Umsatz, Kosten, Spannen und Gewinn des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1964/1965 unD 1966
von Prof. Dr. Rudolf SeyffertDie wichtigsten Betriebsvergleichszahlen zur Beurteilung der Ertragslage des Einzelhandels in den Jahren 1964 bis 1966 sind Tabelle 40 zu entnehmen. Die Tabelle enthält im einzelnen die Betriebshandelsspanne der untersuchten Branchen, die Gesamtkosten vor und nach Abzug der kalkulatorischen Kosten sowie das betriebswirtschaftliche und steuerliche Betriebsergebnis. Außerdem gibt die Tabelle einen Überblick über die Lieferantenskonti und die Betriebshandelsspanne nach Abzug der Lieferantenskonti. Die Darstellung dieser Werte erschien zweckmäßig, da vielfach die Betriebshandelsspanne im Einzelhandel ohne Berücksichtigung der Lieferantenskonti berechnet wird. Dementsprechend verfährt beispielsweise das Statistische Bundesamt im Rahmen der Rohertragsstatistik.
Die 1966 von den am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäften im Durchschnitt erzielte Betriebshandelsspanne betrug 27,3 % des Absatzes. Gegenüber 1964
(27,3 %) und 1965 (27,5%) ist eine leichte Vergrößerung der Spanne eingetreten. Die Zunahme ist allerdings deutlich hinter der Steigerung der Gesamtkosten zurückgeblieben, Infolgedessen ist das Betriebsergebnis des Einzelhandels im Berichtszeitraum kleiner geworden. Das betriebswirtschaftliche Ergebnis, bei dessen Berechnung der Lmternehmerlohn und die Zinsen für Eigenkapital als Kosten mit in Ansatz gebracht werden, verminderte sich von 2,3 % des Absatzes im Jahre 1964 über 1,8 % im Jahre 1965 auf 1,0% im Jahre 1966. Das steuerliche Ergebnis, das den Unternehmerlohn und die Zinsen für Eigenkapital als Gewinnanteile mit enthält, ist gleichzeitig von 7,3 % über 7,2 % auf 6,8 % des Absatzes zurückgegangen. Vom Reingewinn entfielen im Jahre 1966 auf Lieferantenskonti 1,3 % des Absatzes gegenüber 1,4% in den Jahren 1964 und 1965.
Zwischen den einzelnen Branchen weisen die Betriebshandelsspannen zum Teil erhebliche Unterschiede auf. Die höchste Spanne ergab sich 1966 mit 46,7 % des Absatzes bei den Blumenbindereien. Es folgten der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel (44,3 %), der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (42,9 %), die zoologischen Fachgeschäfte (40,7 %), der Parfümerieeinzclhandel (39,9 %), die Textilgeschäfte mit Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen (39,9 %) und der Photoeinzelhandel (38,1 %) . Mit 19,3 % war die Betriebshandelsspanne im Lebensmitteleinzelhandel 1966 am geringsten, Deutlich unter dem Einzelhandelsdurchschnitt lagen auch der Tabakwareneinzelhandel (19,8 %) und die Gemischtwarengeschäfte (20,9 %). Die Abweichungen in der Betriebshandelsspanne ermöglichen allerdings keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Ertragsverhältnisse in den einzelnen Branchen. Im Umfang der Betriebshandelsspanne spiegelt sich vielmehr der unterschiedliche Grad der Funktionserfüllung und die damit verbundene Kastenbelastung wider. Bei den Branchen mit einem hohen Anteil der Betriebshandelsspanne am Absatz handelt es sich ausschließlich um solche, die neben dem Handel auch handwerkliche Leistungen hervorbringen. Die Handelsspanne umschließt hier also nicht nur die Vergütung für die händlerische, sondern auch die für die handwerkliche Tätigkeit.
Die Entwicklung von Betriebshandelsspanne und Gesamtkosten ist in den Jahren 1964 bis 1966 bei fast allen Branchen tendenziell ähnlich gewesen wie im Einzelhandel insgesamt. Allgemein ist festzustellen, daß die Vergrößerung der Spanne hinter der Kostensteigerung zurückgeblieben ist. Infolgedessen weist auch die Mehrzahl der Branchen im Berichtszeitraum eine Verkleinerung des Betriebsergebnisses aus. Den relativ höchsten steuerlichen Reingewinn erzielte 1966 mit 13,8 % der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel. Die Blumenbindereien erzielten im gleichen Jahr ein steuerliches Betriebsergebnis von 12,4 %, die zoologischen Fachgeschäfte von 12,2 % und der Parfümerieeinzelhandel von 12,0 %. Dagegen arbeitete der Lebensmitteleinzelhandel 1966 nur mit einem Gewinn von 4,4 % des Absatzes, Die im Berichtszeitraum zwischen den einzelnen Branchen vorhandenen Unterschiede im Betriebsergebnis sind tendenziell ähnlich wie in den früheren Jahren. Diese Tatsache weist darauf hin, daß die zum Teil beachtlichen Abweichungen in erster Linie nicht etwa auf eine vorhandene Gunst oder Ungunst der heutigen Marktverhältnisse in den einzelnen Bedarfsbereichen zurückzuführen sind. Die Unterschiede erklären sich vielmehr aus den verschiedenartigen Anforderungen, die an die Betriebe bei der Erfüllung ihrer Absatzfunktionen gestellt werden. Die Branchen mit hohem Betriebsergebnis weisen allgemein einen vergleichsweise geringen Absatz je beschäftigte Person und einen relativ langsamen Lagerumschlag auf. Zur Erzielung eines bestimmten Absatzes müssen diese Branchen somit erheblich mehr beschäftigte Personen und Kapital einsetzen, Unter Berücksichtigung dieser Tatsache ist der unterschiedliche Anteil des Betriebsergebnisses am Absatz zumindest tendenziell zu erklären.
