Die Standorteinflüsse im Einzelhandel
von Dr. Hans PhilippiI. Die Standortfaktoren der Ladenhandlung
Mehr als in anderen Bereichen der Wirtschaft ist im Einzelhandel der Erfolg der betrieblichen Tätigkeit von der richtigen Standortwahl abhängig. Zopp 1) kommt in seiner Untersuchung „Differenzierungsgründe der Leistung bei gleichartigen Einzelhandelsbetrieben" zu dem Ergebnis, daß nach dem qualitativen Niveau der Betriebsleitung (Unternehmerqualität) im Einzelhandel der Standortqualltät der stärkste Einfluß auf die Leistung zuzumessen ist. Die besondere Bedeutung des Standorts ergibt sich vornehmlich aus der Tatsache, daß der als Ladenhandlung geführte Einzelhandelsbetrieb auf den Besuch seiner Abnehmer angewiesen ist und damit bedarfsorientiert sein muß. Infolge dieser Notwendigkeit sind bei der Standortwahl zahlreiche Komponenten zu berücksichtigen, die auf Grund des abweichenden Bedarfscliarakters der geführten Waren branchenindividuelle Unterschiede aufweisen.
Nach SeyfTert 2) sind es der Konsum, der Verkehr, die Konkurrenz und der Raum, die als Faktoren die Standortwahl des Einzelhandelsbetriebes beeinflussen, Voraussetzung der Existenz eines Ladengeschäftes ist eine bestimmte Konsumdichte,, die in der Zahl der potentiellen Kunden ihren Ausdruck findet. In kleineren ländlichen Orten reicht beispielsweise die Zahl der Konsumenten nicht aus, um etwa ein Spezialgeschäft mit Lederwaren lebensfähig zu erhalten. Ein Gemischtwarengeschäft wird dagegen durchaus bestehen können. Während die Konsumdichte in erster Linie die Standortwahl im Hinblick auf die Ortsgröße beeinflußt, sind die Konsumhäufigkeit und die Konsumwertigkeit Bestimmungsfaktoren für den lokalen Standort innerhalb eines Ortes. Der Absatz von Waren des kurzfristigen niedrigwertigen Bedarfs neigt zur Dezentralisation. Der Verkauf von Gütern des langfristig zu deckenden hochwertigen Bedarfs tendiert dagegen zur Zentralisation.
Die Zentralisation ist unmittelbar verbunden mit dem Standortfaktor Verkehr, der vornehmlich in der Verkehrsfrequenz und der Verkehrsakkumulation seinen Ausdruck findet. Die verkehrsreichen Straßen und Plätze in den Citylagen der Großstädte und die Hauptdurchgangsstraßen der Vororte sind eindeutige Ballungszentren der Einzelhandelsbetriebe. Durch den in den letzten Jahren in starkem Maße angewachsenen Verkehr ist allerdings die Standortplanung des Einzelhandels vor neue Probleme gestellt worden. Die Verkehrszukunft, nach SeyfTert ein weiteres Merkmal der Standortwahl des Einzelhandelsbetriebes, hat an Bedeutung erheblich zugenommen. Als Folge der städtebaulichen Planungen, vor allem
im Hinblick auf die Verkehrsregelungen in den Innenstädten und die Gestaltung der städtischen Randsiedlungen, sowie als Folge der Gründung von Einkaufszentren außerhalb der Städte, ergeben sich zur Zeit erhebliche Einflüsse auf die Standortbildung im Einzelhandel.
Die Konkurrenz hat als Standortfaktor auf Grund des Bedarfscharakters der Waren zwei entgegengesetzte Auswirkungen. Hochwertige Waren des langfristigen Bedarfs neigen zu einer Konkurrenzanziehung (Konkurrenzakkumulation), die durch das Bedürfnis der Konsumenten, bei langlebigen teuren Konsumgütern einen Vergleich des Angebots durchzuführen, bewirkt wird. Dagegen ist bei Waren des täglichen Bedarfs ein konkurrenzabstoßender Einfluß (Konkurrenzevitation) festzustellen, der zu einer Dezentralisation des Angebotes in die Wohngebiete der Städte führt.
Auch vom Raum, als dem vierten der von Seyffert angeführten Standortfaktoren des Einzelhandels, gehen maßgebliche Einflüsse aus. Sie werden in erster Linie durch den Raumbedarf und die Raumkosten bestimmt. So wird beispielsweise der Möbeleinzelhandel, der auf Grund der Sperrigkeit der geführten Waren auf den Absatz bezogen einen wesentlich größeren Raumbedarf hat als der Einzelhandel allgemein, unter Berücksichtigung der Mietkostenbelastung in der Regel nicht die besten und damit teuersten Verkehrslagen bevorzugen, obwohl er infolge des Vergleichsbedürfnisses der Kunden beim Einkauf hochwertiger Möbel zur Konkurrenzakkumulation in der zentralen Lage tendiert.
Die Gegenüberstellung der Einflüsse der einzelnen Standortfaktoren weist darauf hin, daß sie nicht einzeln, sondern nur in ihrer Gesamtheit betrachtet werden können, Konsumhäufigkeit und Konsumwertigkeit stehen auf Grund ihrer Abhängigkeit vom Bedarfscharakter der Waren in engem Zusammenhang mit der Konkurrenzakkumulation und der Konkurrenzevitation. Die Konkurrenzakkumulation wiederum ist eng mit der Verkehrsfrequenz verbunden, deren Folge sie in der Regel ist, deren Ursache sie jedoch auch sein kann, Die Vielzahl der mit der Standortwahl im Einzelhandel verbundenen Probleme, vor allem auch die sich zur Zeit vollziehenden Strukturwandlungen in den Städten, haben diesem Bereich der Handelsforschung eine immer stärker werdende Bedeutung zukommen lassen. Besonders groß ist das Bedürfnis, die auf Grund der Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse durch empirische Untersuchungsergebnisse zu untermauern und soweit wie möglich zu quantifizieren. Als eine wertvolle Grundlage empirischer Standortanalysen im Einzelhandel haben sich hierbei die Betriebsvergleichsergebnisse des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln erwiesen.
II. Der Betriebsvergleich als Materialgrundlage
Der Betriebsvergleich, den das Institut für Handelsforschung im Jahre 1949 aufgenommen hat, erfaßt heute im Einzelhandelsbereich rund 5000 Firmen aus 43 Branchen
und Teilbranchen. Die Erhebungen erfolgen monatlich, tertialsweise sowie jährlich und berücksichtigen neben den wesentlichen Angaben zur Betriebsstruktur wie Betriebsgröße, Standort und Sortimentszusammensetzung alle wichtigen Meßzahlen zur Beurteilung der Umsatz-, Leistungs-, Kosten- und Ertragslage der untersuchten Einzelhandelsbetriebe. Neben seiner Zwecksetzung, dem Einzelbetrieb als Gradmesser der Wirtschaftlichkeit und der Wirtschaftpolitik sowie den Wirtschaftsorganisationen als Orientierungshilfe zur Beurteilung der Situation und der Entwicklung der erfaßten Branchen zu dienen, fällt ihm auch eine wichtige Aufgabe im Bereich der Handelsforschung zu. Auf dem empirischen Zahlenmaterial aufbauend können Erkenntnisse über die Zusammenhänge der Betriebsstruktur und der Betriebsgebarung gewonnen werden. Durch die Feststellung von Gesetzmäßigkeiten, ihren Ursachen und Auswirkungen lassen sich Anhaltspunkte für die zweckmäßige Gestaltung der Betriebe finden.
Die Umstellung des Betriebsvergleichs im Jahre 1963 auf elektronische Datenverarbeitung ermöglichte es, die wissenschaftliche Auswertung des Zahlenmaterials erheblich zu intensivieren. Seit 1963 werden die Betriebsvergleichsergebnisse nach allen Strukturmerkmalen und allen Meßzahlen zur Leistungs-, Kosten- und Ertragssituation gruppiert. Als eine besonders aufschlußreiche Sonderauswertung hat sich hierbei die Gruppierung nach Geschäftslagen erwiesen. Zur Kennzeichnung des Standortes werden im Rahmen des Betriebs Vergleichs neben der Ortsgröße folgende Geschäftslagen berücksichtigt:
A. Lage in Städten mit ausgebildeten Vororten
1. Hauptverkehrslage in der Innenstadt
2. Mittlere Verkehrslage in der Innenstadt
3. Ruhige Verkehrslage in der Innenstadt
4. Hauptverkehrslage im Vorort oder Außenbezirk
5. Nebenverkehrslage im Vorort oder Außenbezirk
6. Lage in abgeschlossener städtischer Randsiedlung
B. Lage in Städten ohne Vorortbildung
1. Hauptverkehrslage
2. Nebenverkehrslage
C. Lage in Orten, in denen Verkehrsunterschiede keine Bedeutung haben
D. Sonderlagen, z. B, Bahnhofsverkaufsstellen oder ähnliches
Sämtliche Betriebsvergleichsergebnisse der Jahre 1963, 1964 und 1965 sind aufgegliedert nach Branchen zu Durchschnittswerten der einzelnen Geschäftslagen zusammengestellt
worden. Damit ist die Möglichkeit gegeben, den Einfluß der jeweiligen Geschäftslage auf die Gesamtsituation der Betriebe zu analysieren.
Eine allgemeingültige Aussage kann jedoch nur für die Branchen gemacht werden, deren Berichtsbasis eine ausreichende Repräsentanz gewährleistet. Unter Berücksichtigung dieses Tatbestandes wurden für die vorliegende Untersuchung die folgenden zehn Branchen ausgewählt, für die diese Voraussetzung voll oder jedoch weitgehend zutrifft.
Lebensmitteleinzelhandel
Drogerien
Textileinzelhandel
Schuheinzelhandel
Möbeleinzelhandel
Eisenwaren- und Hausrathandel
Tapeten- und Linoleumhandel
Radio- und Fernseheinzelhandel
Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel
Sortimentsbuchhandel
Die Aufstellung läßt erkennen, daß im. wesentlichen alle umsatzmäßig bedeutungsvollen Branchen berücksichtigt worden sind. Auch im Hinblick auf die vom Bedarfscharakter der Waren ausgehenden unterschiedlichen Einflüsse auf den Standort ist die Branchenauswahl abgerundet. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Drogerien repräsentieren die Branchen des kurzfristigen Bedarfs mit vergleichsweise niedrigen Betragen je Einzelverkauf. Der Textileinzelhandel und der Schuheinzelhandel führen vorwiegend modische Waren des mittelfristigen Bedarfs in durchschnittlich mittleren Preislagen. Für den Möbeleinzelhandel und den Radio- und Fernseheinzelhandel ist die Langfristigkeit des Bedarfs und der in der Regel hohe Einkaufsbetrag charakteristisch. Der Möbeleinzelhandel gehört außerdem zu den Branchen, deren Standortwahl durch den hohen Raumbedarf beeinflußt wird. Dies gilt weitgehend auch für den Eisenwaren- und Hausrathandel und den Tapeten- und Linoleumhandel, bei denen sich zusätzlich noch der relativ hohe Anteil der gewerblichen Abnehmer auf die Standortwahl auswirkt. Mit dem Sortimentsbuchhandel und dem Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel sind schließlich zwei Branchen mit Kultur- und Luxusbedarf erfaßt. Hier, wie auch bei allen übrigen in die Untersuchung einbezogenen Branchen, können die gewonnenen Ergebnisse als Beurteilungsgrundlage für andere Fachzweige mit entsprechendem Bedarfscharakter der Waren dienen.
Im Interesse der Aussagefähigkeit der Ergebnisse wurden, abgesehen, von Tabelle 1, die einen Überblick über die Zahl der erfaßten Betriebe, aufgegliedert nach Branchen und Geschäftslagen, gibt, in allen übrigen Tabellen nur dann Durchschnittswerte ausgewiesen, wenn jeweils die Zahlen von mindestens zehn Firmen vorlagen, Eine Begrenzung erfolgte auch im Hinblick auf die Zahl der Geschäftslagen. Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sind nur die Geschäftslagen in den Städten mit ausgebildeten Vororten. Hierbei konnten allerdings die Ergebnisse der Betriebe in abgeschlossenen städtischen Randsiedlungen nicht einbezogen werden, da keine ausreichende Beteiligung gegeben war. Das Zahlenmaterial bezieht sich nur auf das Jahr 1965. Auf eine entsprechende Dokumentation der Ergebnisse für 1963 und 1964 wurde verzichtet, da die festgestellten Tendenzen für alle Vergleichsjahre zutreffen. In den wiedergegebenen Tabellen sind nur die Zahlen für die einzelnen Branchen ausgewiesen. Eine Berechnung von Gesamtdurchschnittswerten erschien nicht zweckmäßig, da die Standorteinflüsse im Einzelhandel nur branchenindividuell zu analysieren sind.
III. Die Gliederung der Einzelhandelsbetriebe nach dem Standort
In Tabelle 1 sind die an der Untersuchung beteiligten Einzelhandelsbetriebe nach Branchen und Geschäftslagen aufgegliedert worden. Die Tabelle läßt erkennen, welche Zahl von Meldungen den errechneten Durchschnittswerten für die jeweilige Geschäftslage zugrunde liegt. Sie ermöglicht darüber hinaus auch gewisse Rückschlüsse auf die unterschiedliche Standortwahl in den einzelnen Branchen. Zwar entspricht die Verteilung auf die fünf Geschäftslagen der Innenstadt und der Vororte nicht der wirklichen Aufgliederung des gesamten Einzelhandels, da am Betriebsvergleich in verhältnismäßig starkem Umfang größere Firmen beteiligt sind, die mehr zu Citylagen hin tendieren, jedoch weisen die Relationen zwischen den Branchen auf den Trend der Standortwahl hin. Das Schwergewicht des Lebensmitteleinzelhandels Hegt eindeutig in den Vororten, wobei sieh hier eine in etwa gleichmäßige Verteilung auf Haupt- und Nebenverkehrslagen ergibt. In der Innenstadt befindet sich die Mehrzahl der erfaßten Lebensmittelgeschäfte in mittleren Verkehrslagen. Bei den in einer Hauptverkehrslage befindlichen Firmen handelt es sich fast ausschließlich um Feinkostgesehäfte. Insgesamt bestätigen die Zahlen des Lebensmitteleinzelhandels die Feststellung, daß bei Branchen mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs eine Dezentralisation der Standorte vorliegt. Der Konsument, der kurzfristig seinen Bedarf an Lebensmitteln zu decken hat, ist nicht bereit und vielfach auch nicht in der Lage, lange Wege in Kauf zu nehmen. Tendenziell ähnlich ist auch die Situation bei den Drogerien. Infolge der kurzfristig auftretenden Nachfrage bei der Mehrzahl der von ihnen geführten Waren neigen auch sie zur Dezentralisation. Allerdings kommt bei den Drogerien der Hauptverkehrslage in der Innenstadt im Vergleich zum Lebensinitteleinzelhandel eine größere Bedeutung zu.
Hier steht die Standortwahl in engem Zusammenhang mit der Sortimentsstruktur. Mit zunehmendem Anteil an Fotoartikeln und hochwertigen Kosmetika zeigt sich bei den Drogerien der Zug zur Citylage oder zur Hauptverkehrslage der Vororte. Sowohl im Textil- als auch im Schuheinzelhandel ist eine Konzentration in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt und - allerdings in geringerem Umfang - in den mittleren Verkehrslagen der Innenstadt und in den Hauptverkehrslagen der Vororte zu erkennen. Die Zentralisation ist hier eine Folge des Bedürfnisses vor allem der weiblichen Kunden, das vorwiegend modische Angebote einem sorgfältigen Vergleich zu unterziehen. Da der Gesamtbedarf im Bekleidungsbereich relativ groß ist, bietet sich auch in den Hauptverkehrslagen der Vororte für diese Betriebe vielfach noch eine für die Existenz ausreichende Absatzchance. Eine ähnliche Standortverteilung wie im Textil- und Schuheinzelhandel ist auch im Radio- und Fernseheinzelhandel vorzufinden. Anders ist dagegen die Situation im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel. Diese Branche weist eine eindeutige Konzentration in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt auf. Die Hochwertigkeit des Bedarfs, der in der Regel nur sehr langfristig anfällt, bringt ein besonders intensives Orientierungsbedürfnis der Käufer mit sich, das nur bei einer Zentralisation der Geschäfte in der Innenstadt in vollem Umfang befriedigt werden kann. Bei den Branchen mit Wohnungs- und Hausratbedarf, dem Möbeleinzelhandel, dem Eisenwarenund Hausrathandel und dem Tapeten- und Linoleumhandel steht als Standort die mittlere Verkehrslage in der Innenstadt im Vordergrund. Eine der Ursachen hierfür liegt in dem infolge der Sperrigkeit der Güter verhältnismäßig hohen Raumbedarf dieser Betriebe, der in den Hauptverkehrslagen in der Regel eine nicht tragbare Kostenbelastung mit sich bringen würde. Hinzu kommt das mit der An- und Auslieferung der Waren verbundene Transportproblem, das besonders im Möbeleinzelhandel von Bedeutung ist. Raummangel und Transportschwierigkeiten haben in den letzten Jahren eine zunehmende Verlagerung des Möbeleinzelhandels in die Vororte mit sich gebracht. Im Eisenwaren- und Hausrathandel sowie im Tapeten- und Linoleumhandel wirkt sich außerdem der vergleichsweise große Anteil der gewerblichen Abnehmer aus. Es handelt sich hierbei um einen Kreis von Stammkunden, für die der Einzelhandel einen Teil der Lagerfunktion übernimmt. Verbunden ist hiermit die Notwendigkeit einer Orientierung nach dem Standort der Abnehmer, die zwangsläufig zu einer Dezentralisation im Bereiche der Innenstadt führt.
IV. Standort und Betriebsgröße
Bei einer Analyse des Einflusses des Strukturmerkmals Standort auf die Situation der Einzelhandelsbetriebe sind die Auswirkungen auf andere strukturelle Gegebenheiten von denen, die sich bezüglich des Leistungsvollzugs ergeben, zu unterscheiden. Oft besteht allerdings ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Struktur- und Leistungseinfluß. So wird beispielsweise die Lagerumschlagsgeschwindigkeit im Einzelhandel in starkem Maße durch die Betriebsgröße bestimmt, so daß bei einer Abhängigkeit der Betriebsgröße vom Standort die Verursachung sekundär auf ihn zurückgeführt werden kann.
Aus Tabelle 2 ist ersichtlich, welche Betriebsgröße die an der Untersuchung beteiligten Einzelhandelsgeschäfte im Jahre 1965 in den einzelnen Branchen und Geschäftslagen aufwiesen. Als Merkmal für die Betriebsgröße wurde hierbei die Zahl der beschäftigten Personen je Betrieb zugrunde gelegt. Infolge der vergleichsweise starken Beteiligung der größeren Firmen am Betriebsvergleich bieten die Werte in ihrer absoluten Höhe keinen Maßstab für die Betriebsgrößenverhältnisse des Einzelhandels insgesamt. Auf Grund der Relationen lassen sich jedoch einige aufschlußreiche Erkenntnisse gewinnen. Abgesehen vom Tapeten- und Linoleumhandel, der in der Hauptverkehrslage und in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt in etwa die gleiche Beschäftigtenzahl je Betrieb aufweist, ist bei allen anderen Branchen tendenziell eine Verminderung der Betriebsgröße von der Hauptverkehrslage der City zu den übrigen Geschäftlagen festzustellen. Der erfaßte Lebensmitteleinzelhandel verfügte 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt mit 19,2 beschäftigten Personen über mehr als das Vierfache an Personal als in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt (4,4). Bei den Drogerien steht einer durchschnittlichen Beschäftigtenzahl von 12,2 in der Hauptverkehrslage der City eine von 3,2 in der Nebenverkehrslage der Vororte gegenüber. Noch erheblich stärker sind die Unterschiede bei den
Branchen mit Textilien und Bekleidung. Während die Textilgeschäfte in der Hauptverkehrslage der Innenstadt 1965 im Durchschnitt 43,5 Personen beschäftigten, waren es in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt 22,4, in der Hauptverkehrslage der Vororte 13,5 und in der Nebenverkchrslage der Vororte 7,5. Im Schuheinzelhandcl verminderte sich die Beschäftigtenzahl in den gleichen Geschäftslagen von 29,1 über 14,2 und 8,5 auf 5,6. Offensichtlich ergibt sich hier eine enge Korrelation zu den Ergebnissen der Tabelle 1, die erkennen ließen, daß sowohl der Textileinzelhandel als auch der Schuheinzelhandel in ihrer Standortwahl zur Hauptverkehrslage der Innenstadt hin tendieren. Dort bestehen für sie eindeutig die besten Umsatzchancen; ein Tatbestand, der letztlich in der Betriebsgröße seinen Niederschlag findet. Bei den Branchen mit Hausrat und Wohnbedarf sind die Abweichungenin der Betriebsgröße erheblich geringer. Dies trifft vor allem auf die Lagen in der Innenstadt zu. Zwar ist sowohl im Möbeleinzelhandel als auch im Eisenwaren- und Hausrathandel die durchschnittlich größte Beschäftigtenzahl in der Hauptverkehrslage der Innenstadt zu finden, jedoch weichen die Zahlen in der mittleren Verkehrslage, die nach Tabelle 1 am stärksten besetzt ist, nur relativ wenig hiervon ab. Im Möbeleinzelhandel wurden von den in die Untersuchung einbezogenen Firmen 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt durchschnittlich 28,1 und in der mittleren Verkehrslage 20,9 Personen beschäftigt. Die Eisenwaren- und Hausrathandlungen verfügten in den gleichen Geschäftslagen über 38,2 bzw. 26,9 beschäftigte Personen. Bei den erfaßten Radio- und Fernsehgeschäften betrug im Untersuchungsjahr die Beschäftigtenzahl in der Hauptverkehrslage der City 25,1. Eine
beachtliche Betriebsgröße ergab sich mit 13,7 Personen jedoch auch in der Hauptverkehrslage der Vororte. Der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel tendiert auf Grund seiner handwerklichen Struktur zum Klemund Mittelbetrieb. Er weist daher von den in die Untersuchung einbezogenen Branchen die geringste Beschäftigtenzahl auf. Sie schwankte 1965 zwischen 9,9 in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt und 5,4 in den Hauptverkehrslagen der Vororte. Verhältnismäßig gering sind auch die Betriebsgrößenunterschiede bei den erfaßten Sortirnentsbuchhändlern. In der Hauptverkehrslage der City wiesen sie 1965 eine Beschäftigtenzahl von 15,4 und in der mittleren, Verkehrslage von 13,1 auf. In der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt wurden durchschnittlich 8,4 und in der Hauptverkehrslage der Vororte 8,1 Personen beschäftigt.
V. Standort und Kapazitätsauslastung
Die Tätigkeit des Einzelhandels ist primär auf die Erzielung des Absatzes ausgerichtet. Aus diesem Grunde setzt die Leistungsbeurteilung im Handel vorwiegend bei Absatz an. Der Gesamtabsatz hat sich hierbei allerdings als ein nur bedingt brauchbarer Maßstab erwiesen, da er in starkem Umfang von der Betriebsgröße abhängig ist. Man verwendet als Leistungsmeßzahlen üblicherweise Beziehungszahlen zwischen dem Absatz und den zu seiner Erzielung eingesetzten Betriebsfaktoren. Um leistungsbereit zu sein, sind im Einzelhandel Personal, Raum und Ware erforderlich. Sie sind der Ausdruck der Betriebskapazität, die dem Einzelhandel zur Erfüllung seiner Aufgaben zur Verfügung steht. Die Relation zwischen den Betriebsfaktoren und der Absatzleistung bringt den Auslastungsgrad der Betriebskapazität zum Ausdruck. Der Absatz je beschäftigte Person ist der Maßstab für die Auslastung des Betriebsfaktors Personal, der Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum für die des Betriebsfaktors Raum und die Lagerumschlagsgeschwindigkeit für die des
Betriebsfaktors Ware. Infolge des hohen Anteiles der fixen Konten, die mit der Leistungsbereitschaft der Einzelhandelsbetriebe verbunden sind, wirkt sich der Grad der Auslastung der einzelnen Faktoren erheblich auf die prozentuale Belastung des Absatzes mit Kosten aus.
In der Intensität der Auswirkung steht hierbei der Absatz je beschäftigte Person an erster Stelle. Mehr als in anderen. Bereichen der Wirtschaft wird im Einzelhandel die gesamte betriebliche Tätigkeit durch den Personaleinsatz bestimmt. Dies wird deutlich, wenn man berücksichtigt, daß im Einzelhandel fast die Hälfte der Gesamtkosten auf Personalkosten entfällt. Nach den Betriebsvergleichsergebnissen des Jahres 1965 3) ergab sich ein Anteil der Personalkosten einschließlich Unternehmerlohn 4) an den Gesamtkosten von 47 %. Die Werte der hier untersuchten Branchen schwankten dabei zwischen 41 % im Möbeleinzelhandel, bei dem ein verhältnismäßig hoher Sachmitteleinsatz erforderlich ist, und 54 % im besonders beratungsintensiven Sortimentsbuchhandel. Da die Personalkosten weitgehend fixen Charakter haben, d. h. unabhängig vom Beschäftigungsgrad in absolut etwa gleichem Umfang anfallen, wird durch die Höhe des Absatzes je beschäftigte Person das gesamte Kostenbild der Betriebe unmittelbar beeinflußt.
Hiervon ausgehend erscheint eine Untersuchung der Frage, inwieweit sich die Geschäftslage auf die Absatzleistung je beschäftigte Person auswirkt, von besonderer Bedeutung. In Tabelle 3 ist eine entsprechende Gegenüberstellung vorgenommen worden, Zwischen den einzelnen Branchen weisen die Ergebnisse erhebliche Abweichungen auf. Im Lebensmitteleinzelhandel wird der höchste Absatz je beschäftigte Person in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt und in den Vorortlagen erzielt. Besonders niedrig ist der Wert in der Hauptverkehrslage der City. Hierbei muß allerdings berücksichtigt werden, daß es sich bei diesen Betrieben in erster Linie um Feinkostgeschäfte handelt, deren Umsatztätigkeit mit einem vergleichsweise hohen Arbeitsaufwand verbunden ist. Bei den Drogerien läßt sich keine einheitliche Tendenz feststellen. Die Werte schwanken in den einzelnen Geschäftslagen, wobei gewisse Vorteile in der Nebenverkehrslage der Vororte und in der Hauptverkehrslage der Innenstadt zu erkennen sind. Eindeutig ist der Trend im Textileinzelhandel. In dieser Branche vermindert sich der Absatz je beschäftigte Person von der Hauptverkehrslage in der City bis zur Nebenverkehrslage in den Vororten kontinuierlich. Auch im Schuheinzelhandel weisen die Geschäfte in der Innenstadt die höchste Personalleistung auf, wobei allerdings im Gegensatz zum Textileinzelhandel im Jahre 1965 das Ergebnis bei den Geschäften in einer mittleren Verkehrslage der Innenstadt etwas besser war als bei den Geschäften in der Hauptverkehrslage. Der Möbeleinzelhandel erzielte im Untersuchungsjahr den höchsten Absatz je Person in den Hauptverkehrslagen der Vororte. Das gleiche gilt auch für den Radio- und Fernseheinzelhandel. Im Eisenwarenund
Hausrathandel sowie im Tapeten- und Linoleumhandel sind es die mittleren und ruhigen Verkehrslagen der City, die die besten Ergebnisse aufweisen.
Eine besonders klare Tendenz ist für den Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel festzustellen. Hier liegt die Hauptverkehrslage der Innenstadt weit vor der mittleren Verkehrslage der Innenstadt und vor der Hauptverkehrslage der Vororte. Im Sortimentsbuchhandel schließlich wird die höchste Personalleistung in der Innenstadt erreicht, wobei die mittlere Lage die Hauptlage geringfügig übertrifft.
Faßt man das Ergebnis zusammen, so ist eine weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Auslastungsgrad des Betriebsfaktors Personal und den auf Grund der Tabelle 1 erkennbaren Trends zur Standortwahl des Einzelhandels festzustellen. Branchen mit Gütern des täglichen Bedarfs, die zur Dezentralisation neigen, weisen in den mittleren und ruhigen Lagen der Innenstadt und in den Vorortlagen die höchsten Absatzleistungen je beschäftigte Person auf. Dies gilt im wesentlichen auch für die Branchen mit Wohnungs- und Hausratbedarf, die als Folge ihres großen Raumbedarfs und des Transportproblems nach den Ergebnissen der Tabelle 1 ebenfalls nicht zur Hauptverkehrslage der City tendieren. Der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel dagegen, der auf Grund des Vergleichsbedürfnisses der Kunden beim Einkauf hochwertiger Waren die Zentralisation bevorzugt,
erreicht in der Hauptverkehrslage der Innenstadt den weitaus besten Auslastungsgrad des eingesetzten Personals. Im Textileinzelhandel, im Schuheinzelhandel und Im Sortimentsbuchhandel, bei denen die Standortwahl durch ähnliche Gesichtspunkte bestimmt wird, ist neben der Hauptverkehrslage auch die mittlere Verkehrslage der Innenstadt von Bedeutung. Die Textileinzelhandlungen weisen hier nur geringfügig niedrigere, der Schuheinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel sogar höhere Umsätze je beschäftigte Person auf als in der Hauptverkchrslage der City.
Wie sich der unterschiedliche Auslastungsgrad der Personalkapazität in den einzelnen Geschäftslagen auf die prozentuale Belastung des Absatzes mit Personalkosten. auswirkt, ist Tabelle 4 zu entnehmen. Von geringfügigen Abweichungen abgesehen, die durch gewisse, tendenziell nicht festlegbare Unterschiede im Gehaltsniveau hervorgerufen werden, sind die Prozentsätze der Personalkosten in den Geschäftslagen am höchsten, wo der niedrigste Absatz je beschäftigte Person ausgewiesen wird. Umgekehrt ergeben sich dort die geringsten Prozentsätze, wo die Auslastung des Personals am größten ist.
Auch die Raumleistung, die auf die gesamte Raumkapazität der Betriebe bezogen im Absatz je Quadratmeter Cesdiäftsraum ihren Ausdruck findet, wird im Einzelhandel in erheblichem Maße durch den Standort beeinflußt. Die in Tabelle 5 wiedergegebenen Ergebnisse lassen zwischen den einzelnen Geschäftslagen deutliche Unterschiede im Auslastungsgrad des eingesetzten Geschäftsraumes erkennen.
Hierbei sind die auftretenden Tendenzen bis auf wenige Ausnahmen ähnlich wie bei der Personalleistung. Im Lebensmitteleinzelhandel wird der höchste Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum in den Vorortlagen und in den ruhigen Verkehrslagen der Innenstadt erreicht. Die Branchen mit Textilien und Bekleidung und die Branchen mit Kultur- und Luxusbedarf, für die alle bisherigen Ergebnisse auf eine Bevorzugung der zentralen Citylage hinweisen, erzielen auch den höchsten Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum in der Hauptverkehrslage der Innenstadt. Im Gegensatz hierzu liegen bei den Branchen mit Wohnungs- und Hausratbedarf die mittleren oder ruhigen Verkehrslagen der Innenstadt an der Spitze. Allerdings sind die Absatzleistungen je Quadratmeter Geschäftsraum in den Hauptverkehrslagen nur wenig niedriger. Die im Vergleich zur Personalleistung relativ geringen
Abweichungen sind auf die Tatsache zurückzuführen, daß unabhängig von dem für die einzelnen Branchen optimalen Standort grundsätzlich von der Hauptverkehrslage der Innenstadt ein RationalisierungsefTekt im Hinblick auf den Einsatz des Betriebsfaktors Raum ausgeht. Die allgemeine Raumknappheit in dieser Geschäftslage, die in entsprechend hohen Mieten je Quadratmeter ihren Niederschlag findet, zwingt die Firmen zu einer besonders intensiven Auslastung des vorhandenen Geschäftsraums.
Wie stark die Unterschiede in der Höhe der Mieten je Quadratmeter Geschäftsraum zwischen den einzelnen Geschäftslagen sind, kann Tabelle 6 entnommen werden. Der Lebensmitteleinzelhandel zahlte 1965 in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt im Durchschnitt 59 DM Jahresmiete je Quadratmeter Geschäftsraum und in den ruhigen Verkehrslagen der City 37 DM. Die Drogerien wiesen die Extremwerte mit 6Q DM in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt und mit 45 DM in den Nebenverkehrslagen der Vororte auf. In ihrer absoluten Höhe stimmen die Werte der Drogerien weitgehend mit denen des Lebensmitteleinzelhandels überein, was auf ähnliche Anforderungen an die Raumqualität und die Raumstruktur (Aufgliederung in Verkaufs- und Nebenräume) schließen läßt. In dieser Hinsicht verwandte Branchen sind auch der Textil- und der Schuheinzelhandel, die in den jeweiligen Geschäftslagen eine fast gleich hohe Miete je Quadratmeter zahlen. Die größte Belastung ergibt sich auch hier in den Hauptverkehrslagen der City, wo der Textileinzelhandel im Untersuchungsjahr 87 DM und der Schuheinzelhandel 81 DM Miete je Quadratmeter Geschäftsraum aufzubringen hatten. Bemerkenswert Ist auch die weitgehende Übereinstimmung im Möbeleinzelhandel und im Eisenwaren- und Hausrathandel. Sie registrierten mit 35 DM bzw. 38 DM in der Hauptverkehrslage der Innenstadt die höchste und mit 25 DM bzw. 24 DM in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt die geringste Belastung. Die vergleichsweise ungewöhnlich niedrigen Mieten je Quadratmeter bei den Branchen mit Wohnungsund Hausratbedarf sind darauf zurückzuführen, daß bei ihnen infolge der gesamten Betriebsstruktur der Anteil der billigeren Nebenräume, vor allem der Lager- und Werkstatträume, erheblich größer ist als bei den übrigen Branchen. Die oberen Extremwerte weisen der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel auf, deren Raumbedarf sich fast ausschließlich auf qualitativ besonders hochwertigen und damit teuren Verkaufsraum erstreckt. Die in die Untersuchung einbezogenen Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwarenfachgeschäfte bezahlten 1965 in der Hauptverkehrslage der City je Quadratmeter Geschäftsraum eine Jahresmiete von
durchschnittlich 166 DM. Bei den Sorti- mentsbuchhandlungen betrug der entsprechende Wert 93 DM. In den Hauptverkehrslagen der Vororte ergab sich im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel eine jährliche Belastung von 90 DM und im Sortimentsbuchhandel von 62 DM.
Trotz der erheblidien Unterschiede in der Höhe der Mieten je Quadratmeter Geschäftsraum zwischen den Branchen und Geschäftslagen weisen die Mieten in Prozenten vom Absatz eine deutliche Annäherung auf (siehe Tabelle 7). Der Grund liegt in der Tatsache, daß die unterschiedlichen absoluten Belastungen durch entsprechende Abweichungen im Auslastungsgrad der Raumkapazität ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden. Der Möbeleinzelhandel beispielsweise, der mit35 DM im Jahre 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt die niedrigste Jahresmiete je Quadratmeter zahlte, verzeichnete mit 3,8 % des Absatzes den relativ höchsten Wert, da er mit einem Absatz je Quadratmeter
Geschäftsraum von 910 DM noch erheblich stärker unter dem Durchschnitt lag als mit der Miete je Quadratmeter. Umgekehrt arbeitete der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel trotz der höchsten absoluten Belastung (166 DM je Quadratmeter) infolge des hohen Äuslastungsgrades seiner Raumkapazität (Absatz je Quadratmeter Geschäftsraum: 5900 DM) 1965 nur mit einem Mietkostenprozentsatz in Höhe von 3 % des Absatzes.
Aus Tabelle 7 ist ersichtlich, daß infolge des durch den Auslastungsgrad der Raumkapazität bewirkten Kompensationseffektes bei einer Reihe von Branchen nicht in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt die größte prozentuale Mietkostenbelastung gegeben ist, obwohl dort die hödtsten Mieten je Quadratmeter zu zahlen sind. Die Drogerien, der Radio- und Fernseheinzelhandel und der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel wiesen 1965 in den mittleren Verkehrslagen der City und der Eisenwaren- und Hausrathandel in der Hauptverkehrslage der Vororte die höchsten Mieten in Prozenten vom Absatz auf. Im Textileinzelhandel und im Sortimentsbuchhandel ergaben sich in den ruhigen Verkehrslagen der Innenstadt und im Schuheinzelhandel in der Hauptverkehrslage der Vororte die gleichen prozentualen Belastungen wie in der zentralen Citylage. Lediglich der Lebensmitteleinzelhandel, der Möbeleinzelhandel und der Tapeten- und Llnoleumhandel arbeiteten 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt mit höheren Mieten
in Prozenten des Absatzes als in den anderen Geschäftslagen. Bemerkenswerterweise handelt es sich hierbei um drei Branchen, die auch auf Grund der übrigen bereits behandelten Ergebnisse bezüglich ihres Standortes nicht zur Hauptverkehrslage der City hin tendieren.
Zur Abrundung des Bildes über den Einfluß des Standortes auf den Auslastungsgrad der Betriebskapazität im Einzelhandel sind in Tabelle 8 die Geschäftslagenergebnisse für die Lagerumschlagsgeschwindigkeit wiedergegeben. Wie bei der Personal- und Raumleistung ist auch bei der Lagerleistung eine Beziehung zur lokalen Standortlage zu erkennen. Der Lebensmitteleinzelhandel, dessen Absatz je beschäftigte Person und je Quadratmeter Geschäftsraum in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt und in den Vorortlagen am höchsten ist, weist hier auch die schnellste Lagerumschlagsgeschwindigkeit auf. Bei den Drogerien sind die Abweichungen zwischen den Geschäftslagen relativ gering, jedoch zeigen sich, ähnlich wie bei der Personalleistung, gewisse Vorteile in der Hauptverkehrslage der City und den Nebenlagen der Vororte. Im Textil- und Schuheinzelhandel, im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel und im Sortimentsbuchhandel, Branchen also mit ausgesprochener Zentralisatlonstendenz, ergibt sich der höchste Lagerumschlag in der Hauptverkehrslage der Innenstadt. Der Intensität des Zentralisationsbedürfnisses entsprechend sind hierbei die Abweichungen von den Ergebnissen der übrigen Geschäftslagen im Textil- und im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel stärker als im Schuheinzelhandel and irtt Sortimentsbuchhandel. Im Gegensatz zu den Branchen mit Textilien und Bekleidung sowie mit Kultur- und Luxusbedarf wird bei den Branchen mit Wohnungs- und Hausratbedarf der schnellste Umschlag des Warenlagers in einer mittleren oder ruhigen Verkehrslage der Innenstadt bzw. in einer Vorortlage erzielt. Auch die Zahlen zur Lagerleistung weisen wie die zur Personal- und Raumleistung darauf hin, daß im Möbeleinzelhandel, im Eisenwaren- und Hausrathandel und im Tapeten- und Linoleumhandel im Hinblick auf die Kapazitätsauslastung nicht in der Hauptverkehrslage der Innenstadt der optimale Standort gegeben ist.
VI. Standort und Kostenbelastung
Zwischen der Kapazitätsauslastung der Betriebe und der Kostenbelastung besteht ein enger Zusammenhang. Je höher der Auslastungsgrad der eingesetzten Betriebsfaktoren ist, um so niedriger ist die prozentuale Belastung des Absatzes mit Kosten. Der Grund liegt in der Tatsache, daß der überwiegende Teil der Kosten des Einzelhandels fix ist oder zumindest einen fixen Charakter hat. Die Kosten der Leistungsbereitschaft fallen unabhängig vom Beschäftigungsgrad in fast gleicher Höhe an.
Die im vorigen Abschnitt nachgewiesene Standortabhängigkeit der betrieblichen Kapazitätsauslastung im Einzelhandel muß unter Berücksichtigung dieses Tatbestandes entsprechende Auswirkungen auf die Kostenbelastung in den einzelnen Geschäftslagen zur Folge haben. Ob und in welchem Umfang das der Fall ist, kann Tabelle 9 entnommen werden. Die Tabelle enthält eine Gegenüberstellung der Gesamtkosten in Prozenten vom Absatz. In den Gesamtkosten ist im Interesse eines betriebswirtschaftlich exakten Vergleichs für die nicht entlohnte Tätigkeit des Inhabers und seiner Familienangehörigen ein kalkulatorisches Entgelt in Ansatz gebracht, das in seiner Höhe dem Betrag entspricht, der an gleichwertige angestellte Kräfte zu zahlen wäre. Außerdem sind für das im Betrieb eingesetzte Eigenkapital als kalkulatorische Zinsen 6 % berücksichtigt.
Der Kostenvergleich läßt eine enge Korrelation mit den Ergebnissen des Leistungsvergleichs erkennen. Der Textileinzelhandel, der Schuheinzelhandel, der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel weisen auf Grund ihrer hohen Personal-, Raum- und Lagerleistung in der Hauptverkehrslage der Innenstadt auch eine niedrigere Kostenbelastung als in den anderen Geschäftslagen auf. Während die untersuchten Textilgeschäfte 1965 in der Hauptverkehrslage der City mit Gesamtkosten in Höhe von 29,6 % des Absatzes arbeiteten, betrug die Belastung in den ruhigen Verkehrslagen der Innenstadt 32,3 %. Im Schuheinzelhandel ergaben sich die Extremwerte mit 28,5 % in der Hauptverkehrslage der Innenstadt und mit 30,0 % in der Hauptverkehrslage der Vororte. Dem Umfang der Leistungsunterschiede entsprechend sind die Abweichungen der Kosten im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel besonders stark. Gesamtkosten von 34,3 % des Absatzes In der Hauptverkehrslage der Innenstadt standen 1965 Werte von 37,4 % und 38,5 % in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt und der Hauptverkehrslage der Vororte gegenüber. Im Sortimentsbuchhandel war der Unterschied in der Kostenbelastung zwischen der Hauptverkehrslage (26,5 %) und der mittleren Verkehrslage der Innenstadt (26,6 %) nur relativ gering. Mit erheblich höheren Kosten (28,5 %) arbeiteten dagegen im Jahre 1965 die Sortimentsbuchhandlungen in der Hauptverkehrslage der Vororte.
Im Gegensatz zu den Branchen mit Textilien und Bekleidung sowie mit Kultur- und Luxusbedarf ist bei den Branchen mit Nahrungs- und Genußmitteln sowie mit Wohnungs- und Hausratbedarf in der zentralen Citylage die relativ höchste Kostenbelastung festzustellen. Besonders erheblich sind die Unterschiede im Lebensmitteleinzelhandel, dessen Kosten 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt 24,7 % betrugen, während sie in allen übrigen Geschäftslagen nur 19,2 % bis 19,8 % des Absatzes ausmachten. Die Ursache liegt in der abweichenden Sortimentsstruktur der Citygeschäfte des Lebensmitteleinzclhandels, bei denen es sich, wie bereits an früherer Stelle erwähnt, fast ausschließlich um Feinkostgeschäfte handelt, deren Umsatztätigkeit einen relativ stärkeren Einsatz der Betriebsfaktoren und infolgedessen eine höhere Kostenbelastung mit sich bringt, Wesentlich geringer sind die Abweichungen bei den Drogerien. Hier ergaben sich 1965 mit jeweils 31,1 % in der Hauptverkehrslageund in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt
die höchsten und mit 30,6 % und 28,4 % in den Vorortlagen die niedrigsten Prozentsätze. Der Möbeleinzelhandel arbeitete im Untersuchungsjahr in der Hauptverkehrslage der Innenstadt mit Kosten in Höhe von 31,6% des Absatzes, In der mittleren Verkehrslage der Innenstadt und in der Hauptverkehrslage der Vororte betrug die Belastung 31,4 % und in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt 31,1 %. Insgesamt ist die Differenz mit maximal 0,5 % des Absatzes verhältnismäßig klein. Dies gilt auch für den Tapeten- und Linoleumhandel, der in der Hauptverkehrslage 32,4 % und in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt 31,6 % Gesamtkosten registrierte. Eine gewisse Abweichung von diesen Branchen weist der Eisenwaren- und Hausrathandel auf. Der Auslastungsgrad der Personal- und der Lagerkapazität ist bei den in die Untersuchung einbezogenen Eisenwaren- und Hausrathandlungen in den Hauptverkehrslagen der Vororte vergleichsweise niedrig. Dementsprechend wurde hier im Jahre 1965 mit 28,9 % auch der höchste Kostenprozentsatz ausgewiesen. An zweiter Stelle folgt mit 26,5 % die Hauptverkehrslage der Innenstadt. In kostenmäßiger Hinsicht am besten war das Ergebnis der Eisenwaren- und Hausrathandlungen in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt (25,9 %) und in der Nebenlage der Vororte (25,5 %). Der Zusammenhang zwischen betrieblichem Leistungsniveau und prozentualer Kostenbelastung spiegelt sich auch in diesen Ergebnissen wider. In beiden Geschäftslagen erzielte der Eisenwaren- und Hausrathandel im Jahre 1965 einen weit über dem Durchschnitt liegenden Absatz je beschäftigte Person.
VII. Standort and Erträge
Der Erfolg der betrieblichen Tätigkeit schlagt sich letztlich im erzielten Betriebsergebnis, dem Reingewinn, nieder. Bestimmt wird das Betriebsergebnis im Einzelhandel einerseits durch die Höhe der auf Grund der Funktionserfüllung entstehenden Kosten und andererseits durch das Entgelt, das dem Betrieb hierfür als Leistungsäquivalent in Form der Betriebshandelsspanne zufließt. Ist die Höhe der Kostenbelastung in erster Linie ein Resultat der Wirtschaftlichkeit, mit der die Betriebe ihre Funktionen erfüllen, so ist die Betriebshandelsspanne primär ein Gradmesser für die den Betrieben am Markt zuerkannte Leistung. Das Betriebsergebnis ist somit als Folge des innerbetrieblichen Leistungsvollzugs und der außerbetrieblichen Leistungsbeurteilung ein Maßstab für die Gesamtleistung der Betriebe. Zwar ist diese Aussage nicht für jeden Einzelfall, sicher jedoch für den Durchschnitt einer Gruppe von Einzelhandelsbetrieben zutreffend.
Ausgehend von dieser Tatsache soll abschließend als zusammenfassender Ausdruck aller vom Standort des Einzelhandels ausgehenden Einflüsse das betriebswirtsdaaftliche Betriebsergebnis als die Differenz zwischen der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten (einschließlieh Unternehmerlohn und Zinsen für Eigenkapital) einer Betrachtung unterzogen werden. Im Interesse einer abgerundeten Dokumentation ist jedoch zunächst in Tabelle 10 ein Überblick über die für die einzelnen Geschäftslagen ermittelten Betriebshandelsspannen gegeben. "Vom Lebensmitteleinzelhandel, von den Drogerien, vom Textileinzelhandel, vom Schuheinzelhandel, vom Möbeleinzelhandel und vom Radio- und Fernseheinzelhandel (hier zusammen mit der mittleren Verkehrslage der Innenstadt) wurde 1965 die höchste Spanne in der Hauptverkehrslage der Innenstadt ausgewiesen. Dagegen ergab sich im Eisenwaren- und Hausrathandel und im Sortimentsbuchhandel in der Hauptverkehrslage der Vororte und im Tapeten- und Linoleumhandel in den mittleren Verkehrslagen der Innenstadt der höchste Wert. Bemerkenswert sind die Zahlen des Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandels. Obwohl diese Branche auf Grund aller bisher behandelten Ergebnisse eindeutig zur zentralen Citylage tendiert, ist die erzielte Betriebshandelsspanne hier erheblich niedriger als in den mittleren Verkehrslagen
der Innenstadt und der Hauptverkehrslage der Vororte. Offensichtlich bringt die in dieser Branche charakteristische Konkurrenzakkumulation zwar bezüglich der Kapazitätsauslastung und damit der Kostensituation Vorteile, im Hinblick auf die Preisgestaltung als Folge des Konkurrenzdrucks jedoch Nachteile mit sich. Das Beispiel des Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandels zeigt besonders deutlich, daß nur bei einer Gegenüberstellung von Kosten und Spannen eine zutreffende Beurteilung des Gesamterfolges der Betriebe möglich ist. Das Resultat dieser Gegenüberstellung, das betriebswirtschaftliche Betriebsergebnis, ist in Tabelle 11 wiedergegeben. Danach ergibt sich für die untersuchten Branchen
unter gleichzeitiger Berücksichtigung der bisher gewonnenen Erkenntnisse das folgende Urteil über die Einflüsse des Standortes.
Bei einer Reihe der untersuchten Branchen weist das Betriebsergebnis in Verbindung mit den übrigen Vergleichszahlen eindeutig auf ein Standortoptimum in der Hauptverkehrslage der Innenstadt hin. Im Textileinzelhandel ergeben sich hier bezüglich der Betriebsgröße, der Kapazitätsauslastung, der Kosten und der Erträge die günstigsten Voraussetzungen, Das Betriebsergebnis des Textileinzelhandels betrug im Jahre 1965 in der Hauptverkehrslage der Innenstadt 4,7 % des Absatzes gegenüber 0,7 % des Absatzes in der Nebenverkehrslage der Vororte, Die übrigen Ergebnisse liegen zwischen diesen Extremwerten, wobei bemerkenswert ist, daß der Reingewinn in der Hauptverkehrslage der Vororte mit 2,6 % des Absatzes höher ist als der in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt (1,9 %). Bei den für den Textileinzelhandel ausgewiesenen Ergebnissen handelt es sich um die Durchschnittswerte der Gesamtbranche. Infolge mangelnder Repräsentanz konnten keine Zahlen für die einzelnen nach dem Sortiment gegliederten Fachsparten wiedergegeben werden. Die vorliegenden Teilergebnisse der Fachsparten weisen jedoch die gleichen Tendenzen wie die Gesamtdurchschnitte auf, allerdings mit unterschiedlich
großer Intensität. Der Trend zur Hauptverkehrslage der Innenstadt verstärkt sich mit zunehmender Wertigkeit, Modeabhängigkeit und Spezialisierung des Sortiments. Besonders eindeutig sind vor allem die positiven Ergebnisse der Oberbekleidungsgeschäfte in den zentralen Citylagen. Dagegen erzielen die Textilsortimentsgeschäfte auch in den dezentralen Geschäftslagen einen vergleichsweise guten Betriebserfolg.
Dem übereinstimmenden Bedarfscharakter der Waren entsprechend ist die Situation im Schuheinzelhandel ähnlich wie im Textileinzelhandel. Auch in dieser Branche wird das höchste Betriebsergebnis in der Hauptverkehrslage der Innenstadt und das niedrigste in der Nebenverkehrslage der Vororte ausgewiesen. Im Jahre 1965 ergab sich in den beiden Geschäftslagen ein Reingewinn von 4,7 % und 1,4 % des Absatzes. In der mittleren Verkehrslage der Innenstadt betrug das Ergebnis 3,4 % und in der Hauptverkehrslage der Vororte 2,9 %. Die Standortorientierung des Schuheinzelhandels zur Hauptverkehrslage der Innenstadt kommt auch in dem hier erreichten Maximuni der Betriebsgröße und der Kapazitätsauslastung insgesamt und dem Minimum der Kostenbelastung zum Ausdruck.
Zu den Branchen, die auf Grund der in die Untersuchung einbezogenen Beurteilungsmaßstäbe zur Hauptverkehrslage der Innenstadt tendieren, gehört weiterhin der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel. Bemerkenswert ist allerdings, daß im Gegensatz zu den die Kapazitätsauslastung und die Kostensituation kennzeichnenden Zahlen das betriebswirtschaftliche Betriebsergebnis in dieser Geschäftslage im Vergleich zu den übrigen Lagen nur eine relativ geringe positive Abweichung erkennen läßt. Im Untersuchungsjahr erzielten die Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwarenfachgeschäfte in der Hauptverkehrslage der Innenstadt einen Reingewinn von 7,6 % des Absatzes gegenüber 7,1 % in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt und 6,0 % in der Hauptverkehrslage der Vororte. Der trotz der erheblichen Leistungs- und Kostenunterschiede sich ergebende weitgehende Ausgleich im Ergebnis ist eine Folge der niedrigeren Betriebshandelsspanne in der Hauptverkehrslage der Innenstadt, auf deren mutmaßliche Gründe bereits bei der
Erörterung der Betriebshandelsspanne eingegangen worden ist. Unabhängig von diesem Tatbestand weisen die gewonnenen Erkenntnisse in ihrer Gesamtheit darauf hin, daß für den Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel die besten Standortverhältnisse in der zentralen Citylage gegeben sind.
Sieht man von dem Ergebnis in der Hauptverkehrslage der Vororte ab, so ist auch für den Sortimentsbuchhandel von der Hauptverkehrslage der Innenstadt zu den übrigen Geschäftslagen eine deutliche Verminderung des Reingewinns festzustellen. Im Jahre 1965 arbeiteten die Sortimentsbuchhandlungen in der Hauptverkehrslage der Innenstadt mit einem Betriebsergebnis in Hohe von 4,2 % des Absatzes. Dem standen in den mittleren und ruhigen Innenstadtlagen Werte von 3,3 % und 2,4 % gegenüber. In der Gesamttendenz ergibt sich in den drei Lagen der Innenstadt eine enge Anlehnung der Relationen der Ertragszahlen an die der Kapazitätsauslastung und die der Kostensituation. Das im Widerspruch zur Kapazitätsauslastung und zur Kostenlage vergleichsweise hohe Betriebsergebnis (5,0 %) der Sortimentsbuchhandlungen in der Hauptverkehrslage der Vororte ist auf die Betriebshandelsspanne zurückzuführen, die mit 33,5 % des Absatzes hier erheblich größer war als in den Innenstadtlagen (29,4 bis 32,7 %). Es ist anzunehmen, daß die Vorstadtgesdiäfte in stärkerem Umfang als die Citygeschäfte Umsätze in höher kalkulierten Artikeln des Randsortimentes tätigen.
Bemerkenswerterweise erzielen auch der Möbeleinzelhandel und der Radio- und Fernseheinzelhandel in der Hauptverkehrslage der Innenstadt die höchsten betriebswirtschaftlichen Reingewinne, obwohl die Ergebnisse zur Kapazitätsauslastung in den übrigen Lagen der Innenstadt und in der Hauptverkehrslage der Vororte deutliche Vorteile erkennen ließen. Sie werden vor allem im MÖbeleinzelhandel durch entsprechende Unterschiede der Betriebshandelsspanne kompensiert (siehe Tabelle 10). Im Jahre 1965 wies der Radio- und Fernseheinzelhandel in der Hauptverkehrslage der Innenstadt ein Betriebsergebnis von 3,2 % des Absatzes aus. In der mittleren Verkehrslage der Innenstadt betrug der Reingewinn 1,7 % und in der Hauptverkehrslage der Vororte 1,5 %. Für den Möbeleinzelhandel ergaben sich in den gleichen Geschäftslagen Werte von 5,4 %, 3,9 % und 3,6 % des Absatzes. Vermutlich werden die Zahlen des Möbeleinzelhandels in der Hauptverkehrslage der City durch den relativ hohen Anteil der mit höheren Kosten und Spannen
arbeitenden Einrichtungshäuser beeinflußt. Sieht man hiervon ab, so läßt die Untersuchung erkennen, daß der Möbeleinzelhandel in den übrigen Verkehrslagen der Innenstadt und in der Hauptverkehrslage der Vororte unter etwa gleichen Bedingungen arbeitet. Mit 3,9 % des Absatzes war der Reingewinn 1965 in den mittleren Verkehrslagen der Innenstadt nur um 0,2 % höher als in den ruhigen Lagen der Innenstadt und nur um 0,3 % höher als in der Hauptverkehrslage der Vororte.
Im Gegensatz zu den bisher behandelten Branchen ist für den Eisenwaren- und Hausrathandel sowie für den Tapeten- und Linoleumhandel festzustellen, daß die Hauptverkehrslage der Innenstadt nicht die besten Voraussetzungen für den Betriebserfolg mit sich bringt. Die an der Untersuchung beteiligten Eisenwaren- und Hausrathandlungen wiesen 1965 in dieser Lage das niedrigste Betriebsergebnis aus. Mit 1,5 % des Absatzes war es um 2,5 % niedriger als in der ruhigen Verkehrslage der Innenstadt (4,0 %). Auch in der Nebenverkehrslage der Vororte wurde mit 3,1 % des Absatzes ein vergleichsweise hoher Reingewinn erzielt. Es folgten mit 2,5 % die mittlere Verkehrslage der Innenstadt und mit 1,9 % die Flauptverkehrslage der Vororte. Im Tapeten- und Linoleumhandel, für den nur die Zahlen von zwei Geschäftslagen ermittelt werden konnten, stand einem Betriebsergebnis
von 3,4 % in der Hauptverkehrslage eins von 5,3 % in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt gegenüber. Im Zusammenhang mit den Meßzahlen zur Kapazitätsauslastung ergibt sich für beide Branchen, vor allem aber für den Eisenwaren- und Hausrathandel, der Schluß, daß sie standortmäßig zur Dezentralisation tendieren. Im Eisenwaren- und Hausrathandel, der, ähnlich wie der Textileinzelhandel, infolge der Heterogenität des Sortiments eine Gliederung nach Fachsparten aufweist, müssen allerdings die hiervon ausgehenden unterschiedlichen Einflüsse berücksichtigt werden. Auch für den Eisenwaren- und Hausrathandel war infolge mangelnder Beteiligung keine abgerundete Geschäftslagenauswertung für die einzelnen Teilbranchen möglich. Die vorliegenden Zahlen weisen jedoch darauf hin, daß die Tendenz zur Dezentralisation mit wachsendem Absatzanteil an Eisenwaren, Werkzeugen und Kleinartikeln des Hausrats zuund umgekehrt mit größer werdendem Absatz an Großgeräten (Öfen, Herde, Waschmaschinen, Kühlschränke u, ä.) abnimmt.
Bei den Drogerien ergab sich auf Grund der einzelnen Vergleichszahlen zur Kapazitätsauslastung und zur Kostensituation eine unterschiedliche Beurteilung des Einflusses der verschiedenen Geschäftslagen. In der Gesamttendenz waren jedoch gewisse Vorteile der Hauptverkehrslage in der Innenstadt und der Nebenverkehrslage in den Vororten zu erkennen. Auch im Hinblick auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis schneiden die Drogerien in der zentrale Citylage etwas besser ab als die übrigen. Im Jahre 1965 erzielten sie einen Reingewinn in Hohe von 4,9 % des Absatzes. Offensichtlich wird durch den vergleichsweise hohen Anteil des Foto- und Kosmetikgeschäftes der Drogerien in den Hauptverkehrslagen der Innenstadt das Betriebsergebnis positiv beeinflußt. Die anderen in die Untersuchung einbezogenen Geschäftslagen weisen in der Höhe des prozentualen Reingewinns nur geringfügige Unterschiede auf. In der mittleren Verkehrslage der Innenstadt betrug er 3,5 Nebenverkehrslagen der Vororte 2,9 % und 3,2 % des Absatzes. Insgesamt zeigen diese Zahlen, daß die auf Grund der überwiegend kurzfristig auftretenden Nachfrage konsumorientierten Drogerien in allen hier berücksichtigten Geschäftslagen in etwa gleiche Erfolgschancen haben.
Auch die für den Lebensmitteleinzelhandel ermittelten Betriebsergebnisse lassen nur relativ unbedeutende Abweichungen zwischen den Geschäftslagen erkennen. Abgesehen von den Geschäften in der mittleren Verkehrslage der Innenstadt, bei denen sich im Untersuchungsjahr ein geringer betriebswirtschaftlicher Reingewinn von 0,1 % des Absatzes ergab, verzeichneten alle übrigen Geschäftslagen Verluste zwischen 0,5 % und 1,1 % des Absatzes 5).
Die weitgehende Übereinstimmung des Ergebnisses der Lebensmittelgeschäfte in der Hauptverkehrslage der Innenstadt mit denen der Betriebe in den übrigen Geschäftslagen ist in Anbetracht der erheblichen Abweichungen sowohl in der Kapazitätsauslastung als auch in der Kostensituation bemerkenswert. Die in Tabelle 10 wiedergebenen Betriebshandelsspannen zeigen jedoch, daß die Betriebe der City, bei denen es sich in erster Linie um Feinkostgeschäfte handelt, die durch die umfangreichere Funktionserfüllung bedingten Mehrkosten durch eine entsprechend höhere Kalkulation auffangen können. In den übrigen Geschäftslagen weisen die nur geringfügig schwankenden Betriebsergebnisse eine weitgehende Parallelität mit den Zahlen zur Kapazitätsauslastung und zur Kostenlage auf. Das Lebensmittelgeschäft, das infolge des täglichen Bedarfs an Nahrungsmitteln besonders stark konsumorientiert ist, arbeitete in den ruhigen Verkehrslagen der Innenstadt, die in der Regel vorwiegend Wohngebiete sind, unter den gleichen Bedingungen wie in den Hauptverkehrslagen und den dezentralen Nebenverkehrslagen der stark bevölkerten Vororte.
Distributionswirtschaft
Professor Dr. Dr. h. c. Rudolf Seyffert, dem dieses Buch gewidmet ist, feierte am 15. März 1968 seinen 75. Geburtstag. Er hat im Laufe seiner Tätigkeit an der Universität zu Köln mehrere Institutionen gegründet und aufgebaut, die bei großer Verschiedenheit der Zwecke im einzelnen eine gemeinsame Linie insofern aufweisen, als sie, seinem Hauptarbeitsgebiet entsprechend, alle der wissenschaftlichen Entwicklung auf dem Gebiet der Distributionswirtschaft zu dienen bestimmt sind. Mitwirkende aus diesen Institutionen haben sich zusammengefunden, um Professor Seyffert, dem sie sich als Lehrer und Vorbild verpflichtet fühlen, ihren Dank abzustatten.
Inhalt
Kalkulatorischer Ausgleich als betriebspolitische Aufgabe der Handelsunternehmung
Von Dr. Gerhard Schmitz, Institut für Distributionsforschung, Köln
Standorteinflüsse im Einzelhandel
Von Dr. Hans Philippi, Institut für Handelsforschung, Köln
Zum Problem der Minderbetriebe im Groß- und Einzelhandel
Von Dr. Hans-Hellmut Pötscbke, Institut für Handelsforschung, Köln
Die Richtsätze der Finanzverwaltung im Verhältnis zu den Betriebsvergleichsergebnissen des Instituts für Handelsforschung
Von Dr. Franz Josef Stoffels, Institut für Handelsforschung, Köln
Über die Kreditfunktion des Einzelhandels
Von Dr. Robert G. Menge, Institut für Handelsforschung, Köln
Die Förderung des Betriebsvergleichs mittels der elektronischen Datenverarbeitung
Von Dr. Horst Liedgens, Institut für Handelsforschung, Köln
Sortimentsveränderungen im Einzelhandel
Von Dr. Friedrich Gerard, Institut für Handelsforschung, Köln
Zur Frage der unternehmerischen Selbständigkeit von mittelständischen Einzelhandlungen in Großzusammenschlüssen
Von Dr. Heinz Kleinen, Institut für Mittelstandsforschung, Köln
Grundlagen der Personaleinsatzplanung im Einzelhandel
Von Dr. Klaus Barth, Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels, Köln
Die analytische Behandlung einer Klasse stochastischer Entscheidungsprozesse und Anwendungen auf ein Beschaffungs- und ein Lagerhaltungsproblem
Von Diplom-Mathematiker Hans Hättemann, Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels, Köln
Zur Methode betriebswirtschaftlicher Untersuchungen der Marktkonstellation
Von Diplom-Kaufmann Christian Behrends, Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Handels, Köln
Gemeinschaftswerbung als Wettbewerbsmittel
Von Dr. Friederike Kästing, Werbewissenschaftliche Gesellschaft, Köln
Zur Frage der Verkettung von Ware und Betrieb in der Absatzwerbung
Von Dr. Friedhelm Jaspert, Werbewissenschaftliches Institut, Köln
Preis- und Mengenpoiitik bei verbundener Produktion
Von Professor Dr. Edmund Sundhoff, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Köln
Zeittafel zum wissenschaftlichen Wirken von Professor Dr. Dr. h. c. Rudolf Seyffert
Von Dr. Friederike Kästing, Köln
1 1) Hans Zopp, Differenzierungsgründe der Leistung bei gleichgearteten Einzelhandelsbetrieben, in: Schriften zur Handelsforschung, hrsg. von Edmund Sundhoff u. a., Nr. 31, Köln und Opiaden 1965, Seite 195 ff., 2 2) Rudolf Seyffcrt, Wirtschaftslehre des Handels, 4. Auflage, Köln und Opiaden 1961, Seite 275 ff,, 3 3) Mitteilungen des Instituts für Handelsforsdiung an der Universität zu Köln, hrsg. von Rudolf Seyffert und Edmund Sundhoff, Jg. 18, Nr. 8, Seite 102., 5 4) Im Interesse eines betriebswirtsdiaftlieh exakten Vergleidis wird für die nidit entlöhnte Tätigkeit des Inhabers und seiner Familienangehörigen ein kalkulatorisches Entgelt in Ansatz gebradit, das in seiner Höhe dem Betrag entspricht, der gleichwertigen festangestellten Kräften zu zahlen wäre,, 5 5) Das negative Betriebsergebnis ist für den Lebensmitteleinzelhandel in den letzten Jahren charakteristisdi. Bedingt durch den scharfen Wettbewerb in dieser Branche reuen die erziehen Betriebshandelsspannen bei der Mehrzahl der selbständigen Einzelbetriebe nicht aus, um die Gesamtkosten einschließlich der kalkulatorischen Kosten zu decken. Der unter steuerlichen Gesichtspunkten sich ergebende Reingewinn ist in diesen Fällen kleiner als der Betrag, den der Inhaber bei entsprechender Tätigkeit als Geschäftsführer in Form des Gehalts und bei einer anderweitigen Anlage seines im Betrieb investierten Eigenkapitals als Zinsen erhalten würde.
