Der Einzelhandelsabsatz im Januar 1965
von Prof. Dr. Eudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffDie im Jahre 1964 eingetretene Absatzbelebung im Einzelhandel hat sich auch im ersten Monat des Jahres 1965 weiter fortgesetzt. Für die am Betriebsvergleich des Instituts für Handelsforschung beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte ergab sich im Januar 1965 gegenüber Januar 1964 eine wertmäßige Erhöhung des Absatzes von durchschnittlich 8 %.
Die Absatzbelebung im Januar 1965 gegenüber dem entsprechenden Vorjahrsmonat war auch bei fast allen Branchen festzustellen. Lediglich im Radio- und Fernseheinzelhandel und bei den Reformhäusern haben sich Absatzeinbußen ergeben. Die vom Institut für Handelsforschung untersuchten Radio- und Fernseheinzelhandlungen haben 7 % und die Reformhäuser 2 % weniger umgesetzt als im Januar 1964. Alle übrigen Branchen haben das Verkaufsergebnis des Januar 1964 in mehr oder weniger starkem Umfange übertroffen. Bedingt durch die Witterungsverhältnisse haben sich vor allem bei den Branchen mit Textilien und Bekleidung beachtliche Steigerungsquoten ergeben. Die erfaßten Schuhfachgeschäfte registrierten im Durchschnitt im Januar 1965 gegenüber Januar 1964 ein Absatzplus von wertmäßig 19 %. Bei den Textilgeschäften war das Verkaufsergebnis 12 % höher als im Vorjahr. Bemerkenswerterweise haben auch die Branchen mit Luxusbedarf im Januar 1965 erheblich mehr umgesetzt als im Januar 1964. Sowohl im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel als auch im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel verzeichneten die am Betriebsvergleich beteiligten Fachgeschäfte eine Zuwachsquote von wertmäßig 17 %. Eine mittlere Position nahmen die Branchen mit Hausrat- und Wohnbedarf ein. Der Möbeleinzelhandel sowie der Eisenwaren- und Hausrathandel haben eine dem Gesamtdurchschnitt des Einzelhandels entsprechende Absatzzunahme von wertmäßig 8 % erzielt. Ähnlich war auch die Entwicklung im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (+ 9 %) und im Tapeten- und Linoleumhandel (+ 7 %). Eine durchschnittliche Steigerungsquote ergab sich weiterhin im Spielwareneinzelhandel (+ 9 %), im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 8 %) und im Büromaschinen-, Büromöbel-und Organisationsmittelhandel ( + 7 %). Etwas hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben sind die Branchen mit Nahrungs- und Genußmitteln. Der Absatz der Lebensmittelfachgeschäfte war nach den Betriebsvergleichsergebnissen im Januar 1965 wertmäßig nur 4 % höher als im Januar 1964. Auch bei den Drogerien hat sich eine durchschnittliche Steigerungsquote von 4 % ergeben. Etwas besser ist das Ergebnis im Tabakwareneinzelhandel ausgefallen, der im Durchschnitt 6 % mehr umgesetzt hat als im Januar 1964. Der Sortimentsbuchhandel und die Gemischtwarengeschäfte haben im Januar 1965 das Durchschnittsergebnis des Einzelhandels ebenfalls nicht erreicht. Für die am Betriebsvergleich beteiligten Gemischtwarengeschäfte ergab sich gegenüber Januar 1964 nur eine wertmäßige Absatzzunahme von 3 %. Die untersuchten Sortimentsbuchhandlungen setzten im Januar 1965 wertmäßig 5 % mehr um als im gleichen Monat des Jahres 1964.
Ergänzend ist zu diesem Bericht noch auszuführen:
Die durch die Witterungsverhältnisse bewirkte Absatzsteigerung im Textileinzelhandel zeigte sich vor allem bei den Teilbranchen mit Oberbekleidung. An der Spitze lagen die Geschäfte mit Herren- und Knabenoberbekleidung, die im Januar 1965 das wertmäßige Verkaufsergebnis des Januar 1964 um 22 % übertroffen haben. Es folgten die Geschäfte mit Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung (+ 19 %) und die Geschäfte mit Baby- und Kinderausstattung (+ 19 %). Etwas geringer als bei den Geschäften mit Herrenoberbekleidung waren die Zuwachsquoten bei den Geschäften mit vorwiegend Damenoberbekleidung. Bei ihnen betrug im Durchschnitt die wertmäßige Absatzverbesserung gegenüber Januar 1964 15 %. Eine dem Durchschnitt des Textileinzelhandels weitgehend entsprechende Entwicklung war mit einem Plus von 13 % bei den Meterwarengeschäften, den Geschäften mit Haus- und Bettwäsche, Bettwaren und den Herrenausstattern festzustellen. Die geringste Zuwachsquote ergab sich bei den Geschäften mit Wäsche-, Wirk- und Strickwaren. Hier war der wertmäßige Absatz im Januar 1965 nur 5 % höher als im Januar 1964. Die Textilsortimenter haben mit einem Anstieg von 9 % den Durchschnitt der Branche ebenfalls nicht ganz erreicht.
Auch zwischen den Fachzweigen des Eisenwaren- und Hausrathandels zeigten sich im Januar 1965 Unterschiede im Absatzverlauf. Vergleichsweise gut haben die Geschäfte mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten abgeschnitten. Sie setzten im Durchschnitt wertmäßig 9 % mehr um als im Januar 1964. Während die Eisenwaren- und Hausrathandlungen mit gemischtem Sortiment eine dem Durchschnitt der Branche entsprechende Zuwachsquote registrierten, ist der Fachzweig Baubeschläge, Kleineisenwaren und Werkzeuge deutlich hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben. Die am Betriebsvergleich beteiligten Firmen dieses Fachzweiges verzeichneten nur eine Absatzverbesserung von wertmäßig 1 %.
Gegenüber dem Vormonat Dezember hat sich im Januar der saisonbedingte Absatzrückgang ergeben. Im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels ist eine Minderung des Verkaufsergebnisses um 44 % eingetreten. Die stärksten Einbußen registrierten die Fachzweige mit Luxusbedarf und Geschenkartikeln. So war im Spielwareneinzelhandel der Absatz im Januar 1965 80 % niedriger als im Dezember 1964. Es folgten der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (— 74 %) und der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (— 73 %). Beachtliche Absatzminderungen registrierten auch der Glas-, Porzellanund Keramikeinzelhandel (—63 %), der Radio- und Fernseheinzelhandel (— 62 %), der Schuheinzelhandel (— 55 %), der Möbeleinzelhandel (— 55 %), der Sortimentsbuchhandel (—52 %) und die Drogerien (—51 %). Im Textileinzelhandel entsprach der Saisonverlauf fast genau dem Einzelhandelsdurchschnitt. In dieser Branche wurde im Januar 1965 4 3 % weniger umgesetzt als im Dezember 1964. Die gleiche Absatzminderung ist auch im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel eingetreten. Ähnlich war auch die Entwicklung im Tabakwareneinzelhandel (— 42 %) und im Eisenwaren- und Hausrathandel (— 45 %). Dem Bedarfscharakter der Waren entsprechend ergab sich im Lebensmitteleinzelhandel nur ein vergleichsweise geringer Absatzrückgang. In dieser Branche war der Absatz im Januar 1965 33 % niedriger als im Dezember 1964.
