Die Koordinierung der Betriebsvergleichsergebnisse des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland für die Jahre 1966 und 1967
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffIm Jahre 1958 wurde beim Bundeswirtschaftsministerium der Arbeitskreis „Betriebsvergleiche im Einzelhandel" gebildet. Der Arbeitskreis hat sich zur Aufgabe gestellt, durch Erfahrungsaustausch zu einer Verbesserung der Methode des Betriebsvergleichs und damit zu einer Intensivierung seiner Anwendungsmöglichkeiten für die Rationalisierung der Einzelhandelsbetriebe beizutragen. Ein weiteres Ziel ist die Koordinierung der von den verschiedenen Stellen im Bundesgebiet ermittelten Betriebsvergleichsergebnisse. Das Institut für Handelsforschung
an der Universität zu Köln ist vom Arbeitskreis beauftragt worden, die Koordinierungsarbeiten durchzuführen. Seit 1958 wurde in jährlichen bzw. zweijährigen Abständen das Ergebnis der Koordinierung dem Arbeitskreis vorgelegt. Nach Abschluß der Auswertung für 1963 ist ein zusammenfassender Bericht über die ersten sechs Jahre der Koordinierung (1958 bis 1963) in der Nr. 1 der Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung vom Januar 1966 veröffentlicht worden. Die Fortsetzung der Berichterstattung erfolgte in der Nr. 12 der Institutsmitteilungen vom Dezember 1967 mit einem Überblick über die Jahre 1964 und 1965. Vor kurzem wurde auch die Auswertung für die Jahre 1966 und 1967 abgeschlossen und dem Arbeitskreis vorgelegt. An der Koordinierung für die Jahre 1966 und 1967 waren zehn Stellen aus dem Bundesgebiet beteiligt, die Zahlenmaterial für insgesamt 8500 Firmen (1966) bzw. 8100 Firmen (1967) vorlegten. Hiervon entfielen in beiden Jahren rund 4500 Firmen auf das Institut für Handelsforschung und etwa 4000 bzw. 3500 Firmen auf die übrigen Institutionen. Das ermittelte Zahlenmaterial ist in den beiden Tabellen auf den Seiten 128 und 130 wiedergegeben. Nachfolgend sollen die wichtigsten Entwicklungstendenzen aufgrund der Durchschnittswerte des gesamten Einzelhandels einer Betrachtung unterzogen werden.
Von den bei der Koordinierung erfaßten Einzelhandelsfachgeschäften wurde im Jahre 1966 gegenüber 1965 eine wertmäßige Absatzzunahme von 5,1 % erzielt. Damit deutete sich der Beginn der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession an; denn im Jahre 1965 konnte der Einzelhandel das Verkaufsergebnis des Vorjahres noch um 9,1 % übertreffen. In vollem Umfang wirkte sich die schlechte Wirtschaftslage 1967 im Einzelhandel aus. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde keine bzw. nur eine unwesentliche Absatzzunahme von 0,3 % erzielt.
Die Erschwerung der Verkaufsabwicklung hat sich auch in den Leistungsmeßzahlen niedergeschlagen. Nachdem der Absatz je beschäftigte Person im Jahre 1966 (86 800 DM) gegenüber 1965 (78 300 DM) noch beträchtlich gesteigert wurde, ergab sich 1967 nur noch eine unbedeutende Vergrößerung auf 87 100 DM. Die Kennzahlen zur Raum- und Lagerleistung sind im Jahre 1967 sogar rücklaufend gewesen. Der Absatz je qm Geschäftsraum lag 1965 bei 3030 DM, 1966 bei 3170 DM und 1967 bei 2970 DM. Das Warenlager wurde 1965 rund 4,8 mal, 1966 und 1967 dagegen nur noch 4,7 mal umgeschlagen.
Die bereits in den Vorjahren erkennbare Tendenz einer Vergrößerung des Kostendrucks hat sich 1966 und 1967 als Folge der Verschlechterung der Verkaufslage verstärkt fortgesetzt. Im Einzelhandelsdurchschnitt sind die steuerlichen Gesamtkosten (ohne Unternehmerlohn und Zinsen für Eigenkapital) von 20,4 % des Absatzes im Jahre 1965 über 21,3 % im Jahre 1966 auf 22,0 % im Jahre 1967 angewachsen. Die Gesamtkosten einschließlich Unternehmerlohn und Zinsen für Eigenkapital erhöhten sich von 25,9 % über 27,1 % auf 27,6 % des Absatzes.
Im Gegensatz zu den Kosten ist die Betriebshandelsspanne 1966 und 1967 nur relativ geringfügig angestiegen. Sie machte im Einzelhandelsdurchschnitt 1967 28,5 % des Absatzes aus, gegenüber 28, 3 % im Jahre 1966 und 27,6 % im Jahre 1965. Das Zurückbleiben der Entwicklung der Spanne hinter der der Kosten hat zu einer beachtlichen Verminderung des Betriebsergebnisses geführt. Vom Einzelhandelsdurchschnitt wurde 1965 ein steuerlicher Reingewinn von 7,2 % des Absatzes erreicht. 1966 lag das Ergebnis bei 7,0 % und 1967 bei 6,5 %. Der betriebswirtschaftliche Reingewinn, bei dessen Berechnung der Unternehmerlohn und die Zinsen für Eigenkapital als
Kosten erfaßt werden, verminderte sich in der gleichen Zeit von 1,7 % über 1,2 % auf 0,9 % des Absatzes.
Erläuterungen zur Begriffsabgrenzung und Berechnungsweise der Auswertungspositionen
Zahl der beschäftigten Personen je Betrieb
Bei der Berechnung wurden sämtliche im Betrieb tätigen Personen einschließlich des Inhabers und seiner mithelfenden Familienangehörigen berücksichtigt, Lehrlinge im 1. und 2. Lehrjahr sind als halbe Kräfte, Lehrlinge im 3. Jahr als ganze Kräfte bewertet. Teilbeschäftigte sind mit dem Bruchteil in Ansatz gebracht, der dem Anteil ihrer Arbeitszeit entspricht. Die Ermittlung der Branchendurchschnittswerte erfolgte durch die Division des Absatzes je Betrieb durch den Absatz je beschäftigte Person.
Zahl der qm Geschäftsraum je Betrieb
Bei der Berechnung wurden sämtliche Verkaufs-, Ausstellungs-, Lager-, Büro- und Werkstatträume zugrunde gelegt, nicht jedoch ausgesprochene Nebenräume, wie Abstelträume, Lichthöfe. Die Ermittlung der Branchendurchschnittswerte erfolgte durch Division des Absatzes je Betrieb durch den Absatz je qm Geschäftsraum.
Absatz je Betrieb in Tausend DM
Der Absatz entspricht dem Warenausgang (Bar- und Kreditverkäufe) zu Verkaufspreisen einschließlich Werkstattabsatz, jedoch abziiglidt gegebenenfalls gewährter Nachlässe, wie Rabatte usw. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblidien Werte.
Absatzentwicklung
Bei den hier ausgewiesenen Zahlen wurde der Absatz des jeweiligen Vorjahres gleich 100 gesetzt. Die Werte geben somit an, um wieviel Prozent sich der Absatz im jeweiligen Vergleichsjahr gegenüber dem entsprechenden Vorjahr verändert hat. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel aus den einzelbetrieblichen Entwicklungszahlen.
Absatz je beschäftigte Person in DM
Die Berechnung erfolgt durch Division des Absatzes je Betrieb des Berichtszeitraumes durch die Zahl der im Berichtszeitraum durchschnittlich beschäftigten Personen. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Absatz je qm Geschäftsraum in DM
Die Berechnung erfolgt durch Division des Absatzes je Betrieb des Berichtszeitraumes durch die Quadratmeterzahl der im Berichtszeitraum durchschnittlich benutzten Geschäftsräume. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Zahlen.
Absatz je qm Verkaufsraum in DM
Die Berechnung erfolgt durch Division des Absatzes je Betrieb durch die Quadratmeterzahl der im Berichtszeitraum durchschnittlich benutzten Verkaufsräume. Hierzu zählen die Verkaufs- und Ausstellungsräume sowohl in eigenen als auch in fremden Gebäuden, nicht dagegen die Lager- und Büroräume sowie ausgesprochene Mebenräume. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetricblichen Zahlen.
Lager um Schlagsgeschwindigkeit
Zur Berechnung des Lagerumschlages wurde der Absatz zu Einstandspreisen durch den durchschnittlichen Lagerbestand zu Einstandspreisen dividiert. Als durchschnittlicher Lagerbestand ist der Jahresanfangs- plus -endbestand geteilt durch zwei zugrunde gelegt. Die Durchschnittswerte sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Zahlen der Lagcrumschlagsgescliwindigkeit ermittelt.
Gesamtkosten ohne kalkulatorische Kosten
Die Position „Gesamtkasten ohne kalkulatorische Kosten" enthält im einzelnen folgende Kostenarten:
a) Personalkosten
Bruttogehälter und -löhne einschließlich Arbeitgeberanteil an sozialen Lasten sowie Tantiemen, Gratifikationen, Prämien, Provisionen sowie Sachleistungen und sonstige freiwillige Sozlalleistungen an das Personal.
b) Miete oder Mietwert
Bei der Benutzung eigener Räume ist als Mietwert die Summe eingesetzt, die gezahlt werden müßte, wenn die Räume in gleichem Umfange und in gleicher Lage gemietet wären. Durch den Einsatz des Mietwertes sind alle mit der
Gebäudehaltung verbundenen Kosten, wie Grundsteuern, Abschreibungen auf Gebäude usw., abgegolten,
c) Sachkosten für Geschäftsräume
Alle Sachausgaben für Beleuchtung, Heizung, Reinigung und Instandhaltung der Geschäftsräume,
d) Steuern, Abgaben und Pflichtbeiträge
Hierzu gehören die Umsatzsteuer, die Gewerbesteuer einschließlich der Lohnsummensteuer sowie alle Beiträge zu
solchen Wirtschaftsorganisationen, bei denen die Mitgliedschaft auf gesetzlicher Grundlage beruht. Nicht berücksichtigt sind Einkommensteuer, Vermögensteucr, Körperschaftsteuer, Grundsteuer und Lastenausgleichsabgaben.
e) Sachkosten für Werbung und Reisen
Sämtliche Sachkosten für Werbung und Reisen einschließlich der Reisespesen und Spesenzuschüsse, für Reisende.
f) Kosten für nicht betriebseigene Transportmittel und Verpackung
Alle Transportkosten für nicht betriebseigene Transportmittel sowie Verpackungskosten, soweit sie nicht dem Einstandswert zuzurechnen sind.
g) Kosten für betriebseigene Fahrzeuge
Sämtliche Sachkosten für den für betriebliche Zwecke genutzten Fuhr- und Wagenpark einschließlich der Kraftfahrzeugsteuer und -Versicherungen.
h) Zinsen für Fremdkapital
einschließlich der Nebenkosten des Finanz- und Geldverkchrs.
i) Abschreibungen
Hierzu gehören die Abschreibungen auf Inventar, auf Fahrzeuge und auf Forderungen, nicht da,gegen die Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude, da diese durch den Mietwert abgegolten sind.
k) Allgemeine Verwaltungskosten und sonstige Kosten
Hier sind alle bisher noch nicht aufgeführten Kosten erfaßt, welche im wesentlichen Verwaltungskostcn sind, und zwar
Kosten für Büro- und Schreibmaterial, Telegramm- und Fernsprechgebühren, Buchungsgebühren, Porti, Zeitungen und Zeitschriften, Mahn-, Klage- und Rechtsberatungskosten und Beiträge zu Organisationen auf Grund freiwilliger Mitgliedschaft. An sonstigen Kosten können u. a. noch anfallen: Instandhaltungskosten für Einrichtungen und maschinelle Anlagen, Reparaturen an Teilen der Geschäftsausstattung (Schreibmaschinen, Fernsprechanlagen usw.).
Die Gesamtkosten sind in Prozenten vom Absatz ausgedrückt. Die Durchschnittszahlen sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Kostenprozentsätzen ermittelt.
Fremdpersonalkosten
In dieser Position ist die unter den Gesamtkosten erläuterte Kostenart a) Personalkosten noch einmal gesondert ausgewiesen. Die Durchschnittszahlen sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den cinzelbetrieblichen Kostenprozentsätzen ermittelt.
Miete oder Mietwert
In dieser Position ist die unter den Gesamtkosten erläuterte Kostenart b) Miete oder Mietwert noch einmal gesondert ausgewiesen. Die Durchschnittszahlen sind als einfaches arithmetisches Mittel aus den einzelbetrieblichen Kostenprozentsätzen ermittelt.
Gesamtkosten einschließlich kalkulatorischer Kosten
Bei den „Gesamtkosten einschließlich kalkulatorischer Kosten" sind neben den effektiven Kosten auch ein kalkulatorisches Entgelt für die nicht entlöhnte Mitarbeit des Inhabers und seiner mithelfenden Familienangehörigen sowie kalkulatorische Zinsen für das im Betrieb arbeitende Eigenkapital in Ansatz gebracht. Da von den einzelnen Erhebungsstellen unterschiedliche Methoden zur Ermittlung der kalkulatorischen Kosten verwendet werden, sind aus Vergleichsgründen einheitlich die vom Institut für Handelsforschung errechneten Werte berücksichtigt worden. Dies erfolgte jeweils für den Durchschnitt der Branchen.
Betriebshandelsspanne
Die Betriebshandelsspanne ist die Differenz zwischen dem Einkaufs- und Verkaufswert des Warenabsatzes. Sic wird wie folgt berechnet:
Absatz (abzüglich der gewährten Rabatte und Skonti)
plus Lagerbestand am Ende des Jahres
minus Beschaffung (einschließlich Bezugskosten abzüglich Retouren, Skonti und sonstiger Preisnachlässe)
minus Lagerbestand am Anfang des Jahres.
Die Ermittlung der Werte erfolgt einzelbetrieblich. Die Durchschnittswerte sind das einfache arithmetische Mittel der einzelbetrieblichen Ergebnisse.
Steuerliches Betriebsergebnis
Das steuerliche Betriebsergebnis ist die Differenz zwischen der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten ohne Unternehmerlohn und ohne Zinsen für Eigenkapital. Es ist nicht einzelbetrieblich errechnet, sondern aus der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten (ohne Unternehmerlohn und ohne Zinsen für Eigenkapital) im Durchschnitt der Branchen.
Betriebswirtschaftliches Betriebsergebnis
Das betriebswirtschaftliche Betriebsergebnis ist die Differenz zwischen der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten einschließlich Unternehmerlohn und einschließlich Zinsen für Eigenkapital. Es ist nicht einzelbetrieblich errechnet, sondern aus der Betriebshandelsspanne und den Gesamtkosten (einschließlich Unternehmerlohn und einschließlich Zinsen für Eigenkapital) im Durchschnitt der Branchen.
