Bericht über die Betriebsvergleichsergebnisse des Einzelhandels im I. Tertial 1971
von Prof. Dr. Edmund SundhoffDas Institut hat jetzt die Betriebsvergleichsauswertung des Einzelhandels für das I. Tertial 1971 abgeschlossen. Die Ergebnisse ermöglichen eine Beurteilung der Entwicklung des Absatzes, der Personal- und der Raumleistung sowie der Kostensituation der Einzelhandelsfachgeschäfte in den ersten vier Monaten des Jahres 1971. Vom Einzelhandelsdurchschnitt wurde bis Ende April der wertmäßige Absatz des entsprechenden Vorjahreszeitraumes um 11 % übertreffen. An der Geschäftsbelebung haben alle Einzelhandelsbranchen teilgenommen, allerdings in unterschiedlich starkem Umfang. Vom Schuheinzelhandel wurden im I. Tertial 1971 wertmäßig 25 % mehr umgesetzt als im I. Tertial 1970. Es folgten die Reformhäuser (+ 18 %), der Tapeten- und Bodenbelaghandel (+ 17 %), die Musikfachgeschäfte (+ 17 %) und der Möbeleinzelhandel sowie der Sportartikeleinzelhandel (jeweils + 16%). Über dem Einzelhandelsdurchschnitt lagen auch der Textileinzelhandel (+ 15 %), der Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (+ 15 %), der Eisenwaren- und Hausrathandel (+ 14 %), der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwarenhandel (+ 14%) und der Spielwareneinzelhandel sowie der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (jeweils + 13%). Eine mittlere Position nahmen im Berichtstertial der Sortimentsbuchhandel (+ 11%) und der Lederwaren- und Galanteriewareneinzelhandel (+ 10%) ein. An letzter Stelle lag der Radio- und Fernseheinzelhandel, bei dem die Zuwachsquote 7 % betrug. Hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben sind auch der Lebensmitteleinzelhandel (+ 8%), der Tabakwareneinzelhandel ( + 8%) und die Drogerien ( + 9%).
Die an der Tertialauswertung beteiligten Einzelhandclsfachgeschäfte setzten in den ersten vier Monaten des Jahres 1971 pro beschäftigte Person 36 800 DM um. Dem stand im I. Tertial 1970 eine Personalleistung von 33 900 DM gegenüber. Die relative Verbesserung betrug rund 9 % und entsprach damit weitgehend der Zunahme des Gesamtabsatzes. Diese Tatsache weist darauf hin, daß bei den am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäften die durchschnittliche Beschäftigtenzahl im wesentlichen unverändert geblieben ist. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, erzielten auch
alle Einzelhandelsbranchen im Berichtstertial eine bessere Auslastung der Personalkapazität. Die höchste Absatzquote je beschäftigte Person wies mit 60 900 DM der Tabakwareneinzelhandel auf. Vergleichsweise hoch war der Wert auch im Lebensmitteleinzelhandel (45 400 DM), im Möbeleinzelhandel (41 300 DM), bei den Musikfachgeschäften (41 000 DM) und im Büromaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (40 900 DM). Die geringste Personalleistung ergab
sich mit 20 400 DM im Spielwareneinzelhandel. Deutlich unter dem Durchschnitt lagen auch der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (24 400 DM), der Lederwaren- und Galanteriewareneinzelhandel (24 800 DM), der Schuheinzelhandel (24 900 DM) und der Sportartikeleinzelhandel (25 300 DM). Vom Textileinzelhandel wurden im I. Tertial 1971 pro beschäftigte Person 27 400 DM und vom Eisenwaren- und Hausrathandel 29 700 DM umgesetzt.
Im Gegensatz zur Personalleistung hat die Raumleistung des Einzelhandels im I. Tertial 1971 gegenüber dem entsprechenden Vorjahrestertial nur in relativ geringem Umfang zugenommen. Auf den Quadratmeter Geschäftsraum entfiel im Einzelhandelsdurchschnitt im. Berichtstertial ein Absatz von 1180 DM. Gegenüber dem I. Tertial 1970 (1150 DM) ergab sich eine Verbesserung von nur knapp 3 %. Da der Gesamtabsatz um 11 % angestiegen ist, ergibt sich der Rückschluß, daß die am Betriebsvergleich beteiligten Einzelhandelsfachgeschäfte eine Erweiterung ihres Geschäftsraumes vorgenommen haben. In den Branchen schwankte die Raumleistung zwischen 2740 DM im Tabakwareneinzelhandel und 380 DM im Möbeleinzelhandel. Eine relativ hohe Absatzquote je Quadratmeter Geschäftsraum erreichten auch der Bürornaschinen-, Büromöbel- und Organisationsmittelhandel (2230 DM), der Sortimentsbuchhandel (1660 DM), der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel (1650 DM) und der Lebensmitteleinzelhandel (1380 DM). Niedrig
war der Auslastungsgrad der Raumkapazität außer im Möbeleinzelhandel auch im Spielwareneinzelhandel (390 DM) und im Eisenwaren- und Hausrathandel (640 DM).
Trotz der beachtlichen Absatzzunahme und trotz der besseren Personalleistung hat sich der Kostendruck im Einzelhandel nicht vermindert. Mit 22,5 % des Absatzes waren die Gesamtkosten (einschließlich Unternehmerlohn, jedoch ohne Abschreibungen und Zinsen für Eigenkapital) im Einzelhandelsdurchschnitt um 0,1 % des Absatzes höher als im I. Tertial 1970 (22,4 %). Eine Gegenüberstellung der einzelnen Kostenarten zeigt, daß die Fremdpersonalkosten von 9,5 % auf 9,7 % des Absatzes angewachsen sind, Einschließlich eines Entgeltes für die nicht entlohnte Mitarbeit des Inhabers und seiner Familienangehörigen (Unternehmerlohn) lag der Gesamtaufwand für den Personaleinsatz im I. Tertial 1971 bei 14,1 % gegenüber 13,8% im I. Tertial 1970. Die Tatsache, daß die Personalkostenbelastung zugenommen hat, obwohl der Absatz je beschäftigte Person gesteigert werden konnte, weist auf beträchtliche Lohn- und Gehaltserhöhungen hin. Die Mietkosten (2,3 %), die Gewerbesteuer (0,6 %) und die Kosten für Werbung (1,0%) sind in beiden Vergleichstertialen in Prozenten des Absatzes gleich hoch gewesen. Eine leicht rücklaufende Tendenz war lediglich bei der Sammelposition „Sonstige Kosten" (von 4,7 % auf 4,5 %) festzustellen.
Mit der höchsten Kostenbelastung arbeitete im I. Tertial 1971 der Uhren-, Juwelen-, Gold- und Silberwareneinzelhandel, In dieser Branche entfielen 38,6% des Absatzes auf Kosten. Deutlich über dem Einzelhandelsdurchschnitt lagen auch der Spielwareneinzelhandel (36,8 %), der Glas-, Porzellan- und Kerarnikeinzelhandel (33,0 %), der Lederwaren- und Galanteriewareneinzelhandel (32,8 %) und der Sportartikeleinzelhandel (32,2%). Im Möbeleinzelhandel lag die Kostenbelastung bei 28,2%, im Textileinzelhandel bei 28,1 %, im Schuheinzelhandel bei 27,0 % und im Eisenwarenund
Hausrathandel bei. 26,0 %.
