Die Koordinierung der Betriebsvergleichsergebnisse des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland für die Jahre 1958 bis 1963
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffIm Jahre 1958 wurde auf Veranlassung des Bundeswirtschaftsministeriums ein Arbeitskreis „Betriebsvergleiche
im Einzelhandel" eingerichtet. Zur Mitarbeit in diesem Arbeitskreis sind die Institutionen aufgefordert worden, die in der Bundesrepublik Deutschland Betriebsvergleiche für den Einzelhandel durchführen oder aber unmittelbare Benutzer der Auswertungsergebnisse sind. Neben einem laufenden Erfahrungsaustausch zur Verbesserung der Betriebsvergleichsmethode hat der Arbeitskreis sich auch die Aufgabe gestellt, die im Bundesgebiet ermittelten Auswertungsergebnisse zu koordinieren und zu Gesamtwerten zusammenzufassen. Vom Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln, das zur Zeit für 40 Branchen und Teilbranchen des Einzelhandels Betriebsvergleiche durchführt, sind die Koordinierungsarbeiten übernommen worden. Das Institut hat in einjährigen bzw. zweijährigen Abständen die Ergebnisse für die Jahre 1958 bis 1962 dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Arbeitskreis vorgelegt. Nachdem jetzt auch die Auswertung für 1963 abgeschlossen worden ist, soll ein Gesamtüberblick über die ersten 6 Jahre der Koordinierungsarbeit gegeben
werden.
An der Koordinierung haben sich regelmäßig folgende Stellen beteiligt:
Deutsche Einkaufsgenossenschaft West für Textilwaren eGmbH., Neuß
Edeka-Verband e. V., Hamburg
Einkaufs-Verband NORDEN-MERKUR GmbH., Hamburg
Forschungsstelle für den Handel e. V., Berlin
HADEKA, Handelszentrale westdeutscher Kaufhäuser eGmbH., Frankfurt/Main
Hauptarbeitsgemeinschaft des Landmaschinenhandels und Handwerks, Bad Godesberg
Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln
KATAG AG, Bielefeld
Kaufring eGmbH., Düsseldorf
Hansheinrich Pieroth, Wirtschaftsbeobachtung für den Einzelhandel, München
Rewe-Zentrale Deutscher Lebensmittel-Großhandelsgenossenschaften eGmbH, Köln
Rheintextil, Rheinische Einkaufsvermittlungs- und Beratungsgesellschaft für Textilgeschäfte, Köln
Ring-Schuh, Einkaufsvereinigung eGmbH, Frankfurt/Main.
Von diesen Stellen sind im ersten Jahr der Koordinierung (1958) für 6368 Firmen Vergleichszahlen zur Verfügung gestellt worden. Bis zum Jahre 1963 hat sich der Berichtskreis auf 9014 Firmen erweitert. Die für den Einzelhandel insgesamt ermittelten Durchschnittswerte verfügen über eine gute Repräsentanz. Hierauf weist die Tatsache hin, daß die Koordinierungsergebnisse mit den vergleichbaren Zahlen des Statistischen Bundesamtes weitgehend übereinstimmen. Dies gilt auch für den überwiegenden Teil der Branchen. Besonders gut vertreten waren der Lebensmitteleinzelhandel,, der Textileinzelhandel, der Schuheinzelhandel, der Eisenwaren- und Hausrathandel, die Drogerien, der Möbeleinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel. Bei einigen der in den Tabellen ausgewiesenen Branchen war allerdings der Berichtskreis so klein, daß die Ergebnisse nur eine beschränkte Aussagekraft besitzen. Dies gilt vor allem für den Obst- und Gemüseeinzelhandel, den Seifeneinzelhandel, den Parfümerieeinzelhandel, den Fahrradeinzelhandel, den Musikalienhandel, die Schirmfachgeschäfte, den Landmaschinenhandel und von den Teilbranchen des Textileinzelhandels die mit vorwiegend Meterwaren, mit vorwiegend Damenhüten, mit vorwiegend Miederwaren, mit vorwiegend Baby- und Kinderausstattung sowie für die Teilbranche des Eisenwarenund Hausrathandels mit vorwiegend Öfen und Herden.
In insgesamt 15 Tabellen wurde das Auswertungsmaterial der Jahre von 1958 bis 1963 zusammengestellt. Tabelle 1 enthält die Zahl der in die Koordinierung einbezogenen Firmen, aufgegliedert nach Branchen. Zur Beurteilung der Größenverhältnisse des Teilnehmerkreises sind in den Tabellen 2, 3 und 4 die Zahl der beschäftigten Personen, die Zahl der qrn Geschäftsraum und der Absatz je Betrieb wiedergegeben. Diese Vergleidiszahlen sind erst seit dem Jahre 1961 erfaßt worden. Tabelle 5 gibt einen Oberblick über die Absatzveränderungen in den einzelnen Berichtsjahren gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. In den Tabellen 6, 7, 8 und 9 sind die Leistungskennziffern ausgewiesen. Tabelle 6 enthält den Absatz je beschäftigte Person, Tabelle 7 den Absatz je qm Geschäftsraum, Tabelle 8 den Absatz je qm Verkaufsraum (seit 1961) und Tabelle 9 die Lagerumschlagsgeschwindigkeit. Die Tabellen 10 bis 15 dienen der Beurteilung der Ertragslage des Einzelhandels im Vergleichszeitraum. Aus Berichtszeitbelle 10 sind die Gesamtkosten ohne kalkulatorische Kosten, aus Tabelle 11 die Gesarntkosten einschließlich der kalkulatorischen Kosten ersichtlich. Als wichtigste Kostenart sind die Fremdpersonalkosten in Tabelle 12 gesondert ausgewiesen. Tabelle 13 enthält die Betriebshandelsspanne, Tabelle 14 das steuerliche und Tabelle 15 schließlich das betriebswirtschaftliche Betriebsergebnis der erfaßten Einzelhandelsbranchen (seit 1959).
Bevor die Tabellen einer Betrachtung unterzogen werden, soll zunächst eine Erläuterung der Abgrenzung und Berechnung der verschiedenen Auswertungspositionen gegeben werden.
Erläuterungen zur Begriffsabgrenzung und Berechnungeweise der Auswertungspositionen
Zahl der beschäftigten Personen je Betrieb (Tabelle 2)
Bei der Berechnung wurden sämtliche im Betrieb tätigen Personen einschließlich des Inhabers und seiner mithelfenden Familienangehörigen berücksichtigt. Lehrlinge im 1. und 2. Lehrjahr sind als halbe Kräfte, Lehrlinge im 3. Jahr als ganze Kräfte bewertet. Teilbeschäftigte sind mit dem Bruchteil in Ansatz gebracht, der dem Anteil ihrer Arbeitszeit entspricht. Die Ermittlung der Branchendurchschnittswerte erfolgte durch die Division des Absatzes je Betrieb durch den Absatz je beschäftigte Person.
Zahl der qm Geschäftsraum je Betrieb (Tabelle 3)
Bei der Berechnung wurden sämtliche Verkaufs-, Ausstellungs-, Lager-, Büro- und Werkstatträume zugrunde gelegt, nicht jedoch ausgesprochene Nebenräume, wie Abstellräume, Lchithöfe. Die Ermittlung der Branchendurchschnittswerte erfolgte durch Division des Absatzes je Betrieb durch den Absatz je qm Geschäftsraum.
Absatz je Betrieb in Tausend DM (Tabelle 4)
Der Absatz entspricht dem Warenausgang (Bar- und Kreditverkäufe) zu Verkaufspreisen einschließlich Werkstattabsatz, jedoch abzüglich gegebenenfalls gewährter Nachlässe, wie Rabatte etc. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Absatzentwicklung (Tabelle 5)
Bei den hier ausgewiesenen Zahlen wurde der Absatz des jeweiligen Vorjahres = 100 gesetzt. Die Werte geben somit an, um wieviel Prozent sich der Absatz im jeweiligen Vergleichsjahr gegenüber dem entsprechenden Vorjahr verändert hat. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel aus den einzelbetrieblichen Entwicklungszahlen.
Absatz je beschäftigte Person in DM (Tabelle 6)
Die Berechnung erfolgte durch Division des Absatzes je Betrieb des Berichtszeitraumes durch die Zahl der im Berichtszeitraum durchschnittlich beschäftigten Personen. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Absatz je qm Geschäftsraum in DM (Tabelle 7)
Seine Berechnung erfolgte durch Division des Absatzes je Betrieb des Berichtszeitraumes durch die Quadratmeter-Zahl der im Berichtszeitraum durchschnittlich benutzten Geschäftsräume. Die Durchschnittswerte sind das einfach arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Absatz je qm Verkaufsraum in DM (Tabelle 8)
Die Berechnung erfolgte durch Division des Absatzes je Betrieb durch die Quadratmeter-Zahl der im Berichtszeiträum durchschnittlich benutzten Verkaufsräume. Hierzu zählen die Verkaufs- und Ausstellungsräume sowohl in eigenen als auch in fremden Gebäuden, nicht dagegen die Lager- und Büroräume sowie ausgesprochene Nebenräume. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Lagerumschlagsgeschwindigkeit (Tabelle 9)
Zur Berechnung des Lagerumschlages wurde der Absatz zu Einstandspreisen durch den durchschnittlichen Lagerbestand zu Einstandspreisen dividiert. Als durchschnittlicher Lagerbestand ist der Jahresanfangs-plus-endbestand geteilt durch zwei zugrunde gelegt. Die Durchschnittswerte sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Zahlen der Lagerumschlagsgeschwindigkeit ermittelt.
Gesamtkosten ohne kalkulatorische Kosten (Tabelle 10)
Die Position „Gesamtkosten ohne kalkulatorische Kosten" enthält im einzelnen folgende Kostenarten:
a) Personalkosten
Bruttogehälter und -löhne einschließlich Arbeitgeberanteil an sozialen Lasten sowie Tantiemen, Gratifikationen,
Prämien, Provisionen sowie Sachleistungen und sonstige freiwillige Sozialleistungen an das Personal.
b) Miete bzw. Mietwert
Bei der Benutzung eigener Räume ist als Mietwert die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn die
Räume in gleichem Unifange und in gleicher Lage gemietet wären. Durch den Einsatz des Mietwertes sind alle
mit der Gebäudehaltung verbundenen Kosten, wie Grundsteuern, Abschreibungen auf Gebäude usw., abgegolten.
c) Sachkosten für Geschäftsräume
Alle Sachausgaben für Beleuchtung, Heizung, Reinigung und Instandhaltung der Geschäftsräume.
d) Steuern, Abgaben und Pflichtbeiträge
Hierzu gehört die Umsatzsteuer, die Gewerbesteuer einschließlich der Lohnsummensteuer sowie alle Beiträge zu
solchen Wirtschaftsorganisationen, bei denen die Mitgliedschaft auf gesetzlicher Grundlage beruht. Nicht berücksichtigt sind Einkommensteuer, Vermögensteuer, Körperschaftsteuer, Grundsteuer und Lastenausgleichsabgaben.
e) Sachkosten für Werbung und Reisen
Sämtliche Sachkosten für Werbung und Reisen einschließlich der Reisespesen und Spesenzuschüsse für Reisende.
f) Kosten für nicht betriebseigene Transportmittel und Verpackung
Alle Transportkosten für nicht betriebseigene Transportmittel sowie Verpackungskosten, soweit sie nicht dem
Einstandswert zuzurechnen sind.
g) Kosten für betriebseigene Fahrzeuge
Sämtliche Sachkosten für den für betriebliche Zwecke genutzten Fuhr- und Wagenpark einschließlich der Kraftfahrzeugsteuer und -Versicherungen.
h) Zinsen für Fremdkapital
einschließlich der Nebenkosten des Finanz- und Geldverkehrs.
i) Abschreibungen
Hierzu gehören die Abschreibungen auf Inventar, auf Fahrzeuge und auf Forderungen, nicht dagegen die Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude, da diese durch den Mietwert abgegolten sind.
k) Allgemeine Verwaltungskosten und sonstige Kosten
Hier sind alle bisher noch nicht aufgeführten Kosten erfaßt, welche im wesentlichen Verwaltungskosten sind,
und zwar Kosten für Büro- und Schreibmaterial, Telegramm- und Fernsprechgebühren, Buchungsgebühren,
Porti, Zeitungen und Zeitschriften, Mahn-, Klage- und Rechtsberatungskosten und Beiträge zu Organisationen
aufgrund freiwilliger Mitgliedschaft. An sonstigen Kosten können u. a. noch anfallen: Instandhaltungskosten für
Einrichtungen und maschinelle Anlagen, Reparaturen an Teilen der Geschäftsausstattung (Schreibmaschinen, Fernsprechanlagen usw.).
Die Gesamtkosten sind in Prozenten vom Absatz ausgedrückt. Die Durchschnittswerte sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Kostenprozentsätzen ermittelt.
Fremdpersonalkosten (Tabelle 11)
In dieser Position ist die unter den Gesamtkosten erläuterte Kostenart a) Personalkosten noch einmal gesondert
ausgewiesen. Die Durchschnittszahlen sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Kostenprozentsätzen ermittelt.
Gesamtkosten einschließlich kalkulatorischer Kosten (Tabelle 12)
Bei den „Gesamtkosten einschließlich kalkulatorischer Kosten" sind neben den unter Position 9 ausgewiesenen Kostenarten auch ein kalkulatorisches Entgelt für die nicht entlöhnte Mitarbeit des Inhabers und seiner mithelfenden Familienangehörigen sowie kalkulatorische Zinsen für das im Betrieb arbeitende Eigenkapital in Ansatz gebracht. Da von den einzelnen Erhebungsstellen unterschiedliche Methoden zur Ermittlung der kalkulatorischen Kosten verwendet werden, sind aus Vergleichsgründen einheitlich die vom Institut für Handelsforschung errechneten Werte zugrunde gelegt worden. Dies erfolgte jeweils für den Durchschnitt der
Branchen.
Betriebshandelsspanne (Tabelle 13)
Die Betriebshandelsspanne ist die Differenz zwischen dem Einkaufs- und Verkaufswert des Warenabsatzes. Sie wird wie folgt berechnet:
Absatz (abzüglich der gewährten Rabatte und Skonti)
plus Lagerbestand am Ende des Jahres
minus Beschaffung (einschließlich Bezugskosten abzüglich Retouren, Skonti und sonstiger Preisnachlässe)
minus Lagerbestand am Anfang des Jahres.
Die Ermittlung der Werte erfolgt einzelbetrieblich. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Ergebnisse.
Steuerliches Betriebsergebnis (Tabelle 14)
Das steuerliche Betriebsergebnis ist die Differenz zwischen der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten ohne Unternehmerlohn und ohne Zinsen für Eigenkapital. Es ist nicht einzelbetrieblich errechnet, sondern aus der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten (ohne Unternehmerlohn und ohne Zinsen für Eigenkapital) im Durchschnitt der Branchen.
Betriebswirtschaftliches Betriebsergebnis (Tabelle 15)
Das betriebswirtschaftliche Betriebsergebnis ist die Differenz zwischen der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten einschließlich Unternehmerlohn und einschließlich Zinsen für Eigenkapital. Es ist nicht einzelbetrieblich errechnet, sondern aus der Betricbshandelsspanne und den Gesamtkosten (einschließlich Unternehmerlohn und einschließlich Zinsen für Eigenkapital) im Durchschnitt der Branchen.
