Die Vermögens- und Kapitalsituation des Einzelhandels in den Jahren 1966 und 1967
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffIm Rahmen des Jahresbetriebsvergleichs für 1967 hat das Institut seit 1954 zum sechsten Male im zweijährigen Turnus eine Zusatzerhebung über die Bilanzstruktur der am Betriebsvergleich des Einzelhandels beteiligten Fachgeschäfte durchgeführt. Durch den Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung konnten die Ergebnisse zur Bilanzstruktur für 1966 und 1967 den Betriebsvergleichsteilnehmern erstmals zusammen mit den synoptischen Jahresergebnistabellen bereits Ende August zur Verfügung gestellt werden.
An der Bilanzauswertung des Jahres 1967, die sich auf die Bilanzstichtage 31.12.1966 und 31.12.1967 bezieht, waren 1923 Einzelhandelsfachgeschäfte aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt. Aus Tabelle 2 ist die Verteilung der Berichtsbetriebe auf die erfaßten Branchen ersichtlich. Zu berücksichtigen ist, daß in einigen Branchen und Teilbranchen die Ergebnisse auf Grund des relativ kleinen Teilnehmerkreises nur einen begrenzten Aussagewert besitzen.
Die durchschnittliche Bilanzsumme je Betrieb betrug im Jahre 1967 im Durchschnitt der Vergleichsbetriebe 465 400,— DM. Pro beschäftigte Person ergab sich 1967 eine durchschnittliche Bilanzsumme von 30 900,— DM. Sie lag um 2400,— DM oder 8,4 % über dem Vergleichswert des Jahres 1965. Dagegen blieb die durchschnittliche Bilanzsumme je Betrieb mit 27,8 % des Absatzes ebenso wie die Kapitalumschlagsgeschwindigkeit mit 3,6 im Jahre 1967 gegenüber 1965 unverändert. Somit stimmte die Entwicklung der Vermögens- und Kapitalausstattung der am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte im Jahre 1967 verglichen mit 1965 relativ mit der Umsatzzunahme, die im gleichen Zeitraum etwa 4 % betrug, überein. In der Erhöhung der durchschnittlichen Bilanzsumme je beschäftigte Person schlägt sieh außerdem die erfolgte Reduzierung der Personalkapazität des Einzelhandels nieder. Zu bemerken bleibt, daß in der Veränderung der durchschnittlichen Bilanzsumme je Betrieb nicht nur die Entwicklung der Vermögens- und Kapitalausstattung, sondern durch die Ausweitung der Betriebsgröße der Berichtsfirmen zum Ausdruck kommt.
Um sowohl die Entwicklung der Vermögens- und Kapitalausstattung als auch der Vermögens- und Kapital- Struktur aufzeigen zu können, ist in Tabelle 1 die Aufgliederung der durchschnittlichen Bilanzsumme je Betrieb in Prozenten des Absatzes nach den wichtigsten Bestandteilen des Betriebsvermögens und des Betriebskapitals vorgenommen worden. Auf der Aktivseite der Bilanz zeigt sich, daß innerhalb des Betriebsvermögens vor allem eine Abnahme des Lagerbestandes zu Bilanzwerten in Prozenten des Absatzes zu Verkaufspreisen von 14,3 % am 31.12.1966 auf 13,8 % am 31.12.1967 eingetreten ist. Unverändert blieben der Buchwert der bilanzierten betriebsfremden Zwecken dienenden Grundstücke und Gebäude mit 0,7 %, die Geschäftsausstattung, Transporteinrichtungen und maschinellen Anlagen mit 3,3 % und die Forderungen aus Warenlieferungen und Leistungen mit 2,1 % des Absatzes, Erhöhungen ergaben sich dagegen bei den betrieblichen Zwecken dienenden Grundstücken und Gebäuden von 4,0 % des Absatzes am 31.12.1966 auf 4,1 % am 31.12.1967 sowie vor allem bei den flüssigen Mitteln von 1,9 % auf 2,2 % und bei den sonstigen Aktiva von 1,5 % auf 1,6 %.
Auf der Passivseite der Bilanz weist bei unveränderter Gesamtkapitalausstattung das Eigenkapital eine Erhöhung von 15,6 % des Absatzes am 31.12.1966 auf 15,9 % am 31.12.1967 aus. Dem stand bei den Lieferantenverbindlichkeiten ein Rückgang von 3,7 % auf 3,5 % des Absatzes und bei den vorwiegend kurzfristigen Rückstellungen von 0,8 % auf 0,7 % gegenüber, während die übrigen Passivposten gleichgeblieben sind. Dieser Zahlenvergleich läßt deutlich die Finanzpolitik des Einzelhandels im Rezessionsjahr 1967 erkennen. Einerseits hat der Einzelhandel versucht, Kapitalreserven im Warenlager freizusetzen, um diese jedoch nur im begrenzten Umfange im Anlagevermögen zu investieren, sondern vielmehr für die Aufstockung der flüssigen Mittel zu verwenden, die als liquide Mittel 1. Ordnung bei rückläufiger Konjunktur als finanzieller Sicherheitsfaktor zu betrachten sind. Andererseits wurde auf Grund der verbesserten Eigenkapitalausstattung eine Reduzierung der Schulden aus Warenlieferungen und Leistungen vorgenommen. Damit wurde nicht nur die finanzielle Abhängigkeit von den Lieferanten verringert, sondern insbesondere durch die verstärkte Ausnutzung der Lieferantenskonti der allgemein verschlechterten Ertragsentwicklung entgegengewirkt.
