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Die Koordienierungsausschuß für Werbewissenschaft und Werbewirtschaft und die Errichtung eines Dokumentations- und Informationszentrum der Werbung

von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund Sundhoff
Der Koordinierungsausschuß
Der Koordinierungsausschuß für Werbewissenschaft und Werbewirtschaft wurde 1967 von der Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft und dem Zentralausschuß der Werbewirtschaft gegründet. Durch diese Gründung ist eine gemeinsame Institution geschaffen, in der die seit langem gewünschte engere Zusammenarbeit zwischen Werbewissenschaft und Werbewirtschaft realisiert werden kann.
Der Wünsch nach einer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis wurde auf dem „Internationalen Kongreß 1966 über Werbung als Forschungsgebiet und Lehrfach der Hochschulen" von der Werbewirtschaft1 ausdrücklich vorgetragen. Die im Anschluß an den Kongreß vom Präsidenten des Zentralausschusses der Werbewirtschaft, Dr. Wilhelm Tigges, initiierten Gespräche mit dem Präsidenten der Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. Rudolf Seyffert, führten zu dem Entschluß beider Organisationen, ein ständiges gemeinsames Gremium zu schaffen, das der Werbetheorie, als Erkenntnis- und Erklärungssystem, und der Werbepolitik, als Entscheidungs- und Handlungssystem, in gleicher
Weise nützlich ist.
Der Koordinierungsausschuß trat am 14. Oktober 1967 zu seiner Gründungssitzung zusammen. Ausschußmitglieder sind (Stand Dezember 1968):
Vorsitzende:
Prof. Dr. Dr. hT c. Rudolf Seyffert, Köln,
Präsident der Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft (DWG)
Dr. Wilhelm Tigges, Bad Godesberg,
Präsident des Zentralausschusses der Werbewirtschaft e. V. (ZAW)
Vertreter der Deutseben Werbewissenschaftlichen Gesellschaft:
Prof. Dr. Theo Herrmann, Marburg
Prof. Dr. Dr, h. c, Carl Hundhausen, Aachen
Prof. Dr, Robert Nieschlag, München
Prof. Dr. Edmund Sundhoff, Köln
Vertreter des Zentralausschusses der Werbewirtscbaft:
Horst J. Hosmann, München
Dipl.-Volkswirt Alfred Mahler, Ludwigsburg
Axel Springer, Berlin
Hubert Strauf, Essen
Für die Geschäftsführung, die gemeinsam bei der DWG und dem ZAW liegt, sind Dr. Friederike Käsfing (DWG) und Dipl.-Volkswirt Walter Bergmann (ZAW) benannt.
Der Entschluß zur institutionalisierten Zusammenarbeit folgte aus der Erkenntnis, daß Werbeforschung, Werbelehre, Werbeausbildung, praktische Werbepolitik und Werbetechnik als voneinander abhängige und sich gegenseitig beeinflussende Bereiche einer ständigen Abstimmung bedürfen. Der Koordinierungsausschuß sieht daher seine Hauptaufgabe in einer Intensivierung des Informationsaustausches zwischen und in den Bereichen der Werbewissenschaft und Werbewirtschaft, sowie in einer Förderung von Werbeforschung und Werbelehre. Für die Lösung dieser Aufgaben wurde folgendes Arbeitsprogramm entworfen:
1. Planung und Vorbereitung eines Dokumentations- und Informationszentrums mit einer zentralen Fachbibliothek und einem zentralen Archiv, einer zentralen Sammlung von Werbemitteln sowie einer literarischen Auskunftsstelle
2. Sammlung von werblich relevanten Informationen aus der Wirtschaft und ihre Übermittlung an die Hochschulen
3. Ausarbeitung von Empfehlungen für die Gestaltung der Werbelehre an den Hochschulen und Fachschulen
4. Ausarbeitung eines Schwerpunktprogrammes für werbewissenschaftliche Forschungsvorhaben
5. Beratung von forschungsbereiten Stellen bei der Formulierung von Aufgaben und Projekten der Werbeforschun
6. Bemühungen um die Finanzierung von werbewissenschaftlichen Forschungsvorhaben
7. Schaffung der Voraussetzungen für die Herausgabe einer werbewissenschaftlichen Zeitschrift.
Als förderlich für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis kann gewertet werden, daß Werbewissenschaft und Werbepraxis sich bisher schwerpunktmäßig mit der Wirtschaftswerbung befaßten. Durch diese gemeinsame Arbeits- und Erfahrungsgrundlage ist zugleich der Ausgangspunkt für eine vertiefte Zuwendung zu allgemeinen Werbeproblemen und für eine generelle Erklärung des Phänomens Werbung gegeben.
Für die Gestaltung der Werbelehre an den Hochschulen (Programmpunkt 3) bereitet der Koordinierungsausschuß einen Studienführer vor, der Mitte 1969 erscheinen wird. Der Studienführer wird in einem allgemeinen Teil Auskunft geben über die Wissensgebiete, aus denen sich das Lehrfach Werbung zusammensetzt, über die Hochschulen, an denen die Werbelehre gepflegt wird, und über die Prüfungsmöglichkeiten. Über das Lehrangebot der Hochschulen zur Werbung wird eine Zusammenstellung zu Beginn jedes Semesters veröffentlicht. Die Zusammenstellung für das Wintersemester 1968/69 ist als Sondernummer der ZAW-Nachrichten am 15. Oktober und 15. November 1968 publiziert.
Zur Planung und Vorbereitung eines Dokumentationsund Informationszentrums der Werbung (Programmpunkt 1) hat der Koordinierungsausschuß ein Memorandum ausgearbeitet, das nachfolgend abgedruckt ist.
Memorandum über die Errichtung eines Dokumentations- und Informationszentrum der Werbung
Für die wissensdiaftliche Behandlung der Werbung als wirtschaftliches, psychologisches, soziales, rechtliches und allgemein kulturelles Phänomen und für die Nutzung der Forschungsergebnisse in der Werbepraxis ist notwendige und wichtigste Voraussetzung ein Dokumentations- und Informationszentrum der Werbung.
Der interdisziplinäre Charakter der Werbung — sie bezieht ihre theoretischen Grundlagen aus einer Vielzahl von Fachdisziplinen — und die Verbreitung der Werbung in ihren bisherigen Anwendungsgebieten sowie ihr Vordringen in neue — wirtschaftliche und nichtwirtschaftliche — Bereiche verlangen nach einer Zusammenfassung aller theoretischen und praktischen Kenntnisse über die Werbung.
Die starke Ausdehnung und Intensivierung der Werbetätigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten führte vorrangig zur Klärung anwendungstechnischer Fragen. Demgegenüber traten Bemühungen in den Hintergrund, die werbetheoretischen Grundlagen aus einer Vielzahl von Fachdisziplinen zusammenzufassen und die verfügbaren empirischen Daten und Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Anwendungsgebieten der Werbung zu sammeln, aufzubereiten und für die Lösung allgemeiner Fragen der Wissenschaft und Praxis zugänglich zu machen.
Der Aufbau eines Fachzentrums kann gegenwärtig ohne größere sachliche Schwierigkeiten realisiert werden, da der Umfang des zu sammelnden Materials noch überschaubar ist. Durch die Einrichtung eines Dokumentations- und Informationszentrums wird außerdem die Möglichkeit geschaffen, dezentralisiert vorhandene Sammlungen von Werbematerial einer zentralen Stelle zu übertragen und so für das gesamte Fachgebiet Werbung zu erschließen.
Der Koordinierungsausschuß für Werbewissenschaft und Werbewirtschaft hat daher die Planung und Vorbereitung eines Dokumentations- und Informationszentrums der Werbung in sein Arbeitsprogramm aufgenommen (Punkt 1 des Arbeitsprogrammes). Mit dem nachstehenden, von ihm ausgearbeiteten Plan empfiehlt er die Errichtung eines solchen Zentrums.
Der Entwurf der Arbeitsgebiete und Einrichtungen ist auf den wünschenswerten Umfang des Zentrums abgestellt, der in stufenweise zu vollziehendem Aufbau erreicht werden kann.
Plan für die Errichtung eines Dokumentations- und Informationszentrums der Werbung
Das Dokumentations- und Informationszentrum der Werbung (DIZW) hat die Aufgabe, die gesamte Literatur und alle sonstigen Unterlagen zu sammeln und aufzubereiten, die Kenntnisse über die Werbung vermitteln. Die gewonnenen Informationen stehen allen fachlich interessierten Personen und Institutionen zur Verfügung.
A. Arbeitsgebiete und Einrichtungen des Zentrums
1. Fachbibliothek

Die zu sammelnde Literatur umfaßt nicht nur die Werbeliteratur im engeren Sinne, sondern auch das Schrifttum der Fachdisziplinen, die Grund- oder Hilfswissenschaften der Werbelehre sind, oder die über die Anwendungsgebiete mit der Werbung verknüpft sind. Den Grundstock der Literatursammlung bilden
Bibliographien und Referatensammlungen
Monographien Sammel- und Nachschlagewerke
Periodika
Aufsätze
Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationsschriften
Festschriften
Tagungs- und Kongreßberichte, Vortragsmanuskripte
Werberechtliche Entscheidungen.
2. Facharchiv
Die sonstigen Unterlagen, die Einblick in Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle der Werbung vermitteln, sind vor allem Verbands-, Firmen-, Institutsveröffentlichungen Organisations- und Ftmktionspläne von Werbeabteilungen und Werbebetrieben
Werbepläne
Werbeetats
Werbestatistiken
Verträge, Satzungen
Preislisten, Konditionen
Sonstige Informationsträger (z. B. Bild- und Tonkonserven).
Außerdem ist eine Sammlung von Werbemitteln einzurichten. Hauptgruppen der Werbemittelsammlung sind:
Gedruckte Werbemittel (Anzeigen, Plakate, Prospekte, Kataloge)
Filme, Diapositive, Tonbänder, Schallplatten
Verpackungen
Dekorationsmaterial
Werbegeschenke
Markenzeichen
Entwürfe von Werbemitteln.
Neben der Sammlung von Einzelstiicken der Werbemittel kann ein Diapositiv- bzw. Mikrofilmärchiv reproduzierbarer Werbemittel angelegt werden.
3. Generalkatalog der Werbung
Das in der Fachbibliothek und in dem Facharchiv gesammelte Material wird durch die Erstellung eines Generalkataloges
aufbereitet.
Es ist vorzusehen, den Generalkatalog in die Hauptkataloge
Katalog der Werbeliteratur
Katalog der Werbeforschung und Werbelehre
Bestandskatalog der Sammlungen zu gliedern.
Für die Erstellung von Spezialkatalogen, d. h. für eine weitere Untergliederung der Hauptkataloge, sind als wichtigste Gliederungskriterien zu nennen:
Sachgebiet
Person
Institution
Art und Standort des Informationsträgers.
Für die Erstellung des Kataloges sollten moderne Dokumentationsverfahren gewählt werden.
4. Referatensammlung
In diese Sammlung sollen Kurzreferate über die Werbeliteratur und über Einrichtungen der Werbeforschung und der Werbelehre aufgenommen werden.
5. Auskunft- und Publikationsstelle
Die Auskunft«- und Publikationsstelle vermittelt die durch die Sammlungen gewonnenen Informationen an Werbewissenschaft und Werbepraxis. Grundlage hierfür ist der Generalkatalog der Werbung und die Referatensammlung.
Zur Informationsübermittiung an Auskunftssuchende sind die Benutzung der Literatur und des Archivmateriäls in Lese- und Arbeitsräumen, die Ausleihe dieser Unterlagen sowie die mündliche und schriftliche Auskunftserteilung vorgesehen. Dabei soll nach Möglichkeit von einer Reproduktion (Kopienherstellung) sowie von der direkten Übermittlung der Daten aus den eingesetzten Anlagen (z. B. EDV-Anlagen) Gebrauch gemacht werden.
Die vorgesehene Veröffentlichung von Informationen von allgemeiner Bedeutung, z. B. von Bibliographien, und Referaten, kann in Spezialpublikationen oder in den Organen der Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft und des Zentralausschusses der Werbewirtschaft erfolgen.
B. Nutzungsmöglichkeiten des Zentrums
Die Dienste des Dokumentations- und Informationszentrums der Werbung stehen allen Informationssuchenden entsprechend den Bestimmungen der Geschäftsordnung zur Verfügung. Im einzelnen sind folgende Arten der Informationsübermittlung vorgesehen:
Literaturdienst Periodisdie Veröffentlidiung von Bibliographien über die in- und ausländische Werbeliteratur;
Erstellung von Literaturübersichten zu speziellen Themen;
Periodische Veröffentlidiung von Kurzreferaten über die Werbeliteratur;
Ausleihe von Schrifttum;
Erstellen von Kopien;
Archivdienst Periodische Veröffentlichung von Verzeichnissen der Institutionen (inkl. Beschreibungen) und Personen aus Werbeforschung, Werbelehre und Werbepraxis;
Veröffentlichung von sonstigen Nachrichten aus diesen Bereichen;
Ausleihe von Forschungs- und Ansdiauungsmaterial;
Erstellen von Kopien;
Auskunftserteilung Mündliche und schriftliche Auskunftserteilung auf Anfrage;
Bereitstellen von Lese- und Arbeitsräumen.
Der Benutzerkreis wird sich aus folgenden Gruppen zusammensetzen:
Forschung und Lehre Hochschulen und Fachschulen;
Sonstige Lehr- und Forschungsinstitutionen;
Werbende Bereiche Werbewirtschaft in engerem Sinne (Werbungdurchführende, Werbeagenturen und Werbungsmittler,
Werbungschaffende);
Werbungtreibende aus Industrie, Handel, Landwirtschaft, Dienstleistungsgewerbe, einschließlich der
in diesen Bereidien tätigen Verbände und Organisationen;
Organisationen und Institutionen mit politischen und ideellen Zielsetzungen (Behörden, Kultureinrichtungen, Sozialpartner, Religionsgemeinsdiaften, karitative Organisationen);
Publizistik und Information Presse, Rundfunk, Fernsehen;
Behördliche und private Informationsstellen;
öffentliche Körperschaffen Legislative und Exekutive (Parlamente und Behörden des Bundes, der Länder und Gemeinden);
Politische Parteien;
Ausland Nationale und internationale Institutionen aus den Bereichen Forschung und Lehre, Werbung, Publizistik und Information, öffentliche Körperschaften.
C. Status des Zentrums
Das Zentrum arbeitet nach einer Geschäftsordnung, die von seiner Trägerorganisation aufgesetzt wird. Die Trägerorganisation soll eine Institution sein, die sicherstellt, daß das Zentrum gemeinnützig und unabhängig arbeiten kann. Der Koordinierungsausschuß empfiehlt, die Trägerorganisation in Form einer Stiftung einzurichten, die auch allgemein der Förderung der Werbeforschung dienen könnte.
Das Zentrum soll in enger Verbindung mit den Hochschulen stehen, an denen Werbelehre und Werbeforschung; gepflegt werden, sowie mit öffentlichen und privaten Institutionen, durch die eine unabhängige Werbeforschung gefördert wird.
D. Schema der Arbeitsgebiete und Einrichtungen des Dokumentations- und Inforrnationszentrums der Werbung
ARBEITSGEBIETE
I. Sammeln, archivieren, katalogisieren
1. Werbefachliche Literatur und Literatur der Nachbardisziplinen
Bibliographien
Monographien
Sammel-, Nachschlagewerke
Periodika
Aufsätze
Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationsschriften
Festschriften
Tagungs-, Kongreßberichte, Vortragsmanuskripte
Werberechtliche Entscheidungen
2. Sonstiges Forschungs- und Anschauungsmaterial aus der Werbepraxis
Verbands-, Firmen-, Institutsveröffentlichungen
Organisatiöns- und Funktionspläne von Werbeabteilungen und Werbebetrieben
Werbepläne, Werbeetats
Werbestatistiken
Verträge, Satzungen
Preislisten, Konditionen
Bild- und Tonkonserven
3. Werbemittel
gedruckte Werbemittel (Anzeigen, Plakate, Prospekte, Kataloge)
Bild- und Tonkonserven (Filme, Diapositive, Tonbänder, Schallplatten)
Verpackungen
Dekorationsmaterial
Werbegeschenke
Markenzeichen
Entwürfe von Werbemitteln
II. Referieren
Ausarbeitung von Kurzreferaten über die gesammelte Literatur und die sonstigen Unterlagen
die Institutionen und Personen der Werbeforschung Werbelehre, Werbepraxis
III. Auskunflerteilen
mündliche und schriftliche Auskunftserteilung Benutzung der Literatur und des Archivmaterials in Lese- und Arbeitsräumen
Ausleihe der Literatur und des Archivmaterials
Anfertigen von Kopien
IV. Publizieren
Bibliographien
Referatenblätter
Übersichten über Forschungs- und Lehreinrichtungen
EINRICHTUNGEN
I. Generalkatalog der Werbung
a) Katalog der Werbeliteratur
b) Bestandskatalog der Sammlungen
c) Katalog der Institutionen und Personen der Werbeforschung und Werbelehre
(EDV-Anlage)
1. Fachbihliotkek
Übliche Einrichtungen und evtl. Mikrofilmarchiv
2. Facharchiv
Übliche Einrichtungen und Mikrofilmarchiv
3. Sammelstelle für Werbemittel
Übliche Einrichtungen, evtl. Mikrofilm- und Diapositivarchiv
II. Referatensammlung
Kartei und Mikrofilmarchiv, evtl. EDV-Speicherung
III. Auskunfisstelle
1. Auskunftspersonen
2. Lese- und Arbeitsräume
3. Ausleihe
4. Kopien und Mikrofilme
IV. Publikationsstelle
1. Eigene Veröffentlichungen
2. Veröffentlichungen in Organen des ZAW und der
DWG

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