Absatz, Kosten und Gewinn der Selbstbedienungsläden des Lebensmitteleinzelhandels in den Jahren 1968 und 1969
von Prof. Dr. Rudolf Seyffert und Prof. Dr. Edmund SundhoffIn der Nummer 11 der Institutsmitteilungen vom November 1970 sind die Betriebs Vergleichsergebnisse des Einzelhandels für 1969 veröffentlicht worden. Die Tabellen enthielten u. a, die Ergebnisse des Lebensmitteleinzelhandels, für den 1969 insgesamt 597 Firmen berichtet haben. Inzwischen hat das Institut auch eine Sonderuntersuchung über die Situation der Selbstbedienungsläden des Lebensmitteleinzelhandels abgeschlossen (siehe Seite 130). Von der Gesamtzahl der am Betriebsvergleich beteiligten Lebensmittelgeschäfte waren 334 reine Selbstbedienungsgeschäfte, 203 Betriebe wiesen eine Mischform zwischen Selbstbedienung und Bedienung auf, und 60 Betriebe waren reine Bedienungsgeschäfte.
Der Durchschnittsabsatz, der erfaßten Selbstbedienungsläden betrug 1969 798 000 DM. Dieses Verkaufsergebnis wurde mit 6,3 beschäftigten Personen auf durchschnittlich 224 qm Geschäftsfläche erzielt. Gegenüber 1968 ist die Zahl der beschäftigten Personen leicht zurückgegangen. Dagegen wies die Zahl der qrn Geschäftsraum je Betrieb und der Absatz je Betrieb eine ansteigende Tendenz auf. Die Abweichung weist darauf hin, daß der Auslastungsgrad der eingesetzten Personalkapazität auch 1969 weiter verbessert worden ist.
Die am Betriebsvergleich beteiligten Selbstbedienungsläden haben 1969 das wertmäßige Verkaufsergebnis des Jahres 1968 um 8 % übertroffen. Im Zusammenhang mit der beachtlichen Absatzsteigerung wurde auch eine Verbesserung des Absatzes je beschäftigte Person erzielt. Im Durchschnitt betrug die Personalleistung 124 700 DM. Sie war damit um 8100 DM höher als 1968 (116 600 DM). Im Gegensatz zur Personalleistung war die Raumleistung im Jahre 1969 leicht rücklaufend. Der Umsatz je qm Geschäftsraum verminderte sich von 3770 auf 3690 DM. Gleichzeitig ist der Absatz je qm Verkaufsraum von 6390 auf 6250 DM zurückgegangen. Die Divergenz zwischen der Entwicklung der Personal- und der Raumleistung weist darauf hin, daß sich die Relation der Betriebsfaktoren Personal und Raum erneut verschoben hat. 1968
waren bei den erfaßten Selbstbedienungsläden je beschäftigte Person 31 qm Geschäftsraum (hiervon 18 qm Verkaufsraum) vorhanden. Im Jahre 1969 entfielen dagegen auf die beschäftigte Person 34 qm Geschäftsraum (hiervon
20 qm Verkaufsraum). Das Warenlager wurde von den am Betriebsvergleich beteiligten Selbstbedienungsläden in beiden Vergleichsjahren 15,2 mal umgeschlagen. Damit sind die Lagerbestände 1969 gegenüber 1968 relativ in gleichem Umfang vergrößert worden wie der Gesamtabsatz.
Trotz der beachtlichen Absatzzunahme und der besseren Auslastung der Personalkapazität hat sich der Kostendruck bei den erfaßten Selbstbedienungsläden weiter erhöht. Die Gesamtkosten lagen 1969 bei 16,5 % des Absatzes. Dem stand 1968 eine Belastung von 16,2 % gegenüber. Bei den einzelnen Kostenarten ist die Entwicklung unterschiedlich gewesen. Die Personalkosten einschließlich Unternehmerlohn sind von 9,0 % auf 9,2 % des Absatzes angestiegen. Weiter erhöht haben sich auch die Mietkosten (von 1,3 auf 1,4 %), die Kosten für Werbung (von 0,3 auf 0,4 %) und die Zinsen für Fremdkapital (von 0,4 auf 0,5 %). In Prozenten des Absatzes unverändert geblieben sind die Sachkosten für Geschäftsräume (0,8 %), die Gewerbesteuer (0,4 %), die Kosten des Fuhr- und Wagenparks (0,5 %), die Zinsen für Eigenkapital (0,4 %) und die Abschreibungen (1,3 %). Die Sammelposition „Sonstige Kosten" hat sich von 1,8 % auf
1,6 % vermindert.
Die Differenz zwischen dem Absatz zu Einstandswerten (ohne Vorsteuer) und dem Absatz zu Verkaufswerten (einschließlich Mehrwertsteuer) betrug 1969 bei den Selbstbedienungsläden 22,0 % des Absatzes. Hiervon entfielen 6,6 % auf das vom Lebensmitteleinzelhandel als letztes Glied der Absatzkette vorzunehmende Mehrwertsteuerinkasso. Als eigentliche Betriebshandelsspanne verblieben demnach 15,4% des Absatzes. Dem stand eine Gesamtkostenbelastung von 16,5 % gegenüber. Die Selbstbedienungsgeschäfte haben demnach 1969 betriebswirtschaftlich mit einem Verlust von 1,1 % des Absatzes gearbeitet. Der steuerliche Reingewinn, bei dessen Berechnung der kalkulatorische Unternehmerlohn und die Zinsen für Eigenkapital nicht als Kosten berücksichtigt werden, lag 1969 bei 4, 0% des Absatzes. Gegenüber 1968
hat sich das betriebswirtschaftliche Ergebnis etwas verschlechtert. Der steuerliche Reingewinn ist dagegen in Prozenten des Absatzes unverändert geblieben.
