Der Einzelhandelsabsatz im Januar 1970
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffDie im Jahre 1969 eingetretene Absatzbelebung im Einzelhandel hat sich im ersten Monat des Jahres 1970 weiter fortgesetzt. Von den am Betriebs vergleich des Instituts für Handelsforschung beteiligten Einzelhandelsfachgeschäften (außer Warenhäusern, Konsumgenossenschaften, Filialbetrieben und Versandhandel) wurde im Januar 1970 der wertmäßige Absatz des Januar 1969 um 11 % übertroffen. Das Ergebnis ist um so positiver zu bewerten, als auch in dem zum Vergleich herangezogenen Januar 1969 eine beachtliche Absatzzunahme erzielt wurde. Der Einzelhandelsdurchschnitt setzte im Januar 1969 rund 13 % mehr um als im Januar 1968.
Sieht man vom Tapeten- und Bodenbelaghandel ab, bei dem das Verkaufsergebnis im Januar 1970 nur gleich hoch war wie im entsprechenden Vorjahresmonat, so haben alle übrigen am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsbranchen Absatzsteigerungen erzielt. Allerdings war der Umfang der Zuwachsquoten stark unterschiedlich. An der Spitze lag der Radio- und Fernseheinzelhandel; diese Branche erreichte gegenüber Januar 1969 eine wertmäßige Absatzsteigerung von 21 %, Vergleichswelse gut war auch die Entwicklung im Spielwareneinzelhandel, wo die Zuwachsquote 19 % betrug. Es folgte der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel, der das Ergebnis des Januar 1969 um 1 6% verbessern konnte. Be dieser Branche ist in Betracht zu ziehen, daß sie im Januar 1969 bereits eine Absatzzunahme von 66 % erzielt hatte. Über dem Einzelhandelsdurchschnitt lagen im Januar 1970 auch der Textileinzelhandel (+ 13%), der Sportartikeleinzelhandel (+ 13%), der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (+ 12%) und der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (+ 12%). Eine dem Durchschnitt entsprechende Zuwachsquote von 11 % ergab sich im Lebensmitteleinzelhandel, im Schuheinzelhandel, bei den Drogerien und den Gemischtwarengeschäften. Alle übrigen Branchen sind in mehr oder weniger starkem Umfang hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben. Die geringsten Absatzsteigerungen wiesen der Tabakwareneinzelhandel und der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel auf. Beide Branchen setzten im Januar 1970 wertmäßig nur 2 % mehr um als im Januar 1969. Im Möbeleinzelhandel betrug die Erhöhung 6 % und im Sortimentsbuchhandel 7 %. Im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel und bei den Reformhäusern betrug die Zuwachsquote jeweils 8 %. Ähnlich war auch die Entwicklung im Eisenwaren- und Hausrathandel, der im Januar 1970 rund 9 % mehr umsetzte als im entsprechenden Monat des Jahres 1969. Ergänzend ist zu dem vorstehenden Bericht noch auszuführen:
Zwischen den Fachzweigen des Textileinzelhandels sind auch im Januar 1970 erhebliche Abweichungen in der Absatzentwicklung
aufgetreten. Vergleichsweise gut haben die Textilgeschäfte mit Herren- und Knabenoberbekleidüng abgeschnitten; sie erreichten im Durchschnitt gegenüber Januar 1969 eine Absatzsteigerung von 21 %. Beachtlich waren auch die Zuwachsquoten bei den Herrenausstattern (+ 17 %), den Geschäften mit Wäsche, Wirk- und Strickwaren (+ 15 %) und den Geschäften mit Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung (+ 14%). An letzter Stelle lagen erneut die Meterwarengeschäfte; sie setzten im Januar 1970 wertmäßig nur 1 % mehr um als im Januar 1969. Von den Geschäften mit Baby- und Kinderausstattung wurde ein Plus von 5 % ausgewiesen. Etwas stärker waren die Zunahmen bei den Geschäften mit Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen (+ 8 %) und den
Geschäften mit Haus- und Bettwäsche, Bettwaren (+ 9%). Eine mittlere Position nahmen im Januar 1970 die Geschäfte mit Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung (+ 11 %), die Miederwarengeschäfte (+ 11%) und die Textilgeschäfte mit gemischtem Sortiment (+ 12%) ein.
Erhebliche Unterschiede haben sich auch zwischen den Fachsparten des Eisenwaren- und Hausrathandels ergeben. Hier nahmen die Geschäfte mit Haus- und Küchengeräten mit einer Steigerungsrate von 16 % die erste Stelle ein. Von den Geschäften mit 40 % und mehr Haushaltgroßgeräteabsatz wurde das Verkaufsergebnis des Januar
1969 um 12% übertroffen. Eine dem Branchendurchschnitt entsprechende Verbesserung von 9 % verzeichneten die Geschäfte mit 30 % und mehr Walzmaterial-, Sanitärartikel-, Bau- und Brennstoffabsatz. Hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben sind die Geschäfte mit vorwiegend Baubeschlägen, Kleineisenwaren und Werkzeugen (+ 5 %) und die Eisenwaren- und Hausrathandlungen mit gemischtem Sortiment ( + 6%).
Gegenüber dem Vormonat Dezember ergab sich im Januar der saisonbedingte Absatzrückgang. Der Einzelhandelsdurchschnitt wies eine Absatzminderung von 42 % aus. Dem Bedarfscharakter der Waren entsprechend war der Umfang der Absatzeinbußen zwischen den Branchen unterschiedlich. Infolge der geringen Nachfrageelastizität bei Nahrungsmitteln ergab sich im Lebensmitteleinzelhandel lediglich ein Rückgang von 19 %. Ähnlich war auch die Entwicklung bei den Reformhäusern, die Im Januar 1970 etwa 20 % weniger umsetzten als im Dezember 1969. Vergleichsweise geringe Absatzminderungen wiesen außerdem der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (— 29 %) und der Tabakwareneinzelhandel (— 33 %) auf. Im Textileinzelhandei betrug der Rückgang 45 %, im Schuheinzelhandel 52 %, im Eisenwaren- und Hausrathandel 53 % und im Möbeleinzelhandel 56 %, An letzter Stelle lag der Spielwareneinzelhandel, der im Januar durchschnittlich 80 % weniger umsetzte als im Dezember. Fast gleich groß war die Einbuße mit 78 % im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel. Es folgten der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (— 66 %), der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (— 63 %), der Radio- und
Fernseheinzelhandel (— 61 %), der Sportartikeleinzelhandel (— 61 %) und der Sortimentsbuchhandel (— 58 %).
