Bericht über die Betriebsvergleichsergebnisse des Einzelhandels im I. Tertial 1969
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffDas Institut für Handelsforschung hat vor kurzem die Betriebsvergleichsauswertung des Einzelhandels für das I. Tertial (Januar bis April) 1969 abgeschlossen. Im vorliegenden Bericht wird ein Überblick über die wichtigsten Branchendurchschnittswerte gegeben (siehe Tabelle auf den Seiten 92 und 93). Die im Rahmen des Tertialsvergleichs ermittelten Absatzentwicklungszahlen gegenüber dem Vorjahr stimmen, von geringfügigen Abweichungen abgesehen, mit den auf Grund der Monatsauswertungen beredineten aufgelaufenen Zahlen der Monate Januar bis April 1969 überein. Nach beiden Erhebungen setzte der Einzelhandel insgesamt (außer Warenhäusern, Filialbetrieben, Konsumgenossenschaften und Versandhandel) bis Ende April wertmäßig 6 %
mehr um als in der gleichen Zeit des Jahres 1968. Besonders stark waren die Zuwachsquoten im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (+ 34%), im Radio- und Fernseheinzelhandel (+ 16%), im Möbeleinzelhandel (+ 15 %) und im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 14%). Während der Textileinzelhandel (+ 6 %) eine mittlere Position einnahm, ist der Schuheinzelhandel deutlich hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben. Im Gegensatz zu den anderen Branchen mußten die am Tertialsvergleich beteiligten Schuhfachgeschäfte eine Absatzeinbuße von 5 % hinnehmen.
Die beachtliche Absatzsteigerung im Einzelhandelsdurchschnitt war mit einer deutlichen Verbesserung der Personalleistung verbunden. Vom Einzelhandelsdurchschnitt wurden im I. Tertial 1969 je beschäftigte Person DM 29 500 umgesetzt. Dem stand im entsprechenden Vorjahrstertial ein Wert von DM 28 000 gegenüber. Die relative Erhöhung betrug etwa 5 bis 6 % und entsprach hiermit fast genau der Vergrößerung des Gesamtabsatzes. Die übereinstimmende Entwicklung weist darauf hin, daß die am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte im I. Tertial 1969 durchschnittlich mit der gleichen Beschäftigtenzahl gearbeitet haben wie im I. Tertial 1968. Die Gegenüberstellung der Branchenergebnisse zeigt, daß der Tabakwareneinzelhandel
im Berichtstertial mit DM 56 300 den höchsten Absatz je beschäftigte Person aufwies. Deutlich über dem Einzelhandelsdurchschnitt lag mit DM 36 900 auch der Lebensmitteleinzelhandel. Die geringsten Werte verzeichneten der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (DM 16 900) und der Spielwareneinzelhandel (DM 16 700).
Die Betriebsvergleichsergebnisse für das I. Tertial 1969 lassen auch eine Verbesserung der Raumleistung erkennen. Vom Einzelhandelsdurchschnitt wurde eine Absatzquote je qm Geschäftsraum in Höhe von DM 990 erzielt. Gegenüber dem I. Tertial 1968 (DM 950) betrug die Steigerung 4 %. Sie ist damit etwas hinter der Zuwachsquote des Gesamtabsatzes zurückgeblieben, was
auf eine gewisse Erweiterung der eingesetzten Geschäftsraumfläche schließen läßt. Entsprechend dem durch den Sortimentscharakter bedingten unterschiedlichen Raumbedarf ist die Absatzquote je qm Geschäftsraum zwischen den einzelnen Branchen stark abweichend. Vom Möbeleinzelhandel wurden im Berichtstertial je qm Geschäftsraum nur DM 260 umgesetzt. Dagegen erreichte der Tabakwareneinzelhandel eine Quadratmeterleistung von DM 3940. Relativ hohe Werte ergaben sich auch
im Sortimentsbuchhandel (DM 1360), im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (DM 1320) und im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (DM 1310). Eine vergleichsweise niedrige Raumleistung verzeichneten neben dem Möbeleinzelhandel der Spielwareneinzelhandel (DM 330), der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (DM 460)
und der Eisenwaren- und Hausrathandel (DM 490).
Die Kreditverkäufe des Einzelhandels haben im I. Tertial 1969 leicht zugenommen. Sie machten im Einzelhandelsdurchschnitt rund 12% des Gesamtabsatzes aus gegenüber 11 % im entsprechenden Vorjahrstertial. Mit jeweils 6 % des Tertiaisabsatzes waren die Außenstände am 30. April 1969 relativ gleich hoch wie am 30. April 1968. Die Tatsache, daß die Außenstände unverändert geblieben sind, obwohl die Kreditverkäufe zugenommen haben, läßt auf eine Verkürzung der von den Kreditkunden in Anspruch genommenen Zieldauer schließen.
Trotz des besseren Auslastungsgrades der Personalund Raumkapazität ist im Einzelhandelsdurchschnitt keine Verminderung der Kostenbelastung eingetreten. Mit 22,7 % des Absatzes waren die Gesamtkosten (ohne Abschreibungen und Zinsen für Eigenkapital und ohne Mehrwertsteuer) im I. Tertial 1969 genauso hoch wie im Vorjahr. Die Gegenüberstellung der einzelnen
Kostenarten läßt folgende Entwicklungstendenzen erkennen. Die Fremdpersonalkosten sind von 9,3 % auf 9,5 % des Absatzes angewachsen, obwohl der Absatz je beschäftigte Person vergrößert wurde. Diese Diskrepanz weist darauf hin, daß das Gehalts- und Lohnniveau im Berichtstertial gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist. Auch die Mieten je qm Geschäftsraum
haben sich erhöht, da bei einer Verbesserung des Absatzes je qm Geschäftsraum die Mietkostenbelastung von 2,3 % auf 2,4 % des Absatzes zugenommen hat. In Prozenten des Absatzes unverändert geblieben sind die Gewerbesteuer (0,6 %) und die Kosten für Werbung (1,0 %). Eine leichte Verminderung wurde bei der Sammelposition sonstige Kosten erreicht, die im I. Tertial
1968 bei 4, 9% und im I. Tertial 1969 bei 4, 7% des Umsatzes lagen.
Die höchste Gesamtkostenbelastung ergab sich im Berichtstertial mit 40,6% im Uhren-, juweien-, Goldund Silberwareneinzelhandel. Im Spielwareneinzelhandel entfielen 39,2 %, im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel 34,7 % und im Sportartikeleinzelhandel 33,8 % des Absatzes auf Kosten. Auch der Möbeleinzelhandel (30,3%), der Textileinzelhandel (29,0%), der Schuheinzelhandel (28,5 %) und der Eisenwaren- und Hausrathandel (27,8 %) lagen noch erheblich über dem
Einzelhandelsdurchschnitt. Die geringsten Belastungen wiesen der Tabakwareneinzelhandel (11,1 %), der Lebensmitteleinzelhandel (14,9 %) und die Gemischtwarengeschäfte (16,7%) auf.
