtet sie über die Mengen- und Wertströme, die von der Produktion zur Konsumtion über das weit verzweigte Netz der Absatzwege, Handels- und Beschaffungswege fließen und sich in den Knotenpunkten, den Betrieben, aus den verschiedensten Gründen scheiden oder vereinigen.
Die Distributionsanalyse begünstigt die Rationalisierungsarbeit in dreifacher Weise. Erstens läßt sich mit ihrer Hilfe erkennen, wo die Verhältnisse besser und wo sie schlechter sind. Damit liefert sie den Ausgangspunkt für den Versuch, an der einen Stelle mit ökonomisierungsmaßnahmen anzusetzen, die sich aus der positiven Situation der anderen ableiten und empfehlen lassen. Zweitens vermittelt sie einen Überblick über die Dimensionen und gestattet dadurch, die Rationalisierungsbemühungen auf die Bereiche hinzulenken, bei denen das Verhältnis von Anstrengung und Ergebnis vermutlich am vorteilhaftesten ist. Drittens ist die Distributionsanalyse unentbehrlich, wenn gesichert werden soll, daß ökonomisierungsmaßnahmen nicht nur einzelwirtschaftlich von Vorteil sind, sondern auch zur besseren Wirtschaftlichkeit des gesamten Verteilungsvorganges beitragen. Denn nur mit ihrer Hilfe ist es möglich, zu ermitteln, wie hoch die Distributionskettenspanne als Summe aller Handelsspannen der am Umsatzprozeß beteiligten Handlungen und sonstigen Betriebe ist und welche Kosten ihr insgesamt gegenüberstehen. Davon ausgehend ist sie in der Lage, für die einzelnen Waren festzustellen, wie sich der Konsumenten-Preis als Entgelt für die Gesamtleistung auf die Produktions- und die Distributionsleistung verteilt. Distributionsanalytische Untersuchungen nehmen daher mit Recht im Arbeitsprogramm der in- und ausländischen Forschungsstätten, die sich mit handeis- und absatzwirtschaftlichen Fragen befassen, einen breiten Raum ein. Als Ergebnis solcher Tätigkeit liegen allein beim Kölner Institut für Handelsforschung zahlreiche Publikationen vor, die sich teilweise auf ein sehr ausgedehntes Untersuchungsgebiet beziehen 12.
Zu der verkehrswirtschaftlich aufschlußreichen Distributionsanalyse muß für alle am Umsatzvorgang beteiligten Stellen die einzelwirtschaftlich aussagefähigere Betriebsanalyse treten. So lange sie sich auf nur ein Unternehmen und nur einen Zeitraum beschränkt, kann sie jedoch nur von begrenztem Nutzen sein. Mögen dann auch mit ihrer Hilfe manche Mißstände aufgedeckt werden, so besteht doch infolge des isolierten Vorgehens die große Gefahr, daß sie in vielen Fällen versagt, weil keine Vergleichsmaßstäbe vorhanden sind. Für den nach Rationalisierung strebenden Betrieb bedeutet es daher bereits eine erhebliche Verbesserung, wenn mit Hilfe zwischenzeitlicher Vergleiche die zu beurteilende Betriebssituation den früheren Verhältnissen gegenübergestellt wird, um die Auswirkung inzwischen getroffener Maßnahmen feststellen zu können. Doch leiden Analysen dieser Art u. a. daran, daß sich der auf Beschäftigungsgrad, Kosten und Preise einwirkende Wechsel der wirtschaftlichen Lage als vergleichsstörender Faktor bemerkbar machen kann. Auch wird oft die Betriebsentwicklung zwischen den Vergleichszeiträumen so weitgreifende Änderungen und wesentliche Umgestaltungen zur Folge haben, daß keine rechte Vergleichbarkeit mehr gegeben ist. Und schließlich muß immer mit der Gefahr gerechnet werden, daß die Situation, an der man sich zu orientieren sucht, in bezug auf Wirtschaftlichkeit nicht die vorbildlichste war, so daß die demgegenüber heute scheinbar vorzüglichen Ergebnisse immer noch in Wirklichkeit recht mäßig sind. So ist die Unvollkommenheit des zwischenzeitlichen Vergleichs als Hilfsmittel der ökonomisierung leider unvermeidlich.
Das in vieler Hinsicht bessere Verfahren ist der zwischenbetriebliche Vergleich, bei dem zwar auch Störungsfaktoren auftreten können, die sich jedoch großenteils mit Hilfe bestimmter Techniken eliminieren lassen. Ein Haupthemmnis für die Beteiligung am Betriebsvergleich, nämlich die Sorge der Unternehmungen um eine genügende Abschirmung gegen unerwünschte Einblicke der Konkurrenten in die eigenen Verhältnisse, läßt sich dadurch beseitigen, daß erstens die Durchführung in die Hand einer neutralen Institution gelegt wird und diese zweitens mittels einer Verschlüsselung der Teilnehmeranschriften die Wahrung der Anonymität gewährleistet, ohne daß dadurch eine Beeinträchtigung der Auswertung des bereitgestellten Zahlenmaterials eintritt. Das ist dadurch möglich, daß jeder Betrieb in die Lage versetzt wird, mit Hilfe der verwendeten Symbole in einer synoptischen Tabelle von der Art des in der Übersicht 3 wiedergegebenen Beispiels diejenigen anderen Firmen zu ermitteln, für welche die Grundvoraussetzung einer im Hinblick auf das Vergleichsziel ausreichenden Gleichartigkeit gegeben ist.
Zu dieser gehört, daß die Vergleichsbetriebe möglichst nur in bezug auf ein Grundmerkmal der Betriebssituation divergieren, so daß die Abweichungen bei den Leistungs- und Kostenkennzahlen auf diesen einen Unterschied zurückgeführt werden können. Der diesem allem weitgehend Rechnung tragende, vom Kölner Institut für Handelsforschung durchgeführte Betriebsvergleich durchleuchtet die Verhältnisse von 30 Einzelhandels- und 29 Großhandelsbranchen, bei denen insgesamt 8300 Firmen erfaßt werden und im Laufe eines Jahres über eine Million Zahlenangaben zu erheben und zu verarbeiten sind. Durch die Einflußnahme des Instituts auf das Rechnungswesen der Betriebe und speziell die Vorarbeiten zum Betriebsvergleich wird die Gleichartigkeit der Ermittlung der gegenüberzustellenden Fakten gesichert, womit eine weitere wesentliche Voraussetzung, das gesteckte Ziel zu erreichen, erfüllt ist. Die dritte, bereits im Zusammenhang mit den Betriebsberatungsaufgaben genannte, ist die Fähigkeit der Teilnehmer, die tabellarisch angebotenen Zahlen und die durch sie veranschaulichten Beziehungen auch richtig zu interpretieren.
Ebenso wie einerseits durch eine Kondensierung der Vergleichszahlen zu Mittelwerten ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung weitgehend verloren geht, dabei allerdings volkswirtschaftspolitisch bedeutsame Werte gewonnen werden, ist andererseits eine stärkere Detaillierung des Zahlenmaterials, insbesondere wenn dieses durch die verbale Angabe von nicht oder nur schwer quantifizierbaren Tatbeständen ergänzt wird, für die Rationalisierungsarbeit von großem Vorteil. Der für einen größeren Kreis von Firmen eingerichtete Betriebsvergleich bietet daher eine Basis für das Vorgehen der sogenannten Erfahrungsgruppen. Zu diesen finden sich mit Hilfe der den Betriebsvergleich durchführenden Stelle jeweils nur einige wenige, dafür aber voll vergleichbare und voll vergleichswillige Betriebe zusammen, die einen intensiven Erfahrungsaustausch mit gänzlicher Offenlegung des gesamten Rechnungswesens und gegenseitiger Betriebsbesichtigung organisieren und infolgedessen in der Lage sind, eine noch systematischere und umfassendere Verlustquellenforschung zu betreiben.
Zu Rationalisierungszwecken wird der Betriebsvergleich in erster Linie als Kosten- und Leistungsvergleich durchgeführt. Im einzelnen sollen durch ihn Fragen verschiedenster Art beantwortet werden. Die vergleichende Kostenanalyse zeigt, bei welchen Kostenarten der Betrieb offenbar noch um ökonomisierung bemüht sein muß. Die gegenüberstellende Sortimentskontrolle läßt erkennen, welche Sortimente unter welchen Voraussetzungen am vorteilhaftesten sind. Die Umschlagsgeschwindigkeitsbeobachtung gibt Hinweise dafür, wo ein Betrieb sich auf ihm nicht gemäße Aufgaben eingelassen oder sonstige absatz- und preispolitisch fehlerhafte Maßnahmen getroffen hat. Der Handelsbetriebsformenvergleich läßt die Stärken und Schwächen jedes Typs hervortreten. Als Vergleichsgrößen für die Leistungs- und Kostenbeurteilung werden außer den sich bei der Erhebung ergebenden absoluten Zahlen vorzugsweise aus diesen abgeleitete Werte verwendet. Unter ihnen spielen neben den Gliederungszahlen, wie z. B. den Beträgen einzelner Kostenarten in Prozenten der Gesamtkosten, besonders die Beziehungszahlen eine große Rolle, so im Einzelhandel u. a. die Kennzahlen „Absatz je beschäftigte Person", „Absatz je Kunde", „Absatz je Quadratmeter Verkaufsfläche".
Wird der Betriebsvergleich nicht als einmalige Aktion durchgeführt, sondern laufend, so nimmt seine Aussagekraft deshalb zu, weil dann zu der zwischenbetrieblichen Komponente die des zwischenzeitlichen Vergleichs hinzutreten kann. Daher ist der regelmäßig auf Grund von monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen Berichten durchgeführte Betriebsvergleich nach Möglichkeit anzustreben.
In dieser Form hat er sich im Bereich des Groß- und Einzelhandels auch bereits durchgesetzt. Da außer durch Handlungen in steigendem Maß Distributionsfunktionen von industriellen und sonstigen Betrieben ausgeübt werden, wäre es begrüßenswert, wenn bald auch für ihre vorwiegend distributiv tätigen Abteilungen, Filialen und rechtlich selbständigen Niederlassungen ein großzügig aufgezogener Betriebsvergleich in Gang käme. Abgesehen von den dadurch zu erschließenden Rationaliserungsmöglichkeiten vorzugsweise des industriellen (künftig aber auch des landwirtschaftlichen) Bereichs, käme es auf diese Weise zu einem besseren Überblick über den Umfang der Leistungen der an der Distribution beteiligten Wirtschaftssektoren und ihrer richtigen Würdigung. Wenn auf diesem Gebiet die Handlungen ohne Zweifel
mit gutem Beispiel vorangegangen sind, so muß gerechterweise hinzugefügt werden, daß bei ihnen die Voraussetzungen bezüglich der Vergleichbarkeit günstiger liegen als bei den industriellen Unternehmungen. Auch für die bei diesen gegebenen Verhältnissen geeignete Methoden des distributionswirtschaftlichen Vergleichs zu entwikkeln, ist daher eine wesentliche unter den künftigen Aufgaben der Forschung.

8. Die Operationsforschung als Werkzeug der Distributionsrationalisierung

Während die mehr retrospektiv ausgerichtete empirische Methode innerhalb der Distributionsforschung bereits auf eine lange Tradition zurückblicken kann, stehen die Verfahren mit vorzugsweise prospektiver Zielsetzung erst am Beginn ihrer Entwicklung. Nachdem derartige Methoden zunächst als „Operations Research" im zweiten Weltkrieg von der militärischen Führung benutzt wurden, um die bestmögliche quantitative Basis für die zu treffenden Entscheidungen zu erhalten, fanden sie (teils unter Bezeichnungen wie Unternehmensforschung, Verfahrensforschung und Planungsforschung) zwar langsam, aber ständig zunehmend auch in der Wirtschaft Anwendung. Für die Distributionsrationalisierung ist ihre Bedeutung zur Zeit noch gering, doch wird sich das sehr wahrscheinlich ändern, sobald durch den Ausbau der Theorie, die Ausbildung von Fachkräften und die Verbesserung der apparativen Ausstattung die Voraussetzungen für ihre Anwendung gegeben sein werden. Jedenfalls wird die Distributionsforschung sich dem Gebiet der projektiven Untersuchungen künftig stärker
als bisher zuwenden müssen.
Die Operationsforschung hat das Ziel, die Suche nach optimalen Verhaltensweisen im Rahmen der Lösung von Entscheidungsproblemen zu erleichtern. Im Idealfall wäre die zu untersuchende Operation in ihrem gesamtbetrieblichen Zusammenhang zu sehen. Eine bei einer Beschaffungsmaßnahme ansetzende Untersuchung würde dann z. B. auch zu den Fragen der Produktion, des Absatzes und der Finanzierung hinleiten und so eine Abstimmung der Dispositionen auf diesen verschiedenen Gebieten bewirken. Wegen der in einem solchen Fall kaum übersehbaren Zahl von Einflußgrößen und infolge der Schwierigkeiten, die einer Ermittlung der vielgestaltigen Beziehungen entgegenstehen, durch die sie einmal untereinander und zum anderen mit den Unternehmungszielen verknüpft sind, ist die Ermittlung eines Totaloptimums für das zu untersuchende Vorgehen, sofern überhaupt möglich, sehr zeitraubend und kostspielig. In der Regel begnügt sich daher die Operationsforschung damit, zur Lösung mehr oder weniger isoliert betrachteter betrieblicher Teilprobleme beizutragen, indem sie lediglich Suboptima aufzufinden trachtet. Zwecks Rationalisierung durch sinnvolle Begrenzung des Abnehmerkreises kann sie z. B., ceteris paribus, festzustellen suchen, bei welcher Auftragsgröße die Leistungseinheitskosten des Vertriebs am niedrigsten sind.
Zur Lösung ökonomischer Probleme bedient sich die Operationsforschung der verschiedenartigsten Methoden, die teils aus anderen Disziplinen entlehnt,
1 Der zweite Teil des Aufsatzes wird im Februar (Heft 2, Jahrgang 17, Seite 13) der Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung abgedruckt. Der ganze Artikel wurde als Beitrag in dem vom Landesamt für Forschung beim Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen herausgegebenen Jahrbuch 1964" veröffentlicht (Seite 529), Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1964., 2 Diese Funktionen sind zwar, strenggenommen, Güterumwandlungsfunktionen; sie erwachsen jedoch teils aus Distributionsvorgängen oder werden traditionell in manchen Branchen als Handelsaufgaben angesehen, 3 Vgl.: „Die soziale Seite der Rationalisierung", Handelsblatt Nr. 171/1964., 4 Fertigungskosten verstanden als Herstellkosten abzüglich der Materialkosten, 5 Ober diese Fragen informiert vorzüglich die Kölner Dissertation von Friedhelm Jaspert, Methoden zur Erforschung der Werbewirkung, Stuttgart 1963., 6 Auf die Aufgaben der Handelsrationalisierung spezialisiert hat sich die Rationalisierungs-Gemeinschaft des Handeis beim RKW in Köln., 7 Siehe z. B. Konrad Mellerowicz, Gesetz der Umsatzzahl als Mittel rationeller Sortimentsgestaltung, Industriekurier Nr. 80/1964, 8 Karl Bücher, Das Gesetz der Massenproduktion, in: Die Entstehung der Volkswirtschaft, Vorträge und Aufsätze, Zweite Sammlung, 8. Auflage, Tübingen 1925, S. 87—118., 9 Auf diesem Gebiet sei auf die Rationalisierungsarbeiten des Kölner Instituts für Selbstbedienung hingewiesen, das von Industrie und Handel gemeinsam getragen wird., 10 Das ist z. B. der Fall bei der Betriebswirtschaftlichen Beratungsstelle für den Einzelhandel GmbH in Köln., 11 In der Kölner Habilitationsschrift von Fritz Klein-Blenkers, Die Ökonomisierung der Distribution, Köln und Opladen 1964, liegt die zur 2eit wohl umfassendste einschlägige Publikation vor., 12 Sonderhefte der Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung: Nr. 6: Wege und Kosten der Distribution der Hausratwaren im Lande Nordrhein-Westfalen, Nr. 7: Wege und Kosten der Distribution der Textil-, Schuh- und Lederwaren, Nr. 11: Wege und Kosten der Distribution der Konsumwaren, ausgenommen Lebensmittel, Hausrat-, Textil-, Schuh- und Lederwaren, Nr. 16: Wege und Kosten der Distribution der Erzeugnisse der Ernährungsindustrie.Schriften zur Handelsforschung: Nr. 30: Wege und Kosten der Distribution der industriell gefertigten Konsumwaren (im Druck).
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