Vergleich von Absatz, Kosten und Gewinn bei Bedienungsläden und Selbstbedienungsläden des Lebensmitteleinzelhandels in den Jahren 1966 und 1967
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffDie zunehmende Bedeutung der Selbstbedienung im Lebensmitteleinzelhandel hat das Institut für Handelsforschung veranlaßt, im Rahmen des Betriebsvergleiehs seit 1961 zusätzlich zu den Branchendurchschnittswerten auch die Ergebnisse für Bedienung«- und Selbstbedienungsläden zu ermitteln. Nachdem in der Nr. 8 der Institutsmitteilungen vom August 1968 die Branchendurchschnittswerte veröffentlicht worden sind, soll im vorliegenden Bericht ein Überblick über die Ergebnisse der beiden Verkaufsformen des Lebensmitteleinzelhandels gegeben werden. Die wichtigsten Zahlen sind in der Tabelle
auf Seite 107 enthalten. Um die Veränderungen gegenüber 1966 beurteilen zu können, wurden auch die Ergebnisse
des Vorjahres hinzugefügt.
Die an der Erhebung beteiligten Bedienungsläden erzielten im Jahre 1967 einen Absatz je Betrieb von 441 000 DM. Bei den Selbstbedienungsläden betrug der Durchschnittsabsatz 730 000 DM. Die unterschiedliche Betriebsgröße beider Verkaufsformen spiegelt sich auch in der Geschäftsraumfläche wider. Wahrend die Bedienungsläden 1967 über 151 qm Geschäftsraum verfügten, wiesen die Selbstbedienungsläden eine Gesamtfläche von 215 qm auf. Vergleichsweise gering war der Unterschied
in der Zahl der beschäftigten Personen. Durchschnittlich 5,5 Beschäftigten bei den Bedienungsläden standen im Berichtsjahr 6,6 bei den Selbstbedienungsläden gegenüber. In den abweichenden Relationen zwischen Absatz und qm Geschäftsraum einerseits und der Zahl der beschäftigten Personen andererseits kommt der bei der Selbstbedienung in bezug auf die Gesamtkapazität vergleichsweise geringere Personaleinsatz zum Ausdruck. Eine Tatsache, die sich auch in dem an späterer Stelle noch zu behandelnden Absatz je beschäftigte Person sowie in der Personalkostenbelastung niederschlägt.
Die Gegenüberstellung der Zahlen zur Sortimentsstruktur läßt zwischen den beiden Verkaufsformen nur relativ geringe Unterschiede erkennen. Der höchste Absatzanteil ergab sich im Jahre 1967 sowohl bei den Bedienungsläden als auch bei den Selbstbedienungsläden in der Warengruppe „Zucker, Salz, Butter, Margarine, alle anderen Ernährungsfette, Eier, Grieß und Teigwaren und andere minderkalkulierte Artikel". 15 % des Absatzes der Bedienungsläden und 16 % des Absatzes der Selbstbedienungsläden entfielen auf diese Warengruppe. Erheblich war auch der Absatzanteil der Warengruppe „Allgemeine
Lebensmittel (Nährmittel allgemein, Käse, Milch usw.), der bei beiden Verkaufsformen 14 % betrug. Jeweils 13 % des Absatzes wurden bei den Bedienungsläden in „Feinkostwaren' sowie in „Obst, Gemüse, Süd- und Trockenfrüchten" getätigt. Hier waren die Anteile bei den Selbstbedienungsläden mit 10 % bzw. 11 % etwas kleiner. Eine relativ etwas stärkere Bedeutung wiesen dagegen bei den Selbstbedienungsläden die Warengrnppen „Brot, Brötchen, einfache Backwaren" sowie „Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel" auf. Insgesamt jeweils 6 % des Absatzes entfielen bei den Selbstbedienungsläden auf diese Warengruppen gegenüber jeweils 4 % bei den Bedienungsläden. „Wurst- und Fleischwaren" erreichten bei den Bedienungsläden 7 % und bei den Selbstbedienungsläden 8 % des Gesamtabsatzes. Umgekehrt war der Anteil an „Tabakwaren" mit 5 % bei den Selbstbedienungsläden um 1 % kleiner als bei den Bedienungsläden. Übereinstimmende Anteile ergaben sich in den Gruppen „Wein, Spirituosen, Sekt" (7%), „Kaffee, Tee, Kakao" (5%) und „Schokoladen, Süßwaren, Dauerbackwaren" (6 %). Die sonstigen Waren (z. B. Kurzwaren, Haushaltwaren, Papier- und Schreibwaren) machten bei beiden Verkaufsformen 6% des Absatzes aus. Hier hat sich der Anteil gegenüber 1966 (4 %) relativ stark vergrößert, während bei den übrigen Warengruppen die Veränderungen vergleichsweise gering waren.
Die bereits in den Vorjahren festgestellte Tendenz einer günstigeren Absatzentwicklung der Selbstbedienungsläden hat sich auch im Jahre 1967 weiter fortgesetzt. Während die Bedienungsläden im Durchschnitt gegenüber 1967 einen Absatzrückgang von 2 % aufwiesen, konnten die Selbstbedienungsläden eine leichte Steigerungsquote von 1 % erzielen. Die Rationalisierungsbemühungen des Lebensmitteleinzelhandels haben auch im Jahre 1967 zu einer Verbesserung des Auslastungsgrades der Personalkapazität geführt. Bei den Bedienungsläden wurde der Absatz je beschäftigte Person von 80 400 DM auf 82 600 DM und bei den Selbstbedienungsläden von 106 800 DM auf 111 900 DM gesteigert. Die Differenz zwischen den beiden Verkaufsformen zeigt deutlich die Vorteile der Selbstbedienung im Bereiche des Personaleinsatzes auf. Auf Grund der Betriebsvergleichsergebnisse läßt sich berechnen, daß zur Erzielung von 100 000 DM Absatz im Durchschnitt bei den Bedienungsläden 1,2, bei den Selbstbedienungsläden dagegen nur 0,9 beschäftigte Personen erforderlich sind. Im Gegensatz zur Personalleistung hat sich die Raumleistung im Berichtsjahr vermindert. Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Absatzverlauf ist vor allem bei den Bedienungsgeschäften ein erheblicher Rückgang eingetreten. Während sie 1966 3 800 DM pro qm Geschäftsraum umsetzten, wurde 1967 nur noch ein Wert von 3260 DM erreicht. Auf den qm Verkaufsraum entfiel 1966 ein Absatz von 7810 DM und 1967 von 7220 DM. Von den Selbstbedienungsgeschäften wurden 1967 pro qm Geschäftsraum 3470 DM umgesetzt gegenüber 3480 DM im Jahre 1966. Im Gegensatz zur Gesamtraumleistung konnte der Absatz je qm Verkaufsraum geringfügig, und zwar von 6050 DM auf 6190 DM, erhöht werden. Auf die beschäftigte Person bezogen war 1966 bei den Bedienungsläden eine Gesamtfläche von 21 qm und 1967 von 25 qm vorhanden. 10 qm bzw. 11 qm entfielen hiervon
auf Verkaufsraum. Bei den Selbstbedienungsläden hat sich die Geschäftsraumfläche je beschäftigte Person von 31 qm auf 32 qm vergrößert. Diese Zunahme war allerdings nur auf die Lagerräume zurückzuführen. Der Verkaufsraum ist mit jeweils 18 qm unverändert geblieben. Wie die Raumleistung, so hat sich im Jahre 1967 auch die Lagerleistung etwas vermindert. Dies gilt vor
allem für die Bedienungsläden, die 1966 ihr Warenlager 13,2mal, 1967 dagegen nur 12,9mal umschlugen. Bei den Selbstbedienungsläden ist nur eine vergleichsweise geringe Verlangsamung; von 15,0mal auf 14,9mal eingetreten.
Der Absatzrückgang hat im Zusammenhang mit der verminderten Auslastung der Raum- und Lagerkapazität bei den Bedienungsläden zu einer deutlichen Verstärkung des Kostendrucks geführt. Die Gesamtkosten einschließlich Unternehmerlohn und Zinsen für Eigenkapital betrugen 1966 22,0 % und 1967 22,9 % des Absatzes. Von den einzelnen Kostenarten wiesen die Personalkosten (einschließlich Unternehmerlohn) einen Anstieg von 11,5 % auf 11,9 %, die Mietkosten von 1,5 % auf 1,7 %,
die Zinsen für Eigenkapital von 0,5 % auf 0,6 % und die Sammelposition „Sonstige Kosten" von 2,4 % auf 2,8 % auf. In Prozenten des Absatzes unverändert geblieben sind die Steuern (3,8 %), die Reklamekosten (0,3 %) und die Zinsen für Fremdkapital (0,3 %). Leicht vermindert haben sich die Kosten des Fuhr- und Wagenparks (von 0,6 % auf 0,5 %) und die Abschreibungen (von 1,1 % auf 1,0 %). Die Selbstbedienungsläden wiesen infolge der leichten Absatzzunahme und der erheblichen Verbesserung der Personalleistung bei im wesentlichen unveränderter Raum- und Lagerleistung eine leichte Verminderung der Kostenbelastung von 20,2 % auf 20,0 % des Absatzes aus. Der Anstieg des Absatzes je beschäftigte Person hat zu einem Rückgang der Personalkosten (einschließlich Unternehmerlohn) von 9,5 % auf 9,1 % des Absatzes geführt. Um 0,1 % des Absatzes zugenommen haben die Steuern (von 3,9 % auf 4,0 %) und die Zinsen für Eigenkapital (von 0,4 % auf 0,5 %). Unveränderte Werte ergaben sich bei den Positionen Miete (1,3 %), Reklamekosten (0,3 %), Kosten des Fuhrund Wagenparks (0,5 %), Zinsen für Fremdkapital (0,5 %), Abschreibungen (1,3 %) und sonstige Kosten (2,5 %). Die Gegenüberstellung der Kostenstruktur der Bedienungs- und Selbstbedienungsläden läßt vor allem bei den Personalkosten erhebliche Unterschiede erkennen. Die Personalkosten insgesamt waren bei den Selbstbedienungsläden 1967 2,8 % des Absatzes niedriger als bei den Bedienungsläden. Der Grund liegt in der Tatsache, daß auf den Absatz bezogen der Personaleinsatz bei Selbstbedienungsläden kleiner ist als bei Bedienungsläden. Umgekehrt schlägt sich der erhöhte Sachmitteleinsatz bei den Selbstbedienungsläden in den Abschreibungen nieder, die mit 1,3% des Absatzes 1967 erheblich höher waren als bei den Bedienungsläden (1,0 %).
Tendenziell in Anlehnung an die Kostenentwicklung haben sich die Betriebshandelsspannen verändert. Bei den Bedienungsläden ist eine Vergrößerung von 20,6 % auf 21,0 % und bei den Selbstbedienungsläden ein Rückgang von 18,9% auf 18,8 % eingetreten. Stellt man die Gesamtkosten einschließlich Unternehmerlohn und die Zinsen für Eigenkapital der Betriebshandelsspanne gegenüber, so haben die Bedienungsläden 1967 mit einem Verlust von 1,9 % und die Selbstbedienungsläden mit einem solchen von 1,2 % des Absatzes gearbeitet. Ohne Berücksichtigung des Unternehnierlohns und der Zinsen für Eigenkapital als Kostenfaktoren ergab sich bei den Bedienungsläden ein steuerlicher Reingewinn von 5,3 %
und bei den Selbstbedienungsläden von 3,8 %. Gegenüber 1966 hat sich bei beiden Verkaufsformen das steuerliche Ergebnis vermindert. Im Vorjahr wurde von den Bedienungsläden ein steuerliches Ergebnis von 5,4 % und von den Selbstbedienungsläden von 4,2 % erzielt. Bemerkenswert ist, daß der prozentuale Anteil des steuerlichen Reingewinns am Gesamtabsatz bei den Selbstbedienungsläden kleiner ist als bei den Bedienungsläden. Verursacht wird die Abweichung durch die unterschiedliche Betriebsgröße beider Verkaufsformen. Wie einleitend bereits erwähnt, sind die erfaßten Selbstbedienungsläden erheblich größer als die in die Untersuchung einbezogenen Bedienungsläden. Da im Einzelhandel allgemein mit wachsender Betriebsgröße eine Verminderung des prozentualen Anteiles des steuerlichen Reingewinns am Absatz eintritt, ergibt sich die Differenz tendenziell zwangsläufig. Der absolute steuerliche Reingewinn war bei den erfaßten
Selbstbedienungsläden im Jahre 1967 mit durchschnittlich 27 700 DM um 4300 DM höher als bei den Bedienungsläden (23 400 DM).
