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Die Vermögen- und Kapitalsituation des Einzelhandels in den Jahren 1968 und 1969

von Prof. Dr. Edmund Sundhoff
Zusätzlich zum allgemeinen Jahresbetriebsvergleich führt das Institut seit dem Jahre 1954 Untersuchungen über die Bilanzstruktur im Einzelhandel durch. Die wichtigsten Ergebnisse der letzten Bilanzerhebung, die sich auf die Bilanzstichtage 31.12.1966 und 31.12.1967 bezog, wurden in den Mitteilungen des Instituts für Handelsforschung vom Dezember 1968, 20. Jahrgang, Nr. 12, veröffentlicht. Im Rahmen des Jahresbetriebsvergleichs für 1969 erfolgte die erste Bilanzauswertung nach Einführung der Mehrwertsteuer. Durch das neue Umsatzsteuersystem hat sich bei der Bilanzierung des Betriebsvermögens eine Veränderung des Wertansatzes ergeben. Dies trifft maßgeblich für den Lagerbestand zu, dessen Bilanzwert vor dem 1.1.1968 die kumulierte Umsatzsteuer der Vorstufen enthielt und ab 1.1.1968 ohne abziehbare Vorsteuerbeträge in Ansatz gebracht wird. Nach der vom Institut angewendeten Auswertungsmethode ergibt sich das gesamte Betriebsvermögen aus der Summe der einzelnen Vermögensposten und das Eigenkapital als Differenz zwischen dem gesamten Betriebsvermögen und der Summe der Verbindlichkeiten. Daher wirkt sich der veränderte Wertansatz der Lagerbestände nicht nur bei der Ermittlung des gesamten Betriebsvermögens, sondern auch bei der Eigenkapitalerrechnung aus.
An der Bilanzauswertung des Jahres 1969 beteiligten sich 2099 Einzelhandelsbetriebe, deren Aufgliederung nach den 45 erfaßten Branchen und Teilbranchen aus Tabelle 2 zu ersehen ist. Die durchschnittliche Bilanzsumme betrug im Jahre 1969 je Betrieb 469 100 DM, pro beschäftigte Person 33 100 DM und auf den Absatz bezogen 27,0 %, Dem letzteren Wert entspricht eine Kapitalumschlagsgeschwindigkeit von 3,7.
Im Vergleich zu der vorhergehenden Bilanzauswertung des Jahres 1967 ist die durchschnittliche Bilanzsumme je beschäftigte Person um 2200 DM und der Kapitalumschlag um 0,1 angestiegen, während die durchschnittliche Bilanzsumme in Prozenten des Absatzes einen Rückgang von 27,8 im Jahre 1967 auf 27,0 im Jahre 1969 aufweist. Bei der Beurteilung dieser Abweichungen sind die zuvor erwähnten Auswirkungen der Veränderung des Wertansatzes der Lagerbestände nach Einführung der Mehrwertsteuer zu berücksichtigen.
Die Aufgliederung der durchschnittlichen Bilanzsumme nach den Einzelposten des Betriebsvermögens und Betriebskapitals ist in Tabelle 1 in Prozenten des Absatzes wiedergegeben. Durch die Beziehung der einzelnen Vermögens- und Kapitalposten auf den Absatz wird nicht nur die Struktur des Betriebsvermögens und Betriebskapitals, sondern auch die Höhe der Vermögens- und Kapitalausstattung erkennbar. Die bilanzierten Grundstücke und Gebäude haben sich von 4,8 % des Absatzes am 31.12.1967 auf 4,5 % am 31.12.1969 verringert. Die Geschäftsausstattung, Transporteinrichtungen und maschinellen Anlagen gingen von 3,3 % auf 3,0 % und somit das Anlagevermögen insgesamt von 8,1 % auf 7,5 % zurück. Der größte Teil des Betriebskapitals des Einzelhandels
wird im Warenlager gebunden, das am 31.12.1967 13,8 % ausmachte. Nach Einführung der Mehrwertsteuer wurde am 31.12.1968 ein Lagerbiianzwert von 13,4% des Absatzes ermittelt, der am Jahresultimo 1969 auf 13,7% anstieg. Die Forderungen aus Warenlieferungen und Leistungen lagen am 31.12.1967 bei 2, 1% und am 31.12.1969 bei 2, 0% des Absatzes. Die flüssigen Mittel gingen von 2,2 % des Absatzes am Jahresende 1967 auf 1,9 % am Jahresletzten 1968 zurück und erreichten am Ultimo 1969 2,0 %. Eine kontinuierliche Erhöhung ergibt sich bei den sonstigen Aktiva, die am 31.12.1967 1,6% und am 31.12.1969 1,8% des Absatzes ausmachten. Auf der Passivseite der Bilanz ist als stärkste Veränderung die Abnahme des Eigenkapitals von 15,9 % des Absatzes am 31.12.1967 auf 14,8 % am 31.12.1968 und auf 14,7 % am 31.12.1969 festzustellen. Der erhebliche Rückgang der Eigenkapitalzahlen nach Einführung der Mehrwertsteuer ist nur teilweise auf die bereits erwähnten Auswirkungen der veränderten Lagerbewertung zurückzuführen. Darüber hinaus hat sich die relativ ungünstige Ertragslage insbesondere im Jahre 1968 niedergeschlagen. Zum Ausgleich der ungünstigen Eigenkapitalentwicklung ist einerseits auf der Vermögensseite bei den Anlageinvestitionen eine spürbare Zurückhaltung und andererseits auf der Kapitalseite ein Ausgleidi durch die erhöhte Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten festzustellen. Nachdem die Schulden aus Warenlieferungen und Leistungen von 5,7% des Absatzes am 31.12.1954 kontinuierlich auf 3,5 % am 31.12.1967 reduziert wurden, stiegen sie am 31.12.1968 auf 3,8 % und am 31.12.1969 auf 3,9 % des Absatzes an.
Bei der einzelbetrieblichen Verwendung der Bilanzergebnisse ist zu berücksichtigen, ob die Betriebe über eigene Grundstücke und Gebäude verfügen und diese als Betriebsvermögen bilanzieren. Um die Auswirkung der
unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse auszuschalten, ist in Tabelle 2 eine Kürzung der durchschnittlichen Bilanzsumme je Betrieb, der durchschnittlichen Bilanzsumme je beschäftigte Person und der durchschnittlichen Bilanzsumme in % des Absatzes um die bilanzierten Grundstücke und Gebäude vorgenommen worden. Im Jahre 1969 betrugen die bilanzierten Grundstücke und Gebäude des Einzelhandels 4,6 % des Absatzes oder 17,1 % der Bilanzsumme. Einschließlich der bilanzierten Grundstücke und Gebäude belief sich die durchschnittliche Bilanzsumme des Einzelhandels im Jahre 1969 auf 469 000 DM je Betrieb, auf 33 100 DM pro beschäftigte Person und auf 27,0 % des Absatzes. Ohne Grundstücke und Gebäude verringert sich die durchschnittliche Bilanzsumme auf 388 800 DM pro Betrieb, auf 27 400 DM je beschäftigte Person und auf 22,4 % des Absatzes. Diese um die bilanzierten Grundstücke und Gebäude bereinigten Bilanzzahlen können als spezielle Vergleichswerte für Betriebe in gemieteten Grundstücken und Gebäuden verwendet werden. Sie sind in Tabelle 2 nicht nur für den Einzelhandel insgesamt, sondern auch für die am Betriebsvergleich beteiligten Branchen und Teilbranchen wiedergegeben.
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