Der Einzelhandelsabsatz im Juni 1970
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffNachdem der Einzelhandel im Mai 1970 das Verkaufsergebnis des entsprechenden Vorjahrsmonats nur um 5 % übertroffen hat, brachte der Juni wieder eine deutliche Geschäftsbelebung. Nach dem Bericht des Instituts für Handelsforschung erzielten die am Betriebs vergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte (außer Warenhäusern, Konsumgenossenschaften, Filialbetrieben und Versandhandel) gegenüber Juni 1969 eine wertmäßige Absatzzunahme von 18 %. Damit wurde im Juni die stärkste Zuwachsquote im bisher abgelaufenen Jahr erreicht.
An der Absatzbelebung im Juni 1970 gegenüber Juni 1969 haben alle Einzelhandelsbranchen in mehr oder weniger starkem Umfang teilgenommen. Besonders gut hat erneut der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel abgeschnitten. Er setzte im Berichtsmonat 37 % mehr um als im entsprechenden Monat des Vorjahres. Es folgten der Schuheinzelhandel (+ 33%) und der Radio- und Fernseheinzelhandel, der Sportartikeleinzelhandel sowie der Fahrradeinzelhandel (jeweils + 30 %). Im Textileinzelhandel ergab sich eine Steigerungsrate von 25 % und im Eisenwaren- und Hausrathandel von 21 %. Eine mittlere Position nahmen im Juni der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (+ 19%), der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (+ 19%), der Möbeleinzelhandel (+ 18 %) und der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel, der Tapeten- und Bodenbelaghandel sowie die Drogerien (jeweils + 17%) ein. Alle übrigen Branchen sind in mehr oder weniger starkem Umfang hinter dem Durchschnittsergebnis des Einzelhandels zurückgeblieben. Die geringste Absatzerhöhung registrierte mit 11 % der Sortimentsbuchhandel. Ähnlich war auch die Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel und im Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel (jeweils + 12%). Der Tabakwareneinzelhandel setzte im Juni 1970 wertmäßig 13 % mehr um als im Juni 1969. Etwas stärker waren die Zuwachsquoten im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 14%), bei den Reformhäusern (+ 14%) und im Spielwareneinzelhandel (+ 15%).
Einschließlich Juni weist der Einzelhandel im bisher abgelaufenen Jahr 1970 gegenüber der gleichen Zeit des Jahres 1969 eine wertmäßige Absatzverbesserung von 10 % auf. Vom Radio- und Fernseheinzelhandel wurde im ersten Halbjahr 1970 das Vorjahrsergebnis um 23 % übertroffen. Fast gleich groß war das Plus mit 22 % im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel. Im Fahrradeinzelhandel ergab sich ein Anstieg von 17 % und im Leder- und Galanteriewareneinzelhandel von 16 %. Der Schuheinzelhandel und der Sportartikeleinzelhandel haben bis Ende Juni jeweils 14% mehr umgesetzt als im Vorjahr, Um einen Punkt geringer war die Steigerungsrate mit 1 3 % im Textileinzelhandel, im Eisenwaren- und Hausrathandel, im Tapeten- und Bodenbelaghandel und im Spielwareneinzelhandel. Der Möbeleinzelhandel, der Glas-, Porzellan- und Keramikeinzelhandel, der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel und der Sortimentsbuchhandel registrierten Absatzerhöhungen von jeweils 11 %. Im Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel und im Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel entsprachen die Verbesserungen mit jeweils 1 0% dem Einzelhandelsdurchschnitt. Etwas geringer waren die Zunahmen bei den Drogerien (+ 9%), den Reformhäusern (+ 8%), im Tabakwareneinzelhandel (+ 8%) und im Lebensmitteleinzelhandel + 7 %).
Ergänzend ist zu diesem Bericht noch auszuführen:
Alle Fachzweige des Textileinzelhandels haben im Juni 1970 gegenüber Juni 1969 beachtliche Absatzerhöhungen ausgewiesen. Die erste Stelle nahmen mit Zuwachsquoten von jeweils 30 % die Geschäfte mit Wäsche-, Wirk- und Strickwaren und die Miederwarengeschäfte ein. Auch die Herrenausstatter lagen mit einem Plus von 28 % noch deutlich über dem Durchschnitt. Eine dem Branchendurchschnitt weitgehend entsprechende Entwicklung ergab sich bei den Oberbekleidungsgeschäften. Von den Geschäften mit Herren-, Damen- und Kinderoberbekleidung wurden im Juni 1970 wertmäßig 26 % mehr umgesetzt als im Juni 1969. Bei den Geschäften mit Herren- und Knabenoberbekleidung betrag das Plus 24 % und bei den Geschäften mit Damen-, Mädchen- und Kinderoberbekleidung 23%. Nicht ganz so groß waren die Steigerungsraten bei den Geschäften mit Haus- und Bettwäsche, Bettwaren (+ 20 %), bei den Geschäften mit Teppichen, Möbelstoffen und Gardinen (+ 18 %), den Geschäften mit Baby- und Kinderausstattung (+ 16 %) und den Meterwarengeschäften (+ 15%).
Auch zwischen den Fachzweigen des Eisenwaren- und Hausrathandels zeigten sich im Juni 1970 Unterschiede im Absatzverlauf. Während die Geschäfte mit vorwiegend Haus- und Küchengeräten gegenüber Juni 1969 eine Absatzerhöhung von 24 % erreichten, betrug das Plus bei den Geschäften mit 40 % und mehr Haushalt-Großgeräteabsatz 16 %. Die Firmen mit vorwiegend Baubeschlägen, Kleineisenwaren und Werkzeugen verzeichneten eine Absatzsteigerung von 19 %. Geringfügig über dem Branchendurchschnitt lagen mit einer Verbesserung von jeweils 22 % die Eisenwaren- und Hausrathandlungen mit 30 % und mehr Walzmaterial-, Sanitärartikel, Bauund Brennstoffabsatz und die Geschäfte mit gemischtem Sortiment.
Gegenüber dem Vormonat Mai ergab sich im Juni 1970 ein saisonbedingter Absatzrückgang. Er war allerdings nicht so stark wie sonst üblich. Während im Durchschnitt der Jahre 1965 bis 1969 das Verkaufsergebnis des Einzelhandels insgesamt im Juni 9 % niedriger war als im Mai, betrug die Verminderung im Jahre 1970 nur 2 %. Allerdings zeigten sich zwischen den Branchen erhebliche Unterschiede. Besonders starke Rückgänge registrierten der Leder- und Galanteriewareneinzelhandel (— 21 %) und der Schuheinzelhandel (—18 %). Der Fahrradeinzelhandei setzte im Juni 8 % weniger um als im Mai. Geringer waren die Rückgänge im Textileinzelhandel (— 5 %), bei den Reformhäusern (— 5 %), im Möbeleinzelhandel (— 4 %) und im Sortimentsbuchhandel (— 3 %). Im Gegensatz zum Einzelhandelsdurchschnitt haben einige Branchen im Juni 1970 gegenüber dem Vormonat Absatzerhöhungen erzielt. Erhebliche Steigerungsraten verzeichneten der Sportartikeleinzelhandel (+ 22%), der Beleuchtungs- und Elektroeinzelhandel (+ 21 %) und der Büromaschinen-. Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (+ 18 %). Vergleichsweise gering waren dagegen die Absatzzunahmen im Papier-, Bürobedarf- und Schreibwareneinzelhandel (+ 6 %), bei den Drogerien (+ 5 %), im Tabakwareneinzelhandel (+ 4 %), im Eisenwaren- und Hausrathandel (+ 4 %) und im Lebensmitteleinzelhandel (+ 3 %).
